Grundrente: Entlastung für Millionen Rentner

Altersvorsorge Grundrente: Entlastung für Millionen Rentner

Update: 17.01.2020
Rolf Winkel
von Rolf Winkel
Update: 17.01.2020
Auf einen Blick
  • Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat seinen Gesetzentwurf zur Grundrente auf den Tisch gelegt.

  • Kleine Renten sollen ab 2021 um bis zu 400 Euro aufgestockt werden. Vor allem Mütter dürften von der Grundrente profitieren.

  • Unser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Voraussetzungen Grundrenten-Empfänger erfüllen müssen und wie hoch der Zuschlag ausfallen kann.
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Wichtig zunächst: Der Begriff "Grundrente" ist etwas irreführend. 2021 soll keine fixe Grundrente für alle Versicherten kommen. Die Anspruchsberechtigten sollen vielmehr einen Zuschlag zu ihrer Rente erhalten, der in jedem Einzelfall unterschiedlich hoch ausfällt. Die eigenen Rentenansprüche werden also aufgestockt.

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Durch den Zuschlag und die selbst erworbenen Rentenansprüche soll den Beziehern der Grundrente genannten Leistung eine monatliche Bruttorente (vor Abzug der Sozialversicherungsbeiträge) gesichert werden, die zwischen etwa 670 und 950 Euro liegt. Nach dem jetzt vorliegenden Gesetzesentwurf soll unter folgenden Voraussetzungen ein Anspruch auf den Zuschlag bestehen:

  • 33 Versicherungsjahre ("Grundrentenzeiten") müssen auf dem Rentenkonto stehen.

  • Die im Schnitt erworbenen Rentenansprüche dürfen nicht zu niedrig sein: Wer im Schnitt weniger als 30 Prozent des durchschnittlichen Einkommens aller Versicherten erzielt hat, bekommt keine Rentenaufstockung.

  • Die erworbenen Rentenansprüche dürfen auch nicht zu hoch sein. Wer im Schnitt 80 Prozent oder mehr des Durchschnittseinkommens erzielt und auf dieser Basis Beiträge gezahlt hat, bekommt keine Aufstockung seiner Rente.

  • Das Einkommen in der Zeit des Rentenbezugs darf nicht zu hoch sein.


Biallo-Tipp: Die mögliche Höhe Ihrer Grundrente können Sie mit unserem Grundrenten-Rechner ermitteln. Wenn Sie bereits Rente erhalten, sollten Sie dabei Ihre aktuelle Mitteilung zur Rentenanpassung zur Hand nehmen. Daraus können Sie Ihre Brutto-Rente entnehmen. Soweit Sie noch kein Altersruhegeld erhalten, benötigen Sie Ihre aktuelle Renteninformation.

Die Anspruchsvoraussetzungen im Detail

Voraussetzung Nr. 1:

Welche Zeiten sollen für die Grundrente zählen? Grundrente erhält nur, wer die hierfür erforderlichen Versicherungszeiten nachweisen kann. Als Grundrentenzeiten zählen 35 Pflichtbeitragsjahre für eine versicherte Beschäftigung, Kindererziehung und nicht erwerbsmäßige Pflege. Der volle Zuschlag kann nach dem Referentenentwurf gewährt werden, wenn 35 Jahre mit Grundrentenzeiten auf dem Rentenkonto gespeichert sind. Wenn 33 bis gut 34 Jahre mit solchen Zeiten auf dem Rentenkonto stehen, besteht gegebenenfalls ein etwas gekürzter Anspruch auf die Leistung.

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Zu den Grundrentenzeiten sollen nach dem Gesetzesentwurf auch rentenrechtliche Zeiten wie Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung und Pflege bis zu zehn Jahren oder wegen des Bezugs von Leistungen bei Krankheit und Rehabilitation (Kranken- und Übergangsgeld) sowie Zeiten der auf Antrag pflichtversicherten Selbstständigen zählen.

