Investieren in den Mittelstand

Aktien von Beteiligungsgesellschaften: Alternative zu Private Equity

14.06.2020
Auf einen Blick
  • Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und kann ein interessantes Investment sein.

  • Direkt ist es oft schwierig, in den Mittelstand zu investieren. Mittelbar gehrt das über Beteiligungsgesellschaften, die mittelständische Portfolios haben.

  • Die Beteiligungsgesellschaften verfolgen unterschiedliche Strategien für verschiedene Geschmäcker.
Vor allem im Anlagen- und Maschinenbau ist "Made in Germany" nach wie vor ein Qualitätssiegel.
Gorodenkoff / Shutterstock.com

Deutscher Mittelstand – ein Zauberwort, das von Erfolg kündet und Begehrlichkeiten bei Anlegern weckt. Aber auch ein weites Feld. Wenn ein Betrieb 500 Beschäftigte zählt und 50 Millionen Euro Jahresumsatz hat, spricht man da wirklich noch vom German Mittelstand?

Ja, sagt das Institut für Mittelstandsforschung (IfM). Wir reden hier also von anderen Größen als dem ebenfalls mittelständischen Malerbetrieb oder dem Bäcker. Bei bis zu neun Beschäftigten und maximal zwei Millionen Jahresumsatz redet das IfM von mittelständischen Kleinstunternehmen. Nur sind kleine Mittelständler nicht als Aktiengesellschaften organisiert, und auch größere Mittelständler sind typischerweise als Personengesellschaften organisiert: als OHG oder KG. Das sind kleine und mittlere Unternehmen, bei denen Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko in einer Hand liegen. Und auch in eine GmbH als Körperschaft kann man an der Börse nicht investieren.

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Wie kann der Privatanleger in den Mittelstand investieren?

Schon die kleinsten Unternehmen im SDax haben ein Vielfaches der Jahresumsätze, bei denen man noch von Mittelstand im obigen Sinne spricht. Ganz zu schweigen von den noch größeren Small Caps etwa im US-amerikanischen S&P 600 oder im Russell 2000. Die nennen sich zwar "klein" oder "Nebenwerte", aber eben nach Maßgabe börsennotierter Aktiengesellschaften.

Und damit ist leider auch über ETFs kein Investment in das möglich, was hier mit Mittelstand gemeint ist. Denn diese Indexfonds bilden ja nur die Börsenindizes ab, und die sind leider eine Nummer zu groß für den "German Mittelstand". Ist das also das Aus für Privatanleger? Oder kann man auch als Kleininvestor quasi unter dem Radar der Börsennotation fliegen und die Perspektiven des Mittelstandes nutzen? Und wie sieht es dabei mit der Diversifikation aus?

Indirektes Fliegen unter dem Radar

Man kann als Privatmensch an der Börse mittelbar in kleine und mittlere Unternehmen investieren – indem man sich Unternehmen sucht, die ihrerseits in Mittelständler investieren: die Beteiligungsgesellschaften und Holdings. Diese wiederum werden oft an der Börse gehandelt, und man kann mit ihnen auf einen ganzen Strauß von Mittelständlern setzen.

In Deutschland spukt bei solchen Formen von Kapitalbeteiligung immer noch Franz Münteferings Diktum von den "Heuschrecken" durch viele Köpfe. Der sagte 2005 in einem Interview: "Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter. Gegen diese Form von Kapitalismus kämpfen wir."

Wie meinte Müntefering das mit den Heuschrecken?

Anlass für das Statement des damaligen SPD-Vorsitzenden war die Übernahme von Grohe, einem Hersteller von Sanitärprodukten. Ende 2004 hatten die Beteiligungsgesellschaft TPG (Texas Pacific Group) und eine Tochter der Credit Suisse den Sanitär-Hersteller übernommen. Dabei finanzierten sie den Kauf über Kredite, die sie Grohe anschließend aufluden. Das Unternehmen musste Darlehen und Zinsen aus der Firmenkasse zahlen.

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Ein weiteres abschreckendes Beispiel für Beteiligungsgesellschaften ist die Tätigkeit der Arques AG, die in den Nullerjahren als "der Highflyer schlechthin" gehandelt wurde. Für die Arquana International Print & Media erwies sich die Beteiligung durch Arques als fatal, weil Arques kaum in sein neues Unternehmen investierte. Man stellte sich vor, dass Arquana allein durch eigene Kapitalerhöhungen am Börsenmarkt gesunden solle.

