Mamas Comeback: So klappt der berufliche Wiedereinstieg

Ratgeber der Woche Mamas Comeback: So klappt der berufliche Wiedereinstieg

Ines Baur
von Ines Baur
16.10.2018
Auf einen Blick
  • Viele Frauen möchten nach der Familienphase zurück in den Job. Eigenes Geld verdienen, Altersabsicherung, Karriere – Gründe gibt es genug. Doch nach längeren Jobauszeiten fällt es einigen schwer, Fuß zu fassen.

  • Mangelndes Selbstbewusstsein und Fragen "Wie fange ich es an" oder "Wie bekomme ich Familie und Job unter einen Hut" bremsen das Vorhaben aus. 

  • Tipps und Infos rund um den beruflichen Wiedereinstieg gibt es in diesem Ratgeber der Woche. 
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"Ich möchte wieder arbeiten", das geht es vielen Müttern früher oder später durch den Kopf. Und in wenigen Fällen sind es mittlerweile auch Väter, die nach einer längeren Familienzeit wieder in den Beruf einsteigen möchten. Eigenes Gehalt, Beitrag zum Familieneinkommen, Altersvorsorge, finanzielle Unabhängigkeit vom Ehepartner, Selbstverwirklichung oder Wiederaufnahme der beruflichen Karriere – Gründe gibt es genug. Allerdings überkommen so manche Mütter beim Gedanken raus aus der Familie, rein in den Berufsalltag, gemischte Gefühle.

Zu Aufbruchsstimmung und Vorfreude gesellen sich Zweifel: Wie bekomme ich Beruf und Familie unter einen Hut? Finde ich überhaupt einen Job? Reicht meine Qualifikation nach der Auszeit noch aus? Vor lauter Hin- und Herüberlegen und einem geschrumpften beruflichen Selbstvertrauen verwerfen nicht wenige Frauen den Plan wiedereinzusteigen komplett.

Oder aber sie verkaufen sich unter Wert und landen in einem Minijob. Um erst gar nicht in diese Selbstzweifel-Falle zu tappen, sollte jede Frau sich gut auf das Job-Comeback vorbereiten. Dazu gehört: über persönliche Strukturen nachdenken, Familie neuorganisieren, Kompetenzen checken.

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Erstens: Sich selbst überzeugen

Mütter kommen nicht als Mütter auf die Welt. Vor der Familiengründung machen sie eine Ausbildung, studieren, arbeiten in Vollzeit und erklimmen die Karriereleiter. Erst mit Heirat und Geburt des ersten Kindes ändert sich ihr Leben. Und ein paar Jahre später, wenn die Kinder in Kita oder Schule gehen, wäre der Zeitpunkt gekommen, wieder zu arbeiten – eigentlich.

Gäbe es jetzt nicht das geschwächte Ego, das im Weg steht. Denn je länger eine Frau "nur" zu Hause bleibt, desto größer wird die Unsicherheit: "Was kann ich?", "Braucht man mich?" Solche Fragen hört Maria Vogl, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt von der Agentur für Arbeit in Weilheim, oft bei ihren Beratungsgesprächen. "Viele Frauen leiden unter einem mangelnden Selbstwertgefühl. Aber zu Unrecht", erklärt sie.

"Man braucht sie dringend. Man braucht die Wiedereinsteigerinnen unbedingt, denn sie sind motivierte, qualifizierte und organisierte Arbeitskräfte." Möchte eine Frau zurück in einen Job, muss sie sich selbst zuerst überzeugen: Ich werde gebraucht, es gibt Wege, die Nachfrage ist da. Wenn es nicht der alte Job oder Arbeitgeber ist, dann kommt eben etwas Neues.

Was will ich, was kann ich, was geht

Zunächst einmal ist es wichtig, sich grundlegende Gedanken zu machen, was realisierbar ist, was man möchte und was keinesfalls funktioniert. Mit ein paar präzisen Fragen und ehrlichen Antworten nimmt das Projekt Comeback schnell Formen an:

Wohin soll es gehen?

  • Zurück in den erlernten Beruf?
  • In ein auf den erlernten Beruf aufbauendes Tätigkeitsfeld?
  • Ist ein Praktikum sinnvoll, um neue berufliche Wege auszutesten?
  • Oder soll es eine komplette berufliche Veränderung geben?

Welche Arbeitszeitmodelle kommen in Frage?

  • Vollzeit, Teilzeit, Schichtbetrieb?
  • Flexibles Arbeitszeitmodell?
  • Projektgebundenes Arbeiten?
  • Wochenendarbeit?

