Abschlagsfreie Rente mit 63 einhalb Jahren

Altersvorsorge Abschlagsfreie Rente mit 63 einhalb Jahren

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
14.08.2018
Auf einen Blick
  • Abschlagsfrei mit 63 einhalb Jahren in Rente –  dieses Sonderangebot bietet die Deutsche Rentenversicherung besonders treuen Kunden.

  • Wer auf 45-jährige Mindestversicherungszeit kommt, kann die "Altersrente für besonders langjährig Versicherte" in Anspruch nehmen. Das heißt: Vor der Regelaltersgrenze in Rente – und zwar ohne Abschläge.
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Von der abschlagsfreien Rente mit 63 profitieren vor allem gesunde arbeitsfähige Beschäftige, das berichtet die Bild unter Berufung auf eine Studie der Deutschen Rentenversicherung. Demnach waren im Jahr 2016 81 Prozent der Antragsteller  arbeitsfähig und befanden sich in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Lediglich ein Fünftel war nicht beschäftigt, davon kamen acht Prozent aus der Arbeitslosigkeit und weitere acht Prozent aus "anderen Versicherungstatbeständen", heißt es.

Ursprünglich ist die Rente mit 63 für Beschäftigte vorgesehen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sind, bis zum regulären Renteneintritt weiterzuarbeiten. Nun scheint es, als ob dieses Rentenmodell vor allem gesunde Facharbeiter in den Ruhestand lockt. Weiter berichtet die "Bild", dass 2016 mehr als die Hälfte der Bezieher (56 Prozent) Männer waren.

Vorzeitig und ohne Abschläge in Rente gehen

Wer die vorzeitige Rente mit der "Altersrente für besonders langjährige Versicherte" erhält, erspart sich oft Kürzungen von 100 Euro oder mehr im Monat, wie sie bei der "Rente für langjährig Versicherte" anfielen.

Deshalb ist dieses Altersruhegeld so beliebt. Knapp 950.000 Senioren beantragten seit Mitte 2014 die damals "aufgebesserte" Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Doch nicht alle Anträge wurden bewilligt. 

Abschlagsfrei mit 63 ½ in Rente. Dieses Sonderangebot bietet die Deutsche Rentenversicherung besonders treuen Kunden. Zunächst ein Überblick über die wichtigsten Regeln bei dieser Frührente.

Steckbrief: Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte
Frühestmögliches Eintrittsalter:63 Jahre und 6 Monate für den Jahrgang 1955, für jüngere Jahrgänge bis auf 65 Jahre ansteigend
Mindestversicherungszeit:45 Jahre
Weitere besondere Voraussetzungen:keine
Rentenabschläge:keine
Vorzeitiger Bezug:nicht möglich
Hinzuverdienst:möglich, bis zum regulären Rentenalter erfolgt eine Anrechnung
Bezug als Teilrente:möglich

Wer auf eine 45-jährige Mindestversicherungszeit kommt, kann die "Altersrente für besonders langjährig Versicherte" in Anspruch nehmen. Das heißt vor allem: Man kann vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen – und zwar ohne Abschläge. Für diejenigen, die 1964 oder später geboren wurden, ist dies ab 65 Jahren möglich (statt "regulär" mit 67). Für Ältere noch ein wenig früher (s. Tabelle), für den Jahrgang 1955 beispielsweise mit 63 ½ Jahren. Wer stattdessen die Altersrente für langjährig Versicherte (ohne den Zusatz "besonders") in Anspruch nimmt, muss mit Rentenabschlägen rechnen, die sich im Laufe des Rentenbezugs auf einige zehntausend Euro belaufen.

Versicherte des GeburtsjahresAnhebung auf ... Jahreund... Monate
1954634
1955636
1956638
19576310
1958640
1959642
1960644
1961646
1962648
19636410
ab 1964650

Kinderberücksichtigungszeit bringt Anspruch

Gemeinhin galt die Rente mit – derzeit – 63 ½, die ursprünglich noch eine Rente ab 63 Jahren war, als reines "Männerthema". Frauen, die momentan oder in naher Zukunft in Rente gehen, haben überwiegend wegen der Kindererziehung mehr oder weniger lange Jobpausen eingelegt. Daher kommen sie meist nicht auf 45 Jahre mit versicherungspflichtiger Beschäftigung. Doch dabei werden die sogenannten Kinderberücksichtigungszeiten vergessen.

