Fonds

Immobilien-ETFs: Betongold für den kleinen Geldbeutel

Update: 09.10.2020
Auf einen Blick
  • Immobilienfonds können für Kleinanleger eine sinnvolle Möglichkeit sein, ihr Porttfolio breiter aufzustellen. Langfristig bieten sie durchaus attraktive Renditen.

  • Eine gute Möglichkeit sind sogenannte Real Estate Investment Trusts (REITs). Sie werden auch in Form von Indexfonds (ETFs) angeboten.

  • Anleger sollten dabei bedenken: Die Kurse von Immobilien-ETFs können durchaus schwanken.
Kapitalanleger sollten sich die sogenannten REITs genauer ansehen: In Form von ETFs können sie auch für Kleinanleger interessant sein.
Sasin_Paraksa / shutterstock.com

Auf dem Berliner Immobilienmarkt müssen Wohnungssuchende derzeit mit zwei Preisen kalkulieren. Der eine ist die aktuell gültige Miete. Sie ist meist vergleichsweise günstig. Der andere Preis ist die Miete, die fällig wird, falls das Bundesverfassungsgericht doch noch den Berliner Mietendeckel kippt. Dann könnte so manche Wohnung deutlich teurer werden.

Der Mietendeckel ist in der Bundeshauptstadt seit Februar 2020 in Kraft. Er hat die Mieten auf dem Stand von Mitte 2019 eingefroren. Die Gegner des Mietendeckels jedoch wollen die Regelung vor dem Bundesverfassungsgericht zu Fall bringen. Wann die Entscheidung darüber fällt, ist offen. Die Verunsicherung bei Wohnungssuchenden und Vermietern ist daher groß.

Mietpreisbremse gilt bis 2025

Das gilt nicht nur für Berlin. Auch anderswo wird der Streit um Miet-Obergrenzen vor Gericht ausgetragen. So hat der Bayerische Verfassungsgerichtshof im Sommer das Volksbegehren "Sechs Jahre Mietenstopp" gekippt. Es sei "mit Bundesrecht offensichtlich unvereinbar", führten die Richter als Begründung an.

Hintergrund ist die bundesweite Mietpreisbremse, die der Bundestag Anfang des Jahres um fünf Jahre verlängert hat. Sie soll den Anstieg der Mieten in Großstädten und Ballungsräumen dämpfen. Die Regelung hat damit auch Auswirkungen auf Anleger, die auf Immobilien setzen. Denn gebremste Mieterhöhungen wirken sich auf die Rendite von Wohnimmobilien aus.

Biallo-Tipp

Eine interessante Alternative zu Wertpapier-Dividenden sind die Ausschüttungen von Genossenschaftsbanken.   Es winken Dividenden von bis zu zehn Prozent – ganz ohne Kursrisiko..

Investoren wollen angemessene Renditen

Die Gegner von Miet-Obergrenzen kritisieren daher vor allem, dass ein Mietenstopp Investoren davon abhält, neue Wohnungen zu bauen. Das verhindere langfristig auch geringere Mieten. Schließlich könnten diese nur sinken, wenn neuer Wohnraum entsteht. Dazu benötigt man Kapitalgeber, die mit angemessenen Renditen für ihre Investitionen rechnen können.

Eine Sammelstelle für solche Kapitalanlagen im Immobilienbereich sind sogenannte Real Estate Investment Trusts (REITs). Die börsennotierten Aktiengesellschaften sind in der Immobilienbranche tätig. Für sie gelten besondere Steuervergünstigungen. 

REITs sind neben anderen börsennotierten Immobilienfirmen oft Teil breit anlegender Immobilien-ETFs. Im vergangenen Jahr verzeichneten solche Indexfonds zum Teil Zuwächse von bis zu 25 Prozent. In der Corona-Krise mussten aber auch sie Federn lassen. Dennoch kann die Anlage in Immobilien für Anleger sinnvoll sein, um das eigene Depot breiter aufzustellen. Grundsätzlich gibt es dabei drei verschiedene Optionen, sein Kapital in Form von Fonds in Immobilien anzulegen.

Geschlossene Immobilienfonds

Ziel geschlossener Immobilienfonds ist es, Kapital für ein ganz spezifisches Projekt einzusammeln. Wichtiges Merkmal ist hier, dass ein geschlossener Immobilienfonds keine Anteile zurücknimmt und auch keine Dividende auszahlt. Erst mit Abschluss der Unternehmung wird der gesamte Gewinn an die Anteilseigner ausgeschüttet. Geschlossene Immobilienfonds finanzieren zum Beispiel Objekte, die nach dem Bau weiterveräußert werden.

Offene Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds agieren weltweit. Sie erwerben, verkaufen und verwalten Gebäudekomplexe. Hier geht es nicht primär um ein spezielles Projekt. Vielmehr investieren sehr viele Anleger in eine große Anzahl von Einzelobjekten. Ein wesentlicher Unterschied zu den geschlossenen Immobilienfonds ist, dass Anlegern in bestimmten Fällen auch Dividenden ausgezahlt werden. Vor allem sind offene Immobilienfonds aber verpflichtet, ausgegebene Anteile wieder zurückzukaufen. Dieser Rückkauf unterliegt allerdings bestimmten gesetzlichen Regelungen, beispielsweise im Hinblick auf die Mindesthaltedauer und Kündigungsfristen.