Welche Arbeitsform soll es sein?

  • Angestellte?
  • Selbständig / Freiberuflerin?
  • Gründerin?

Ist-Zustand von Know-how und Qualifikation

  • Sind Qualifikation und Kompetenz, für den angestrebten Beruf vorhanden?
  • Steht eine Umorientierung mit neuer Ausbildung, Umschulung an?
  • Ist bei zu großer Unsicherheit eine Beratung sinnvoll?

Wie schaut es mit Mobilität und Flexibilität aus?

  • Steht ein Auto zur Verfügung, gibt es öffentliche Verkehrsmittel?
  • Soll es ein Job außer Haus, Telearbeit oder Home-Office sein?
  • Sind Geschäftsreisen möglich?
  • Kommt ein Umzug in Frage?

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Vereinbarkeit von Beruf und Familie 

Austauschen und informieren bringt Lösungen

Zielführende Auskünfte zu den Themen Wiedereinstieg, Karriere und Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gibt unter anderem bei:

Agentur für Arbeit

Fast jede größere Agentur für Arbeit hat Profis, die Wiedereinsteigerinnen beraten. Weiter informieren sie bei Veranstaltungen, unterstützen bei Bewerbungsschreiben, führen Coachings zu Einstellungsgesprächen ... Das Angebot ist groß und die Agenturen der unterschiedlichen Bundesländer haben diverse weitere Angebote. Interessentinnen nehmen - vorzugsweise online - Kontakt zur zuständigen Arbeitsagentur auf.

Infoveranstaltungen

In Deutschland gibt es Infoveranstaltungen zum Thema "Wiedereinstieg" und "Frau und Beruf". Hier erhalten Interessierte einen Überblick, wie der aktuelle Stand am Arbeitsmarkt ist, welche Hilfestellungen geboten werden, wie eine Rückkehr in die Arbeitswelt gelingt. Aktuelle Veranstaltungen stehen im Veranstaltungskalender der Perspektive Wiedereinstieg.

Social Media

Viele Frauen sind sehr gute Netzwerkerinnen. Sie kommunizieren über alles Mögliche in Blogs und sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook. Warum nicht einfach mal "#Wiedereinstieg" oder "#Frau und Job" in die Suchleiste eingeben und mit anderen Frauen und Müttern Erfahrungen austauschen?

Fachmessen

Die Messe "herCareer" in München richtet sich speziell an Absolventinnen, Existenzgründerinnen, sowie Frauen in Fach- und Führungspositionen. Als spezielle Karrieremesse für Frauen berücksichtigt sie Aspekte der weiblichen und familiären Karriereplanung. Die Messe "Woman and Work" ist seit 2011 Anlaufpunkt für Frauen, "die etwas bewegen und ihre Karriere und ihr Leben nicht dem Zufall überlassen wollen".

Soziales Umfeld

Mütternetzwerke sind kostbar, Mütter tauschen sich aus. Denn wer Beruf, Job, Familie, Haushalt managt, braucht ab und an ein Gespräch unter Gleichgesinnten. Im Umfeld jeder Frau gibt es Frauen, die gleich nach dem Mutterschutz wieder arbeiten müssen, Gründerinnen, Wiedereinsteigerinnen, Selbständige. Die wertvollsten Tipps kommen immer aus erster Hand.

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Familie und Job – Alles unter einen Hut gebracht

Wenn Mama wieder arbeitet, bedeutet das: Neuorganisation in der Familie. Das betrifft alle Familienmitglieder. "Familie ist kein Frauenthema", erklärt Vogl. Aber wer unterbricht letztendlich seinen beruflichen Werdegang, um die Kinder zu erziehen? Noch immer sind das vornehmlich Frauen. "Eine Familie gründet man in der Regel zu zweit. Und in einer Familie leben mehrere Menschen zusammen. Es muss nicht alles von der Mama allein organisiert werden. Frauen sollten mit dem Partner überlegen, wie es künftig aussehen soll", so Vogl. Hilfreich ist es, eine Liste anzulegen, anhand der die Partner grundlegende Themen wie Kinderbetreuung und Haushalt aufteilen.

Kita-, Mittagsbetreuungs- oder Hortplatz sollten fix sein. Falls die Großeltern oder eine Tagesmutter den Nachwuchs betreuen, ist zu klären, wer sich in deren Krankheitsfall um die Kinder kümmert. Vater und Mutter von Kindern unter zwölf Jahren können beim ersten und zweiten Kind jeweils zehn Tage pro Jahr zur Pflege frei nehmen. Ab drei Kindern sind es insgesamt 25 Tage. Als Lohnersatz gibt es Kinderkrankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse, in der das Kind mitversichert ist. Auch ein Thema: Wer kann zur Kita bringen und wer holt ab?

