

Auf einen Blick
Nach dem Boom bei Neuabschlüssen ist das Interesse an neuen Bausparverträgen zuletzt gesunken. Gleichzeitig nutzen viele Sparer jetzt ihre bestehenden Verträge – und sichern sich günstige Darlehenszinsen.
Nach der Zinswende hat sich der Markt für Bausparverträge spürbar verändert. Während Neuabschlüsse rückläufig sind, gewinnt das Kreditgeschäft der Bausparkassen an Bedeutung. Es werden wieder vermehrt Bauspardarlehen in Anspruch genommen.
Nach dem Nachfragehoch infolge der Zinswende im Jahr 2022 ist das Bauspar-Neugeschäft zuletzt deutlich zurückgegangen. Die Bausparkassen sprechen von einem Sättigungseffekt oder einer Normalisierung. Laut dem Marktführer Schwäbisch Hall schrumpfte der Gesamtmarkt in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 um etwa 15 Prozent, bezogen auf die Zahl der Bausparverträge. Gleichzeitig erstarkte aber das Kreditgeschäft der Bausparkassen. Bausparer rufen vermehrt Darlehen ab. „Der Grund liegt auf der Hand“, sagt Stefan Speicher, Pressesprecher von Schwäbisch Hall. „Im Vergleich zu den zuletzt teurer gewordenen Hypothekendarlehen bieten Bauspardarlehen oft deutlich günstigere Zinsen.“
Ein zentraler Grund für die aktuelle Entwicklung liegt in der langfristigen Zinssicherheit, die Bausparverträge bieten.
Für Frank Demmer, Chef der LBS NordWest, zeigt sich in dieser Entwicklung der Kernnutzen des Bausparens: „Vor sieben Jahren haben diese Kunden begonnen zu sparen, jetzt kommen sie zinsgünstig und vor allem sicher ins Eigenheim. Viele setzen das Geld auch für die Umschuldung oder die Modernisierung ein.“ Denn wer einen Bausparvertrag abschließt, sichert sich bereits bei Vertragsabschluss die Guthaben- und Darlehenszinsen – unabhängig davon, wie sich die Kapitalmarktzinsen in zehn oder 15 Jahren entwickeln.
„Genau diese Zinssicherheit, die kein anderes vergleichbares Finanzierungsprodukt bietet, ist im aktuellen Umfeld ein starkes Argument für Bausparen“, betont Christian König, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Privaten Bausparkassen (VdPB). Sie liegt auch in der besonderen Funktionsweise des Bausparens begründet, bei der auf eine Ansparphase eine Darlehensphase folgt. Erst wenn ein bestimmter Anteil Eigenkapital aufgebaut ist – in der Regel 30 bis 50 Prozent der Bausparsumme –, zahlt die Bausparkasse auf Antrag das Darlehen aus.
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Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, warum viele Bausparer ihre Verträge jetzt nutzen.
Üblicherweise sind die Guthabenzinsen bei Bausparverträgen niedrig. Nach Angaben des Verbands der Privaten Bausparkassen liegen sie heute je nach Tarif etwa im Bereich von 0,01 bis 0,20 Prozent pro Jahr. Die Darlehenszinsen für klassische Bauspardarlehen bewegen sich laut Verband momentan häufig im Bereich von rund 1,4 bis 2 Prozent effektiv und sind damit in vielen Fällen deutlich günstiger als vergleichbare Marktzinsen für langfristige Annuitätendarlehen.
Neben sicheren Zinsen bietet das Bausparen einen weiteren Vorteil: Der Staat fördert es in Form von Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmersparzulage für Verträge, in die vermögenswirksame Leistungen vom Arbeitgeber eingezahlt werden. Gerade junge Menschen können häufig von diesen Förderungen profitieren, da ihr Einkommen oft unter den vorgegebenen Grenzen liegt. Außerdem können Riester-Berechtigte ihre Grund- und Kinderzulagen in einen Bausparvertrag fließen lassen.
Wer einen solchen Wohn-Riester-Bausparvertrag vor dem 25. Lebensjahr abschließt, erhält vom Staat einen Berufseinsteigerbonus in Höhe von 200 Euro. Darüber hinaus bieten einige Bausparkassen spezielle Jugendtarife an, etwa mit höherer Guthabenverzinsung, oder gewähren Bonuszahlungen für junge Bausparer. Grundsätzlich gilt, dass Bausparer unter 25 Jahren die Gelder aus der Wohnungsbauprämie einmalig frei verwenden dürfen. Sie sind also nicht wie alle anderen Bausparer an eine wohnwirtschaftliche Verwendung gebunden. Voraussetzung ist, dass sie den Vertrag sieben Jahre lang bespart haben.
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Neben der Finanzierung von Wohneigentum spielt Bausparen auch beim Vermögensaufbau eine wichtige Rolle.
Bausparen hilft, Eigenkapital aufzubauen, ob fürs Eigenheim oder die Sanierung. Diesbezüglich kann es noch mit einem weiteren Pluspunkt aufwarten, wie Holm Breitkopf, Leiter Produktmanagement Bausparen der BHW-Bausparkasse, erklärt: „Das angesparte Guthaben eines Bausparvertrags wird von finanzierenden Banken als Eigenkapital anerkannt und das Bauspardarlehen im Grundbuch nachrangig abgesichert. Das kann die Kreditwürdigkeit des Bauherrn gegenüber der Bank verbessern.“ Außerdem ist für Bauspardarlehen bis 50.000 Euro kein Eintrag im Grundbuch erforderlich, was Notarkosten spart.
Für viele Menschen ist Wohneigentum ein zentraler Bestandteil der Altersvorsorge.
Auch der Wunsch, sich mit Wohneigentum im Alter unabhängig von Mietzahlungen zu machen, ist ein Argument fürs Bausparen. Denn: „Nur wer sich frühzeitig schon mit kleinen Sparbeträgen auf den Weg macht, wird als Normalverdiener das Ziel der eigenen vier Wände erreichen können“, sagt Frank Demmer von der LBS NordWest. VdPB-Chef Christian König fordert daher: „Eine Reform der geförderten Altersvorsorge sollte selbstgenutztes Wohneigentum als Vorsorgeform stärken und Miete und Eigentum steuerlich wie förderrechtlich gleichberechtigt behandeln – wie es auch im Koalitionsvertrag angelegt ist.“
Viele Leser fragen sich, warum Bausparen aktuell wieder an Bedeutung gewinnt. Die wichtigsten Antworten im Überblick.
Weil die Zinsen aus älteren Bausparverträgen oft deutlich niedriger sind als aktuelle Bauzinsen.
Für langfristige Vorhaben können sie helfen, sich feste Zinsen für die Zukunft zu sichern.
Sie liegen je nach Tarif häufig zwischen rund 1,4 und 2 Prozent effektiv.