Rechner baugeld
3
Baufinanzierung
 
Anbieter
Monatliche Rate
effektiver
Jahreszins
gebundener
Sollzins
 
1.
950,00 €
0,30 %
0,30 %
2.
987,50 €
0,47 %
0,45 %
3.
1.000,00 €
0,50 %
0,50 %
Betrag 300.000 €, Laufzeit 10 Jahre, Beleihung 60 %


Immobilien-ETFs

Mit einem Immobilien-ETF investieren Anleger in börsennotierte Immoblienfirmen. Der ETF bildet dabei einen Index ab. Dieser enthält Aktiengesellschaften, die Immobilien bewirtschaften, entwickeln oder bauen. Das können etwa herkömmliche Wohnbaufirmen sein, die an der Börse notiert sind. In Immobilien-ETFs sind aber oft auch sogenannte Real Estate Investment Trust (REITs) enthalten.

REITs sind börsennotierte Aktiengesellschaften, die Immobilien kaufen, verkaufen, vermieten oder verpachten. Ihr Zweck kann aber auch die reine Finanzierung von Immobilien sein. REITs genießen in ihren jeweiligen Ländern eine Steuerbegünstigung. Im Gegenzug müssen sie auch besondere Anforderungen mit Blick auf die Anleger erfüllen. So sind sie verpflichtet, bis zu 90 Prozent ihrer Gewinne an die Investoren auszuschütten. Damit eignen sie sich gut als langfristige, passive Einnahmequelle. In Form von ETFs sind sie eine gute Möglichkeit für Anleger, in den Immobilienmarkt zu investieren.

Kurse können schwanken

"Mit einer Kombination mehrerer offener Immobilienfonds oder auch Immobilien-ETFs können Anleger mit wenig Geld das Risiko auf verschiedene Länder verteilen", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wichtige Faktoren bei der Bewertung von Immobilien-ETFs sind die Gesamtkostenquote und die Performance des Fonds in verschiedenen Zeitperioden.

Die Kurse der Immobilien-ETFs können dabei stark schwanken. Das hat zuletzt auch die Corona-Krise an den Börsen deutlich gemacht. Erzielten Immobilien-ETFs im vergangenen Jahr noch Renditen von bis zu 25 Prozent, so liegen sie in diesem Jahr fast durch die Bank mit rund 20 Prozent im Minus. Daher ist es sinnvoll, dass Immobilien-ETFs nur einen Teil des gesamten Anlagemix ausmachen.

Auf internationale Immobilien-Indizes setzen

Anleger sollten außerdem beachten, dass der deutsche REIT-Sektor im internationalen Vergleich – insbesondere mit den USA – noch vergleichsweise unterentwickelt ist. So enthält etwa der deutsche RX REIT All Share Index lediglich fünf Werte. Im etwas breiter gefassten RX Real Estate Index sind neben REITs auch die größten und liquidesten deutschen Real Estate Unternehmen enthalten. Auch dies sind insgesamt jedoch lediglich ein gutes Dutzend Firmen.

Um das Risiko breiter zu streuen, sollten Anleger daher eher auf ETFs setzen, die europäische oder weltweite Immobilien-Indizes zur Grundlage haben. Neben der Performance ist es dabei stets auch wichtig, auf die Kosten der Indexfonds zu achten. Die Tabelle zeigt einige Immobilien-ETFs auf die gängigsten europäischen und weltweiten Indizes.

Europa Kosten* 1 Jahr 3.Jahre 5 Jahre
Xtrackers FTSE EPRA/NAREIT Developed Europe Real Estate UCITS ETF 1C** 0,33 % -11,44  % 1,75 % 3,50 %
iShares STOXX Europe 600 Real Estate UCITS ETF (DE) 0,46 % -11,27 % -0,37 % -2,93 %
Weltweit Kosten* 1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre
Amundi ETF FTSE EPRA NAREIT Global UCITS ETF 0,24% -21,23 % -1,87 % ---
HSBC FTSE EPRA/NAREIT Developed UCITS ETF*** 0,40 % -15,49 % -0,43 % 11,94 %

Quelle: Biallo.de/Mountainview Data GmbH, *Gesamte laufende Kosten (OGC); **thesaurierend, alle anderen ausschüttend; ***Performance in US-Dollar; Stand 09.10.2020

Unser Fazit

Immobilien-ETFs können für Anleger eine sinnvolle Ergänzung ihres Depots bilden. Insbesondere bei den sogenannten REITs können dabei die gesetzlich vorgeschriebenen Ausschüttungen und Steuerbegünstigungen attraktiv sein. Immobilien dürften – trotz der Diskussion um Mietpreisbremse und Mietendeckel – auch in Zukunft langfristig gute Renditen abwerfen und können somit Teil einer ausgewogenen Anlage sein.

Wer nicht über ein dickes Eigenkapitalpolster für Direktinvestments in Betongold verfügt, sollte sich offene Immobilienfonds oder Immobilien-ETFs inmal genauer anschauen. Wie immer lautet auch hier der Rat, nicht nur auf das eigene Land zu schauen, sondern international zu investieren, um das Renditepotenzial soweit wie möglich auszuschöpfen – und das Risiko gering zu halten. Denn Anlegern sollte stets bewusst sein, dass es bei einer Investition in börsennotierte Immobilienfirmen immer auch zu Kursschwankungen kommen kann.

Biallo-Tipp

Anleger können im Rahmen einer breiten Kapitalstreuung durchaus über Investments in Wohnimmobilien nachdenken, da der Bedarf – insbesondere in weltweit nahezu allen Metropolen – nach wie vor groß ist und sich weiterhin auf hohem Niveau einpendelt. Etwas anders sieht es jedoch bei Geschäftsimmobilien aus, zum Beispiel Einzelhandelsobjekten in ländlichen Regionen: Hier ist das Risiko höher und es gibt aufgrund von Onlinehandel schon jetzt viele Leerstände. Achten Sie bei der Auswahl also genau auf die Anlagestrategie des gewählten Fonds.



  Björn König
  Andreas Jalsovec


 
 
 
 
Powered by Telsso Clouds