Viele Mütter werden Anspruch auf Grundrente haben

Wichtig für Mütter ist dabei: Die ersten zehn Lebensjahre eines Kindes zählen als "Kinderberücksichtigungszeit". Bei mehreren Kindern zählt dabei meist die Zeit bis zum zehnten Geburtstag des jüngsten Kindes. Für eine Mutter, die im Januar 1973, 1978 und im Dezember 1984 jeweils ein Kind zur Welt gebracht hat, zählt die Zeit von Januar 1973 bis Dezember 1994 – das sind 22 Jahre – als Kinderberücksichtigungszeit und damit als Grundrentenzeit. Die Betroffene benötigt damit nur noch weitere 13 Jahre an Pflichtbeitragszeiten, um die erforderlichen Zeiten für einen Grundrentenanspruch zusammenzubekommen.

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Die Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung sollten im Standardfall nach Ablauf der Berücksichtigungszeit – also zehn Jahre nach der Geburt eines Kindes – beantragt werden. Dafür gibt es das Formular V0820, das man auch im Internet herunterladen kann. Ohne Antragstellung werden diese Zeiten von der Deutschen Rentenversicherung nicht berücksichtigt – auch dann nicht, wenn aus dem Rentenkonto klar hervorgeht, dass ein Versicherter Kinder hat. Doch keine Panik: Wer bislang versäumt hat, diese Zeiten eintragen zu lassen, hat nichts verpasst: Die Zeiten können auch noch kurz vor dem Rentenantrag nachgetragen werden.

Für Selbstständige wird die Antragspflichtversicherung immer mehr zur interessanten Option

Auch vor dem Hintergrund der geplanten Grundrente könnte für Selbstständige die Entscheidung für eine Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) attraktiv sein. Denn die Zeit der Zahlung freiwilliger Beiträge zählt nicht als Grundrentenzeit, wohl aber eine Zeit der selbst gewählten "Antragspflichtversicherung". Diese Pflichtversicherung in der Deutschen Rentenversicherung können Selbstständige innerhalb von fünf Jahren nach Aufnahme ihrer Tätigkeit beantragen.

Eine vorherige freiwillige Versicherung ist nicht erforderlich. Der Antrag kann also auch gestellt werden, wenn man schon (fast) fünf Jahre selbstständig tätig ist und bislang keine Beziehung zur gesetzlichen Rentenversicherung hatte. Die Versicherungspflicht auf Antrag beginnt mit dem Tag nach der Antragstellung (soweit dann die Voraussetzungen hierfür vorlagen).

Die Versicherungspflicht besteht dann unwiderruflich. Sie endet in aller Regel erst mit der Beendigung der selbstständigen Tätigkeit. Erst dann endet auch die Pflicht zur Beitragszahlung. Für die Berechnung des Monatsbeitrags gibt es dabei verschiedene Varianten.

Auf Wunsch kann der Rentenversicherungsbeitrag von Selbstständigen entsprechend des Einkommens gewählt werden. Diese muss anhand des letzten Steuerbescheids nachgewiesen oder geschätzt werden (gilt vor allem für neue Selbstständige).

Minijob-Zeiten können Grundrentenanspruch sichern – aber nur mit Rentenversicherungspflicht

Eine (preiswerte) Möglichkeit zur Ansammlung von Grundrentenzeiten bieten geringfügige Beschäftigungsverhältnisse ("450-Euro-Jobs"). Dafür darf man allerdings die Rentenversicherungspflicht der Jobs, die automatisch eintritt, nicht abwählen. Durch die Abwahl spart man wenig (maximal derzeit 16,20 Euro im Monat) und verliert viel.

Denn ein rentenversicherter Minijob zählt für die Rente als vollwertige Versicherungszeit und damit auch als Grundrentenzeit. Dies gilt übrigens auch für einen "Mini-Mini-Job" mit einem Monatsverdienst von beispielsweise 200 Euro. Nur 7,20 Euro im Monat kostet dann der volle Rentenversicherungsschutz.

Diese Variante ist beispielsweise für Schüler und Studenten interessant. Üben sie neben dem Studium oder neben der Schule einen versicherungspflichtigen Minijob aus, so gilt diese Zeit dann nicht als Anrechnungszeit, sondern als Pflichtversicherungszeit.