Auch diese zählen mit, wenn es um den Anspruch auf die neue Altersrente geht. Dies gilt natürlich auch für die zwei bzw. drei Jahre Kindererziehungszeit pro Kind, die bei der gesetzlichen Rente als beitragspflichtige Versicherungsjahre anerkannt werden. Doch diese fallen mit der Kinderberücksichtigungszeit zusammen und bringen damit für die 45 erforderlichen Versicherungsjahre keine "Extra-Jahre".

Die Regelung zu den Kinderberücksichtigungszeiten wurde zwar erst 1992 eingeführt, gilt jedoch auch für die Vergangenheit – etwa wenn die Kinder in den 70er-Jahren geboren wurden. Wichtig: Berücksichtigungszeiten auf dem Rentenkonto eintragen lassen.

Die Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung sollten im Standardfall nach Ablauf der Berücksichtigungszeit – also zehn Jahre nach der Geburt – beantragt werden. Dafür gibt es das Formular V820, das man auch im Internet herunterladen kann (www.deutsche-rentenversicherung.de). Ohne Antragstellung werden diese Zeiten von der Deutschen Rentenversicherung nicht berücksichtigt – auch dann nicht, wenn aus dem Rentenkonto klar hervorgeht, dass ein Versicherter Kinder hat.

Doch keine Panik: Wer bislang versäumt hat, dieses Zeiten eintragen zu lassen, hat nichts verpasst: Die Zeiten können auch noch kurz vor dem Rentenantrag nachgetragen werden.

Arbeitslosengeld-I-Bezug kann Rentenanspruch sichern

Zeiten des Bezugs der Versicherungsleistung Arbeitslosengeld I werden berücksichtigt, wenn geprüft wird, ob Sie die 45-jährige Wartezeit für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte erfüllen. Zeiten des Bezugs von Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II ("Hartz IV") zählen jedoch nicht mit.

 

Teilweise kann die Rentenversicherung dem Rentenkonto der Betroffenen nicht entnehmen, ob Arbeitslosengeld I oder Arbeitslosenhilfe bezogen wurde. Falls Ihnen keine Bescheide der Arbeitsämter bzw. der Arbeitsagenturen mehr vorliegen, können Sie den Bezug von ALG I gegebenenfalls durch eine eidesstattliche Erklärung glaubhaft machen.

Ausnahme: Letzte zwei Jahre vor der abschlagsfreien Rente

Um eine "Frühverrentungswelle" zu verhindern, hat der Gesetzgeber allerdings beschlossen, dass Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld I in den letzten beiden Jahren vor Rentenbeginn für die Erfüllung der 45-jährigen Wartezeit nicht zählen.

Ein Beispiel hierzu: Ein Arbeitnehmer wurde im Dezember 2016 mit genau 62 Jahren (Jahrgang 1954) von seinem Arbeitgeber entlassen und beantragt Arbeitslosengeld I. Er beabsichtigt, ab Mai 2018 die abschlagsfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte zu beantragen. Denn im April 2018 wird er 63 Jahre und vier Monate alt und kann damit die Altersrente für besonders langjährig Versicherte erhalten – soweit er die hierfür geltende Mindestversicherungszeit erreicht. Wenn die Rentenversicherung dann prüft, ob er die Anspruchsvoraussetzungen hierfür erfüllt, wird seine Zeit des Arbeitslosengeld-Bezugs jedoch nicht berücksichtigt, weil sie in die letzten beiden Jahre vor der Rente fällt.

Zum Problem wird dies, wenn der Betreffende ohne die letzte Zeit des ALG-I-Bezugs die "45-Jahres-Hürde" nicht nimmt. Gegebenenfalls muss er dann – soweit er dann in Rente gehen möchte – die Altersrente für langjährig Versicherte in Anspruch nehmen. Dabei müsste er – da er 1954 geboren wurde – einen Rentenabschlag von maximal 9,6 Prozent hinnehmen.

