Auf einen Blick
  • Die Sanktionen der EU und der USA treffen auch die russischen Banken. Die beiden größten sind die Sberbank und die VTB.

  • Die Europa-Ableger der beiden Institute sind EU-Banken. Sie unterliegen daher auch der gesetzlichen Einlagensicherung der Europäischen Union.

  • Dennoch sollten Anleger überlegen, ob sie ihr Geld auf den Konten der Institute belassen. Es könnte zur Kriegsfinanzierung genutzt werden. Biallo.de hat die Banken aus seinen Vergleichen genommen.

Update vom 2. März 2022: Die Sberbank Europe AG stellt mit sofortiger Wirkung ihren Betrieb ein. Das hat die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA am 1. März 2022 kurz vor Mitternacht entschieden. Kundinnen und Kunden der Sberbank in Österreich und Deutschland haben keinen Zugriff mehr auf ihre Konten. Dadurch ist der Sicherungsfall eingetreten. Einlagen bis 100.000 Euro sind über die Einlagensicherung AUSTRIA (ESA) geschützt. Die operative Abwicklung der „Sberbank Direct“ übernimmt die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) in direkter Abstimmung mit der ESA. Betroffene Kundinnen und Kunden erhalten in Kürze Post von der EdB. Wie der Entschädigungsprozess genau abläuft und was Sberbank-Kunden jetzt beachten sollten, erfahren Sie in einem separaten Artikel. Gegen Mittag veröffentlichte die Europäische Union zudem eine Liste von sieben Banken, die vom internationalen Zahlungskommunikationssystem SWIFT ausgeschlossen werden: Bank Rossiya, Novikombank, Otkritie, Promsvyazbank, Sovcombank, VEB und VTB. Bei der Umsetzung gilt eine Zehn-Tages-Frist. Die Sberbank und Gazprombank stehen nicht auf der Liste, weil die EU auf Zahlungen im Energiegeschäft angewiesen ist. Der SWIFT-Ausschluss bezieht sich zudem nur auf die Mutterbanken in Russland. Bei der VTB etwa ist die EU-Tochter VTB Bank (Europe) SE als rechtlich eigenständiges Insititut nicht betroffen.  

Update vom 28. Februar 2022: Deutschland und Italien haben ihr Veto mittlerweile zurückgezogen und sich zusammen mit den USA und weiteren Verbündeten am Samstagabend, 26. Februar 2022, auf einen SWIFT-Ausschluss bestimmter russischer Banken geeinigt. Zudem wurden alle Transaktionen mit der russischen Zentralbank verboten. In der Nacht zum Montag verkündete die EZB, dass die Sberbank Europe AG und ihre beiden Tochtergesellschaften in Slowenien und Kroatien „aufgrund einer Verschlechterung ihrer Liquiditätssituation ausfallen oder wahrscheinlich ausfallen" werden. Wie die Bafin am Montag auf ihrer Seite informierte, wurde gegen die Sberbank Europe AG befristet bis 1. März 2022 (23:59 Uhr) „ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot (Moratorium) erlassen, das durch die Finanzmarktaufsichtsbehörde Österreich (FMA) umzusetzen ist“. Eine Ausnahme gelte für Einleger, die „zur Sicherung des nötigsten täglichen Bedarfs“ maximal 100 Euro pro Tag abheben dürfen.

 

VTB und Sberbank: Kunden in Deutschland sind nervös

Es sind schwierige Tage – auch für Anleger. Der Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine hat die Börsen weltweit geschockt. Doch nicht nur Aktienbesitzer machen sich derzeit Sorgen um ihr Geld. Biallo.de erreichen im Moment auch viele Anfragen von Tages- und Festgeldanlegern, die ein Konto bei den europäischen Ablegern der russischen Institute Sberbank und VTB haben. Alleine die „Sberbank Direct“ hat nach eigenen Angaben in Deutschland rund 85.000 Kunden. Die beiden Institute sind auch von den jüngsten Sanktionen betroffen, die die EU am Donnerstagabend beschlossen hat.