Wer als Student zum Beispiel drei Jahre lang neben dem Studium einen entsprechenden versicherten Minijob ausübt, bei dem zählen diese drei Jahre als ganz normale Pflichtversicherungszeit – und können später gegebenenfalls dazu dienen, eine Grundrente zu erhalten (oder auch zum Beispiel die Altersrente für besonders langjährig Versicherte).

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Welche Zeiten nicht zählen

Nach dem Referentenentwurf sollen Zeiten des Bezugs der Versicherungsleistung Arbeitslosengeld I und Zeiten des Bezugs von Arbeitslosenhilfe nicht als Grundrentenzeiten zählen werden. Das gilt auch für den ALG-II-Bezug. Für Bezieher von Arbeitslosengeld I oder Arbeitslosengeld II bietet jedoch die Minijob-Variante eine Möglichkeit, dass auch diese Zeit der Arbeitslosigkeit Grundrenten-Ansprüche sichert – allerdings nur wenn die Rentenversicherungspflicht nicht abgewählt wird. Die Betroffenen können ganz legal einen bei der Arbeitsagentur beziehungsweise dem Jobcenter angemeldeten Minijob ausüben. Dies bringt also nicht nur finanzielle Vorteile, weil ein Teil des Verdienstes nicht mit den Geldleistungen für Arbeitslose verrechnet wird.

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Voraussetzung Nr. 2: Die Rentenansprüche dürfen nicht zu hoch und nicht zu niedrig sein

Rentnerinnen und Rentner, die mindestens 33 Grundrentenjahre auf ihrem Rentenkonto haben und deren Beitragsleistung unter 80 Prozent, aber über 30 Prozent des Durchschnittseinkommens liegt (= Durchschnittswert an Entgeltpunkten zwischen 0,3 und 0,8), sollen in Zukunft mit der Grundrente einen Zuschlag erhalten.

Zur Erklärung: Die gesetzliche Rente wird immer auf Grundlage von Entgeltpunkten (EP) errechnet. Genau einen EP erhält, wer in einem Kalenderjahr ein genau durchschnittliches Einkommen erzielt und auf dieser Grundlage Beiträge an die Deutsche Rentenversicherung zahlt. Das voraussichtliche (geschätzte) jährliche Durchschnittsentgelt aller Versicherten beträgt 2020 brutto 40.551 Euro. Auf den Monat umgerechnet sind dies 3.379,25 Euro. Wer 2020 genauso viel verdient, erhält einen EP. Wer halb so viel verdient, bekommt 0,5 EP auf seinem Rentenkonto gutgeschrieben.

Voraussetzung Nr. 3: Einkommensprüfung muss "bestanden" werden

Ob und wie bei der Grundrente eine Bedürftigkeitsprüfung durchgeführt werden soll, war in der Berliner Regierungskoalition lange umstritten. Zum Schluss hat man sich hier auf eine "abgespeckte" Bedürftigkeitsprüfung geeinigt. Die Bedürftigkeitsprüfung soll auf eine "umfassende Einkommensprüfung" beschränkt werden. Es interessieren also – anders als bei der Sozialhilfe bzw. Grundsicherung – nicht das Vermögen und nicht der Immobilienbesitz der Betroffenen.

Nach dem Referentenentwurf soll die volle Grundrente Alleinstehenden mit einem Einkommen in Höhe von 1.250 Euro für Alleinstehende und Paare mit einem Einkommen von bis zu 1.950 Euro gewährt werden, wobei bei Paaren die Art der steuerlichen Veranlagung keine Rolle spielen soll. Dabei wird das zu versteuernde Einkommen unter Hinzurechnung des steuerfrei gestellten Anteils der Rente und aller Kapitalerträge zugrunde gelegt.

Beispiel: Ein alleinstehender Rentner hat 2019 ein zu versteuerndes Einkommen in Höhe von 11.000 Euro gehabt. Dabei wurde vorab ein Rentenfreibetrag in Höhe von 4.000 Euro berücksichtigt. Dieser Teil seiner gesetzlichen Rente war damit nicht steuerpflichtig. Die 4.000 Euro werden den 11.000 Euro zugerechnet. Sein zu berücksichtigendes Einkommen betrug 2019 damit 15.000 Euro. Auf den Monat bezogen waren dies (15.000 Euro /12 =) 1.250 Euro.