Ausnahme von der Ausnahme

Von der "Ausschluss-Regelung" für späte Jahre des Arbeitslosengeld-Bezugs gibt es allerdings Ausnahmen – und zwar dann, wenn die Arbeitslosigkeit durch eine Insolvenz oder vollständige Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers verursacht ist. In diesem Fall werden auch die "späten" Arbeitslosengeld-Zeiten mitgezählt. Dies regelt Paragraf 51 Absatz 3a SGB VI. In den letzten Jahren wurde in der Sozialgerichtsbarkeit darüber gestritten, wie diese Reglung auszulegen ist. Das Bundessozialgericht (BSG) hat sich am 17. August 2017 für eine "enge Auslegung" entschieden.

Problematisch war dabei insbesondere der Fall eines Klägers, dem Ende Januar 2014 gekündigt wurde, um so eine Insolvenz des Betriebs zu vermeiden (B 5 R 8/16 R). Die Insolvenz, die eigentlich durch die Verkleinerung der Belegschaft verhindert werden sollte, trat dann aber schließlich zwei Monate nach seiner Entlassung doch noch ein. Als der Betroffene dann Ende 2014 die Altersrente für besonders langjährig Versicherte beantragte, wurde diese abgelehnt, weil ihm einige Monate an den hierfür geforderten 540 Beitragsmonaten (45 Jahre) fehlten – nämlich die letzten Monate des Arbeitslosengeld-Bezugs.

Das BSG gab der Deutschen Rentenversicherung hierbei Recht. Eine Fast-Insolvenz ist eben keine Insolvenz – so könnte man das Urteil zusammenfassen. Der Begriff Insolvenz sei – so das Gericht – so zu interpretieren, dass "die Beendigung der Beschäftigung" das "Ergebnis einer verfahrensrechtlich durch die Insolvenzordnung gelenkten Tätigkeit darstellt". Dass eine Kündigung zur Abwehr eines solchen Verfahrens ausgesprochen wurde, reiche nicht aus.

Verfassungsmäßig bedenklich sei die vom Gesetzgeber vorgenommene Einschränkung nicht, meint das BSG. Sie habe das legitime Ziel, eine missbräuchliche Frühverrentung zu verhindern. Der Gesetzgeber habe vermeiden wollen, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen Aufhebungsvertrag schließen und der Arbeitgeber zwei Jahre, bevor der Arbeitnehmer die abschlagsfreie Frührente in Anspruch nimmt, kündigt. Auf diese Weise hätte aus der "Rente mit 63" ein "Ruhestand ab 61" werden können.

Durch die harte gesetzliche Regelung wird in solchen Fällen die Zeit des Arbeitslosengeld-Bezugs keinesfalls als Wartezeit für die abschlagsfeie Frührente anerkannt. Offen ist allerdings noch, wie mit der Forderung umzugehen ist, dass eine "vollständige Geschäftsaufgabe" vorliegen muss. Unklar ist beispielsweise, was gilt, wenn nicht das komplette Unternehmen, sondern ein einzelner Standort aufgegeben wird. Ebenso ist offen, was gilt, wenn ein Industrieunternehmen die Produktion einstellt, aber zumindest zeitweise einen Verwaltungsbereich aufrechterhält. Hier besteht sicherlich noch Interpretationsspielraum und Klärungsbedarf.

Minijob kann Rentenanspruch sichern

Für ältere Arbeitnehmer, die in den beiden Jahren vor der geplanten Rente ab 63 ½ (oder je nach Geburtsjahrgang auch später) die Versicherungsleistung Arbeitslosengeld beziehen, gibt es aber eine Hintertür, um in der Zeit der Arbeitslosigkeit weitere anerkannte Versicherungsmonate anzusammeln. Sie können einen Minijob aufnehmen.

Wundertüte Minijob: Minijob als Eintrittskarte zur Frührente

Seit Anfang 2013 sind Minijobs prinzipiell rentenversicherungspflichtig – jedenfalls solange die Versicherungspflicht nicht abgewählt ist. Die Entscheidung für die Beibehaltung der Versicherungspflicht kostet die Jobber dabei nicht viel. Bei einem vollen 450-Euro-Job sind es beim derzeitigen Beitragssatz von 18,6 Prozent (3,6 Prozent von 450 Euro =) 16,20 Euro im Monat. 15 Prozent Pauschalbeitrag zahlt der Arbeitgeber ohnehin, so dass insgesamt (15 plus 3,6 =) 18,6 Prozent zusammen kommen.

