Vermögensaufbau

Wie funktionieren eigentlich Lebenszyklusfonds?

Update: 10.09.2019
Auf einen Blick
  • Lebenszyklusfonds fristen hierzulande noch ein Schattendasein. In den USA ist die Anlageform dagegen ein beliebtes Mittel für den Vermögensaufbau.

  • Lebenszyklusfonds setzen – wie der Name schon sagt – auf eine zyklische Anlagestrategie.

  • Je näher das Laufzeitende kommt, desto geringer wird die Aktienquote und umso mehr nimmt der Anteil zu, der sicher angelegt wird.
Die Uhr tickt: Lebenszyklusfonds haben ein festgeschriebenes Ablaufdatum.
Sergey Nivens / Shutterstock.com

Lebenszyklusfonds – auch Zielsparfonds genannt – richten sich an Anleger, die ein langfristiges Sparziel mit einem ausgewogenen Risiko-Rendite-Verhältnis bevorzugen. Bei diesen Produkten wird das Laufzeitende beim Ausgabezeitpunkt festgelegt. Das heißt, Sie können exakt kalkulieren, wann Sie die Fondssumme ausgezahlt bekommen. Zudem ändert sich im Laufe der Jahre die Anlagestrategie, und das Risiko wird gegen Ende der Laufzeit reduziert.

Während der Laufzeit, die meist mehrere Jahrzehnte beträgt, können Sie Ihre Fondsanteile börsentäglich veräußern. Das Laufzeitende erkennen Sie am Zusatz des Fondnamens wie beispielsweise "2035" oder "2045".

"Lebenszyklusfonds sind insbesondere für langfristiges Sparen für die Altersvorsorge geeignet. Denn mit den automatischen und zum Ablaufzeitpunkt zunehmenden Umschichtungen in defensivere Anlagen wird mindestens der Erhalt der Einzahlungen angestrebt und erreichte Wertzuwächse werden abgesichert", erklärt Stephan Kropp, Leiter Vorsorge und Vermögensaufbau bei der Dekabank.

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Risiko sinkt mit steigendem Alter

"Lebenszyklusfonds sind eine längerfristige Anlage in Investmentfonds", erklärt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Zu Beginn ist ein großer Teil in chancenorientierten Aktienfonds angelegt und nur ein geringer Teil in risikoarmen Renten- oder Geldmarktfonds."

Hintergrund: Anleger, die sich dem Rentenalter nähern, sollten weniger in volatile Werte investieren. In jüngeren Jahren wiederum sollte die Rendite im Fokus stehen. Wenn Sie zum Beispiel kurz vor Renteneintritt in Aktien investieren und einen Kursverlust erzielen, wird es schwierig, in einem kurzen Zeitraum diesen wieder auszugleichen. Anders sieht das bei jüngeren Anlegern aus: Sie können ein höheres Risiko eingehen und einen möglichen Verlust durch Umschichtungen im Laufe der Jahre umwandeln.

Deshalb auch der Name Lebenszyklusfonds, die sich an dieser zyklischen Anlagestrategie orientieren. Durch die Mischkalkulation kann eine attraktive Rendite erzielt werden, ohne ein überhöhtes Risiko einzugehen.

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Lesetipp

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Probates Mittel zur Altersvorsorge

Dieses Prinzip gibt es grundsätzlich auch im Bereich der staatlich geförderten Altersvorsorge bei Riester-Fondssparplänen. Diese müssen bestimmte Garantien enthalten. Lebenszyklusfonds gibt es auch im nicht geförderten Bereich der Altersvorsorge. Im Gegensatz zu Riesterprodukten können solche Lebenszyklusfonds bestimmte Garantien enthalten, müssen es aber nicht.

Allerdings liegt hier im Vergleich zu herkömmlichen Fonds ein Nachteil: Während Lebenszyklusfonds sich an Quoten orientieren (Verhältnis von Aktienanteilen zu anderen Wertpapieren), handeln andere Fondsmanager flexibel und reagieren auf Marktentwicklungen. Das kann zwar das Risiko erhöhen, jedoch auch höhere Renditen generieren.

"Anleger haben es nicht selbst in der Hand, zu welchem Zeitpunkt Umschichtungen vorgenommen werden. Im schlimmsten Fall verkauft die Fondsgesellschaft Anteile an Aktienfonds, wenn die Kurse gerade 'im Keller' sind", sagt Verbraucherschützer Scherfling. "Dann realisieren Anleger durch die Umschichtung Verluste. Hätten die Anleger in Eigenregie gehandelt, gäbe es die Alternative, erst umzuschichten, wenn sich die Kurse wieder erholt haben."

