Mehr Rente für Selbstständige

Gesetzliche Rentenversicherung Mehr Rente für Selbstständige

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
11.10.2019
Auf einen Blick
  • Für Selbstständige kann sich eine freiwillige Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung lohnen.

  • Freiwillige Einzahlungen sind jährlich bis zu einem Höchstbetrag von 14.954,40 Euro möglich. Ein Großteil davon ist steuerlich absetzbar und kann satte Steuerersparnisse bringen.

  • Bei Renteneinzahlungen handelt es sich aber auch immer um eine Wette auf ein langes Leben.
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Bernd B. ist selbstständiger Buchhändler und steht am Ende seines Berufslebens. Nach dem Tod seines Vaters hat er gerade 15.000 Euro geerbt. Mit dem Geld will er seine Altersvorsorge aufstocken. Er hat privat fürs Alter vorgesorgt. Zusätzlich wird er aber auch aus einer früheren Angestelltentätigkeit noch eine gesetzliche Rente von etwa 120 Euro bekommen, wenn er im Januar nächsten Jahres das für ihn geltende reguläre Rentenalter von 65 Jahren und neun Monaten erreicht.

Eine sehr gute Lösung wäre für ihn die Einzahlung freiwilliger Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung. Solche Beiträge kann jeder einzahlen, der mindestens 16 Jahre alt, nicht in der Rentenversicherung pflichtversichert ist und noch keine volle gesetzliche Rente bezieht.

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So viel können Selbständige freiwillig einzahlen

Der Buchhändler kann für jeden Monat dieses Jahres freiwillig zwischen 83,70 und 1.246,20 Euro in die gesetzliche Rentenkasse zahlen – auch rückwirkend auf einen Schlag bis März 2020. Da er genügend Geld zur Verfügung hat, sollte er bei den freiwilligen Beiträgen nicht kleckern, sondern klotzen: Für 2019 kann er den Höchstbeitrag von 14.954,40 Euro (zwölf mal 1.246,20 Euro) einzahlen. Das lohnt sich.

Steuern sparen bei der Einzahlung

Bernd B. kann 88 Prozent seiner Einzahlung – das sind 13.160 Euro – von der Steuer absetzen. Da er in diesem Jahr noch gut verdient, wird er hierdurch rund 3.000 Euro an Steuern sparen. Effektiv kostet ihn die Zahlung an die Rentenkasse damit statt knapp 15.000 nur rund 12.000 Euro.

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Das bringen freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung

Die Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung wird ihm ein Rentenplus von monatlich 68,31 Euro bringen. Da Bernd B. wie viele Selbstständige privat krankenversichert ist, zahlt die Rentenversicherung ihm hierauf noch einen Zuschlag für seine Privatversicherung in Höhe von 7,75 Prozent. Tatsächlich steigt seine Monatsrente damit um 73,60 Euro. Gesetzlich Krankenversicherte müssten dagegen einen Abzug für Sozialversicherungsbeiträge von rund elf Prozent hinnehmen.

Würde Bernd B. hingegen die geerbten 15.000 Euro komplett in eine private Sofortrente einzahlen, könnte er laut Cosmos Direkt anfangs mit einer monatlichen Sofortrente von 44,24 Euro rechnen. Das ist deutlich weniger als bei der Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung. Zudem kann er den eingezahlten Betrag nicht von der Steuer absetzen.

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Auf die Lebenserwartung kommt es an

In jedem Fall handelt es sich bei Renteneinzahlungen um eine Wette auf ein langes Leben. Bei der gesetzlichen Variante müsste der Buchhändler bei Renteneintritt noch 163 Monate leben, also knapp 14 Jahre, um seine Netto-Einzahlung (nach Steuerersparnis) herauszubekommen. Bei der privaten Variante wären es sogar knapp 23 Jahre. Nicht berücksichtigt wurde bei dieser Beispielrechnung, dass sowohl die gesetzliche als auch die private Rente mit den Jahren ansteigen.

Steuern im Alter

Da Bernd B. insgesamt nur wenig mehr als 1.100 Euro an Altersbezügen erhalten wird, wird er davon keine Steuern zahlen müssen. Würde er zu den betuchten Rentnern gehören, so würde sich die Rechnung ein wenig zu Ungunsten der gesetzlichen Rente verschieben. Denn diese wird im Alter deutlich mehr mit Steuern belastet als die Sofortrente.

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Freiwillige Einzahlung jährlich möglich

Freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenkasse sind jährlich möglich. Folgt man den Berechnungen, die die Zeitschrift Finanztest in ihrer Dezember-Ausgabe 2016 vorgenommen hat, so lohnen sich freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenkasse allerdings insbesondere für 55-Jährige und Ältere – und umso mehr je näher das reguläre Rentenalter rückt. Für Versicherte in diesen Altersgruppen sind Einzahlungen in die Rentenversicherung auch ertragreicher als Einzahlungen in Rürup-Rentenversicherungen.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de