Kinderbetreuung in den Ferien

Wenige Eltern haben genauso viel "Urlaub" wie ihre Kinder. Rechtzeitig organisieren heißt es daher für die Schulferien und Kita-Schließzeiten. Welche Alternativen gibt es? Ferienbetreuung, Omas, Opas, Freizeitangebote, Ferienhort, das "Du zwei Wochen, ich zwei Wochen-Prinzip"?

Haushalt

Selbst wenn bisher die Hauptlast bei der Mutter lag, ab dem Tag X arbeiten beide Partner für das Familienbudget, ergo kümmern sich auch beide Partner ab dem Tag X um den Haushalt. "Gemeinsam" heißt die Devise. Auch ältere Kinder können mithelfen. Eine klare Aufgabenverteilung (wenn es hilft schriftlich, wie in WG-Zeiten) sorgt für ein geputztes Klo, geleerten Briefkasten und gefüllten Kühlschrank.

Unterstützung

Reicht das Budget, können sich Familien eine Hilfe suchen. Beispielsweise für Putz-Arbeiten, Einkaufen oder den Garten. Wer kein Geld über hat, bildet vielleicht mit anderen Eltern eine gegenseitige Unterstützung.

Partnerschaft

In einer Partnerschaft verändert sich so manches, wenn sich ein Partner – in diesem Fall die Frau – neu aufstellt. Andere Themen und Interessen kommen zu den bisherigen (hauptsächlich Kinder und Familie) dazu: Job, Kollegen, Probleme, Erfahrungen. Frauen entwickeln ein neues Selbstbewusstsein, an das so mancher Mann sich erst gewöhnen muss. Zeit zu zweit hilft dabei, Paar zu bleiben.

Drei-Konten-Modell

Ein nicht unwesentliches Thema: Geld. Beide Elternteile verdienen sich jetzt gleichberechtigt ihre Brötchen. Und falls es bisher nicht so war: Wie wäre es, ab dem Zeitpunkt, da beide Partner arbeiten, das Drei-Konten-Modell einzuführen? Das funktioniert so: Das Gehalt beider Partner fließt auf ein Gemeinschaftskonto. Von dem Konto gehen sämtliche Ausgaben weg, die die Familie betreffen: Miete, Versicherungen, Lebensmittel und generell alles für die Kinder. Zusätzlich hat jeder sein eigenes Girokonto. Darauf fließt – fifty-fifty – was übrigbleibt. Dieses Geld steht dem jeweiligen Partner zur freien Verfügung.

Eigenes Potenzial erkennen

"Ich leite ein erfolgreiches kleines Familienunternehmen", strahlte die Frau der Vorwerk-Werbung. Richtig, viele Frauen eignen sich – zu den vorhandenen – noch zusätzliche Kompetenzen während der Familienzeit an. "Mütter verfügen über Motivation, Lernbereitschaft, Organisationsgeschick, Belastbarkeit und Konfliktfähigkeit", zählt Vogel auf. "Weiter Diplomatie und Teamfähigkeit. Da legt doch jeder Arbeitgeber Wert drauf." Zur Kompetenzerfassung helfen Eigen-Analysen, nach dem Prinzip der Selbsteinschätzung.

Talentkompass

Die rund 100-seitige Arbeitsmappe kann jeder kostenlos im Internet herunterladen. Der Talentkompass NRW – auf Grundlage des Life-Work-Planning-Ansatzes von Richard N. Bolles – soll beim persönlichen und beruflichen Klärungs- und Entwicklungs-Prozess unterstützen. Als Ergebnis gibt es aufschlussreiche Einsichten über das eigene Potenzial, bestehend aus Besonderheiten, Fähigkeiten, Erfahrungen, Kenntnissen, Werten, Interessen und Wünschen. 

Kompetenzbilanz 

Der Selbsttest Kompetenzbilanz ist Instrument zur Selbsteinschätzung und beruflichen Entwicklung für berufstätige Eltern, Berufsrückkehrerinnen und alle, die an einer Weiterbildung interessiert sind. Die Arbeitsmappe ist das Ergebnis eines europäischen Kooperationsprojekts. Er dient zur Erfassung sozialer Kompetenzen aus der Familientätigkeit.

