Wie Privatanleger in Private-Equity investieren können

Beteiligungsfonds Wie Privatanleger in Private-Equity investieren können

Tim Stockschläger
von Tim Stockschläger
13.01.2020
Auf einen Blick
  • Paribus und investify wollen zukünftig Investments in Private-Equity ab 1.000 Euro über ein ausschließlich digitales Angebot ermöglichen.

  • Private-Equity-Fonds haben die Möglichkeit, aktiv den Geschäftsverlauf der Zielinvestments zu beeinflussen, dies ist bei Aktienfonds nur sehr eingeschränkt möglich.

  • Die Renditeerwartung von Private-Equity-Fonds liegt deutlich über den Werten anderer Anlageklassen. In der Vergangenheit wurde eine Outperformance erzielt.

  • Hohe Gebühren, geringe Transparenz und überproportionales Risiko sind bisher die größten Kritikpunkte bei Private-Equity.
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Immer mehr Unternehmen bleiben der Börse fern und gehören privaten Investoren. Privatanleger verpassen daher die Chance von lukrativen Investments, da diese Unternehmen oftmals vermögenden Investoren oder Private-Equity-Fonds vorbehalten bleiben. Anbieter wie Paribus und investify möchten dies in 2020 ändern und gemeinsam eine Beteiligung an Private-Equity-Fonds bereits ab einer Anlagesumme von 1.000 Euro ermöglichen.

Ein Großteil der Wirtschaft besteht aus kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die an keiner Börse notiert sind. Private-Equity ist dabei der Erwerb von außerbörslichen Unternehmensbeteiligungen. Die Kapitalgeber erhalten oftmals Stimmrechte in nennenswertem Umfang und haben daher weitreichendere Mitbestimmungsrechte als bei Investments in börsennotierten Aktiengesellschaften. Hier sind die Stimmrechte, selbst bei Großinvestoren, oftmals minimal. Ziel der Private-Equity-Branche ist es, die erworbenen Unternehmen profitabler zu gestalten und einige Jahre später gewinnbringend wieder zu verkaufen oder an die Börse zu bringen.

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Einem der größten Private-Equity-Fonds, Blackstone, ist das 2007 besonders gut gelungen. Blackstone schluckte die Hotelkette Hilton für rund 5,6 Milliarden US-Dollar, musste aufgrund von wirtschaftlichen Problemen des Hotel-Unternehmens später knapp eine Milliarde US-Dollar nachschießen und konnte in 2013 den Konzern schlussendlich erfolgreich an die Börse bringen. Neuer Marktwert der Hotelkette: 16 Milliarden US-Dollar. Blackstone hatte es also geschafft, mit nur einem Unternehmen in weniger als sieben Jahren zehn Milliarden Dollar zu erwirtschaften.

Zwar gilt der Private-Equity-Markt als äußerst lukrativ, jedoch wird er gleichzeitig auch als vermeintlich sehr risikoreich betrachtet. Private-Equity-Fondmanager nutzen deutlich mehr strategische Freiheiten als Fondsmanager, die klassische Anlagefonds verwalten und investieren in deutlich weniger liquide Unternehmen. Das garantiert ihnen oftmals eine bessere Rendite. Verbrauchern blieb der Markt jedoch aufgrund der hohen Mindestanlagebeträge von nicht selten mehreren Millionen Euro vorenthalten. Dies wird sich in Zukunft ändern.

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Die außerbörsliche Unternehmensfinanzierung ist fest im angelsächsischen Raum verankert. In Deutschland hatte Private-Equity bislang zuweilen das Image von "Heuschrecken", was auch zum Teil der mangelnden Trennschärfe der öffentlichen Meinung in Bezug auf die Begrifflichkeit geschuldet ist. Vielfach wurden fälschlicherweise Venture-Capital oder Hedgefonds mit Private-Equity gleichgesetzt. Das hat sich in den vergangenen Jahren zumindest etwas gebessert.

Private-Equity gehört dabei allgemein zum Risikokapital, ähnlich wie Venture-Capital-Fonds. Der Unterschied zwischen Private-Equity und Venture-Capital ist in der Praxis die Seniorität und damit die Erfahrung des Unternehmens. Experten zufolge ist die Private-Equity-Branche nun auch in Europa so stark, weil die Kreditvergabe der Banken zunehmend zurückgefahren wird. Fondsmanager im Bereich Private-Equity füllen die Lücke.

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Auf diese Strategien setzen die Private-Equity-Fonds

Bei Private-Equity-Fonds dominieren oftmals vier Strategien, die beschreiben, wie die Fondsmanager agieren und wonach sie die Übernahmekandidaten auswählen.

