Wie Sie Ärger mit Handwerkern vermeiden

Abzocke durch Notdienste Wie Sie Ärger mit Handwerkern vermeiden

Caroline Benzel
von Caroline Benzel
24.09.2018
Auf einen Blick
  • Zuhause ausgesperrt oder Heizung defekt – ein Fall für den Handwerker-Notdienst. Allerdings tummeln sich am Markt viele schwarze Schafe, die die Not von Verbrauchern ausnutzen.

  • Vor allem bei Schlüsseldiensten sollten Verbraucher vorsichtig sein. Die Verbraucherzentralen registrieren zahlreiche Beschwerden wegen überteuerter Rechnungen.

  • Unser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie unseriöse Anbieter erkennen und sich gegen Betrug wehren können. 

 

 

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Die Toilette ist verstopft, der Strom ausgefallen, das Wasser tropft aus den Wänden oder die Haustür ist zugefallen. Es gibt viele Gründe, warum Verbraucher schnelle Hilfe von Handwerkern brauchen. Wer den erstbesten Betrieb anruft, bekommt dann vielleicht schnell einen Mitarbeiter vorbeigeschickt – ob dieser gut und zu fairen Preisen arbeitet, steht auf einem anderen Blatt.

Hinter vielen vermeintlich lokalen Notdiensten stehen Vermittlungszentralen, die Handwerker aus dem gesamten Bundesgebiet vermitteln. Das Problem: Die Handwerker oder Firmen, die über solche Zentralen kommen, müssen teils mehr als die Hälfte ihres Verdienstes an die Zentrale abgeben. Damit sich die Arbeit lohnt, stellen sie den Kunden überhöhte Rechnungen.

Eine seriöse Firma nimmt für eine Türöffnung zu normalen Arbeitszeiten zwischen 80 bis 120 Euro. Unseriöse Firmen haben in der Vergangenheit dagegen schon Beträge bis zu 1.000 Euro in Rechnung gestellt. Hinzu kommt: Nicht alle vermittelten Handwerker arbeiten wirklich professionell. Wenn es zu Schäden kommt, ist im Nachhinein oft nicht nachzuvollziehen, welche Firma eigentlich da war – da oft selbst Angaben auf den Rechnungen falsch oder ungenau sind.

Wie kriminell solche Vermittlungszentralen teils agieren, zeigt beispielhaft der Fall der Deutschen Schlüsseldienst Zentrale. So hat das Landgericht Kleve im August dieses Jahres die beiden Betreiber der Deutschen Schlüsseldienst Zentrale zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt (Az. 190 KLs3/17). Vorgeworfen wurde den beiden Männern Betrug, Steuerhinterziehung und das Vorenthalten von Arbeitsentgelt. Sie hatten bundesweit Anzeigen geschaltet, die den Kunden vorgaukelten, dass es sich um einen lokalen Schlüsseldienst handele.

Tipp: Suchen Sie sich eine lokale Firma in der Nähe aus, bevor Sie einen Notdienst brauchen. Fahren Sie ruhig am Firmensitz vorbei und überprüfen, ob die angegebene Adresse stimmt. Ist das der Fall, kann die Firma in Ihre Notdienst-Liste aufgenommen werden.

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Schlüsseldienste

Wenn die Tür zufällt, der Schlüssel verloren oder abgebrochen ist, ist die Not meist besonders groß. Denn oft haben Betroffene weder Geld noch ein Handy dabei, mit dem sie um Hilfe rufen könnten. Wer Nachbarn oder Passanten bitten muss, deren Handy zu nutzen, wird deshalb oft den erstbesten Schlüsseldienst anrufen, der bei den Suchergebnissen erscheint. Und genau das kann ein teurer Fehler sein.

Zentralen unter lokaler Rufnummer

Gerade unseriöse Unternehmen werden in Suchmaschinen und im Branchenbuch oft an erster Stelle gelistet. Der Grund: Diese Firmen geben viel Geld für Online-Marketing und Werbung aus und sorgen so dafür, dass sie entweder bei den Werbeanzeigen oder sogar bei den Such-Ergebnissen ganz oben stehen. Für Einträge im Branchenbuch nutzen sie gerne Firmennamen, die mit "AA" beginnen, so dass sie auch dort an erster Stelle stehen.