Profilpass

Der Profilpass ist ebenfalls ein kostenloses PDF. Wer ihn durcharbeitet beschäftigt sich ausführlich mit seiner Berufs- und Lebenserfahrung. Diesen Test können Interessierte entweder selbstständig oder mit professioneller Unterstützung durcharbeiten. Beratungen oder Seminare sind dazu buchbar, jedoch kostenpflichtig.

  • Biallo-Tipp: Selbsttest-Verfahren funktionieren nach dem Prinzip der Selbsteinschätzung. Die Beurteilung, ein Feedback von Freunden, des Partners oder eines Kollegen vervollständigt und korrigiert das Bild.

Dazulernen, weiterbilden, ausbilden

Sind die eigenen Kompetenzen geklärt, ist die nächste Überlegung: Reicht das, oder will ich mehr? Will ich sogar alles neu?

Weiterbildung: Vielleicht braucht es eine kleine Auffrischung des vorhandenen Wissens oder eine ganz neue Ausbildung? E-Learning, Fernstudium, VHS, Arbeitsagenturen, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Bildungsseiten von Fachzeitschriften... Infos und Angebote gibt es wie Sand am Meer. Sicher, Bildung kostet. Aber in sich selbst zu investieren, lohnt sich allemal. Denn wer besser ausgebildet ist, verdient in der Regel mehr Geld und klettert die Karriereleiter nach oben.

Es gibt einige Förder-Programme, die eine Weiterbildung finanziell unterstützen. Auch hier stehen die Arbeitsagenturen mit Rat und Tat zur Seite. Gut zu wissen: Wer sich auf eigene Kosten weiterbildet, spart womöglich Steuern. Ausgaben für die private berufliche Weiterbildung gehören in die Steuererklärung.

Teilzeitausbildung

Berufsausbildung und Familie sind vereinbar. Bereits seit 2005 gibt es die gesetzliche Grundlage für eine Ausbildung in Teilzeit. Dieses Ausbildungsmodell kommt in Frage, sollte ein berechtigtes Interesse vorliegen, wie die Betreuung eines Kindes. Das Modell gilt nicht nur für Zwanzigjährige. "Man muss bedenken, wenn eine Frau 40 ist und wieder arbeiten möchte, hat sie noch mindestens 25 Jahre vor sich. Da lohnt eine Ausbildung allemal," sagt Maria Vogl.

De facto sieht es so aus, dass die Azubis die tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit im Betrieb reduzieren, die Berufsschule aber normal ganztags besuchen. Es gibt zwei Ausbildungsvarianten:

  1. Teilzeitausbildung ohne Verlängerung der Ausbildungszeit
    Die Arbeitszeit einschließlich des Berufsschulunterrichts beträgt 25 bis 30 Wochenstunden, beziehungsweise 75 Prozent der regulären wöchentlichen Arbeitszeit. 

  2. Teilzeitausbildung mit Verlängerung der Ausbildungszeit
    Hier kann sich die Ausbildungsdauer um maximal ein Jahr verlängern. Die betriebliche Arbeitszeit beträgt einschließlich des Berufsschulunterrichts 20 bis 24 Wochenstunden. Der Berufsschulunterricht findet bei beiden Modellen in Vollzeit statt.

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Arbeitszeitmodelle

Von Null auf Hundert? Eine 40 Stunden Woche, plus Haushalt, plus Kinder...das schreckt ab. Wem eine Vollzeitbeschäftigung zu viel ist, kann sich für ein anderes Zeit Modell entscheiden. Das macht den Einstieg leichter.

Teilzeit: Teilzeit-Beschäftigte arbeiten regelmäßig, aber kürzer als ein Vollzeitarbeitnehmer. Entweder täglich weniger als acht Stunden, oder nur an bestimmten Wochentagen. Unter bestimmten Voraussetzungen, zum Beispiel während einer Familienpflegezeit, hat man einen Rechtsanspruch auf Teilzeit. Allerdings sollten Frauen mit Blick auf ihre Altersvorsorge nicht auf zu wenige Stunden bauen, oder das Ziel Vollzeit aus den Augen verlieren.

Gleitzeit: Sie ermöglicht, Anfang und Ende der täglichen Arbeitszeit in einem bestimmten Rahmen selbst einzurichten. In der Regel gibt es eine Rahmenarbeitszeit. Die bestimmt den frühestmöglichen Arbeitsbeginn und das späteste mögliche Arbeitsende vor. In der Kernzeit ist Anwesenheitspflicht.