Mithin kann der Betreffende soweit die sonstigen Voraussetzungen erfüllt sind, ab 2021 eine Grundrente erhalten (soweit es bei den derzeit vorliegenden Plänen bleibt). Wer ein monatliches Alterseinkommen von mehr als 1.250 bzw. 1.950 Euro bezieht, hat bei der Grundrente das Nachsehen. Allerdings: Bei geringfügiger Überschreitung dieser Einkommensfreibeträge innerhalb einer noch festzusetzenden Gleitzone soll noch Anspruch auf eine verringerte Grundrente bestehen. Genaueres weiß man hierzu allerdings noch nicht.

Die Einkommensprüfung soll in einem einfachen Verfahren per elektronischem Datenaustausch zwischen den Finanzämtern und der Deutschen Rentenversicherung erfolgen. Dafür müssen allerdings noch sowohl die gesetzlichen als auch die technischen Voraussetzungen geschaffen werden. Offen ist, was bei Rentnern geschieht, die keinen Einkommensteuerbescheid erhalten, da sie infolge Unterschreitens des steuerlichen Grundfreibetrags gar keine Einkommensteuererklärung abgeben müssen.

Biallo-Tipp

Für alle Rentner, die meinen, dass die Grundrente für sie in Frage kommt, ist es in jedem Fall ratsam für 2019 eine Steuererklärung abzugeben – auch wenn sie dazu wegen ihrer niedrigen Einkünfte gar nicht verpflichtet sind. Denn im Jahr 2021 wird bei der Prüfung des Grundrentenanspruchs voraussichtlich der Steuerbescheid von 2019 zugrunde gelegt werden.

Die Berechnung des Zuschlags zur erreichten Rente

Bei der Grundrente handelt es sich nicht um einen fixen Betrag. Vielmehr wird die Grundrente in jedem Einzelfall auf Grundlage der im Rentenkonto gespeicherten Entgeltpunkte berechnet. Die bei Rentenbeginn erreichten Rentenansprüche werden dabei durch einen Zuschlag an Entgeltpunkten aufgestockt.

Wenn geprüft wird, wie hoch der Zuschlag zur "normalen"‘ Rente ist, zählen allerdings nicht alle Entgeltpunkte aus den Grundrentenzeiten. Kleine Jobs sollen nach dem Gesetzesentwurf der Bundesregierung bei der Grundrente kein Rentenplus bringen. Dazu heißt es im Referentenentwurf: "Grundrentenzeiten, die entweder keinen Entgeltpunktewert (zum Beispiel Kinderberücksichtigungszeiten für ein Kind) oder einen Entgeltpunktewert von kalendermonatlich unter 0,025 Entgeltpunkten aufweisen (zum Beispiel versicherungspflichtiger Minijob ab April 1999), sind keine Grundrentenbewertungszeiten."

Übersetzt bedeutet das: Nur Beschäftigungsmonate, in denen Versicherte mindestens 30 Prozent des Durchschnittseinkommens aller Versicherten erzielt haben, werden bei der Berechnung der Grundrente berücksichtigt. Aktuell liegt diese "30-Prozent-Grenze" bei einem monatlichen Bruttoentgelt von 1014 Euro.

Rentenpunkte aus einer Beschäftigung, deren Entgelt mindestens 1.014 Euro beträgt, sollen also mitzählen, wenn die Grundrente berechnet wird. Die hier erzielten Rentenpunkte werden gegebenenfalls verdoppelt. Ist das monatliche Bruttoeinkommen dagegen niedriger, bringt der Job zwar normale Rentenansprüche, aber kein zusätzliches Rentenplus. Für diejenigen, die heute bereits Rente beziehen, bedeutet das voraussichtlich: Die Rentenversicherung muss errechnen, welcher Teil der Rente auf "Grundrentenbewertungszeiten" beruht. Nur dieser Teil der Rente kann aufgestockt werden.