Als Restrukturierer erwies sich Arques nicht nur als Heuschrecke, sondern als Totengräber: Anfang 2008 meldete Arquana Insolvenz an. Arques hatte auf einen lukrativen Exit geschielt. Heraus kam ein früher Exitus. Das Beteiligungsunternehmen hatte sich an einer Branche versucht, die es nicht kannte. Den Scherbenhaufen versuchte Arques dann noch mit Hilfe einer Briefkastenfirma zu verbergen.

Hilfe bei der Unternehmensnachfolge

Seit diesen abschreckenden Beispielen gilt "Heuschrecke" im Deutschen als Schimpfwort für Private-Equity-Gesellschaften oder anderes Beteiligungskapital. Diese Vorstellung unterstellt Beteiligungsgesellschaften kurzfristige oder überzogene Gewinnerwartungen. In diesem Zusammenhang nennt man gern auch Hedge- oder Geier-Fonds. Diese Sichtweise ist aber so verkürzt, dass sie falsch ist. Warum?

Nun, wenn man sich die Finanzinvestoren in Deutschland ansieht, die im Bereich der Unternehmensnachfolge tätig sind, dann entdeckt man die Heuschrecken-Klischees nicht mehr. Stattdessen taucht die Lösung eines Problems auf, bei dem Beteiligungsunternehmen vielen Mittelständlern helfen können: die Nachfolge der Unternehmensleitung. Viele Mittelständler haben Probleme, einen Nachfolger zu finden. Jahr für Jahr stehen etwa 22.000 Übergänge an.

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Beteiligungsgesellschaften als neues „Zuhause“ für Mittelständler

Die Gründer möchten meist am liebsten, dass Firma und Chefsessel in der Familie bleiben – sprich: an Tochter oder Sohn übergehen. Denn Familienunternehmen denken langfristig. Wo Finanzinvestoren auf die Quartalszahlen schauen, da denken Gründer und ihre Familien in längeren Zeiträumen und zwar oft auch schon an die nächste Generation und den Erhalt des Unternehmens. Oft erweist sich dieser Weg aber als schlecht vorbereitet, überhastet oder schlicht falsch. Oder die Generation der Gründer hat keine Kinder.

Hier kommen Beteiligungsgesellschaften ins Spiel. Etliche von ihnen denken langfristig und sind ein neues "Zuhause" für die Mittelständler. Die Identität der übernommenen Gesellschaften bleibt dann gewahrt (Marken, Namen oder Unternehmenskultur). Solch eine Verantwortung kann auch gegeben sein, falls ein späterer Verkauf der Beteiligung vorgesehen ist. Es gibt verschiedene Strategien für Beteiligungsgesellschaften.

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Verschiedene Strategien einer Beteiligung

Falls eine Strategie keinen Exit bei der Beteiligung vorsieht, hat der mittelständische Gründer Sicherheit im Hinblick auf das Schicksal seines Lebenswerkes. Und hier kommt dann wieder der Gedanke an Warren Buffett und Berkshire Hathaway ins Spiel: sich durch Vertrauen einen Vorteil gegenüber anderen, möglicherweise zahlungskräftigeren Interessenten zu verschaffen und langfristig zu investieren.

Das Universum der Beteiligungsgesellschaften lässt sich grob einteilen in:

1. kurz- bis mittelfristig und renditegetrieben,

2. Spezialsituationen ohne langfristige Absicht und

3. langfristige Strategien ohne Exit-Orientierung.

Kurz- bis mittelfristige Investitionen

Von den Unternehmen der ersten Gruppe (kurz- bis mittelfristige, renditegetriebene Investitionen) tauchten im Jahr 2005 zwar die Unternehmen Apax, Blackstone und KKR in der "Heuschrecken"-Debatte auf, und sie sind auch heute noch tätig. Aber sie investieren in Large-Cap-Unternehmen, die hier keine Rolle spielen.

Bei den Investoren dieser Gruppe, die in den Mittelstand investieren, fällt die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) aus Frankfurt am Main auf, ein Mitglied im SDax. Sie ist ein Abkömmling der Deutschen Bank. Als inzwischen eigenständiges Unternehmen hat die DBAG sich mittlerweile an über 300 Unternehmen beteiligt. Eine beeindruckende Zahl, die einen großen Erfahrungsschatz ausweist. Die durchschnittliche Haltedauer für Investments der Deutschen Beteiligungs AG im eigenen Portfolio liegt bei fünf Jahren.