Um vorzutäuschen, dass es sich um eine Firma vor Ort handelt, nutzen sie eine lokale Rufnummer. Bei Online-Suchen funktioniert das so: Die Suchmaschine kann aufgrund der IP-Adresse Ihres Rechners nachvollziehen, von wo aus Sie Ihre Suchanfrage stellen. Bei den Ergebnissen werden dann automatisch die Schlüsseldienste aus der Nähe angezeigt – oder eben diejenigen, die Nähe vorgeben. Da steht dann beispielsweise: "Ihr lokaler Schlüsseldienst" oder Ihr "Schlüsseldienst für Berlin / München / Hamburg" – je nachdem wo Sie wohnen.

Teils steht eine lokale Rufnummer dabei, wobei diese weniger geworden sein dürften. 2017 hat die Bundesnetzagentur die Abschaltung von 52.000 lokalen Rufnummern angeordnet, mit denen Unternehmer Ortsnähe vorgetäuscht hatten. Bei den Unternehmen handelte es sich insbesondere um Umzugs- und Entrümpelungsunternehmen sowie Schlüsseldienste, die in ihrer Werbung mit der Rufnummer eine örtliche Nähe vorgetäuscht haben.

Die Folge: Viele der Vermittlungszentralen geben keine örtliche Rufnummer, sondern eine 0800-Nummer als Notruf-Nummer oder lediglich eine Handy-Nummer an. So lässt sich der Standort ebenfalls nicht erkennen.

Biallo-Tipp: Wenn Sie wissen wollen, ob es sich um ein lokales Unternehmen oder eine Vermittlungszentrale handelt, stellen Sie Fragen zum Firmensitz. Wenn Ihnen eine lokale Adresse genannt wird, können Sie mit vermeintlichen Angaben wie "Ach, direkt neben der Schule" - oder "Da haben Sie ja einen schönen Blick auf den Park" herausfinden, ob Ihr Gesprächspartner lügt.

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Webseiten überprüfen

Auch anhand der Suchergebnisse und der Webseite des Schlüsseldienstes bekommen Sie oft Anhaltspunkte, ob das Unternehmen ortsansässig ist oder es sich um eine Vermittlungszentrale handelt. Oft geben die Zentralen viel Geld für Werbung aus. Bei der Suchmaschine Google sind die ersten Ergebnisse meist Anzeigen-Kunden vorbehalten, die Anzeigen über den sogenannten Dienst Google AdWords geschaltet haben.

Diese Anzeigen werden eingeblendet, sobald ein Nutzer die vom Anzeigen-Kunden definierten Suchworte eingegeben hat. Diese Such-Ergebnisse sind auch als Anzeige gekennzeichnet. Wenn Sie also das Wort Schlüsseldienst eingeben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auf den ersten Anzeigen-Ergebnissen Schlüsseldienstzentralen angezeigt sind. Auch die Webseite selbst gibt Aufschluss darüber, ob Sie es mit einem lokalen Unternehmen zu tun haben. Schauen Sie sich am besten das Impressum an.

Steht dort als Firmensitz keine lokale Adresse, so handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Zentrale. Auch allgemeine Domain-Namen wie schlossauf.de oder türöffnen-24.de deuten auf einen bundesweit aktiven Anbieter hin. Wenn Sie beispielsweise in Potsdam Ihre Suche starten, dann werden Ihnen die Seiten schlossauf.de/potsdam und tür-öffnen24.de/?town=Potsdam angezeigt. Starten Sie die Anfrage aus Hannover, dann heißen die Seiten stattdessen eben schlossauf.de/hannover und tür-öffnen24.de/?town=Hannover. Die Rufnummer bleibt indes die Gleiche. Nur die Ansprache wird entsprechend angepasst.