Alle Entgeltpunkte aus "Grundrentenbewertungszeiten" werden addiert. Falls dabei im Schnitt pro Jahr weniger als 0,8 Rentenpunkte herauskommen, gibt es – wenn die sonstigen Voraussetzungen erfüllt sind – eine Rentenaufstockung, maximal auf eine Gesamtrente von etwa 950 Euro brutto.

Was das in der Praxis bedeuten kann, verdeutlichen folgende Beispiele:

Beispiel 1:
Ein Versicherter hat in 35 Grundrentenjahren insgesamt zwölf Entgeltpunkte in Grundrentenbewertungszeiten "erwirtschaftet", das entspricht pro Jahr einem Schnitt von 0,343 EP. Soweit er die sonstigen Voraussetzungen erfüllt, hat er damit Anspruch auf die Grundrente.

Zu seinen zwölf Entgeltpunkten kommen (als Verdopplung) weitere zwölf EP hinzu, hiervon gibt es jedoch einen Abschlag von 12,5 Prozent. Dies sind 1,5 EP. Damit werden zu seinen zwölf "eigenen" EP weitere (12 minus 1,5 EP =) 10,5 EP addiert. Damit kommt er insgesamt auf 22,5 EP. Anfang 2021 ist aufgrund der Rentenanpassung, die zum 1. Juli 2020 erfolgt, mit einem aktuellen Rentenwert (West) von 34,09 Euro zu rechnen, der aktuelle Rentenwert Ost wird noch geringfügig niedriger sein (33,14 Euro). Die Werte stammen aus dem Rentenversicherungsbericht 2019, sind allerdings noch nicht endgültig. Die genauen Werte werden im Frühjahr 2020 festgelegt.

22,5 EP entsprechen damit 767,03 Euro Bruttorente. Hiervon gehen noch circa elf Prozent an Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Die Nettorente könnte damit nach der Aufstockung circa 683 Euro betragen.

Beispiel 2:
Ein Versicherter hat in 35 Grundrentenjahren insgesamt 24 Entgeltpunkte "erwirtschaftet", das entspricht pro Jahr einem Schnitt von 0,686 EP. Soweit er die sonstigen Voraussetzungen erfüllt, hat er damit Anspruch auf die Grundrente.

Zu seinen 24 Entgeltpunkten kommen nicht weitere 24 EP hinzu. Vielmehr wird in diesem Fall nur die Differenz bis zu einem Entgeltpunkteschnitt von 0,8 EP aufgefüllt, wobei von den "Auffüll-EP" dann wieder jeweils 12,5 Prozent abgezogen werden. So wird immer verfahren, wenn im Jahresschnitt mehr als 0,4 EP beziehungsweise – bezogen auf 35 Grundrentenjahre – insgesamt mehr als 14 EP zusammenkommen sind. Bei einem EP-Schnitt von 0,8 EP und 35 Versicherungsjahren würden sich 28 EP ergeben. Die im Beispielfall erworbenen 24 EP würden damit um 4 EP minus 12,5 Prozent, das wären dann 3,5 EP, aufgestockt.

Die Bruttorente des Betroffenen würde somit auf Grundlage von (24 + 3,5 EP=) 27,5 EP berechnet. Das entspricht bei einem aktuellen Rentenwert von 34,09 Euro einem Bruttobetrag von 937,48 Euro. Nach dem Abzug der Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung würden hiervon noch 834 Euro bleiben.

Wieso der Abschlag um 12,5 Prozent?

Vermutlich werden sich viele Leser fragen, was der Sinn des Abschlags von 12,5 Prozent ist. Zunächst einmal: Wie dieser Wert genau zustande kam, ist unbekannt. Der Zuschlag wird jedenfalls mit dem Äquivalenzprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung begründet. Danach sollen im Prinzip höhere Beiträge auch eine höhere Rente erbringen.

Klar ist: Die Grundrente bricht zumindest teilweise mit diesem Prinzip. Wichtig ist allerdings: Zum einen soll die Grundrente aus Steuermitteln und nicht aus Beitragszahlungen der Versicherten finanziert werden. Und zum anderen soll dieser Abschlag von 12,5 Prozent einen gewissen Abstand zu den Leistungsansprüchen von Versicherten sicherstellen, die – beispielsweise – durch eigene Beitragsleistungen einen Rentenanspruch von brutto 1.000 Euro erworben haben und damit keinen Anspruch auf eine Rentenaufstockung haben.