Die Deutsche Beteiligungs AG und ihre Fonds

Die DBAG legt in Abständen Fonds auf, an denen sich Investoren beteiligen können (Private Equity). Für die Beratung erhält die DBAG eine Vergütung. Außerdem investiert sie in gut positionierte mittelständische Unternehmen mit Entwicklungspotential. Sie legt einen Schwerpunkt auf die Industriesektoren, in denen der deutsche Mittelstand im internationalen Vergleich besonders stark ist. Mit ihrer Erfahrung, dem Know-how und dem Eigenkapital stärkt die Deutsche Beteiligung die Unternehmen ihres Portfolios darin, eine langfristige Strategie umzusetzen. Ihr Ziel ist die strategische Weiterentwicklung und der anschließende Verkauf.

Sind alle Unternehmen in Fonds verkauft, erhalten die Investoren ihr Kapital samt Gewinn zurück. Sodann wird ein neuer Fonds aufgelegt. Hervorzuheben bei der DBAG ist eine Eigenkapitalquote von über 90 Prozent, also eine hohe finanzielle Stabilität und Bonität. Außerdem ist für Interessenten an der Deutschen Beteiligungs AG zu erwähnen, dass der Drogerieunternehmer Dirk Rossmann größter Einzelaktionär ist und seine Position auch stetig ausbaut – zuletzt im November 2019 auf mehr als 25 Prozent.

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Zurzeit besitzt die DBAG Anteile an knapp 30 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen wie zum Beispiel der Informatioonstechnologie, der Medizintechnik oder Maschinen- und Anlagenbau. Das Portfolio ist sehr breit diversifiziert. In den vergangenen fünf Jahren hat die Deutsche Beteiligungs AG ihre Dividende kontinuierlich erhöht auf zuletzt 1,50 Euro, was gemessen am Kurs zur Hauptversammlung am 20. Februar eine Rendite von 3,7 Prozent bedeutete. Ob die DBAG auch für das laufende Geschäftsjahr die Ausschüttung zumindest stabil halten kann, ist fraglich. Die Analysten von Factset Research rechnen mit einem Rückgang auf 50 Cent je Aktie.

Spezialsituationen ohne langfristige Absicht: Aurelius

Kommen wir nun zur zweiten Gruppe: Investitionen in Unternehmen in Spezialsituationen ohne langfristige Absicht. Das bekannteste Beispiel ist Aurelius aus Grünwald bei München. Gut in Erinnerung ist Börsianern noch die Short-Attacke des US-Hedgefonds Gotham City vom März 2017. Gotham kritisierte in seinem Bericht vor allem die zu hohe Bewertung einzelner Unternehmensbeteiligungen von Aurelius. Dadurch halbierte sich der Aurelius-Aktienkurs. Das Management kündigte zur Abwehr zwei Aktienrückkauf-Programme an und eine Dividendenerhöhung. Die Vorwürfe von Gotham City stellten sich im Nachhinein als falsch heraus.

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius kauft strauchelnde Unternehmen (Restrukturierungsfälle) oder Randaktivitäten großer Konzerne, wenn diese sie nicht weiter betreiben wollen. Aurelius findet niedrig bewertete Aktiva und will sie nach einigen Jahren mit Gewinn veräußern. Die Aktie ist im "m:access" der Börse München notiert. Aufgrund der Konzernstruktur und der Vorgehensweise von Aurelius beim Kauf, der Entwicklung und dem Verkauf von Beteiligungen wird Aurelius in den Medien bisweilen als deutsche Berkshire Hathaway bezeichnet. Man nimmt sich Warren Buffett also auch hier zum Vorbild.

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Die Aurelius-Gruppe teilt sich in fünf Sparten, wovon eine, die Aurelius Wachtumskapital, eine langfristig orientierte Beteiligungsgesellschaft ist (Evergreen-Modell), die in Nachfolgelösungen und kleine, profitable mittelständische Unternehmen investiert ("gut positionierte, mittelständische Unternehmen aller Branchen").

Neben Kapital für Investitionen und Wachstum will man das Management der erworbenen Gesellschaften durch die eigene Erfahrung unterstützen und dabei helfen, geplantes Wachstum zu realisieren und operative Potenziale zu heben. Aurelius versteht sich nicht nur als Investor, sondern auch als unternehmerisch erfahrener, kompetenter und unabhängiger Sparringspartner, der das Management nachhaltig unterstützt. Seit 2005 hat die Aurelius Group über 80 Unternehmenskäufe durchgeführt.

