Wie hängen Rezession und Inflation zusammen?
Die Inflation bezeichnet den Anstieg des Preisniveaus über einen bestimmten Zeitraum. Das bedeutet, die Preise steigen, Ihr Geld ist weniger wert. Folglich können Sie sich für einen Euro weniger leisten als zuvor – Ihr Vermögen verliert an Kaufkraft. Selbstverständlich steigen nicht alle Preise gleichermaßen. Hierbei gibt es teilweise erhebliche Unterschiede.
Wenn wir von Inflation sprechen, meinen wir damit meistens die Inflationsrate. In Deutschland wird die Inflationsrate mit Hilfe eines definierten Warenkorbs berechnet. Inhalt dieses Warenkorbs sind Produkte aus verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens. Hierzu gehören beispielsweise Lebensmittel, Kleidung, Freizeit, Energiekosten oder Miete. Dieser Warenkorb soll ein möglichst breites Spektrum des persönlichen Bedarfs abdecken. Die Preissteigerung der unterschiedlich gewichteten Kategorien ergibt dann die Inflations- oder Teuerungsrate.
Das Inflationsziel der EZB liegt bei etwa zwei Prozent
Das bedeutet auch, dass wir die Inflation nicht immer gleicher wahrnehmen, weil nicht jeder den gleichen Warenkorb hat. Wie eine Rezession kann auch die Inflation zum Teil erheblich variieren. Eine leichte Inflation wird unter Ökonomen als förderlich bezeichnet. Die Europäische Zentralbank (EZB), die für die Preisstabilität im Euroraum verantwortlich ist, strebt eine Inflation von etwa zwei Prozent an. Aktuell liegt die Inflationsrate in Deutschland laut Statistischem Bundesamt bei etwa 7,2 Prozent. Diese Preissteigerung ist viel zu hoch und folglich ein gesamt ökonomisches Problem.
Preissteigerung könnte eine Abwärtsspirale auslösen
Eine dauerhaft erhöhte Inflation kann die Rezession zusätzlich befeuern. Aufgrund der sinkenden Kaufkraft können wir davon ausgehen, dass insgesamt weniger konsumiert wird. Die Menschen sparen ihr Geld. Außerdem steigen die Produktionskosten für Unternehmen. Die steigenden Kosten können nur bedingt an den Endverbraucher weitergegeben werden. Folglich kann es zu Kurzarbeit oder ersten Entlassungen kommen und die Konjunktur kühlt sich ab. Die erhöhte Inflation kann somit ein Vorbote für eine kommende Rezession sein.
- Biallo-Lesetipp: Die Preise im Lebensmittelbereich und Benzinpreise steigen immer weiter an. Wo gibt es Möglichkeiten, Geld zu sparen? Schließlich steigen Ihre Einnahmen nicht parallel zu den Ausgaben. Wir geben Spartipps für den Haushalt im Alltag.
Welche Arten von Rezessionen gibt es?
Ab welchem Zeitpunkt befindet sich eine Volkswirtschaft in einer Rezession? Hierfür gibt es unterschiedliche Definitionen von Ökonomen und Wirtschaftsforschungsinstituten. In den Medien ist oftmals die Rede von einer technischen Rezession. Das bedeutet, dass die Wirtschaftsleistung in aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft. Mann kann nochmals zwischen der Wirtschaftsleistung und der Auslastung der Wirtschaft unterscheiden. Wenn zwei aufeinanderfolgende Quartale lang eine sogenannte Unterauslastung der Produktion besteht, dann spricht man ebenfalls von einer Rezession.
Jede Rezession ist einzigartig – und jeder Konjunkturzyklus auch
Wenn eine Rezession lange anhält und schwerwiegende Folgen hat, dann bezeichnen wir diesen Zustand als Depression. Gemeint ist damit der wirtschaftliche Tiefpunkt. Bei einer milden Rezession erholt sich die Wirtschaft bereits nach wenigen Monaten. Bei einer Depression dauert der wirtschaftliche Abschwung mehrere Jahre an.
Merkmale und Ursachen einer Rezession im Überblick
Das sind die wichtigsten Merkmale einer Rezession:
- Es gibt einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion.
- Zudem gehen die Investitionen der Unternehmen zurück.
- Die Löhne stagnieren und erste Firmen setzen auf Kurzarbeit.
- Entlassungen und steigende Arbeitslosigkeit sind die Folge.
- Insgesamt wird weniger konsumiert und investiert, dafür mehr gespart.
- Die Börsenkurse fallen.
