Günstiges Angebot oder Kostenfalle?

Null-Prozent-Finanzierung Günstiges Angebot oder Kostenfalle?

Thomas Brummer
von Thomas Brummer
06.12.2017
Auf einen Blick
  • Die sogenannte Null-Prozent-Finanzierung erfreut sich hierzulande immer größerer Beliebtheit. Das ist das Ergebnis einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

  • Der Bundesgerichtshof hat 2014 entschieden, dass solche Kredite nicht als Verbraucherdarlehensverträge zu gelten haben. Da Kreditnehmer formal keine Zinsen zahlen, haben sie auch keinen Anspruch auf Verbraucherschutzrechte.

  • Verbraucher sollten Vorsicht walten lassen und lieber einen preisgünstigen Ratenkredit abschließen.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Wer sich Geld leiht, muss dafür etwas mehr wieder zurückzahlen. So haben wir das eigentlich mal gelernt. Die Differenz ist der Zins. Doch seit einigen Jahren macht sich eine neue Art der Finanzierung breit: die Null-Prozent-Finanzierung. In der Praxis handelt es sich dabei meist um einen Ratenkredit, den ein Händler gewährt. Das heißt, es gibt eine feste Laufzeit und eine fixe Ratenhöhe. Zinsen: Fehlanzeige. Der Kreditnehmer zahlt also rückwirkend den Kaufpreis monatlich ab.

Auch bei der Schufa verzeichnet man ein zunehmendes Interesse für das Thema Finanzierung. Nach dem Schufa Kredit-Kompass 2017 gingen im Jahr 2011 knapp 12,3 Millionen Anfragen von Banken ein. Im Jahr 2016 waren es bereits mehr als 22,9 Millionen. Das ist immerhin ein Zuwachs von 86,5 Prozent – binnen fünf Jahren.

Eine ähnliche Begeisterung zeigt sich für Händler-Kredite, die häufig eine Null-Prozent-Finanzierung sind. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) gaben nämlich 53 Prozent der Verbraucher an, sie hätten beim Händler nicht gekauft, wenn es die Möglichkeit der Finanzierung nicht gegeben hätte.

Verbraucherschützer warnen vor der Null-Prozent-Finanzierung

Mit Null-Prozent-Finanzierungen sollten Kaufinteressierte nach Ansicht von Verbraucherschützern vorsichtig sein. So heißt es etwa: "Null-Prozent-Finanzierungen sind schnell, unüberlegt und unbürokratisch abgeschlossen: Mitarbeiter des Händlers verfolgen festgelegte Absatzziele und möglicherweise mit der Aussicht auf Provision auch eigene Interessen." 

Kritisch sehen Verbraucherschützer auch, dass die Verkäufer nicht als Bankkaufleute ausgebildet sind und daher oft unzureichend in Sachen Kreditaufnahme beraten können. Lesen Sie weitere negative Aspekte unter dem Punkte "Die Nachteile der Null-Prozent-Finanzierung überwiegen".

Warum bieten Händler die Null-Prozent-Finanzierung an?

Ganz klar: Es geht Händlern um die Steigerung des Umsatzes. Wie die eingangs angeführte Studie zeigt, geht das auch auf. Nach einer GfK-Untersuchung würde mehr als die Hälfte der Verbraucher auf den Kauf verzichten, wenn es nicht die Möglichkeit der Finanzierung gäbe. Besonders praktisch scheint da vielen Kunden die Null-Prozent-Finanzierung zu sein.

Diese Vorteile bietet die Null-Prozent-Finanzierung

Die Vorteile einer Null-Prozent-Finanzierung liegen auf der Hand:

  • Für Anschaffungen ist zunächst keine größere Menge an Eigenkapital nötig. Anschaffungen, die eigentlich nicht ins Budget passen – vielleicht aber dringend notwendig sind – sind so möglich.

  • Selbst wenn die Ersparnisse ausreichen würden, muss man so diese nicht antasten.

  • Häufig ist auch Kapital im Hintergrund, auf das man nicht so schnell zugreifen kann oder will. Etwa ein alter, gut verzinster Bausparvertrag oder aktives Festgeld, das vor einigen Jahren noch zu einem aus heutiger Sicht sehr hohen Zins abgeschlossen wurde.

