Wie funktionieren eigentlich Lebenszyklusfonds?

Vermögensaufbau Wie funktionieren eigentlich Lebenszyklusfonds?

Peter Rensch
von Peter Rensch
18.01.2019
Auf einen Blick
  • Lebenszyklusfonds fristen hierzulande noch ein Schattendasein. In den USA ist die Anlageform dagegen ein beliebtes Mittel für den Vermögensaufbau.

  • Lebenszyklusfonds setzen – wie der Name schon sagt – auf eine zyklische Anlagestrategie.

  • Je näher das Laufzeitende kommt, desto geringer wird die Aktienquote und umso höher steigt der Anteil, der sicher angelegt wird.
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Lebenszyklusfonds – auch Zielsparfonds genannt – richten sich an Anleger, die ein langfristiges Sparziel mit einem ausgewogenen Risiko-Rendite-Verhältnis bevorzugen. Bei diesen Produkten wird das Laufzeitende beim Ausgabezeitpunkt festgelegt. Das heißt, Sie können exakt kalkulieren, wann Sie die Fondssumme ausgezahlt bekommen. Zudem ändert sich im Laufe der Jahre die Anlagestrategie und das Risiko wird gegen Ende der Laufzeit reduziert.

Während der Laufzeit, die meist mehrere Jahrzehnte beträgt, können Sie Ihre Fondsanteile börsentäglich veräußern. Das Laufzeitende erkennen Sie am Zusatz des Fondnamens wie beispielsweise 2035 oder 2045.

"Lebenszyklusfonds sind insbesondere für langfristiges Sparen für die Altersvorsorge geeignet. Denn mit den automatischen und zum Ablaufzeitpunkt zunehmenden Umschichtungen in defensivere Anlagen wird mindestens der Erhalt der Einzahlungen angestrebt und erreichte Wertzuwächse werden abgesichert", erklärt Stephan Kropp, Leiter Vorsorge und Vermögensaufbau bei der Dekabank.

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Risiko sinkt mit steigendem Alter

"Lebenszyklusfonds sind eine längerfristige Anlage in Investmentfonds", erklärt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Zu Beginn ist ein großer Teil in chancenorientierten Aktienfonds angelegt und nur ein geringer Teil in risikoarmen Renten- oder Geldmarktfonds." Hintergrund: Anleger, die sich dem Rentenalter nähern, sollten weniger in volatile Werte investieren. In jüngeren Jahren wiederum sollte die Rendite im Fokus stehen.

Wenn Sie zum Beispiel kurz vor Renteneintritt in Aktien investieren und einen Kursverlust erzielen, wird es schwierig, in einem kurzen Zeitraum diesen Schaden wieder auszugleichen. Im Gegensatz zu jüngeren Anlegern, die ein höheres Risiko eingehen und einen möglichen Verlust durch Umschichtungen im Laufe der Jahre umwandeln können.

Deshalb auch der Name Lebenszyklusfonds, die sich an dieser zyklischen Anlagestrategie orientieren. Durch die Mischkalkulation kann eine attraktive Rendite erzielt werden, ohne ein überhöhtes Risiko einzugehen.

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Lesetipp

Niedrige Kosten, satte Renditen – das versprechen sogenannte Robo-Advisor.

Probates Mittel zur Altersvorsorge

Dieses Prinzip gibt es grundsätzlich auch im Bereich der staatlichen geförderten Altersvorsorge bei Riester-Fondssparplänen. Diese müssen bestimmte Garantien enthalten. Lebenszyklusfonds gibt es auch im nicht geförderten Bereich der Altersvorsorge. Im Gegensatz zu Riesterprodukten können solche Lebenszyklusfonds bestimmte Garantien enthalten, müssen es aber nicht.

Allerdings liegt hier im Vergleich zu herkömmlichen Fonds ein Nachteil: Während Lebenszyklusfonds sich an Quoten orientieren (Verhältnis von Aktienanteilen zu anderen Wertpapieren), handeln andere Fondsmanager flexibel und reagieren auf Marktentwicklungen. Das kann zwar das Risiko erhöhen, jedoch auch höhere Renditen generieren.

"Anleger haben es nicht selbst in der Hand, zu welchem Zeitpunkt Umschichtungen vorgenommen werden. Im schlimmsten Fall verkauft die Fondsgesellschaft Anteile an Aktienfonds, wenn die Kurse gerade 'im Keller' sind", sagt Verbraucherschützer Scherfling. "Dann realisieren Anleger durch die Umschichtung Verluste. Hätten die Anleger in Eigenregie gehandelt, gäbe es die Alternative, erst umzuschichten, wenn sich die Kurse wieder erholt haben."

