Sinkt der Schufa-Score bei Minikrediten?

Negative Kreditzinsen Sinkt der Schufa-Score bei Minikrediten?

Manfred Fischer
von Manfred Fischer
02.03.2018
Auf einen Blick
  • Kredit-Vergleichsportale bieten derzeit Kleinkredite von 1.000 Euro mit Minuszinsen an. Das heißt, die Kreditnehmer müssen weniger zurückzahlen, als sie aufgenommen haben.

  • Wer sich für solch ein Lockangebot entscheidet, riskiert allerdings eine Verschlechterung seines Schufa-Scores. Denn auch Minikredite fließen in die Bonitätsberechnung der Auskunfteien ein.
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Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Verbraucher, die sich bei der Suche nach einem Kredit an diesen Spruch halten, könnten es später bereuen. Minikredite zu Minuszinsen, wie sie dieser Tage angeboten werden, fallen bei Wirtschafsauskunfteien nicht durchs Raster. Schufa, Bürgel, Creditreform und andere einschlägige Unternehmen sammeln akribisch Finanzinformationen über Verbraucher. Und bewerten sie. Über das "Wie" allerdings herrscht Schweigen, Geschäftsgeheimnis.

Kredithöhe nicht entscheidend

Beispiel Schufa: Minikredite, so ist von der Auskunftei zu erfahren, "werden genauso behandelt wie andere". Die Höhe des Betrages sei nicht relevant, erklärt eine Unternehmenssprecherin. Inwieweit sich ein solcher Kredit auf den Score auswirkt, lasse sich nicht "per se sagen". Was spielt eine Rolle? "Einzelne Merkmale für sich genommen haben oft keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss auf den Score-Wert einer Person", sagt die Sprecherin. Statistisch relevant seien vor allem Abhängigkeiten einzelner Informationen untereinander. Fragt sich, was den Score nach unten zieht? Antwort: Je nach übriger Datenlage könne "ein bestimmtes Merkmal sowohl einen positiven als auch einen negativen oder gar keinen Einfluss" auf den Wert haben.

So weit, so vieldeutig. Eindeutig stellt sich die Sache für Verbraucher dar, wenn sie nur Kreditkonditionen anfragen – im Gegensatz zur Kreditanfrage. "Kreditkonditionsanfragen sind score-neutral", sagt die Schufa-Sprecherin.

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Transparent macht die Auskunftei auch, wie lange sie Daten speichert und ihren Kunden bereitstellt. Kreditanfragen lösche man nach zwölf Monaten auf den Tag genau aus dem Datensatz des jeweiligen Verbrauchers, heißt es. Für einen Zeitraum von zehn Tagen nach einer Anfrage gibt die Schufa die Daten an Vertragspartner weiter, die sich über den betreffenden Verbraucher erkundigen. So soll verhindert werden, dass jemand eine Vielzahl von Krediten erhält und sich zu hoch verschuldet, begründet die Schufa ihr Procedere.

Fehlbewertungen und fragwürdige Datenquellen

Verbraucherschützer sehen die Scoring-Praktiken der Auskunfteien kritisch. Untersuchungen der Stiftung Warentest zeigen, dass es mit der Score-Neutralität bei Konditionenanfragen nicht immer weit her ist. Schon öfter sind Verbraucher in der Vergangenheit, nachdem sie Konditionen mehrere Banken verglichen hatten, in der Bonität herabgestuft worden. Die Schufa habe dies "als echte Kreditanfragen gewertet", sagte Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband kürzlich im Tagesspiegel. Der Finanzexperte mahnte ein grundlegendes Problem an: Fehlbewertungen.

Pauli und seine Kollegen fordern Klarheit von Schufa und Co. "Welche Daten in das Scoring einfließen und wie das konkrete Ergebnis zustande kommt, ist für Verbraucher nicht nachvollziehbar", sagt Annabel Oelmann von Verbraucherzentrale Bremen. Besonders ärgerlich sei es, wenn Verbrauchern aufgrund ihres für sie nicht nachvollziehbares Schufa-Score keinen Kredit bekommen.

Die von der Schufa eingeführte Möglichkeit für Verbraucher, Selbstauskunft einzuholen, geht Oelmann nicht weit genug. "Zwar können Verbraucher hierdurch das Ergebnis ihrer Bonitätsbewertung einsehen, allerdings ohne Angaben dazu, wie diese Bewertung konkret zustande kommt."

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Alles neu macht der Mai?

Nicht mehr lange, dann sollen Verbraucher leichter automatisierte Bewertungen hinterfragen können. In der EU-Datenschutzgrundverordnung, die am 25. Mai in Kraft tritt, werden von Unternehmen eine Vielzahl von Maßnahmen verlangt, nicht zuletzt auch mehr Transparenz gegenüber Verbrauchern. Danach hat jede Person Anspruch darauf, alle sie betreffende Daten zu erfahren. Und das in "präziser, transparenter, verständlicher und leicht zugänglicher Form in einer klaren und einfachen Sprache".

Doch Papier ist bekanntlich geduldig. "Wir müssen abwarten, inwieweit der Gesetzgeber dieses Thema im Rahmen der EU-Datenschutzverordnung aufgreift und das Scoring dadurch für Verbraucher transparenter macht", sagt Oelmann.

Fazit: So verlockend Minuszins-Kredite sein mögen: Wer nicht ausschließen kann, dass das Geschenk an der Kreditwürdigkeit kratzt, sollte gut überlegen, ob er es annimmt.

Biallo-Lesetipp

Ob kaputte Waschmaschine, Stromnachzahlung oder Autoreparatur: Manchmal ist das ohne Kredit nicht zu stemmen. Doch was, wenn die Hausbank nicht mitspielt? Lesen Sie in unserem Ratgeber Kredit ohne Schufa, worauf es bei der Suche nach Alternativen zu achten gilt.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de