Spezialisiert auf Sanierungsfälle: Bavaria Industries und Blue Cap

Bavaria Industries aus München ist eine börsennotierte Industrieholding, die mittelständische Unternehmen übernimmt, wenn man bei ihnen erhebliches Optimierungspotenzial ausgemacht hat. Das bedeutet auf Deutsch: Man ist spezialisiert auf Sanierungsfälle und kauft Firmen, die kurz vor dem Kollaps stehen.

Die Ausfallquote ist hier relativ hoch, aber wenn ein oder zwei Übernahmeobjekte die Kurve kriegen und wieder Tritt fassen, sind die Renditen in diesen Fällen sehr hoch – analog zu den niedrigen Einstiegskursen bei Pleitekandidaten. Erwähnenswert ist, dass der Vorstand von Bavaria gut 90 Prozent seines eigenen Vermögens in der Holding konzentriert und daher großes Interesse daran hat, den Wert der Bavaria weiter zu steigern. Die Situation ist insofern durchaus zu vergleichen mit mittelständischen Familienbetrieben.

Blue Cap aus München ist im dortigen m:access und im Scale der Börse Frankfurt gelistet. Die Beteiligungsgesellschaft investiert überwiegend in süddeutsche Mittelständler und konzentriert sich dabei auf sanierungsbedürftige oder insolvente Unternehmen, Konzernausgliederungen und Firmen mit ungelöster Nachfolge. Die Töchter werden eigenständig und unternehmerisch geführt.

Im Portfolio Blue Cap befinden sich derzeit zehn Mittelständler aus den Bereichen: Beschichtungs-, Klebstoff-, Kunststoff-, Medizin-, Metall- und Produktionstechnik. Das Geschäftsmodell von Blue Cap ist nicht ganz risikolos, aber wenn die Neupositionierung der günstig erworbenen Töchter gelingt, winken hohe Gewinne.

Mutares restrukturiert Turnarounds

Mutares aus München erwirbt mittelständische Unternehmen in Turnaround-Situationen und restrukturiert sie. Das Geschäftsmodell ist dem von Aurelius ähnlich. Die Beteiligungsgesellschaft hat seit ihrer Gründung im Jahr 2008 25 Unternehmen erworben und mehrere verkauft. Das Portfolio umfasst derzeit 13 Unternehmen aus den Segmenten: Automotive & Mobility, Engineering & Technology sowie Goods & Services. Die Aktien von Mutares werden im Scale-Segment der Börse Frankfurt gehandelt. Ein Schwerpunkt der Beteiligungen liegt in Frankreich.

GBK Beteiligungen aus Hannover

Die GBK Beteiligungen aus Hannover passt nicht richtig in eine der drei Gruppen. Auf der einen Seite investiert man in erfolgreiche Unternehmen, auf der anderen Seite arbeitet man mit Exit-Strategien. GBK konzentriert sich auf Gesellschaften, die für die großen Beteiligungsgesellschaften unter dem Radar liegen. Eine aktive Rolle bei der Führung des jeweiligen Tochterunternehmens strebt man nicht an.

Im GBK-Portfolio befinden sich aktuell rund 30 Mittelständler aus der Automobilindustrie, der Elektrotechnik, der Chemie, dem Transport und der Logistik, dem Maschinen- und Anlagenbau, dem Handel und E-Commerce und dem Dienstleistungssektor. Interessant: Auch bei GBK ist Dirk Rossmann mit 26,6 Prozent beteiligt.

Langfristige Strategien ohne Exit-Orientierung: Buy & Hold

Kommen wir zur dritten Gruppe: langfristige Strategien ohne Exit-Orientierung. Hier ist zuerst die Indus Holding aus Bergisch Gladbach zu nennen. Wie der Name sagt, ist sie eine Industrieholding. Sie beteiligt sich langfristig an Firmen des Mittelstands im deutschsprachigen Raum und ist im SDax gelistet.

Indus beteiligt sich an Unternehmen, die besonders erfolgreich in ihren Nischenmärkten sind, also an unbekannten Weltmarktführern – den sogenannten "Hidden Champions". Die Devise lautet: Buy & Hold & Develop – kaufen, halten, entwickeln. Ziel ist also die langfristige Steigerung des Unternehmenswertes. Ankeraktionärin der Indus Holding ist die Versicherungskammer Bayern mit knapp 20 Prozent der Aktien.