So wirbt bei schlossauf.de ein Roland Bergmann sowohl in Potsdam als auch in Hannover damit, beschädigungsfreie Türöffnungen in der Umgebung durchzuführen. Wer mit dem Bild des angeblichen Roland Bergmann eine Bildersuche durchführt, findet dasselbe Foto mit demselben Webseiten-Design, aber unterschiedlichen Namen. In Österreich nennen die Macher von schlossauf.at den Mann lieber Matthias Wagner und in der Schweiz Gabriel Crivelli. Wenn der Mann auf dem Foto anstatt Türen zu öffnen lieber Elektriker oder Installateur statt Schlosser sein soll, bekommt er den Namen Lukas Gruber verpasst.

Biallo-Tipp: Lassen Sie sich nicht von sympathischen Bildern des angeblichen Handwerksmeisters täuschen. Dass ein Foto mit einem Namen auf einer Webseite erscheint, beweist gar nichts.

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Auffällige Unternehmen nicht anrufen

Wenn Sie unsicher sind, ob es sich um ein seriöses oder unseriöses Unternehmen handelt, kann es sich lohnen, den Namen in eine Suchmaschine einzugeben. Falls es Unregelmäßigkeiten gab, finden sich meist Foren-Einträge oder Artikel zu der betreffenden Firma. Eine recht ausführliche Liste mit Schlüsseldiensten, die Verbrauchern in der Vergangenheit negativ aufgefallen sind, finden Sie auf der Webseitewww.verbraucherschutz.de.

Biallo-Tipp: Auch Firmen, die im Hausflur aufgeführt sind, können Sie nicht automatisch vertrauen. Es ist ein beliebter Trick von Abzock-Firmen ihre Kontaktdaten in Hausfluren zu hinterlassen. Das wirkt dann oft so, als ob es sich um Firmen handelt, die mit der Hausverwaltung zusammenarbeiten. Falls Sie unsicher sind, fragen Sie lieber bei der Hausverwaltung nach.

Hilfe von der Polizei

In vielen Regionen betreibt die Polizei Einbruchsprävention. Wenden Sie sich an Ihre Präventionsstelle und fragen nach einer sogenannten Errichter-Liste. Oft haben Unternehmen, die sich mit dem Einbau von Schlössern und Sicherheitstechnik befassen, auch einen Notdienst. In absoluten Notfällen können Sie auch Polizei oder Feuerwehr um Hilfe bitten – etwa wenn sich ein Baby oder Kleinkind in der Wohnung befinden. Wenn aber Rettungskräfte eine Tür aufbrechen müssen, kann es natürlich zu Beschädigungen kommen, die gegebenenfalls mit einem Schlüsseldienst nicht auftreten würden.

Schlüsseldienst-Einsatz vermeiden

Am besten ist es natürlich, wenn man gar nicht erst in die Verlegenheit kommt, einen Schlüsseldienst rufen zu müssen. Es empfiehlt sich deshalb stets, bei Nachbarn, Verwandten oder Freunden ein bis zwei Schlüssel zu hinterlegen. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, eine Firma mit der Schlüsselaufbewahrung zu beauftragen. Unter www.schluesselpate.de können Interessierte bundesweit Schlüsselaufbewahrungen buchen. Einen Schlüssel zu hinterlegen, kostet dort 2,99 Euro im Monat. Die Lieferung soll im Notfall eine halbe Stunde bis Stunde dauern und erfolgt kostenlos. Aufbewahrt werden die Schlüssel in Tresoren der Firma Securitas.

Biallo-Tipp: Wenn Sie einen regionalen Anbieter für die Aufbewahrung Ihrer Schlüssel suchen, geben Sie am besten "Schlüssel hinterlegen" oder "Schlüsseldepot" sowie Ihren Wohnort in eine Suchmaschine ein.

Wer sich am Wochenende oder nachts ausgesperrt hat, sollte überlegen, ob er nicht vorübergehend bei Freunden oder im Hotel unterkommen kann. Nachts und am Wochenende können Handwerksfirmen Zuschläge zwischen 50 und maximal 200 Prozent verlangen. Ein Hotelzimmer ist oft günstiger.