Turnaround-Strategie

Bei der sogenannten Turnaround-Strategie erwerben Fonds Unternehmen, die in Schieflage geraten sind und nicht mehr profitabel wirtschaften. Private-Equity-Investoren kaufen das Unternehmen teilweise oder vollständig auf und bringen neue Ideen, ein neues Management und womöglich neue Kontakte ins Unternehmen. Dies soll den Geschäften neuen Schub geben.

Wachstumsstrategie

Ein weiterer Zweig sind sogenannte Wachstumsstrategien. Fonds suchen Unternehmen, die bereits erfolgreich am Markt sind, in den vergangenen Jahren aber kein nennenswertes Wachstum erreichen konnten. Die Gründe hierfür können fehlendes Kapital, mangelndes Interesse der Unternehmung zu expandieren oder schlicht zu wenig Know-How für eine Expansion sein. Private-Equity-Investoren kaufen die Firmenanteile, um neue Absatzmärkte zu erschließen oder neue Produkte einzuführen.

Buy-out-Strategie

Private-Equity-Fonds setzen auch auf sogenannteBuy-out-Strategien: Manche Unternehmen suchen altersbedingt einen Nachfolger, wollen das Management auswechseln, oder Gründer möchten vom Erfolg der vergangenen Jahre profitieren und ihre Anteile verkaufen. In diesen Fällen können Private-Equity Investoren das Geschäft übernehmen, ausbauen und fortführen.

Leveraged-Buy-Out

Bei dem sogenannten Leveraged-Buy-Out setzen die Investoren auf eine Mischung aus Eigenkapital und Bankkrediten. In einem Leveraged-Buy-Out, was auf Deutsch in etwa "gehebelter Kauf" bedeutet, können Fonds mit einem Unternehmenskauf durch eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital erheblich höhere Renditen erzielen, gehen gleichzeitig aber möglicherweise im Falle eines Scheiterns ein höheres Verlustrisiko ein.

Fiktives Rechenbeispiel zu Leveraged-Buy-Out

Ein Private Equity Fond kauft ein fiktives Unternehmen Sunrise für 150 Millionen Euro und verkauft es ein Jahr später für 200 Millionen Euro. Das entspricht einer Rendite von 33 Prozent. Alternativ hätte der Fond das Unternehmen mit 50 Millionen Eigenkapital und 100 Millionen Fremdkapital kaufen können. Dieser Kredit hat einen fiktiven Zinssatz von fünf Prozent. Im nächsten Jahr bekommt der Fond also die 200 Millionen wieder, zahlt den Kredit über 100 Millionen zuzüglich fünf Millionen Zinsen zurück. Der Fond musste in diesem Leveraged-Buy-Out nur 50 Millionen Euro – statt 150 – Eigenkapital einsetzen und erhält 45 Millionen als Gewinn. Das entspricht einer Rendite von fast 100 Prozent im Vergleich zu den 33 Prozent Rendite ohne Leveraged-Buy-Out.

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3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
MB S Plus
LU0354946856
12,75%
2.
MEAG Proinvest
DE0009754119
8,58%
3.
S4A Pure Equity Germany
DE000A1W8960
8,54%
Laufzeit: 5 Jahre

Nicht das Risiko aus dem Auge verlieren

So lukrativ Private-Equity auch sein kann: Anleger sollten in jedem Fall die Risiken beachten. Diese sind aus unterschiedlichen Aspekten erheblich, sodass Verbraucherschützer generell davor warnen.

Während börsennotierte Unternehmen einer einheitlichen Regulierung unterliegen, sind Private-Equity-Geschäfte oftmals undurchsichtig und erheblich schwerer zu verstehen. Hinzu kommt, dass die Übernahmen oftmals sechs bis zehn Jahre Zeit brauchen, bevor sie profitabel sind. In den ersten Jahren werfen diese Fonds in der Regel keine Rendite ab, sondern müssen das Unternehmen oftmals zunächst umstrukturieren, expandieren oder neue Produkte einführen Das bestätigt auch Harald Brock, Geschäftsführer des digitalen Vermögensverwalters investify: "Investoren müssen damit rechnen, dass die Gelder rund zehn Jahre nicht verfügbar sind."

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Ähnlich sieht es bei dem Anbieter Liqid aus: "Direkte Beteiligungen an Unternehmen sind nicht kurzfristig veräußerbar. Eine Anlage in Liqid Private Equity ist deshalb ein langfristiges Investment. Die Fondslaufzeit beträgt zwölf Jahre", erklärt Moritz von Rhein, Investment Manager bei Liqid.

Hohe Gebühren stehen in der Kritik

In der Zwischenzeit ist ein Verkauf ohne nennenswerte Verluste selten möglich. Ein weiterer Aspekt ist das hohe Totalverlustrisiko. Während zwar im Vergleich zu börsennotierten Unternehmen erhebliche Überrenditen möglich sind, steigt auch entsprechend das Risiko stark an. Die Schweizer Großbank Credit Suisse empfiehlt daher beispielsweise ihren vermögenden Kunden, nur einen Anteil von fünf Prozent des Portfolios in Private-Equity zu investieren.

