Die richtige Finanzplanung für Selbstständige und Freiberufler

Den Überblick behalten Die richtige Finanzplanung für Selbstständige und Freiberufler

Caroline Benzel
von Caroline Benzel
21.10.2019
Auf einen Blick
  • Bei Selbstständigen und Freiberufler sind Einnahmen und Ausgaben weniger übersichtlich als bei Angestellten. Zudem müssen sie Steuern, Krankenversicherung und Altersvorsorge selbst bezahlen. 

  • Wer sich selbstständig machen möchte, benötigt bereits vorab einen gründlichen Finanzplan. Dabei können sich angehende Unternehmer unterstützen lassen.

  • Je nach Form und Phase der Selbstständigkeit gibt es unterschiedliche Anforderungen an die kurz-, mittel- und langfristige Finanzplanung.
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Selbstständige verdienen in der Regel jeden Monat einen anderen Betrag, oder in manchen Monaten auch einmal gar nichts. Entweder ist die Auftragslage schlecht, Kunden zahlen spät oder erst nach Beendigung eines Auftrags. Selbständige, die ihre Finanzplanung nicht im Griff haben, geraten so schnell in einen Liquiditätsengpass, was schlimmstenfalls dazu führen kann, dass sie ihre Geschäftstätigkeit aufgeben müssen.

Wer vermeiden will, dass Gläubiger den Gerichtsvollzieher schicken, oder das Finanzamt das Konto pfändet, sollte deshalb auf eine gute Finanzplanung achten.

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Im besten Fall wird der Finanzplan schon vor der Gründung erstellt, und ist Teil des sogenannten Businessplans. Um einen Kredit oder einen Zuschuss zu bekommen, ist ein Businessplan zwingend notwendig. Eine Schritt-für Schritt-Anleitung zum Erstellen des Businessplans gibt es auf unter gruenderplattform.de Auch die Hypovereinsbank stellt eine Vorlage für einen Businessplan zur Verfügung.

Doch auch Selbstständige, die keine Zuschüsse oder Kredite brauchen, sollten unbedingt einen Finanzplan aufstellen. Der Grund: So müssen sie sich frühzeitig mit den Erfolgsaussichten und den möglichen Einnahmen aus dem Unternehmen auseinandersetzen. Sprich: Der Finanzplan ist vorab nötig, um herauszufinden, ob ein Unternehmen Aussicht auf Erfolg hat. Wenn die Selbstständigkeit oder das Unternehmen schon existieren, bewahrt ein guter Finanzplan hoffentlich vor Liquiditätsengpässen.

Je nachdem, in welcher Phase der Geschäftstätigkeit oder Gründung ein Finanzplan erstellt wird, müssen bestimmte Formalien eingehalten werden oder auch nicht.

Lesen Sie auch: Die besten Geschäftskonten für Jungunternehmer

Was gehört in den Finanzplan?

Was genau in den Finanzplan gehört, hängt natürlich stark von der Zielsetzung des Planes ab. Soll eine Bank davon überzeugt werden, dass ein geplanter Kredit zurückgezahlt werden kann? Dann muss der Finanzplan anders aussehen, als wenn es vor allem um die Liquiditätsplanung für das laufende Jahr geht.

Ein kostenloses Tool zur Erstellung des Finanzplans stellt die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen zur Verfügung.

Lesen Sie auch: Nebenberuflich gründen: Mit wenig Risiko zur Selbstständigkeit

Biallo-Tipp

Mit dem neuen Businesskonto-Vergleich von biallo.de finden Selbstständige und Freiberufler das passende Girokonto ohne monatliche Grundgebühr. So bietet etwa die Direktbank Fyrst ein Geschäftskonto ohne monatliche Kontoführungsgebühr. Darüber hinaus sind die ersten 50 beleglosen Buchungen kostenlos, was für den Start eines kleinen Unternehmens besonders interessant ist. Mehr über die Online-Tochter der Deutschen Bank lesen Sie hier: Fyrst im Profil.

Finanzplan für Banken und Förderungen

Ein Finanzplan als Teil des Businessplans für Investoren oder Banken sollte in der Regel einen Planungszeitraum von drei Jahren umfassen. Dabei sollten die Planung fürs erste Jahr monatlich erfolgen, für Jahr zwei und drei reicht eine Jahresplanung aus. Grund für den Drei-Jahres-Plan: Das ist in etwa der Zeitraum, nachdem die Startschwierigkeiten überwunden sein sollten.

Ein Finanzplan besteht aus folgenden Teilplänen:

1. Umsatzplan

Natürlich können Sie künftige Umsätze niemals zu hundert Prozent akkurat vorhersehen. Trotzdem ist der Umsatzplan einer der wichtigsten Bestandteile der Finanzplanung. Deshalb sollten Sie Ihr Geschäftsumfeld sehr gut durchleuchten und Ihre Geschäftsaussichten und geplanten Umsätze auch für Außenstehende nachvollziehbar darlegen.