Handwerker-Notdienste

Das Problem bei Notdiensten sind nicht nur überhöhte Rechnungen – oft ist es gar nicht so einfach einen Termin zu bekommen. Wenn im Winter die Heizung ausfällt, haben Neukunden bei Firmen oft schlechte Karten. Mieter haben in der Regel keine Probleme, da sie die Organisation der Heizungsreparatur getrost dem Eigentümer oder der Hausverwaltung überlassen können. Bei Eigentümern sieht das natürlich anders aus. Diese sollten sich beizeiten eine Firma suchen, die im Notfall auch eine Reparatur übernimmt. Sonst kann es im Winter schwierig werden.

Biallo-Tipp: Eigentümer sollten für ihre Heizungsanlage am besten einen Wartungsvertrag abschließen. Damit ist gesichert, dass die Anlage einmal im Jahr überprüft wird und im Notfall auch eine Reparatur erfolgt.

Handwerker wegschicken

Manchmal kann es für Kunden billiger sein, einen Handwerker wieder wegzuschicken. Wenn ein Handwerker ohne ausreichendes Werkzeug auftaucht oder schon vor Anschauen der defekten Anlage genau weiß, woran es liegt, ist Vorsicht geboten. Nicht alle Handwerker sind gleichermaßen gut qualifiziert. Wenn Sie den Eindruck haben, dass ein Handwerker sehr ungeplant und konfus vorgeht, kann es die bessere Lösung sein ihn wegzuschicken. Sie müssen dann zwar die Anfahrt und die bisherige Arbeitszeit bezahlen – doch kann das billiger sein, als der Austausch überflüssiger Ersatzteile oder eine stundenlange Fehlersuche auf Kosten des Kunden.

Biallo-Tipp: Wenn zwei Handwerker kommen, müssen Sie nur dann beide bezahlen, wenn wirklich zwei für die Reparatur notwendig sind. Das kann etwa der Fall sein, wenn ein Dachdecker bei der Arbeit gesichert werden muss – oder ein zweiter Handwerker bestimmte Teile festhalten oder anreichen muss. In den meisten Fällen reicht jedoch eine Person aus.

Arbeitszeit

Es empfiehlt sich genau darauf zu achten, wann der Handwerker kommt und wie lange er wirklich arbeitet. Wenn der Handwerker eine Viertelstunde mit dem Chef oder einem anderen Kunden telefoniert, so kann er Ihnen diese Zeit auch nicht in Rechnung stellen. Es empfiehlt sich deshalb auch, nicht zu viel mit dem Handwerker zu reden, denn Redezeit mit dem Kunden ist Arbeitszeit. Grundsätzlich gilt: Wer anderthalb Stunden vor Ort ist, darf auch anderthalb Stunden abrechnen und nicht etwa zwei Stunden. Firmen dürfen maximal zehn Minuten auf die Viertelstunde aufrunden. Anderslautende Klauseln in den AGBs sind unzulässig.

Biallo-Tipp: Vermeiden Sie es, vor Arbeitsbeginn schon einen Stundenzettel oder Ähnliches zu unterschreiben. Gerade unseriöse Firmen versuchen so, ihre oft überhöhten Preise durchzusetzen. Nach dem Motto: Sie haben ja vorher unterschrieben.

Ersatzteile

Für Laien ist es oft nicht nachzuvollziehen, ob ein Teil wirklich defekt ist und ausgetauscht werden muss oder ob nicht etwa nur ein kleines Zubehörteil defekt ist. Wirklich geschützt sind Kunden nie davor, dass überflüssige Reparaturen durchgeführt werden. Es könnte aber hilfreich sein, schon vorab anzukündigen, dass Sie defekte Teile gerne behalten möchten. So könnten Sie gegebenenfalls auch im Anschluss an die Reparatur noch nachprüfen, ob ein Austausch wirklich notwendig war.

Dennoch gilt: Wenn Sie glauben, an einen unseriösen Betrieb geraten zu sein, sollten Sie die Firma lieber wieder wegschicken. Denn gerade Firmen, die unseriös arbeiten, sind es gewohnt mit unzufriedenen Kunden umzugehen und diese gegebenenfalls auflaufen zu lassen. Hinzu kommt, dass es oft nicht einmal eine ladungsfähige Adresse gibt. Sprich: Selbst wenn Sie Recht haben, bekommen Sie kein Recht, weil die Firma nicht auffindbar ist.