Bei einem "kleinen" Minijob muss entsprechend weniger gezahlt werden. Für die relativ geringe Einzahlung gewinnt man viel. Zwar bringt ein Jahr mit Minijob, was die Rentenhöhe betrifft, relativ wenig. Es schafft aber ganz normale Rentenansprüche. Vor allem wird durch die Beitragszahlung im Minijob die Wartezeit auf die Altersrente für besonders langjährig Versicherte erfüllt (und natürlich auch die Wartezeit bzw. Mindestversicherungszeit bei der Regelaltersrente und den anderen vorzeitigen Altersruhegeldern).

Versicherungspflichtiger Minijob neben dem Studium

Dies kann u.a. für Studenten wichtig sein, deren Studienzeit inzwischen nur noch als Anrechnungszeit zählt (maximal bis zum 25. Geburtstag). Solche Zeiten zählen nicht mit, wenn geprüft wird, ob Anspruch auf die Altersrente für besonders langjährig Versicherte besteht. Durch die Aufnahme eines versicherungspflichtigen Minijobs während des Studiums kann diese Lücke geschlossen werden.

Das Gleiche gilt für Mütter, die nach dem 10. Geburtstag ihres Kindes mit einem Minijob wieder ins Erwerbsleben einsteigen. Soweit sie es bei der Versicherungspflicht des Minijobs belassen (diese also nicht abwählen), zählt die Minijob-Zeit voll mit für die 45-jährige Wartezeit.

Versicherungspflichtiger Minijob neben dem Bezug von Arbeitslosengeld

Dies kann auch für diejenigen sehr wichtig sein, die kurz vor dem Rentenalter ihren Arbeitsplatz verlieren und auf Arbeitslosengeld I (oder auch Arbeitslosengeld II) angewiesen sind. Die Zeit des Bezugs von ALG I zählt in diesem Fall (weil es sich um eine Bezugszeit in den letzten beiden Jahren vor der Rente handelt) im Regelfall nicht mit, wenn geprüft wird, ob die Wartezeit für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte erfüllt wird. Wer neben dem ALG-I-Bezug einen versicherungspflichtigen Minijob ausübt, kann dadurch ggf. die 45-jährige Wartezeit erfüllen.

Der Minijob steht auch dem Anspruch auf Arbeitslosengeld I nicht entgegen. Allerdings werden Einkünfte, die nach dem Abzug von Werbungskosten und des vom Betreffenden selbst zu tragenden Teils des Rentenversicherungsbeitrags voll vom ALG I abgezogen – soweit sie über den Freibetrag von monatlich 165 Euro hinausgehen.

Wichtig ist allerdings: Die Aufnahme einer solchen Beschäftigung muss der Arbeitsagentur umgehend gemeldet werden. Sofern die Bemühungen um eine vollwertige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung "dadurch nicht eingeschränkt werden und die wöchentliche Arbeitszeit unter 15 Stunden liegt", wird der Anspruch auf Arbeitslosengeld I nicht berührt, schreibt die Bundesagentur für Arbeit.

Wichtig zu wissen ist zudem: Nach den derzeit geltenden gesetzlichen Regelungen spricht nichts dagegen, einen solchen Minijob beim vorherigen Arbeitgeber auszuüben.

Freiwillige Beiträge zählen meist bei Mindestversicherungszeit mit

Zeiten mit freiwilliger Beitragszahlung zählen ebenfalls meist mit, wenn die Rentenversicherung die Feststellung trifft, ob die 45-jährige Wartezeit für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte erfüllt ist. Dies gilt auch für freiwillige Beiträge, die in den letzten beiden Jahren vor dem Rentenantrag gezahlt werden. Grundsätzliche Voraussetzung ist dabei allerdings, dass die Betroffenen 18 Jahre lang Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung entrichtet haben – was bei Arbeitnehmern in aller Regel der Fall sein dürfte.