  • Die Kreditbeschaffung ist unkompliziert.

All das können Gründe sein, lieber auf eine Null-Prozent-Finanzierung zurückzugreifen, als nicht-liquide Mittel zu verwenden. Eine Null-Prozent-Finanzierung kann aber auch dann praktisch sein, wenn vorübergehende finanzielle Engpässe überbrückt werden sollen.

All das sind nachvollziehbare Gründe, sich für eine Finanzierung zu entscheiden. Ob die Null-Prozent-Finanzierung die günstigste Wahl ist, ist von Fall zu Fall individuell zu beurteilen.

Die Nachteile der Null-Prozent-Finanzierung überwiegen

Wie die oben angedeutete Kritik von Verbraucherschützern bereits vermuten lässt, überwiegen aus Verbrauchersicht die negativen Punkte einer Null-Prozent-Finanzierung:

  • Null Prozent, aber die Ware ist überteuert. Häufig lässt sich zwar ein Produkt ohne Zinsen finanzieren. Aber was bringt das, wenn der Händler mehr verlangt als die Konkurrenz?

  • Wer etwa mit einem Ratenkredit oder Autokredit in der Tasche auf Einkaufstour gehen will, kann in der Regel einen guten Rabatt herausschlagen. Der Clou: Der Kunde tritt als Barzahler auf und stärkt damit seine Verhandlungsposition. Das ist mit einer Null-Prozent-Finanzierung im Normalfall nicht möglich.

  • Ein Problem ist auch: Viele Verbraucher gönnen sich Dinge, die sie sich eigentlich nicht leisten können. Die Folge: Unüberlegte Anschaffungen, die Monat für Monat die Haushaltskasse belasten.

  • Verstärkt wird dieser Effekt in vielen Fällen von aggressiver Werbung, die dem Kunden suggerieren soll, er könne problemlos zugreifen.

  • Auch die scheinbar kleinen Monatsraten summieren sich zu einem beachtlichen Betrag. Dennoch können die vermeintlich kleinen Beträge dazu verleiten, weitere Produkte über eine Null-Prozent-Finanzierung zu kaufen. Am Ende droht die Schuldenfalle.

Diese Kostenfallen lauern bei der Null-Prozent-Finanzierung

Neben den zuvor genannten Nachteilen gesellen sich noch weitere handfeste Negativargumente dazu.

  • Null-Prozent klingt günstig. Das täuscht aber oft. Unter Aufschriften wie "Restschuldversicherung", "Kreditausfallversicherung" oder "Ratenschutzversicherung" entpuppt sich die Null-Prozent-Finanzierung schnell zur teuren Falle.

  • Zu einer Verteuerung kann es aber auch kommen, indem andere Zusatzkosten zutage treten. Es können etwa Gebühren für die Kontoführung erhoben werden.

  • Eine andere kostspielige Folge durch die Aufnahme einer Null-Prozent-Finanzierung kann die Dispofalle sein. Denn wer durch die monatlichen Raten regelmäßig ins Minus rutscht, muss dafür zahlen. Selbst in der gegenwärtigen Mini-Zins-Landschaft gibt es Banken, die dafür mehr als zehn Prozent Zinsen nehmen. Kundenfreundlich zeigen sich hier dagegen sogenannte Direktbanken, wie DKB, Comdirect, Consorsbank oder ING-Diba. Aber auch einige Sparkassen und VR-Banken bieten moderate Dispozinsen.

  • Aufgrund der oft nicht ausreichenden Beratung schließen Kunden immer wieder Rahmenkredite ab. Für diesen Rahmenkredit gilt dann die Null-Prozent-Finanzierung nicht, stattdessen fallen dann Zinsen in der Größenordnung des Dispos an.

  • Ebenfalls ein kritisches Phänomen bei der Null-Prozent-Finanzierung ist die sogenannte Ballonrate, die gerade bei Autofinanzierungen auftritt. Endet die vereinbarte zinsfreie Laufzeit, lauert bereits eine hohe Abschlussrate. Um diese abzulösen, müssen zahlreiche Kunden einen Kredit aufnehmen.