Fahrtkosten

Oft vereinbaren Handwerker mit ihren Kunden eine Anfahrtspauschale. Es empfiehlt sich, die Fahrtkosten schon beim ersten Anruf bei der Firma zu erfragen und sich eine Notiz dazu zu machen. Das Problem: Im Zweifel steht Aussage gegen Aussage. Falls Sie einen Zeugen mithören oder das Gespräch aufzeichnen wollen, müssen Sie Ihren Gesprächspartner vorher fragen, ob das in Ordnung ist. Heimliches Mithören verletzt "das Recht am gesprochenen Wort". Das heimliche Mitschneiden eines Gesprächs ist sogar eine Straftat. Sprich: Selbst wenn Sie das Gespräch aufzeichnen sollten, dürfen Sie das später nicht verwenden.

Grundsätzlich können Handwerker Fahrtkosten unterschiedlich in Rechnung stellen: per Festpreis oder pro gefahrenem Kilometer. Dann muss aber die Anzahl der Kilometer auch korrekt abgerechnet werden. Dass Firmen die Dauer der Anfahrt als Arbeitszeit berechnen, ist übrigens erlaubt. Ist keine Pauschale vereinbart, kann es also passieren, dass Kunden die Fahrzeugkosten und auch die Fahrtzeit des Mitarbeiters getrennt bezahlen müssen.

Biallo-Tipp: Versuchen Sie stets, mit der Firma eine Pauschale für An- und Abfahrt zu vereinbaren. Falls der Handwerker im Stau steht, kann es sonst unerfreulich teuer werden.

Arbeit ohne Rechnung

Manche Handwerker bieten ihren Kunden an, ohne Rechnung zu bezahlen. Das ist in jedem Fall eine schlechte Idee. Zum einem gilt das Beauftragen von Schwarzarbeit als Ordnungswidrigkeit. Der Auftraggeber selbst kann also Probleme bekommen. Zum anderen lassen sich Reparatur-Leistungen in Haus oder Wohnung steuermindernd geltend machen. Das geht natürlich nur, wenn eine Rechnung vorliegt und nicht bar bezahlt wurde.

Lesen Sie auch: Steuern sparen mit dem Handwerkerbonus

Damit das Finanzamt die Arbeitskosten anerkennt, müssen Sie also den Rechnungsbetrag überweisen oder aber per EC-Karte bezahlen. Der dritte Grund, der gegen Schwarzarbeit spricht, ist die Gewährleistung. Wenn der Handwerker schlampig arbeitet oder einen Fehler gemacht hat, können Sie ohne Rechnung auch keine Nachbesserung verlangen. Schließlich können Sie nur schwerlich beweisen, dass der Handwerker da war und was Sie bezahlt haben. Und falls Sie Ihr Recht vor Gericht durchsetzen wollen, müssten Sie gleichzeitig zugeben, Schwarzarbeit beauftragt zu haben. Schwarzarbeit zuzustimmen ist also in jedem Fall eine schlechte Idee.

Lesen Sie auch: Mit Anmeldung gegen Schwarzarbeit

Seriöse Notdienste finden

Am besten ist natürlich, wenn es gar keinen Ärger mit Handwerkern gibt. Deshalb sollten Kunden schon bei der Auswahl des Dienstes sorgfältig vorgehen und nicht den erstbesten Betrieb anrufen. Auch stellt sich die Frage, ob es immer gleich ein Notdienst-Einsatz sein muss. Fällt die Heizung aus, kann es besser sein, einige Tage auf einen seriösen Betrieb vor Ort zu warten, als auf eine Handwerker-Vermittlung zu setzen.

Wer nicht gerade ein Baby im Haus hat, kann vielleicht auch zwei Tage ohne Heizung und Warmwasser aushalten. Bei einem Wasser-Rohrbruch oder einem kompletten Stromausfall sieht es natürlich anders aus. Erste Notfallmaßnahmen, wie etwa das Wasser abzudrehen, sollten Sie natürlich trotzdem treffen – auch noch vor dem Eintreffen eines Notdienstes.

