Auf einen Blick
  • Die Börsen erleben derzeit einen „Crash auf Raten“: Jeden Tag bröckeln die Indizes ein Stück – und ein Ende ist nicht in Sicht.

  • Grund für den Rückgang ist die Zinsangst unter den Anlegern. Die US-Notenbank könnte bis Jahresende den Leitzins auf drei Prozent anheben. Das ist schlecht für die Aktienmärkte.

  • Anleger sollten Rücksetzer an der Börse zum Kauf nutzen – aber immer nur scheibchenweise investieren. Festgeld-Sparer setzen am besten auf kurze Laufzeiten.

Im Moment fühlt es sich so an, als würde an den Aktienmärkten eine Börsenweisheit Realität werden. „Sell in may and go away“, heißt sie: Verkaufe im Mai – und verabschiede Dich dann erst einmal. Dahinter steckt die bereits gut zwei Jahrhunderte alte Idee englischer Aktienhändler, rechtzeitig vor der Sommer-Baisse die eigenen Anteilsscheine abzustoßen, ein wenig Urlaub von der Börse zu machen – und im Herbst wieder zurückzukehren.

Wer derzeit die Aktienmärkte beobachtet, dem erscheint dieser Rat gar nicht so falsch. Von einem „Crash auf Raten“ sprechen Börsen-Experten angesichts der aktuellen Entwicklung: Weltweit bröckeln die Indizes jeden Tag ein Stück – und ein Ende ist nicht in Sicht. Seit dem 24. Februar, dem Einmarsch Russlands in der Ukraine, hat der Deutsche Aktienindex knapp acht Prozent verloren, beim US-Leitindex Dow Jones sind es gut vier Prozent. Am stärksten gelitten hat die US-Technologiebörse Nasdaq: Dort liegt das Minus bei knapp 13 Prozent. 

 

Grund für den Rückgang ist Zinsangst

Hauptgrund für den Rückgang ist die Angst vor steigenden Zinsen. Das gilt vor allem für die USA. Weil die Inflation dort zuletzt bei mehr als acht Prozent lag, hat die US-Notenbank Fed eine harte Kurswende eingeläutet. Jahrelang sei die lockere Geldpolitik der Fed ein „Garant für gute Aktienstimmung“ gewesen, so Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Über ultra-niedrigen Zinsen hat die Fed die Wirtschaft mit billigem Geld versorgt. Davon profitierten die Aktienmärkte in den USA – und damit weltweit.

Um die außergewöhnlich hohe Inflation zu bekämpfen, zieht die Notenbank nun jedoch die Zinsschraube an. Anfang Mai hob sie ihren Leitzins auf ein Prozent. Experten rechnen im Juni und Juli mit zwei weiteren Zinsschritten von jeweils bis zu 0,5 Prozentpunkten. Bis Ende des Jahres, so schätzen etwa die Analysten der Commerzbank, soll der US-Leitzins bei 3,0 Prozent stehen. Und auch die Europäische Zentralbank dürfte sich demnächst von Ihrer Nullzins-Politik verabschieden. Im dritten Quartal rechnen Beobachter mit einem ersten Zinsschritt von 0,25 Prozent. Zwei weitere könnten bis Jahresende folgen.

Zinshammer aus Schweden

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Steigende Zinsen sind schlecht für die Börsen

Die Zinserhöhungsängste halten sich an den Börsen deshalb derzeit „hartnäckig wie Kaugummi am Schuh“, meint Robert Halver. Und das ist schlecht für die Aktienmärkte. Denn steigende Zinsen machen zum einen alternative Anlageformen wie Anleihen oder Festgeld attraktiver. Das entzieht den Börsen Nachfrage. Zum anderen verteuern sie die Kreditaufnahme für die Unternehmen und schmälern damit deren Gewinne. 

Das trifft jene Unternehmen stark, die einen hohen Fremdkapitalanteil haben, und das sind vor allem Technologiefirmen. Auch deshalb haben die Kurse von Netflix, Paypal und Co. zuletzt deutlich verloren – und eben auch die Nasdaq. Hinzu kommen weitere Risiken für Konjunktur und Aktienmärkte, allen voran der Krieg in der Ukraine: Er hält die Energiepreise hoch und dämpft damit das Wachstum. Auch die Corona-Lockdowns in China sowie die weltweit nach wie vor beeinträchtigten Lieferketten in der Industrie drücken auf die weltweite Konjunktur. 