Grundrente und Grundsicherung im Alter

Das Sozialhilfe- beziehungsweise Grundsicherungsniveau lässt sich einfach errechnen durch die Formel "Warmmiete plus Regelsatz". 2020 beträgt der (Eck-)Regelsatz für Alleinstehende 432 Euro im Monat. Wenn Alleinstehende monatlich 400 Euro Warmmiete zahlen müssen, liegt ihr persönlicher Grundsicherungsbedarf 2020 bei 832 Euro. Für Paare liegt der Regelsatz 2020 insgesamt bei monatlich 778 Euro. Beträgt die Warmmiete eines Rentner-Ehepaars beispielsweise 500 Euro, so liegt ihr Grundsicherungsbedarf bei 1.278 Euro.

In vielen Fällen wird die geplante Grundrente dafür sorgen, dass das Gesamteinkommen der Betroffenen oberhalb des Grundsicherungsniveaus liegen wird. Dies gilt insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass die Betroffenen häufig noch Anspruch auf weitere Altersbezüge beziehungsweise sonstige Einkünfte im Alter haben. Doch das wird längst nicht immer der Fall sein.

Insbesondere in Großstädten mit hohem Mietniveau wird die neue Grundrente die Betroffenen oft nicht über das Grundsicherungsniveau "hieven". Damit werden auch Grundrenten-Bezieher zusätzlich noch Grundsicherung im Alter beantragen müssen. Auf den ersten Blick könnte man jetzt fragen: Was ist denn dann der Sinn der Grundrente, wenn ohnehin zusätzlich noch Grundsicherung im Alter bezogen wird? Bringt das Konzept für die Betroffenen dann überhaupt eine Verbesserung?

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Genau diese Fragen haben sich die Berliner Politiker wohl auch gestellt. Daher sieht der Referentenentwurf auch die Einführung eines Grundsicherungs-Freibetrag ab 2021 vor: "Für Rentnerinnen und Rentner, die 35 Jahre Beitragsjahre geleistet haben und Grundsicherung im Alter beziehen, wird künftig ein Freibetrag für das Einkommen aus der gesetzlichen Rente in der Grundsicherung in Höhe von 100 Euro zuzüglich 30 Prozent der darüber hinaus gehenden Ansprüche aus der gesetzlichen Rente bis maximal 50 Prozent der Regelbedarfsstufe 1" eingeführt, hieß es dazu schon im im Koalitionspapier vom 10. November 2019. Eine entsprechende Regelung gibt es bereits für Einkommen aus betrieblicher und privater Vorsorge.

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Was das praktisch bedeutet, sei am Beispiel eines Rentners mit einer Nettorente von 500 Euro verdeutlicht, der Grundsicherung beantragt. Die Ämter rechnen dabei, soweit die Koalitionsvorhaben wie angedacht verwirklich werden, folgendermaßen:

Von den 500 Euro geht zunächst ein Freibetrag von 100 Euro ab. Es verbleiben 400 Euro. Von den 400 Euro sind (30 Prozent x 400 Euro =) 120 Euro bei der Grundsicherung anrechnungsfrei. Insgesamt beträgt der Freibetrag des Betroffenen damit 220 Euro. Der Regelsatz für Alleinstehende dürfte 2021 rund 440 Euro betragen. Die Hälfte davon sind 220 Euro. So hoch ist der Grundsicherungs-Freibetrag 2021 maximal.

Praktisch bedeutet dies für den Betroffenen: Von den 500 Euro Rente, die er bezieht, zählen, wenn Grundsicherung im Alter beantragt wird, nur 280 Euro als anrechenbares Einkommen. Dies hat zur Folge, dass er eine Art "Grundsicherung plus" beziehen kann, bei der er monatlich 220 Euro mehr für seinen Lebensunterhalt zur Verfügung hat als den Regelsätzen entsprechend.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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