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3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
25,02
1,00%
2.
25,00
1,00%
3.
17,51
0,70%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 3 Monate

Alles aus einer Hand

Von der Struktur her handelt es sich bei Lebenszyklusfonds um Investmentfonds, jedoch wie erwähnt mit fester Laufzeit und einem fest eingeplanten Strategiewechsel. Die Vorteile liegen in dem begrenzten Verlustrisiko durch die lange Laufzeit. Zudem müssen sich Anleger im Gegensatz zu anderen Fondsklassen während des Anlagezeitraums nicht um Umschichtungen kümmern. Allerdings können Änderungen in der eigenen Lebensplanung oder gesetzliche Änderungen dazu führen, dass Anleger doch noch einmal selbst aktiv werden müssen.

Auf der anderen Seite binden Sie sich mit Lebenszyklusfonds für einen langen Zeitraum und wenn Sie in der ersten risikoorientierten Phase verkaufen wollen, müssen Sie Verluste mit einkalkulieren.

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Die Gebühren für Lebenszyklusfonds sind unterschiedlich. "In der Praxis können Anleger durchaus Fondsanteile mit rabattierten Ausgabeaufschlägen oder sogar ohne Ausgabeaufschlag erwerben. Die jährlichen Verwaltungskosten von aktiv gemanagten Fonds liegen oft zwischen 1,25 und zwei Prozent. Wer einen besonders teuren Fonds erwischt, kann hier auch deutlich mehr zahlen. Gegebenenfalls kommen noch weitere Kosten hinzu, wie zum Beispiel erfolgsabhängige Gebühren", sagt Scherfling.

Lebenszyklusfonds sind in den USA ein beliebtes Finanzprodukt, in Deutschland schon seit 2005 im Angebot. Jedoch konnten sie sich bisher auf dem Markt nicht nachhaltig durchsetzen. Was bei dieser Anlageform unter anderem an der langen Laufzeitbindung liegt. Aktuell nutzen hauptsächlich Arbeitgeber Lebenszyklusfonds für die betriebliche Altersvorsorge.

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  • Biallo-Tipp: Der Anlagehorizont sollte zu Ihrer Lebensplanung passen, da Sie sich für einen langen Zeitraum binden. Für einen 50-jährigen Anleger macht es wenig Sinn, einen Lebenszyklusfonds mit 30-jähriger Laufzeit abzuschließen, was wieder für eine 35-Jährigen positiv im Hinblick auf den Renteneintritt sein kann.

Ausgewogene Mischung

"Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass langfristig orientierten Vorsorgesparern, die eine 'Investmentautomatik' wünschen, Lebenszyklusfonds eine sehr gute Balance aus angestrebtem Werterhalt zum Zieltermin und den Renditechancen an den Kapitalmärkten bieten", sagt Vorsorge-Experte Kropp. Das gelte insbesondere in einem andauernden Niedrigzinsumfeld. Dies unterstreiche die grundsätzliche sehr gute Eignung dieser Produkte auch für künftiges Vorsorgesparen.

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Fazit

Wer einen langfristigen Vermögensaufbau mit relativ niedrigem Risiko anstrebt und sicher ist, dass er sein Geld nicht vor Laufzeitende benötigt, für den sind Lebenszyklusfonds eine bequeme und zielgerichtete Anlageform. Entscheidender Vorteil: Sie müssen sich nicht um Umschichtungen kümmern. Allerdings sollten Sie vergleichen und prüfen, ob der lange Anlagezeitraum zu Ihrer Lebensplanung passt. Dabei sollten Sie auch bedenken, dass nur Renten- und Lebensversicherungen eine regelmäßige Zahlung bis zum Lebensende garantieren. Lebenszyklusfonds leisten nach dem Laufzeitende keine monatlichen Zahlungen für die Altersvorsorge.

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ist gelernter Bankkaufmann und war zuletzt sieben Jahre Chefredakteur bei Springer Fachmedien in Wiesbaden. Dort war er verantwortlich für die Print- und Online-Objekte Bankmagazin, Bankfachklasse und SalesBusiness. Seit 2011 ist er freier Journalist und hat sich auf Finanz- und Verbraucherthemen spezialisiert.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de