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Experte hält eine Rezession für wahrscheinlich

Markus Horntrich, Chefredakteur des Frankfurter Börsenbriefs, hat deshalb bereits Mitte April im Youtube-Interview mit biallo.de vor einem neuen Verkaufsdruck an den Aktienmärkten gewarnt: „Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass wir in den nächsten Monaten in eine Rezession abgleiten werden“, sagt Horntrich. „Da könnte ich mir schon vorstellen, dass wir neue Tiefs sehen werden.“ Zur Erinnerung: Das bisherige Tief im Dax infolge des Ukraine-Kriegs am 7. März lag bei rund 12.440 Punkten. 

Durchaus möglich, dass diese Marke in den kommenden Tagen noch einmal getestet wird. So zeigten nach Einschätzung von Robert Halver die Indikatoren an den Aktienmärkten derzeit in Richtung „extreme Angst“. Zwar habe es im Laufe der vergangenen Wochen bereits einige Tiefs gegeben. Dennoch scheint es so, als warteten die Märkte noch „auf das finale Blutbad“, meint Halver. Eine „nachhaltige Erholung der Aktienindizes“ sei demnächst jedenfalls nicht zu erwarten.

Auf der anderen Seite halten einige Experten es für durchaus möglich, dass der Höhepunkt der Teuerung mittlerweile erreicht sein könnte. Sollte sich das in den Inflationszahlen der kommenden Wochen und Monaten bewahrheiten, dürfte sich auch die Stimmung an den Aktienmärkten aufhellen. Klar ist aber: Der Rückgang der Teuerung wird angesichts knapper Rohstoffe und eingeschränkter Lieferketten lange dauern. Und: Er hängt davon ab, wie sich der Konflikt in der Ukraine entwickelt und mit ihm die Preise auf dem Energiemarkt.

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Anleger sollten scheibchenweise investieren

Anleger sollten daher auch in den kommenden Monaten immer wieder Kursrückgänge einplanen. Experte Markus Hontrich empfiehlt, solche Kursrücksetzer bei substanzstarken Aktien zum Einstieg zu nutzen, allerdings in mehreren Etappen: „Nicht sofort alles reinschmeißen, sondern immer wieder stückchenweise einsammeln.“  Auf seiner Kaufliste stehen zum Beispiel VW, Daimler und Siemens. Auch die sogenannten Dividendenaristokraten wie etwa Procter & Gamble, 3M, Walmart, Hormel Foods oder auch die Versicherer Allianz und Munich Re sind angesichts der gestiegenen Dividendenrenditen und exzellenten Dividendenkontinuität einen Blick wert. Ausführliche Informationen zu Dividenden-Aktien erhalten Sie in unserem neuen Youtube-Erklärvideo.

Auch Robert Halver rät Anlegern, „fundamental aussichtsreiche Titel zu sichten und scheibchenweise ins Depot zu nehmen“. Wenn es doch einmal nach unten gehe, sollte man nachkaufen, um gute Durchschnittskurse zu erreichen, meint er. Regelmäßige Sparpläne, etwa mit ETFs, sollten ohnehin weitergeführt werden: „Das Argument, die Kurse seien zu hoch, kann jetzt nicht mehr vorgetragen werden.“ 

Festgeldanleger sollten derzeit eher auf kurze Laufzeiten setzen – also auf drei, sechs oder zwölf Monate. Steigen die Zinsen weiter, können sie dann die jeweils wieder frei werdenden Beträge erneut investieren.

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Und was ist mit dem Börsenspruch über den Mai? Den könnten Anleger mittlerweile getrost vergessen, meint Robert Halver. Die Börsen seien weltweit mittlerweile so vernetzt, dass saisonale Regeln nicht mehr gelten. Und selbst wenn im Sommer einmal die Kurse fallen, dann sei das eher ein attraktives Umfeld für regelmäßiges Aktiensparen. Eine Waschmaschine kaufe man ja auch am liebsten günstig, so Halver: „Im Einkauf liegt der Gewinn. Wenn das mal keine wirklich goldene Börsenregel ist.“

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Über den Autor Andreas Jalsovec

hat als Redakteur für mehrere (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem für das Anlegermagazin Börse Online, die Münchner Abendzeitung, die Schwäbische Zeitung und die Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Neben seiner Tätigkeit für Biallo.de arbeitet er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung.

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