Selten wirksame Ausnahmeregel beachten

In eher seltenen Konstellationen zählt die Zeit der freiwilligen Beitragszahlung in den letzten beiden Jahren vor Rentenbezug nicht für die 45-jährige Wartezeit mit.

Wichtigstes Beispiel: Jemand wird im Alter von 58 oder 59 Jahren arbeitslos und bezieht zwei Jahre Arbeitslosengeld I. Diese beiden Jahre zählen mit bei der 45-jährigen Wartezeit. Anschließend bleibt der Betroffene aber weiter bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig zahlt er freiwillige Beiträge in die Rentenkasse. Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund erklärt, welches Problem sich dabei ergibt: "Durch die Arbeitslosmeldung zählt die Zeit der Arbeitslosigkeit dann als Anrechnungszeit – was nach § 51 Abs. 3a Nr. 4 SGB VI die Anerkennung der Zeit der freiwilligen Versicherung für die Wartezeit bei der Altersrente für besonders langjährig Versicherte verhindert."

Tipp: Wer dies vermeiden will, sollte sich bei der Arbeitsagentur abmelden.

Versicherungslücken schließen

Freiwillige Beiträge können zum einen in der Zeit unmittelbar vor dem Rentenantrag helfen, die 45-jährige Mindestversicherungszeit zu erfüllen. Genauso wichtig ist aber: Mit ihnen kann man Versicherungslücken schließen, die vor allem zum Problem werden können, wenn es um die Altersrente für besonders langjährig Versicherte geht.

Allerdings unterliegt die Zahlung freiwilliger Beiträge gewissen Restriktionen: Diese können – von gewissen Ausnahmen abgesehen (siehe unten) – jeweils nur bis Ende März des Folgejahres entrichtet werden (zumindest muss bis dann die Antragstellung erfolgen). Demnach können beispielsweise Beiträge für 2017 ab April 2018 nicht mehr gezahlt werden – es sei denn, es liegt ein "Härtefall" vor.

Genau darüber wurde vor dem Landessozialgericht (LSG) Baden-Württemberg gestritten. Dabei ging es um einen Versicherten, dessen Rentenkonto von November 2006 bis Oktober 2007 eine einjährige Beitragslücke aufwies. Damals war er arbeitslos, bezog jedoch kein Arbeitslosengeld, da er eine größere Abfindung vom letzten Arbeitgeber erhalten hatte. In dieser Zeit wäre er berechtigt gewesen, freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen, er unterließ dies jedoch, da ihm dies – nach den damals geltenden rentenrechtlichen Regeln – keinen Vorteil gebracht hätte.

Dies stellt sich inzwischen anders dar. Denn als er am 1.9.2015 nach einer dreijährigen Altersteilzeit Rente beantragte, fehlten ihm an der 45-jährigen Wartezeit für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte genau zwölf Monate. Stattdessen erhielt er nur – mit Abschlägen in Höhe von monatlich 200 Euro – die Altersrente für langjährig Versicherte.

Der Versicherte beantragte deshalb, noch nachträglich für den oben genannten Zeitraum freiwillige Beiträge entrichten zu können, um so doch noch die Wartezeit für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte zu erfüllen. Die Rentenversicherung wies den Antrag nach Auffassung des LSG Baden-Württemberg zu Recht zurück.

Nur in Härtefällen sei eine nachträgliche Zahlung freiwilliger Beiträge über den 31.3. des Folgejahrs hinaus möglich. Die gesetzliche Härtefallregelung sei nicht dazu da, sämtliche Nachteile auszugleichen, die mit dem Versäumnis der genannten Frist einhergingen. Der Betroffene habe 2007/08 bewusst auf die Zahlung freiwilliger Beiträge verzichtet, weil ihm dies nach eigener Aussage keine Vorteile gebracht hätte.

Mit der Nachzahlung von Beiträgen könne man nicht warten, bis irgendwann in der Zukunft Änderungen eintreten und deshalb die Nachzahlung auf die Zeit verschieben, in der die Nachteile einer Beitragslücke sichtbar werden oder schon eingetreten sind. Das LSG hat keine Revision zugelassen. Inzwischen ist das Urteil rechtskräftig.

