Ist es möglich eine falsche oder doppelte Überweisung vor einer Kontobelastung zurückzuholen?
Wenn die Überweisung noch nicht Ihrem Konto belastet wurde, können Sie bei Ihrer Bank einen Überweisungsrückruf in Auftrag geben. Nutzen Sie bei Bedarf einen Musterbrief für die Rückforderung einer falschen Überweisung. Außerdem sollten Sie schnell sein, da Überweisungen gemäß gesetzlicher Ausführungsfristen von der Bank bearbeitet werden müssen. Im Onlinebanking aufgegebene Überweisungen kommen nach einem Bankarbeitstag und beleghafte Überweisungen nach zwei Bankarbeitstagen beim Empfänger an. Sollten Sie Ihre fehlerhafte Überweisung in einen Überweisungskasten geworfen haben, besteht eventuell die Möglichkeit, dass sich diese noch im Briefkasten oder der Geschäftsstelle befindet. Hier helfen in der Regel die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bank entgeltfrei weiter und vernichten den fehlerhaften Überweisungsbeleg.
Fallen für die Stornierung einer Überweisung Kosten oder Gebühren an?
Der Service des Überweisungsrückrufes ist bei den meisten Banken mit Kosten verbunden. Folgende Gebühren fallen bei den unterschiedlichen Anbietern aus unserem Girokonto-Vergleich an, wenn Sie eine Überweisung zurückziehen wollen:
- Meine Bank: 30,00 Euro
- ING: kostenloses Stornieren in der App möglich
- Hypovereinsbank: 10,00 Euro
- TargoBank: 20,00 Euro
- Comdirect: 14,90 Euro
- DKB: 10,00 Euro
Wie lange kann eine Überweisung nach Kontobelastung zurückgeholt werden?
In diesem Fall verhält es sich wie bei einer Bargeldzahlung. Wenn Sie jemandem Bargeld geben, kann nur diese Person Ihnen auch wieder das Bargeld zurückgeben. Dies bedeutet im Falle einer Fehlüberweisung, dass Sie zwar Ihre Bank mit einer Nachforschung beauftragen können, jedoch der Zahlungsempfänger eine Rückbuchung genehmigen muss. Reagiert der Zahlungsempfänger nicht, bleibt Ihnen als Geschädigtem nur der Weg zum Rechtsanwalt. Schließlich hat der Unbekannte das Geld zu Unrecht erhalten und gilt juristisch gesehen als "ungerechtfertigt bereichert".
Problematisch wird es allerdings, wenn Sie als geschädigter Bankkunde Namen und Adresse des Empfängers nicht ausfindig machen können. Aus datenschutzrechtlichen Gründen erhalten Sie auch keine Kontaktdaten des Zahlungsempfängers von Ihrem Kreditinstitut. Dann ist auch die Hilfe durch einen Rechtsanwalt nicht möglich. Im schlimmsten Fall müssen Sie das Geld abschreiben.
Wie lange besteht ein Recht auf Rückforderung?
Bei geringen Geldbeträgen kann es vorkommen, dass Kontoinhaber den Zahlungseingang aufgrund einer Vielzahl von Transaktionen gar nicht bemerken. Wird das Geld dann unabsichtlich ausgegeben, ist das in der Regel nicht strafbar. Das heißt aber nicht, dass man den Betrag nicht zurückzahlen muss, falls sich der Geschädigte oder die Bank im Nachhinein meldet. Eine Ausnahme besteht nur, wenn sich niemand für die Gutschrift interessiert. Nach drei Jahren ist die Möglichkeit der Rückforderung verjährt.
Wie gehe ich bei einem Betrugsverdacht vor?
Riskant ist es, in Fakeshops die Zahlungsweise Vorkasse per Überweisung auszuwählen. Doch bei zahlreichen unseriösen Onlineshops müssen Sie auf diese Art bezahlen. Und ist der Betrag erst einmal überwiesen, können Sie die Überweisung nicht so leicht wieder zurückholen – nur wenige Tage haben Sie noch eine Chance dazu. Daher halten Fakeshop-Besitzer Kundinnen und Kunden gezielt hin. Zudem ist der genannte Name des Kontoinhabers hier meist keine Hilfe, denn Fakeshops eröffnen die Konten auf den Namen von Dritten, die in der Regel gar nicht wissen, dass sie ein Konto bei der jeweiligen Bank besitzen.