Hilfreich ist deshalb, vor dem Umsatzplan eine Marktanalyse, eine Wettbewerbs-Analyse und eine SWOT-Analyse durchzuführen. Die SWOT-Analyse betrachtet folgende Punkte:

  • Strengths ("Stärken")
  • Weaknesses ("Schwächen")
  • Opportunities ("Chancen")
  • Threats ("Risiken")

Alle drei Analysen sind ohnehin Teil des Businessplans.

Eine Gratis-Vorlage für den Umsatz- und Rentabilitätsplan gibt es von der IHK München.

2. Kostenplan

In den Kostenplan kommen alle Kosten, die regelmäßig anfallen. Das können Kosten wie Miete, Telefon- und Materialkosten, Personalkosten aber auch Zinszahlungen, Leasing- und Versicherungskosten sein.

Eine Gratis-Vorlage für einen Kostenplan stellt exitenzgruender.de zur Verfügung.

3. Investitionsplan

Anders der Investitionsplan. Dieser beinhaltet alle Kosten, die einmalig anfallen. Wird ein Unternehmen gegründet, so betrifft das nur die Anschaffungen, die später auch dem Unternehmen zuzuordnen sind. Bei Ein-Personen-Unternehmen, Selbstständigen und Freiberuflern ist diese Trennung nicht immer so klar gegeben.

Dennoch können auch hier Anfangsinvestitionen mit aufgenommen werden. Bei einem selbstständigen Fotografen kämen beispielsweise Kosten für die Kameraausrüstung, Software, Rechner und Pkw in Frage.

Wichtig zu wissen: Es gibt je nachdem, was angeschafft wird, unterschiedliche Abschreibungsvorschriften und -dauern. Einen Überblick gibt das Bundesministerium für Finanzen.

Eine Gratis-Vorlage für einen Investitionsplan bietet beispielsweise das Portal  "kooperieren + profitieren" des Österreichischen Raiffeisenverbandes.

4. Rentabilitätsvorschau

Die Rentabilitätsvorschau basiert auf den Werten der Umsatz- und Kostenplanung. Sie ziehen die erwarteten Kosten von den Umsätzen ab und finden so heraus, ab wann Ihr Unternehmen oder Ihre Selbstständigkeit voraussichtlich rentabel ist. Die Rentabilitätsvorschau funktioniert ähnlich wie eine Gewinn- und Verlustrechnung.

Eine Vorlage für die Umsatz- und Rentabilitätsvorschau gibt es von der IHK Aschaffenburg.

5. Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan

Um abschätzen zu können, ob das Unternehmen finanzierbar ist, empfiehlt es sich, einen Kapitalbedarfsplan zu erstellen. Dieser ist vor allem auch dann notwendig, wenn ein Kredit beantragt werden soll.

In den Kapitalbedarfsplan gehören die Anfangsinvestitionen, die laufenden Kosten und der Unternehmerlohn des ersten Quartals. Zur Sicherheit empfiehlt es sich, noch einmal zehn Prozent auf den errechneten Betrag draufzuschlagen – falls noch unvorhergesehene Kosten dazu kommen sollten.

Wichtig: Da Sie die Umsatzsteuer am Anfang mitfinanzieren müssen, rechnen Sie bei der Kapitalbedarfsplanung mit Bruttowerten. Achten Sie darauf, dass Sie die Anfangsinvestitionen sowie die Abschreibungen nicht doppelt erfassen.

Eine Vorlage finden Sie bei der der IHK Trier für einen Kapitalbedarfsplan.

6. Liquiditätsplan

Der Liquiditätsplan dient dazu, die Zahlungsfähigkeit sicherzustellen. Wenn Sie Freiberufler oder selbstständig sind, kann es sich lohnen, einen Liquiditätsplan für Ihre Geschäftstätigkeit und einen für sich privat zu machen – natürlich besteht auch die Möglichkeit, beides in einem Plan festzuhalten – allerdings nur, wenn Sie die Planung nur für sich selbst und nicht etwa für eine Kreditaufnahme brauchen.

Doch was ist eigentlich ein Liquiditätsplan? Mit dem Liquiditätsplan überprüfen Sie, dass Sie Rechnungen und alle anderen Verbindlichkeiten fristgerecht bezahlen können, also stets liquide sind.

In den Plan gehören alle Ein- und Auszahlungen, also alle Vorgänge, die über Girokonto oder die Kasse laufen. Zu Beginn der Geschäftstätigkeit, also die ersten sechs bis zwölf Monate, empfiehlt sich eine monatliche Planung. Danach könnte die Liquiditätsplanung auch quartalsweise erfolgen. Das kann ohnehin eine günstige Vorgehensweise sein, da auch die Vorsteueranmeldung nur im ersten Betriebsjahr monatlich erfolgen muss – und danach auf quartalsweise umgestellt werden kann.

Wichtig: Abschreibungen gehören nicht in den Liquiditätsplan, Auszahlungen und Tilgungen von Krediten indes schon. Bei der Planung von Einnahmen, sollten Sie auf die Zahlungsziele achten. Denn dass eine Leistung Ihrerseits erbracht wurde, heißt nicht, dass die Kunden auch direkt bezahlen.