Sberbank und VTB sind die beiden größten russischen Banken. Sie haben sich mit ihren EU-Töchtern in Frankfurt (VTB Europe SE) und Wien (Sberbank Europe AG) hierzulande mit vergleichsweise hohen Tages- und Festgeldzinsen einen Namen gemacht. Auch in den Rankings von Biallo.de waren sie häufig ganz vorne zu finden. Die VTB Direktbank betreibt mit VTB Invest in Deutschland auch einen Robo-Advisor.

Angesichts der bedrohlichen Situation um Russland und die Ukraine haben wir uns jedoch entschlossen, die Angebote der Institute komplett von unserer Seite zu nehmen. Denn beide Banken werden mehrheitlich vom russischen Staat kontrolliert. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die angelegten Kundengelder für die Kriegsfinanzierung verwendet werden. Außerdem wollen wir mit diesem Schritt unsere Solidarität mit der Ukraine deutlich machen.

 

Sanktionen gegen russische Banken: Was passiert mit meiner Geldanlage?

Für Sparer allerdings stellt sich die Frage: Was ist mit dem Geld, das sie auf Konten dieser Banken haben? Anlegerinnen und Anleger sollten sich auf jeden Fall gut überlegen, ob sie ihr Geld dort stehen lassen oder nicht zu einer anderen Bank wechseln wollen. Bei der zur Santander-Gruppe gehörenden Openbank etwa erhalten Sie bis 18. April noch anteilig 0,25 Prozent pro Jahr (ab 19. April: 0,10 Prozent). Bei der Renault Bank Direkt und der Südtiroler Sparkasse werden derzeit 0,10 beziehungsweise 0,08 Prozent aufgerufen.

Beim Festgeld gestaltet sich die Lage schwieriger. Hier sind Sie an eine feste Laufzeit gebunden. Das Konto kann nur in absoluten Ausnahmefällen gekündigt werden – etwa, wenn Sie arbeitslos werden oder Ihnen die Privatinsolvenz droht. Allerdings kostet die vorzeitige Auflösung meist eine Strafgebühr und der Zins wird gestrichen oder reduziert. Einzelheiten zu einer frühzeitigen Kündigung eines Festgeldkontos lesen Sie in unserem Ratgeber.

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Sberbank beruhigt die Kunden

Die Sberbank selbst beruhigt ihre Kunden naturgemäß: Geschäfts- und Privatkunden hätten derzeit uneingeschränkt Zugriff auf ihr Vermögen, heißt es in einer Mitteilung der Bank. Man sei „auf jede Entwicklung vorbereitet“ und habe „Szenarien ausgearbeitet, um den Schutz der Vermögen und Interessen der Kunden zu garantieren“.

Die größte Gefahr für die Kundengelder stellen derzeit die Sanktionen der USA und der Europäischen Union (EU) gegen den russischen Bankensektor dar. So beschloss die EU am Donnerstagabend, russische Banken von den EU-Finanzmärkten abzuschneiden. Die Institute sollen sich in der EU künftig kein Geld mehr ausleihen und auch keines mehr verleihen können. Im Raum steht außerdem nach wie vor ein Ausschluss russischer Banken vom internationalen Zahlungssystem SWIFT. Die Institute könnten dann keine internationalen Überweisungen mehr vornehmen, mit denen etwa Im- und Exporte bezahlt werden sollen. Allerdings haben Deutschland und Italien am Donnerstag ihr Veto eingelegt. Offenbar ist die Sorge zu groß, dass dann auch die heimischen Gläubiger von russischen Firmen und Instituten nicht mehr an ihr Geld kommen und in Schwierigkeiten kommen könnten.

Hinweis: Laut Mitteilung vom 3. Mai 2022 schafft es die Sberbank Europe alle Spareinlagen vollständig und aus eigener Kraft zurück zu zahlen.

 

Europäische Töchter gelten als EU-Banken

Je nachdem, wie stark die Sanktionen am Ende die russischen Banken tatsächlich treffen, könnten sie die Institute in eine Schieflage bringen. Das wiederum könnte auch die europäischen Töchter wirtschaftlich in Schwierigkeiten bringen. Im Insolvenzfall wäre das Geld der Anleger jedoch durch die EU-Einlagensicherung geschützt.