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Indus hält aktuell ein Portfolio aus 47 Unternehmen aus folgenden fünf Bereichen: elf aus Bau/Infrastruktur, neun aus Fahrzeugtechnik, zwölf aus Maschinen- und Anlagenbau, fünf aus Medizin- und Gesundheitstechnik und zehn aus Metalltechnik. Die Beteiligungsgesellschaft erwirbt überwiegend inhabergeführte Unternehmen. Diese Tochtergesellschaften agieren operativ und wirtschaftlich weiterhin selbstständig.

Den steigenden Cashflow nutzt Indus, um damit weitere Beteiligungen übernehmen zu können. Dieser Geschäftsansatz bringt der Holding Pluspunkte bei immer häufiger anstehenden Nachfolgelösungen im Mittelstand, da viele Firmengründer ihr Lebenswerk gerne in gute Hände legen möchten und dabei vor klassischen Finanzinvestoren zurückschrecken.

Indus engagiert sich in den Wirtschaftsbereichen, in denen der deutsche Mittelstand sich über Jahrzehnte eine weltweite Führungsrolle erarbeitet hat. Da Hidden Champions weltweit reüssieren, begleitet die Holding ihre Unternehmen auch auf anderen Kontinenten und außerhalb der DACH-Region. Die Politik ist es, nicht in Quartalen zu denken, sondern in mehreren Jahren. Die Töchter sollen die Zeit haben, sich zu entwickeln und Chancen wahrzunehmen, ohne vierteljährige Erfolge vorweisen zu müssen.

Ähnlichkeiten zur Streuung bei ETFs

Eine Investition in Beteiligungsgesellschaften wie die DBAG oder Indus Holding ähnelt der in einem ETF, mit dem man in diesem Fall breit gestreut in dem Mittelstand investiert. Dabei kann man sich die Expertise der Beteiligungsgesellschaften zunutze machen. Die breite Streuung eines Portfolios ist vorteilhaft: Der Anlagebau etwa ist immer wieder konjunkturellen Zyklen unterworfen. Dagegen geht es im Gesundheitsbereich in der Regel stabiler zu.

Eine Holding hat auch die Funktion, ihre Töchter zu beraten. Sie kann ihren Portfolio-Unternehmen auch als Sparringspartner zur Verfügung stehen und das Controlling übernehmen. Das kann davor bewahren, in eingefahrene Strukturen zu verfallen, statt über kontinuierliches Unternehmertum Neues zu wagen. Gleiches gilt für die Organisation von Wachstumskapital. Ein Mittelständler kann sich hier mit einer erfahrenen Holding im Rücken auf das operative Geschäft konzentrieren, auch wenn es um Expansion ins Ausland geht.

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Rechner topfondsadn
3
Aktienfonds Nebenwerte Deutschland
 
Name
ISIN
Wertzu-
wachs p.a.
 
1.
Alpha Star Aktien A
LU1070113235
16,59 %
Zum Chart
2.
UBS (D) Equity Fund-Smaller Germany C.
DE0009751651
10,17 %
Zum Chart
3.
Lupus alpha Smaller German Champions A
LU0129233093
9,37 %
Zum Chart
Laufzeit: 5 Jahre

Gesco mit einer besonderen Geschäftsphilosophie

In dieselbe Gruppe wie Indus gehört Gesco aus Wuppertal, gelistet im Prime Standard der Deutschen Börse AG. Sie engagiert sich in den Bereichen Gesundheit, Maschinen- und Anlagenbau, Fahrzeugtechnik und Metallverarbeitung und Kunststoffe. Gesco konzentriert sich auf wirtschaftlich gesunde Unternehmen des industriellen Mittelstands, die ohne Exit-Absicht in die Gruppe aufgenommen und weiterentwickelt werden, langfristig also.

Ebenso wie Indus sucht sich Gesco Übernahmekandidaten mit geringer Verschuldung, breiter Abnehmerstruktur, stabilem Geschäftsmodell, guter Position in einer Nische und mit Orientierung mehr am Cash-Flow als am Gewinn – als Ausweis dafür, was tatsächlich in der Kasse verbleibt.

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Gesco ist derzeit an 18 Unternehmen beteiligt. Eine Besonderheit dieses Unternehmens ist ein Teil seiner Geschäftsphilosophie: Die Geschäftsführer einer Tochter sollen selbst einen Anteil von zehn bis 20 Prozent des übernommenen Unternehmens erwerben. Den Rest hält Gesco. Die Geschäftsführung haftet also mit eigenem Kapital. Die Idee dahinter ist, dass die Leitung der akquirierten Firma auch ein eigenes finanzielles Interesse am Unternehmenserfolg hat. Das soll riskante oder unüberlegte Entscheidungen unwahrscheinlicher machen und dadurch das Risiko der Holding verringern.