Bei Paribus und investiy wird das Risiko von Verlusten zukünftig durch eine diversifizierte Fondsstruktur deutlich abgemildert, weil Investoren gleichzeitig in voraussichtlich mehr als 60 Unternehmen europaweit investiert sein werden.

Die Kosten von Private-Equity-Fonds sind bisher vergleichsweise hoch. So sind oft unter anderem ein bis zwei Prozent der Anlagesumme direkt fällig. Dies schmälert die Rendite erheblich, sodass selbst eine Outperformance des Markts beispielsweise von vier bis fünf Prozent ihren Anreiz verlieren würde. Bei Dachfonds ist die Gebühren-Problematik oft noch stärker ausgeprägt.

Anleger sollten daher vor einem Investment einen genauen Blick auf die Kosten werfen. In Zukunft wird vermutlich auch bei Private-Equity-Angeboten die Digitalisierung dazu beitragen, dass sich die Kosten reduzieren werden.

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So profitieren Privatanleger

Paribus und investify wollen in 2020 Privatinvestoren bereits ab 1.000 Euro Mindestanlage eine Investition in Private-Equity ermöglichen. "Paribus ist in der Lage, Fonds für Privatinvestoren aufzulegen, die aufsichtsrechtlich keine Mindestanforderungen an das Einkommen oder Vermögen stellen”, erklärt Brock. Ein vollständig digitaler Abschluss könne dabei die Kosten niedrig halten und Investoren Zugang zum europäischen Mittelstand verschaffen. Eine mögliche Zielrendite würde voraussichtlich bei rund sieben bis neun Prozent pro Jahr liegen. Das Angebot könnte im Sommer 2020 auf den Markt kommen. Der Vertrieb soll vorrangig online erfolgen, also über eine eigene Plattform.

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Bereits seit einigen Jahren erfolgreich im Direktvertrieb ist der deutsche Anbieter Moonfare. Für Verbraucher ist das Angebot jedoch immer noch vergleichsweise teuer. Anlagen sind bei dem Berliner Fintech generell erst ab 100.000 Euro möglich, in Deutschland aufgrund von regulatorischen Bestimmungen sogar erst ab 200.000 Euro. Die weitgehende Automatisierung und Vereinfachung erlaube auch eine Ansprache von Privatanlegern. Immerhin bietet Moonfare bereits nach einem Jahr einen Zweitmarkt an. Die Rendite wird bei einem vorzeitigen Verkauf jedoch oftmals unter den Erwartungen zurückbleiben und gerade in den ersten Jahren das erhöhte Risiko nicht rechtfertigen.

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Ein ähnliches Angebot bietet auch Liqid. Die Mindestanlage liegt ebenfalls bei 200.000 Euro und zu den Zielfonds gehören international bekannte Private-Equity-Gesellschaften wie Apollo, Bridgepoint und Permira. Die relativ hohe Mindestanlagesumme hilft dabei, dass "Liqid keinen Ausgabeaufschlag, keine Performance-Fee und deutlich geringere Management-Gebühren erhebt”, erklärt Moritz von Rhein.

Eine Möglichkeit neben dem direkten Erwerb von Private-Equity-Fonds ist der Kauf von Dachfonds oder Aktien der Private-Equity-Gesellschaften, die ihrerseits wiederum an einer Börse notiert sind. Das kann attraktiver sein als das klassische Private-Equity-Investment, da hier die Gebühren erheblich niedriger sind. Die Blackstone Gruppe beispielsweise konnte im zurückliegenden Jahr ihren Aktienkurs nahezu verdoppeln. 

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Ein weiterer bekannter Private-Equity-Fond, KKR, schaffte im zurückliegenden Jahr ebenfalls ein ordentliches Kursplus von 50 Prozent. Sowohl der Deutsche Leitindex Dax als auch der amerikanische Dow-Jones erzielten im gleichen Zeitraum weniger als 20 Prozent.

Privatinvestoren können also sehr wohl von dem Erfolg im Private-Equity mit bereits geringen Beträgen profitieren. Das Angebot von Paribus und investify könnte darüber hinaus den Zugang für Private-Equity-Fonds erheblich erleichtern. So verlockend die Renditen sein können, sollte gerade Kleinanlegern das Verlustrisiko bewusst sein, um nachher nicht überrascht zu werden. Wer jedoch über ausreichend liquide Mittel verfügt, kann über eine Beimischung von Private-Equity im Portfolio eine höhere Diversifikation erreichen.

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Biallo-Tipp

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de