Denn die europäischen Töchter von Sberbank und VTB sind EU-Banken. Für sie gilt EU-Recht – und sie sind der jeweiligen EU-Finanzaufsicht unterstellt. Bei der in Frankfurt ansässigen VTB Direkt ist das die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Für die Sberbank Direct, eine Niederlassung der Sberbank Europe AG mit Sitz in Wien, ist es die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA).

Für Anlegerinnen und Anleger der beiden Banken heißt das: Es gelten die Sicherungsmechanismen der Europäischen Union. Die VTB Bank etwa gehört der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken an (EdB). Somit sind Einlagen mit bis zu 100.000 Euro pro Anleger gesetzlich garantiert. Außerdem ist die VTB Europe SE dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (ESF) angeschlossen. Die zusätzliche Sicherungsgrenze beläuft sich auf gut 167 Millionen Euro pro Einleger (Stand: 25. Februar 2022). Bei der Sberbank greift im Entschädigungsfall der österreichische Einlagenfonds in Höhe von 100.000 Euro pro Kunde.

 

Gegenreaktion Russlands als Risiko

Auch eine Gegenreaktion des russischen Staates auf die Sanktionen kann zu einem Risiko für Anlegerinnen und Anleger werden. So könnte es passieren, dass Russland die Banken anweist, das Geld europäischer Kunden nicht mehr herauszugeben – oder gar nach Russland zu transferieren. „Technisch möglich ist das sicherlich“, sagt Eckhard Stickdorn, Rechtsanwalt und Experte für Bankrecht bei der Pockinger Kanzlei Prof. Gerauer Rechtsanwälte.

Auch ein solches Szenario könne ein Fall für die Einlagensicherung sein, sagt Stickdorn: „Wenn russische Vorkehrungen oder westliche Reaktionen zur Insolvenz eines EU-Instituts führen, stellt dies den Einlagensicherungsfall dar“, so der Banken-Jurist. Sei das betreffende Institut Mitglied in der freiwilligen Einlagensicherung, trete auch diese für einen möglichen Schaden der Anleger ein. Das trifft – wie bereits erwähnt – auch auf die VTB Direktbank zu.

Eine Frage bleibt allerdings: Werden Kunden auch dann von der Einlagensicherung entschädigt, wenn der russische Staat ihre Gelder einfriert und das betreffende Institut nicht insolvent geht? Dann kommt es auf die deutsche Finanzaufsicht Bafin an. Damit die Einlagensicherung greift, muss die Bafin formal den sogenannten Entschädigungsfall feststellen. Bei einer Insolvenz ist das in aller Regel der Fall. Wie wir aus Branchenkreisen erfahren haben, ist ist das theoretisch aber auch möglich, wenn die Aufseher zu dem Schluss kommen, dass die Einlagen der Kundinnen und Kunden auf Dauer nicht mehr verfügbar sind. Ob dies in einem solchen Fall zutrifft, hängt von der Situation ab und deren Bewertung durch die Bafin. Bislang allerdings sind die deutschen Einlagensicherungsfonds noch in jedem Entschädigungsfall eingesprungen.

 

Was Festgeld-Anleger jetzt tun sollten

Festgeld-Anleger können sich derzeit daher weitgehend darauf verlassen, dass sie im Fall des Falles ihr Geld über die gesetzliche und freiwillige Einlagensicherung wieder bekommen. Dennoch sollten sie sich gut überlegen, ob sie in der jetzigen Situation ihr Geld auf den Konten der EU-Töchter russischer Banken liegen lassen wollen. Noch ist nicht klar, wie stark die Sanktionen die russischen Banken letztlich treffen werden. Sie stellen aber in jedem Fall ein Risiko für Anleger dar. Überdies ist nicht auszuschließen, dass das Geld, das auf den Konten der EU-Töchter liegt, zur Kriegsfinanzierung verwendet wird.

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