Max Automation und MBB: Mittelstand im Prime Standard

Die Max Automation aus Düsseldorf ist seit 2015 im Prime Standard der Deutschen Börse gelistet. Ankerinvestor mit knapp 35 Prozent der Aktien ist die Günther-Gruppe aus Hamburg. Sie engagiert sich in den Kernsegmenten Umwelttechnik und Industrieautomation. Die Exportquote liegt bei 60 Prozent. Max Automation ist aktuell an sieben Unternehmen beteiligt. Eines zählt zum Bereich Process Technologies, fünf zu Evolving Technologies und eines zu Environmental Technologies.

MBB ist eine Beteiligungsgesellschaft aus Berlin. Das Kürzel MBB geht zurück auf Messerschmitt-Bölkow-Blohm. Die Aktien werden im Prime Standard der Deutschen Börse gehandelt. Bemerkenswert ist, dass die beiden Gründer bis heute die mehrheitlichen Eigentümer der Gesellschaft sind. MBB konzentriert sich auf den Erwerb und das Management mittelständischer, technologiefokussierter Industrieunternehmen. Die Beteiligungsgesellschaft strebt dabei keinen Wiederverkauf an, sondern eine langfristige Zusammenarbeit und setzt auf Wachstum durch den Kauf neuer Unternehmen sowie die Wertsteigerung der bestehenden Beteiligungen. Das Portfolio besteht aktuell aus sieben Unternehmen.

Die ältesten Beteiligungen (seit 2003) sind Delignit (Holzwerkstoffe) und OBO Werke (Kunststoffe für den Modell-, Werkzeug- und Formenbau). Hanke Tissue (seit 2006) ist ein führender Hersteller bedruckter Servietten. DTS (seit 2008) ist auf Cloud-Computing spezialisiert, und CT Formpolster (seit 2010) produziert Schaumstoffe. Die Aumann AG (seit 2012) ist ein Maschinen- und Anlagenbauer. Friedrich Vorwerk (seit 2019) ist im Rohrleitungsbau tätig.

Die Gründer Christof Nesemeier und Gert-Maria Freimuth sind noch mit 65 Prozent an MBB beteiligt. Nesemeier bezeichnete das Jahr 2019 als das beste der Unternehmensgeschichte aufgrund von drei erfolgreichen Zukäufen, soliden Geschäftszahlen und sehr guten Zukunftsaussichten.

Rechner festgeld
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Festgeld
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
  210,00 €
1,05 %
2.
  150,00 €
0,75 %
3.
  140,00 €
0,70 %
Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre

Die Qual der Wahl

In Beteiligungsgesellschaften steckt ebenso viel Potential wie im Mittelstand. Die Gesellschaften bieten den Vorteil von Expertise und einer breiten Streuung. Wenn man sich entscheidet, in Beteiligungsgesellschaften zu investieren, stellt sich die Frage nach der Auswahl. Dieser Artikel konnte die in Frage kommenden Kandidaten nur kursorisch anreißen. Auf welche Unternehmen man also setzt, muss sich aus weiterer Recherche ergeben.

Grob lässt sich sagen, dass Frühphasen- und Problem-Investoren sicherlich höhere Risiken und höhere Schwankungen aufweisen als Konglomerate, die auf stetige Entwicklung setzen. Aus Sicht einer Buy & Hold-Strategie sind Beteiligungsgesellschaften der dritten Gruppe zu bevorzugen: langfristige Strategien ohne Exit-Orientierung.

Wer aber auf häufigere Umschichtungen und einen stetigeren News-Flow setzen möchte, für den kann auch ein Unternehmen aus der zweiten Gruppe interessant sein, wie Aurelius. Schließlich steht ein eigener langfristiger Investitionsansatz auch nicht einem Engagement bei der Deutschen Beteiligungs AG entgegen.

Biallo-Tipp

Wenn man selbst auf ein langfristige Geldanlage mittels Buy-and-Hold-Strategie Wert legt, dann fährt man nicht verkehrt mit Beteiligungsunternehmen, die langfristige Strategien ohne Exit-Orientierung betreiben.



  Alexander Rudow


 
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