Grundsätzlich lässt sich erst im Nachgang den Beginn und die Dauer einer Rezession bestimmen. Die genannten Merkmale sind auch nur ein Hinweis darauf. Welche Ereignisse lösen eine Rezession aus? Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Wie bereits erwähnt, verläuft die Konjunktur in Zyklen. Die Rezession ist eine Phase des Konjunkturzyklus. In der Regel folgt auf die Hochkonjunktur (Boom) früher oder später ein wirtschaftlicher Abschwung. Es gibt kein ewiges und beständiges Wirtschaftswachstum. Alle paar Jahre kühlt sich die Wirtschaft ab.
Daneben gibt es aber plötzliche und unberechenbare Verwerfungen, die eine Rezession auslösen können. Jüngstes Beispiel ist die Corona-Pandemie: Sie hat die globalen Lieferketten gestört, bis heute herrscht in bestimmten Bereichen ein Mangel an Rohstoffen, Investitionen und Personal. Zum anderen beeinträchtigt der Russland-Ukraine-Konflikt weiterhin den wirtschaftlichen Aufschwung. Die Energieknappheit und die damit einhergehende, anhaltend hohe Inflation sind Hauptursachen der aktuellen Rezession.
Diese Rezessionen gab es in Deutschland in der Vergangenheit
In Deutschland gab es schon einige Rezessionen in der Vergangenheit – sowohl milde als auch schwere:
- Erste Ölkrise 1974/1975
- Zweite Ölkrise ab 1980
- Finanzkrise 2008/2009
- Coronakrise 2020
Die beiden Ölkrisen lösten jeweils eine globale Rezession und eine Phase der Stagflation aus. Stagflation ist ein Zustand, in dem die Wirtschaft stagniert oder rückläufig ist und gleichzeitig von einer hohen Inflation belastet wird. Die Stagflation war in den 1970er-Jahren ein Phänomen, das in fast allen westlichen Volkswirtschaften zu beobachten war. Hintergrund war der Preisschock durch zu stark angestiegene Ölpreise.
Als Auslöser der ersten Ölpreiskrise gilt der Jom-Kippur-Krieg im Nahen Osten. Im Zuge des ersten Golfkrieges kam es ab 1980 zu einer weiteren Ölpreiskrise. Auch derzeit erleben wir, dass anhaltend hohe Energiepreise und Energieknappheit zu gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Verwerfungen führen können.
Die große Finanzkrise 2008 und 2009 gilt als eine der schwersten Rezessionen der Historie. Auslöser war die Pleite der Bank Lehman Brothers und das Platzen der Immobilienblase in den USA.
Auch die Coronakrise sorgte für internationale Verwerfungen und einen starken Rückgang des BIP. Ein Energiepreis-Schock, Übertreibungen an den Finanzmärkten können daher ebenso Auslöser für eine Rezession sein wie weltweite Verwerfungen, etwa eine Pandemie.
Folgen der Rezession im Überblick
Die Folgen einer Rezession sind kaum vorhersehbar. Je länger eine Rezession andauert, desto schwerwiegender sind die Folgen. Die gesamtwirtschaftliche Lage verschlechtert sich. Zunächst brechen die Unternehmensgewinne ein und infolgedessen gehen die Investitionen zurück. Daraufhin kommt es zu Kurzarbeit und Entlassungen. Bei einer gravierenden Rezession kommt es unter Umständen zu Massenarbeitslosigkeit. Dies tritt jedoch in den seltensten Fällen ein. Aufgrund der steigenden Arbeitslosigkeit sinkt auch der Konsum. Folglich nimmt der Staat weniger Steuern ein.
Auch bei der Geldanlage spüren wir die Folgen einer Rezession. In der Regel fallen die Börsenkurse und Aktien, Fonds und andere Geldanlagen verlieren an Wert. In der Finanzkrise von 2008/2009 waren Kursverluste von 50 bis 60 Prozent eher die Regel als die Ausnahme. Insbesondere Aktien und Fonds verlieren an Wert. Aber auch bei den Kryptowährungen sinken die Kurse.
Die genannten Ereignisse sind zunächst negativ. Allerdings bietet jede Krise auch Chancen. Für Anlegerinnen und Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont und ausreichender Liquidität ergeben sich in oder nach einer Rezession gute Chancen in Form niedriger Börsenkurse. Wie Sie diese Chancen zu Ihrem Vorteil nutzen, erfahren Sie in unserem ausführlichen Ratgeber zum Thema Geldanlage in der Rezession.