Wertpapierhandel

Gratishandel mit dem "Smartbroker" im Test

12.06.2020
Auf einen Blick
  • Die Wallstreet Online AG bietet mit ihrem Produkt "Smartbroker" teilweise kostenlosen Wertpapierhandel an.

  • Der Gratishandel beschränkt sich auf Transaktionen von mindestens 500 Euro via Gettex, ebenso können Derivate von ausgewählten Premium-Partnern kostenfrei geordert werden.

  • Kunden zahlen einen Negativzins von 0,50 Prozent ab einer festgelegten Cash-Quote von 15 Prozent (Depot-Cashbestand).
Smartbroker: Trading nur über den Desktop.
Imilian / Shutterstock.com

In den vergangenen Jahren wurde der Börsenhandel weltweit immer günstiger. Diese Entwicklung ist vor allen neuen Smartphone-Brokern wie Robinhood aus den USA oder Trade Republic aus Deutschland zu verdanken. Dass man heute jedoch Einzelaktien und ETFs für null Euro ordern kann, liegt nicht nur an den neuen Brokern selbst.

Schließlich sind es in erster Linie die Handelsplätze, welche entsprechende Konditionen ermöglichen. Zu nennen wären hier beispielsweise LS Exchange (Hamburg) sowie Gettex (München) oder Quotrix (Düsseldorf).

Neuere Anbieter wie die bereits genannte Trade Republic aber auch der Gratisbroker und JustTrade haben hier einen Nachteil: Bei ihnen ist der Handel nur über eine bis maximal zwei Börsen möglich. Zudem sind Nutzer bei Trade Republic bei ihren Orders auf das Smartphone beschränkt. Für diese zwei Nachteile bietet nun der Smartbroker von Wallstreet Online eine Lösung. Wir haben uns das Angebot genauer angeschaut.

Lesen Sie auch:
Justtrade-Chef im Interview – "Würden Negativzinsen sofort abschaffen"

Der Test

Zum Testzeitpunkt war für den Smartbroker keine eigene App verfügbar. Die Depoteröffnung läuft via Post-Ident ohne Unterschrift und ist aktuell nur am PC beziehungsweise Notebook möglich. Leider gibt es auch kein Demokonto, mit dem sich potenzielle Neukunden einen ersten Überblick zum Funktionsumfang des Depots verschaffen können.

Lesen Sie auch: ETF-Sparplan – Mit monatlichen Sparraten zum Vermögensaufbau

Depotführende Bank ist DAB BNP Paribas, wo die Kunden letztendlich ihr Depot online führen. Die französische Großbank wickelt ihr eigenes Privatkundengeschäft in Deutschland über die Tochter Consorsbank ab. Man kann also generell davon ausgehen, dass die technische Verfügbarkeit hier vergleichbar sein sollte.

Besonders ist an Smartbroker der breite Umfang an Handelsplätzen, die allerdings nicht einheitlich bepreist werden. Kostenfreien Handel gibt es ab 500 Euro je Order bei Gettex, ein Euro fallen über LS Exchange an. Auch hier gilt die 500 Euro Mindestorder. Wird bei beiden Handels-Plattformen die 500-Euro-Grenze unterschritten, wird eine Gebühr in Höhe von jeweils vier Euro pro Trade fällig. Zum Vergleich: Bei Trade Republic fällt der identische Preis bei Einzelaktien via LS Exchange an, jedoch gibt es keine Mindesthöhe bei der Order. 

Darüber hinaus können Smartphone-Nutzer an den deutschen Regionalbörsen sowie Xetra und Tradegate handeln. Auch das Angebot im Hinblick auf außerbörslichen Handel und Auslandsbörsen ist sehr breit gefächert. Zur Auswahl stehen unter anderem HSBC, Vontobel, UBS und Morgan Stanley sowie natürlich NYSE und Nasdaq. Wer allerdings direkt über Xetra handeln möchte, muss einen deutlichen Aufpreis zahlen: Abseits von Gettex und LS Exchange fallen vier Euro je Order an.

Wir würden allerdings dazu raten, eine Order generell zu den Xetra-Handelszeiten über Gettex oder LS Exchange zu platzieren, da die Spreads sich dann in der Regel ohnehin angleichen. Depotüberträge zu Smartbroker sind bereits möglich. Der wohl ärgerlichste Kostenpunkt bei Smartbroker bleiben jedoch eindeutig die Negativzinsen für Cash-Bestände.