  • Kombi-Pakete sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Finanzierungen erfolgen dann über einen Rahmenkreditvertrag. Ist die Rückzahlung nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt geschehen, greifen die hohen Zinsen des Rahmenkredits.

  • Mit einer Null-Prozent-Finanzierung verlieren Verbraucher auch wesentliche Schutzrechte. So hat der Bundesgerichtshof 2014 entschieden, dass solche Kredite nicht als Verbraucherdarlehensverträge zu gelten haben. Da formal keine Zinsen gezahlt werden müssen, haben Kunden keinen Anspruch auf Verbraucherschutzrechte (Az.: XI ZR 168/13).

Ratenkredit oder Null-Prozent-Finanzierung: Was ist die günstigste Wahl?

Ein Ratenkredit - beim Autokauf entsprechend ein Autokredit - ist grundsätzlich vorzuziehen. Die möglichen Kostenfallen, die bei der Null-Prozent-Finanzierung lauern, zeigen, dass diese Art der Finanzierung für Verbraucher meist nicht geeignet ist. Ratenkredite sind dagegen transparenter. Besonders jene, die bonitätsunabhängig ausgereicht werden und dennoch günstig sind. Das gilt etwa bei DKB, SKG Bank oder ING-Diba. Aber auch regionale Anbieter wie PSD Bank Chemnitz, PSD Bank Sachsen oder Sparda-Bank Hannover überzeugen.

Wenn Sie ein Auto finanzieren möchten, bietet sich ein Autokredit an. Viele Banken unterscheiden nicht zwischen Raten- und Autokredit, doch einige verlangen für den Autokredit niedrigere Zinsen. Das Risiko für Banken ist geringer, denn das Auto kann notfalls verkauft werden und damit Geld einspielen. Das ist beispielsweise bei ING-Diba, Bank of Scotland und Postbank der Fall.

Vorsicht: Bei der Bank of Scotland sind die Zinsen von der Bonität abhängig. Allerdings ist die Zinsspanne vergleichsweise gering. Gleiches gilt für die Postbank. Doch hier ist die Zinsspanne deutlich größer.

Im schlechtesten Fall steigt der Zins enorm an. Keinen Unterschied zwischen Raten- und Autokredit machen dagegen etwa DKB, SKG Bank und Deutsche Skatbank.

Darauf sollten sie bei der Null-Prozent-Finanzierung achten

Mehrere Angebote einholen

Wichtig ist, dass der Händler nicht überteuert verkauft und sich damit über die Hintertür doch noch seine Zinsen holt. Prüfen Sie also die Angebote und Preise am Markt und holen Sie mehrere Angebote ein, bevor Sie sich für eine vermeintlich günstige Null-Prozent-Finanzierung entscheiden.

Vertrag genau prüfen & nachrechnen

Auch auf das Kleingedruckte kommt es an. Fallen etwa Kontoführungsgebühren an, ist Vorsicht geboten. Gleiches gilt bei angeblich notwendigen zusätzlichen Versicherungen oder Konstellationen, bei denen über Umwege doch noch saftige Zinsen fällig werden, wie in Kapitel "Diese Kostenfallen lauern bei der Null-Prozent-Finanzierung" nachzulesen ist.

Selbst-Test vor Kauf

Leben Sie aber auch nicht über Ihre Verhältnisse. Denn selbst bei einer einwandfreien Null-Prozent-Finanzierung müssen Sie irgendwann den Kaufpreis vollständig gezahlt haben. Daher gilt vor jeder Finanzierung, sich ehrlich selbst zu beantworten, wie hoch die monatliche Belastung wirklich sein darf. Lassen Sie bewusst noch etwas Spielräume und planen Sie nicht zu knapp, denn Sie brauchen noch Reserven. Achten Sie außerdem darauf, dass Widerruf möglich ist. Oft ist das nämlich nicht vorgesehen.

Rechenbeispiele

Ihre Meinung ist uns wichtig
Thomas Brummer
Thomas Brummer
Redakteur
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Thomas Brummer
Thomas Brummer

Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Thomas Brummer
Thomas Brummer

Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de