Günstigere Regelungen bis zum 45. Geburtstag

Versicherte unter 45 Jahren können nachträglich noch Versicherungslücken aus Schul- und Studienzeiten mit freiwilligen Beiträgen füllen. Dabei geht es zum einen um Zeiten des Schulbesuchs zwischen 16 und 17 Jahren. Diese Zeit zählt nicht für die Rentenversicherung – außer man zahlt für diesen Zeitraum freiwillige Beiträge (oder ist "nebenher" pflichtversichert).

Auch wer ab 17 Jahren mehr als acht Jahre eine Schule oder Hochschule besucht hat, kann bis zum 45. Geburtstag freiwillige Beiträge für Zeiten nachzahlen, die über die acht Jahre hinausgehen. Maßgeblich – auch für frühere Zeiten – sind die aktuellen Mindest- und Höchstbeiträge für freiwillige Einzahlungen. Sie liegen derzeit zwischen 83,70 € (Mindestbeitrag) und 1.209 € (Höchstbeitrag) im Monat.

Das Formular "Antrag auf Nachzahlung von freiwilligen Beiträgen für Ausbildungszeiten" hat die Nummer V0080. Man findet es im Internet unter https://www.deutsche-rentenversicherung.de.

Ehrenamtliche Pflege bringt Versicherungszeit

Wenn Sie jemanden betreuen, der mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft ist, können Sie nicht nur Ihre Rente aufbessern. Die Zeit der Pflege zählt zudem auch als normale versicherungspflichtige Zeit. Die Folge: Sie kann auch bei der 45-jährigen Mindestversicherungszeit mitberücksichtigt werden.

Lesen Sie auch: "Rentenplus für pflegende Angehörige".

3
Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Wenn die Altersteilzeit "zu früh" endet

Die Altersgrenze ist auch für Arbeitnehmer ein Problem, die sich in einer Altersteilzeit (ATZ) befinden, die "zu früh" endet. Häufig haben die Betroffenen nach dem Ende der ATZ Anspruch auf die Altersrente für langjährig Versicherte (mit hohen Rentenabschlägen), nicht jedoch auf die Altersrente für besonders langjährig Versicherte (ohne Abschläge). Was tun?

Nach dem Ende der ATZ können Arbeitnehmer zur Überbrückung bis zum Rentenbeginn Arbeitslosengeld (ALG) beantragen. Es steht Älteren in der Regel maximal zwei Jahre lang zu. Allerdings: Bislang verhängten die Arbeitsagenturen in solchen Fällen meist eine dreimonatige Sperrzeit, weil die Betroffenen durch den Abschluss eines (befristeten) ATZ-Vertrags ihre Arbeitslosigkeit selbst verursacht hätten. Doch damit ist seit einem Urteil des Bundessozialgericht (BSG) vom 12. September 2017 Schluss (Az.: B 11 AL 25/16 R). Das BSG befand: Es kommt nur darauf an, dass beim Abschluss des ATZ-Vertrags vor etlichen Jahren die Absicht bestand, nach Abschluss der ATZ in Rente zu gehen. Wenn ein Arbeitnehmer sich später anders entscheidet und nach dem Ende der ATZ nicht in Rente geht, sei das legitim. Dass er nun zunächst ALG statt Rente beantragt, könne ihm nicht vorgeworfen werden.

In manchen Fällen müssen Ex-Altersteilzeitler, die ALG beantragen, jedoch weiterhin mit einer Sperrzeit rechnen. Dies gilt immer dann, wenn sie von vornherein nach dem Ende einer (zu kurzen) ATZ eine Zeit des ALG-Bezugs eingeplant hatten.

Wichtig noch: Der Bezug von ALG nach dem Ende der ATZ ist zwar möglich – die Zeit des Leistungsbezugs in den letzten beiden Jahren vor dem (möglichen) Renteneintritt trägt jedoch auch in diesem Fall nicht nur Erfüllung der 45-jährigen Mindestversicherungszeit bei (siehe Teil 3). Doch hier kann der "Minijob-Trick" helfen (siehe Teil 4).

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de