Kunden sollten in jedem Falle darauf achten, keinesfalls mehr als 15 Prozent des Depotbestands in Form von Guthaben auf dem Depot-Verrechnungskonto zu parken. In diesem Falle berechnet der Broker nämlich einen Negativzins in Höhe von 0,5 Prozent.

Lesen Sie auch: Wasserfonds und ETFs – "Blaues Gold" bietet attraktive Renditechancen

Vergleich zum Wettbewerb

Direkte Konkurrenten zum Smartbroker wären Trade Republic beziehungsweise Gratisbroker. Die Konditionen sind hier vergleichbar, jedoch muss man Abstriche bei den Handelsplätzen, der Verfügbarkeit am Computer oder den handelbaren Finanzinstrumente machen. Beispielsweise bekommen Kunden von Trade Republic nahezu ausschließlich ETFs von BlackRock angeboten.

Lesen Sie auch: Wie Anleger Verluste steuerlich geltend machen

Interessant ist bei Smartbroker die breite Auswahl an kostenfrei handelbaren Derivaten über die Premiumpartner Morgan Stanley, Vontobel und HSBC. Bei Trade Republic ist man hier beispeilsweise stark auf die Angebote von HSBC eingeschränkt, der Gratisbroker bietet zusätzlich Optionsscheine und Zertifikate über HVB onemarkets und will das Angebot in Zukunft weiter ausbauen.

Lesen Sie auch: Rendite mit Megatrends – Die Zukunft im Depot 

Auch hier gilt wieder die Devise: Man sollte einen Broker wählen, der die eigenen Handelsbedürfnisse optimal abdeckt. Generell dürften die meisten Nutzer allerdings mit der Angebotspalette der britischen Großbank HSBC schon relativ gut fahren.

Smartbroker

Trade Republic

Gratisbroker

Einzelwerte (DAX)

Abhängig vom Handelsplatz Gettex kostenlos (ab 500€)

1 €

Kostenlos (ab 500 Euro)

ETFs

siehe Einzelwerte

1 €

Kostenlos (ab 500 Euro)

Quelle: Preisverzeichnisse, eigene Recherche

Fazit

Das Angebot von Smartbroker ist vor allem für Verbraucher interessant, die eine vergleichsweise große Auswahl an Handelsplätzen bei relativ niedrigen Transaktionskosten benötigen. Zudem gibt es natürlich immer noch viele Kunden, die eher am Computer beziehungsweise Notebook statt dem Smartphone handeln wollen. Dennoch wäre eine App wünschenswert.

Knackpunkte sind jedoch eindeutig die Mindestorder von 500 Euro sowie Negativzinsen. Warum bei Smartbroker via LS Exchange eine Mindestorder von 500 Euro verlangt wird, erschließt sich uns nicht. Beispielsweise nutzt Trade Republic ebenfalls das elektronische Handelssystem von Lang & Schwarz, jedoch gibt es diese Beschränkung dort nicht.

Ebenfalls fallen keine Minuszinsen an. Generell sollte man sich vor der Eröffnung eines Wertpapierdepots zunächst Gedanken machen, welche Finanzinstrumente (Einzelaktien, ETFs, Derivate) gehandelt werden. Die meisten Kunden dürften zumindest bei Aktien mit den Handelsplätzen LS Exchange und Gettex bereits gut versorgt sein. Wer also bereit ist, bei den verfügbaren Börsen gewisse Abstriche zu machen, findet am Markt durchaus Broker mit vergleichbaren Konditionen ohne Mindestorder beziehungsweise Negativzinsen.

Biallo-Tipp

Bei der Depotauswahl lohnt es sich, auch die Auslandsbroker im Auge zu behalten. Diese sind oftmals nicht nur günstig, sondern bieten auch ETF-Sparpläne an in Deutschland weniger häufig genutzen Börsenplätzen. Wer sich für ein Wertpapierdepot bei einem Auslandsbroker interessiert, muss seine realisierten Gewinne und Dividendeneinnahmen selbst in der Steuererklärung angeben bzw. die entsprechende Kapitalertragssteuer abführen. Nur Broker im Inland erledigen dies üblicherweise automatisch.



  Björn König


 
 
 
 
Powered by Telsso Clouds