Dennoch – mit ein bisschen Glück, kommen Sie wieder an Ihr Geld:
- Sind Sie sicher, dass Sie in einem Fakeshop gekauft haben? Dann sollten Sie schnellstens Strafanzeige bei der Polizei erstatten.
- Danach wenden Sie sich an Ihre Bank und veranlassen einen kostenpflichtigen Überweisungsrückruf wegen Betrugsverdachts. Schildern Sie genau die Gründe und geben Sie das Aktenzeichen der Anzeige an. In manchen Fällen bekommt man von der gegnerischen Bank eine Rücküberweisung.
- Dadurch werden häufig auch die Compliance-Abteilungen oder die Geldwäschebeauftragten der Banken informiert. Diese prüfen und sperren unter Umständen das Konto. So können keine weiteren Kunden geschädigt werden.
Hinweis: Fallen von Betrügern lauern quasi überall. Neben der Abzocke am Telefon werden Sie auch per Phishing-Mails und Spam-SMS übers Ohr gehauen. Im Internet stoßen Sie beim Onlineshopping auf Fakeshops aber auch auf unseriöse Trading-Anbieter.
Wie lange kann ich eine fehlerhafte Lastschrift zurückholen?
Im Gegensatz zu einer Überweisung, kann eine fehlerhafte Lastschrift in der Regel problemlos zurückgeholt werden. Begründet ist dies dadurch, dass es sich bei einer Lastschrift um eine vom Zahlungsempfänger angestoßene Transaktion handelt, zu der Sie mittels eines SEPA-Mandates im Vorfeld Ihre Zustimmung gegeben haben.
Für autorisierte Lastschriften haben Sie daher acht Wochen für die Rückbuchung Zeit, bei nichtautorisierten Abbuchungen sind es sogar 13 Monate. Weitere Informationen finden Sie in Unserem Ratgeber zum Thema Lastschrift widerrufen & SEPA-Mandat kündigen.
Falsche Überweisung erhalten: Wie verhalte ich mich richtig?
Was tun, wenn sich der eigene Kontostand über Nacht erhöht hat und man den Absender der Gutschrift nicht kennt? Zwei Möglichkeiten besitzen ungerechtfertigte Empfänger einer Überweisung:
- Sie können das Geld selbst an das Ausgangskonto zurücküberweisen. Das ist vor allem bei größeren Summen ratsam, damit keine unlauteren Absichten unterstellt werden können.
- Oder man lässt es zunächst auf dem eigenen Konto stehen und wartet ab, bis man von seiner Bank um das Einverständnis zur Rückbuchung gebeten wird.
Darf man falsch überwiesenes Geld behalten?
Der fälschlicherweise Begünstigte muss das Geld wieder herausrücken, so fordert es das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Der Absender des Geldes hat nämlich einen Herausgabeanspruch (Paragraph 812 BGB). Wörtlich heißt es dort: "Wer durch die Leistung eines anderen oder in sonstiger Weise auf dessen Kosten etwas ohne rechtlichen Grund erlangt, ist ihm zur Herausgabe verpflichtet."
Zwar berufen sich im Fall einer Falschüberweisung die glücklichen Empfänger häufig auf die Regelung der "Entreicherung". Dies ist möglich, zum Beispiel wenn der Kontoinhaber gar nicht mitbekommen hat, dass sein Konto aus Versehen einen zu hohen Kontostand aufweist und er das Geld bereits ausgegeben hat. Die Gerichte erlauben den Tatbestand der "Entreicherung" aber nur in seltenen Fällen.
In einem Urteil des Celler Oberlandesgerichts (Az. 3 U 11/05) warfen die Richter im zu entscheidenden Fall dem Kontobesitzer vor, er habe seine Kontoauszüge nicht regelmäßig geprüft, wozu er als Girokontobesitzer aber verpflichtet sei. Bei genauer Prüfung wäre die Falschüberweisung ansonsten ganz sicher aufgefallen. Der Mann musste die unberechtigt erhaltenen 5.000 Euro erstatten, obwohl er sie bereits ausgegeben hatte.