Beispiel: Rahmenarbeitszeit 6:00 Uhr bis 19.00 Uhr, Kernarbeitszeit 9:00 bis 16:00 Uhr. Das bringt eine flexible Zone von jeweils drei Stunden.

Telearbeit und Home-Office: Bei Telearbeit oder im Home-Office arbeitet der Arbeitnehmer teilweise oder ganz von zu Hause. Dank Internet kann er dabei auf Arbeitsdokumente zugreifen und sich mit Kollegen via Videokonferenzen austauschen. Große Unternehmen wie BMW bieten Homeoffice-Modelle und Telearbeit an.

  • Biallo-Tipp: Wochenendarbeit, Schichtarbeit oder projektbezogenes Arbeiten bieten weitere Alternativen zu den genannten Modellen. Und wenn der Traumjob als Vollzeit ausgeschrieben ist, die Interessentin aber nur Teilzeit kann, lohnt sich eine Bewerbung trotzdem. Denn passt sie perfekt zu dem Job und der Arbeitgeber ist von ihr überzeugt, findet sich vielleicht eine Lösung.

Jobsuche und richtige Bewerbung

Sind die Eckdaten geklärt und wird das Comeback konkret, kommen schon die nächsten Fragen angerollt: Wo finde ich entsprechende Stellenangebote? Wie bewerbe ich mich erfolgreich?

Passendes Stellenangebot finden
Folgende Quellen können Jobsuchende nutzen:

  • Anzeigen in regionalen und überregionalen Tageszeitungen,
  • Inserate in Fachzeitschriften,
  • Persönliches Netzwerk nutzen und Freunde oder Bekannte auf Jobs ansprechen,
  • die Jobbörse der Agentur für Arbeit,
  • Karriereportale wie Xing oder LinkedIn.

     

Im Internet finden sich weitere Jobbörsen: Monster, Stepstone, Jobscout24 ... Die Portale bieten neben Stellenangeboten noch Serviceleistungen, die allerdings zum Teil kostenpflichtig sind.

Die richtige Bewerbung

Bewerben heißt Selbst-Marketing. Der Bewerber vermittelt dem Arbeitgeber: Das kann ich, das will ich. Die Präsentation des eigenen Könnens und ein perfekter erster Eindruck sind entscheidend. In Buchhandlungen stehen die Regale voll mit Leitfäden und Ratgebern zur richtigen Bewerbung. Wer durch die große Auswahl verunsichert ist, sollte sich auf den Weg in die nächste Bücherei machen. Hier gibt es die gleichen Bücher kostenlos zur Ausleihe. Wenn mal ein Ratgeber nichts taugt, ist er schnell zurückgegeben.

Die Agentur für Arbeit präsentiert in der Broschüre "Praktische Bewerbungstipps für Frauen" neben Tipps und unterschiedlichen Bewerbungsformen, auch die "Todsünden" einer Bewerbung.

"Wie viel haben Sie sich denn vorgestellt?"

Das Geld ist meistens Hauptmotivation, zurück in den Job zu gehen. Ein eigenes Einkommen schafft nicht nur finanzielle Selbstbestimmung, sondern nimmt dem Partner die Last des Alleinverdieners von den Schultern. Aber wie viel verdient ein Angestellter, mit welcher Qualifikation in welchem Job?

Das weiß der elektronische Wiedereinstiegsrechner des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der ermittelt – nach Angabe zu Job, Qualifikation und Arbeitszeit – das zu erwartende Brutto- und Nettoeinkommen der Wiedereinsteigerinnen und die Höhe der zusätzlich erworbenen Rentenansprüche. Zur Kalkulation von Steuer- und Sozialabgaben übernimmt er als Grundlage, die Steuerklasse IV für Verheiratete und II für Alleinerziehende.

Interessant: Dem Ergebnis der Berechnung zu Einkommen und Rentenansprüchen stehen – zum Vergleich – die Werte gegenüber, die eine Minijobberin im gleichen Zeitraum erzielt.

Die Herausgeber machen darauf aufmerksam, dass die Ergebnisse eine Schätzung sind. Welches Gehalt sich tatsächlich erzielen lässt, hängt vom einzelnen Arbeitsplatz, der Länge der Familienphase und Tarifverträgen ab.