Eine Gratis-Excel-Vorlagen für einen Liquiditätsplan gibt es zum Beispiel von der IHK Aschaffenburg.

Finanzplanung für den laufenden Betrieb

Wer ein kleines Unternehmen führt, sollte sich ebenfalls mit der Finanzplanung befassen. Ganz einfach um Liquiditätsengpässen und einer möglichen Insolvenz vorzubeugen. Auch für die Zukunftsplanung ist eine Finanzplanung wichtig – etwa um Investitionen rechtzeitig einzupreisen und das Geschäft beständig weiterzuentwickeln.

Dabei muss es nicht immer um große Summen gehen, aber für einen selbstständigen Fotografen könnte ein neuer Rechner oder ein besonderes Objektiv schon eine größere Investition sein, die vorbereitet sein will.

Im laufenden Betrieb unterscheidet man zwischen einer kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Finanzplanung:

  • Bei der kurzfristigen Planung geht es in der Regel darum, die Liquidität sicherzustellen, also den Geldfluss in den kommenden Monaten.

  • Bei der mittelfristigen, der taktischen Planung geht es darum, die definierten Ziele zu erreichen. Also etwa, wie bestimmte Umsatzziele der kommenden Jahre zu erreichen sind,welche Investitionen eventuell anfallen, ob externe Mitarbeiter angeworben werden müssen.

  • Bei der langfristigen Finanzplanung geht es um die strategische Planung, also etwa welche Ziele man in fünf oder zehn Jahren mit seiner Selbstständigkeit erreichen will.

Freelancer, die eher so in den Tag hinein arbeiten, sollten mindestens Liquiditätsplanung betreiben – und irgendwann vielleicht doch einen Drei- oder Fünf-Jahres-Plan aufstellen. Schließlich kann man als Mensch und Unternehmer am besten wachsen, wenn man sich konkrete Ziele setzt.

Worauf sollte ich bei der Finanzplanung achten?

Bei der Finanzplanung ist es wichtig, dass sie realistisch ist und sich an den realen Begebenheiten des Marktes und den eigenen Voraussetzungen orientiert. Wer sich als Journalist selbstständig machen will, wird als Berufseinsteiger nicht genauso viele Aufträge an Land ziehen können, wie ein Redakteur, der sich nach Jahren für die Selbstständigkeit entscheidet und bereits viele Kontakte hat. Das gilt natürlich auch für alle anderen Berufsgruppen und Geschäftsideen.

Die Planung sollte schon zum Schutz der eigenen Finanzen realistisch sein. Denn was nützt es, Bank oder Investoren von Luftschlössern zu überzeugen, wenn diese dann der Realität nicht standhalten können?

Ebenfalls wichtig: Vorlagen und Gratis-Tools können am Anfang hilfreich sein. Wichtig ist jedoch, dass die gesamte Planung an das Unternehmen oder die Selbstständigkeit angepasst wird.

Welche Tools und Vorlagen gibt es am Markt?

Gerade zu Beginn einer Selbstständigkeit oder einer freiberuflichen Tätigkeit, empfiehlt es sich, die Kostenstruktur erst einmal schlank zu halten. Es gibt diverse Gratis-Tools und Vorlagen, die sich zum Erstellen eines Businessplans und der notwendigen Finanz- und Liquiditätsplanung wunderbar nutzen lassen.

Bei größeren Unternehmen muss ohnehin auch eine professionelle Buchhaltung erfolgen, die entweder ausgelagert, von Ihnen selbst oder von der internen Buchhaltung erstellt wird. In solchen Fällen sollte natürlich Profisoftware zum Einsatz kommen.

Welche Förderungen gibt es?

Wer den Finanzplan nicht alleine erstellen möchte, kann sich dafür und für andere wichtige Schritte in die Selbstständigkeit auch einen Gründungscoach suchen. Wer aus der Arbeitslosigkeit heraus gründet, kann dafür auch eine Förderung bekommen.

Voraussetzung ist ein sogenannter Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein. Mit diesem Gutschein bescheinigen Jobcenter oder Arbeitsagentur, dass die notwendigen Fördervoraussetzungen erfüllt sind, um an Maßnahmen zur Existenzgründung teilnehmen zu können. Damit der Gutschein eingelöst werden kann, muss der Berater oder Coach von der Arbeitsagentur zertifiziert sein.

Biallo-Tipp

Für die erste Zeit der Gründung können Arbeitslose, die ALG I bekommen, einen Gründungszuschuss beantragen. Wer ALG II bekommt, kann gegebenenfalls einen Investitionszuschuss und Einstiegsgeld beantragen.

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Biallo-Spezialistin rund um das Thema Mobilfunk. LTE, NFC, UMTS - sie weiß, was diese Abkürzungen bedeuten und wann sie für unsere Leser wichtig sind. Nach ihrem Studium der Publizistik hat sie sich auf Verbraucherthemen spezialisiert. Caroline Benzel arbeitet für Print- und Online-Medien sowie fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de