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Ausgewählte Lebenszyklusfonds

Name ISIN Währung Perf. (kum.)
1 Jahr
Perf.  (kum.)
3 Jahre
Perf.  (kum.)
5 Jahre
Deka-Zielfonds 2020-2024 DE000DK0A0E9 Euro 1% -0,62% 1,29%
Allianz Finanzplan 2020 LU0239364531 Euro 1,55% 2,05% 11,56%
Fidelity Target 2030 LU0251131362 Euro 6,14% 19,80% 34,91%

Alles aus einer Hand

Von der Struktur her handelt es sich bei Lebenszyklusfonds um Investmentfonds, jedoch mit fester Laufzeit und einem fest eingeplanten Strategiewechsel. Die Vorteile liegen in dem begrenzten Verlustrisiko durch die lange Laufzeit. Zudem müssen sich Anleger im Gegensatz zu anderen Fondsklassen während des Anlagezeitraums nicht um Umschichtungen kümmern. Allerdings können Änderungen in der eigenen Lebensplanung oder gesetzliche Änderungen dazu führen, dass Anleger doch noch einmal selbst aktiv werden müssen.

Auf der anderen Seite binden Sie sich mit Lebenszyklusfonds für einen langen Zeitraum, und wenn Sie in der ersten risikoorientierten Phase verkaufen wollen, müssen Sie Verluste mit einkalkulieren.

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Die Gebühren für Lebenszyklusfonds sind unterschiedlich. "In der Praxis können Anleger durchaus Fondsanteile mit rabattierten Ausgabeaufschlägen oder sogar ohne Ausgabeaufschlag erwerben. Die jährlichen Verwaltungskosten von aktiv gemanagten Fonds liegen oft zwischen 1,25 und zwei Prozent. Wer einen besonders teuren Fonds erwischt, kann hier auch deutlich mehr zahlen. Gegebenenfalls kommen noch weitere Kosten hinzu, wie zum Beispiel erfolgsabhängige Gebühren", sagt Scherfling.

Lebenszyklusfonds sind in den USA ein beliebtes Finanzprodukt. in Deutschland sind sie schon seit 2005 im Angebot. Jedoch konnten sie sich bisher auf dem Markt nicht nachhaltig durchsetzen. Was bei dieser Anlageform unter anderem an der langen Laufzeitbindung liegt. Aktuell nutzen hauptsächlich Arbeitgeber Lebenszyklusfonds für die betriebliche Altersvorsorge.

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  • Biallo-Tipp: Der Anlagehorizont sollte zu Ihrer Lebensplanung passen, da Sie sich für einen langen Zeitraum binden. Für einen 50-jährigen Anleger macht es wenig Sinn, einen Lebenszyklusfonds mit 30-jähriger Laufzeit abzuschließen. Für einen 35-Jährigen kann das positiv im Hinblick auf den Renteneintritt sein.

Ausgewogene Mischung

"Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass langfristig orientierten Vorsorgesparern, die eine 'Investmentautomatik' wünschen, Lebenszyklusfonds eine sehr gute Balance aus angestrebtem Werterhalt zum Zieltermin und den Renditechancen an den Kapitalmärkten bieten", sagt Vorsorge-Experte Kropp. Das gelte insbesondere in einem andauernden Niedrigzinsumfeld. Dies unterstreiche die grundsätzlich sehr gute Eignung dieser Produkte auch für künftiges Vorsorgesparen.

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Fazit

Wer einen langfristigen Vermögensaufbau mit relativ niedrigem Risiko anstrebt und sicher ist, dass er sein Geld nicht vor Laufzeitende benötigt, für den sind Lebenszyklusfonds eine bequeme und zielgerichtete Anlageform. Entscheidender Vorteil: Sie müssen sich nicht um Umschichtungen kümmern. Allerdings sollten Sie vergleichen und prüfen, ob der lange Anlagezeitraum zu Ihrer Lebensplanung passt. Dabei sollten Sie auch bedenken, dass nur Renten- und Lebensversicherungen eine regelmäßige Zahlung bis zum Lebensende garantieren. Lebenszyklusfonds leisten nach dem Laufzeitende keine monatlichen Zahlungen für die Altersvorsorge.



  Peter Rensch


 
 
 
 
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