Midi statt Mini

Laut Angaben der Minijobzentrale gab es im Juni 2018 rund sieben Millionen Minijobber in Deutschland, über die Hälfte sind Frauen. Ein Minijob ist mit seinen "450-Euro-steuerfrei-dazuverdienen" verlockend. Für Rentner oder Studenten beispielsweise, die ihn als (vorübergehende) Nebentätigkeit sehen, lohnt er sich tatsächlich. Frauen, die zurück in die Arbeitswelt wollen und sich weiterentwickeln möchten, denen bringt er nichts.

Eine Studie des Familienministeriums zum Thema Frauen in Minijobs im Jahr 2012 ergab sogar, dass der Minijob nicht als Brücke funktioniert, "sondern als sehr schnell wirkender Klebstoff...". Denn: "Frauen, die einmal im Minijob waren, finden nur zu einem geringen Teil den Übergang in reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse". Sie bleiben an der geringfügigen Beschäftigung pappen.

Plant eine Frau mit möglichst wenig Stunden den Wiedereinstieg, sollte sie das mit einem Midijob machen. Im Gegensatz zum Minijob (bis 450 Euro) ist ein Midijob (ab 450,01 Euro bis 850 Euro) versicherungspflichtig. Das bedeutet, er kostet Sozialabgaben.

Aber: Midi-Jobberinnen profitieren bereits nach einem Jahr Beschäftigung von den Sozialleistungen. Weiter können sie nach oben Arbeitszeit aufstocken, eventuell irgendwann in die Vollzeit gehen, sollte der Arbeitgeber Bedarf haben. Für Arbeitgeber bedeutet die sogenannte Gleitzone sogar eine Beitragsbelastung.

Vergleich von Mini- und Midijob

Midijob

Minijob

Arbeitslosengeld

Anspruch nach 12 Beschäftigungsmonaten.

keines

Krankengeld

Nach dem Ende der sechs Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber Krankengeld der gesetzlichen Krankenkassen.

Nur Anspruch auf sechs Wochen Lohnfortzahlung durch Arbeitgeber.

Leistungen bei Schwangerschaft

Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse in Höhe von 13,00 Euro pro Kalendertag.

Einmalig 210 Euro Mutterschaftsgeld.

Rentenansprüche

Volle Rentenansprüche (u.a. vollwertige Pflichtbeitragszeit, Anspruch auf Leistungen zur Rehabilitation, Erwerbsminderungsrente, Riester-Förderung)

Volle Rentenansprüche nur, wenn die Rentenversicherungspflicht nicht abgewählt wurde.

Quelle: biallo.de; Stand: Oktober 2018

Vergleich von Mini- und Midijob: Vorteil bei der Abgabenlast für Arbeitgeber

Midijob 451 Euro

Minijob 450 Euro

Krankenversicherung

32,92 €

58,50 €

Rentenversicherung

41,94 €

83,70 €

Arbeitslosenversicherung

6,77 €

0,00 €

Pflegeversicherung

5,75 €

0,00 €

Umlage 1 (U1)

0,00 €

4,05 €

Umlage 2 (U2)

0,00 €

1,08 €

einheitliche Pauschsteuer

0,00 €

9,00 €

Gesamtabgaben Arbeitgeber

87,38 €

156,33 €

Berechnungsgrundlage Midijob: Bundesland Bayern, Beitragssätze KV: 15,6 %, inkl. 1,0 % Zusatzbeitrag, PV: 2,80 %, inkl. 0,25 % Zuschlag, RV: 18,6 %, AV: 3,00 % / Minijob-Rechner Quelle: krankenkassen-direkt.de, Minijob-Zentrale, biallo.de, Stand: 2018.

Eingliederungszuschuss – ein finanzieller Anreiz für Arbeitgeber

Entscheidet sich ein Arbeitgeber für die Einstellung einer Wiedereinsteigerin, kann er zeitlich begrenzt eine finanzielle Unterstützung von der Bundesagentur für Arbeit erhalten.

Hintergrund: Nach einer längeren Berufsauszeit brauchen Jobrückkehrerinnen länger zur Wiedereinarbeitung.

Logisch, denn sie haben nicht nach kurzer Einarbeitungszeit das gleiche Know-how wie ein Arbeitnehmer, der lediglich den Arbeitgeber wechselt. Eine Einarbeitung über den allgemeinen zeitlichen Rahmen hinaus ist erforderlich. Da der Arbeitgeber vorerst auf eine vollwertige Arbeitskraft verzichtet, erhält er einen finanziellen Ausgleich, den sogenannten Eingliederungszuschuss.

Wichtig: Die Förderdauer und -höhe müssen vor Unterzeichnung des Arbeitsvertrages individuell mit der zuständigen Arbeitsagentur abgestimmt werden.

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