Empfehlungen

Am sichersten ist es meist, sich an Betriebe zu wenden, mit denen Freunde, Bekannte oder Nachbarn schon gute Erfahrungen gemacht haben. Es kann sich auch lohnen, bei Geschäften in der Umgebung nachzufragen oder für einen Heizungsbetrieb etwa beim Schornsteinfeger. Gerade bei Heizungsbetrieben kann es jedoch passieren, dass gute Firmen ausgebucht sind und nur bei Bestandskunden Notdienst-Einsätze ausführen. Eigentümer von Wohnungen oder Häusern sollten deshalb möglichst mit einem seriösen Betrieb einen Wartungsvertrag abschließen.

Handwerker-Innung

Eine gute Möglichkeit, einen seriösen Handwerksbetrieb zu finden, ist, sich an einen Innungs-Betrieb zu wenden. Innungen sind Zusammenschlüsse von Handwerkern, die deren Interessen vertreten und als Ansprechpartner für Verbraucher fungieren. In der Regel bieten Innungen auch Mediationen an, falls es zu Unstimmigkeiten zwischen Betrieb und Kunde kommt.

Die Mitgliedschaft in einer Innung ist für die Betriebe freiwillig – anders als die Mitgliedschaft in der Handwerkskammer. Dort müssen alle Handwerksbetriebe in Deutschland Mitglied sein. Ob es sich bei einem Betrieb um einen Innungsbetrieb handelt, lässt sich in der Regel schon am Internetauftritt der Firma erkennen. Alternativ bieten die meisten Innungen-Webseiten auch einen Überblick über ihre Mitglieder an. Innungen sind nach der Art der Handwerksbetriebe und der jeweiligen Region organisiert. So gibt es etwa in allen großen Städten eine Elektro-Innung, eine Sanitär-Klempner-Heizung-Klima-Innung und eine Metall-Innung.

Biallo-Tipp: Einen Überblick über die ansässigen Innungen geben oft die regional tätigen Handwerkskammern. Alternativ können Sie natürlich direkt die zuständige Innung über eine Online-Suche herausfinden.

Online einen guten Handwerker finden

Wenn Sie einen Betrieb gefunden haben, der einen guten Eindruck macht, sollten Sie sich als erstes das Impressum anschauen. Unseriöse Betriebe haben dort meist Mängel.

Ein ordentliches Impressum beinhaltet folgende Angaben:

  • Name und Anschrift der Firma
  • Rechtsform des Betriebes
  • Angaben zur schnellen Kontaktaufnahme per Telefon und E-Mail
  • die Handwerkskammer, der der Betrieb angehört
  • Informationen zu Registereinträgen wie etwa dem Handelsregister
  • Umsatzsteuer-Identifikationsnummer und Wirtschafts-Identifikationsnummer
  • Berufsspezifische Angaben, etwa ob es sich um einen Meisterbetrieb handelt

Unseriöse Betriebe haben meistens kein ordentliches Impressum. Falls Sie dennoch unsicher sind, können Sie den Betrieb ohne viel Aufwand weiter überprüfen. So können Sie beispielsweise die angegebene Adresse bei www.instantstreetview.com eingeben und überprüfen, ob dort wirklich ein Handwerksbetrieb ansässig ist.

Natürlich kann es sein, dass die angegebene Adresse dort nicht erfasst ist, oder die Bilder veraltet sind. Hundertprozentig sollten Sie sich also auch darauf nicht verlassen. Zusätzlich können Sie den Namen des Handwerkbetriebs in eine Suchmaschine eingeben und nach Erfahrungsberichten und Bewertungen suchen. Eine einzelne schlechte Bewertung bedeutet nicht gleich, dass der ganze Betrieb schlecht ist. Doch wenn viele Kunden aus nachvollziehbaren Gründen ihrem Unmut Luft machen, ist Vorsicht geboten. Dann sollten Sie lieber weitersuchen.

Biallo-Tipp: Aufgrund der betrügerischen Energie mancher Notdienste, lohnt es sich, Zeit in die Handwerkersuche zu investieren. Wenn Sie nämlich an Betrüger geraten, ist es fast unmöglich, gezahltes Geld zurückzuerhalten.

Vergleich Rechtsschutzversicherung

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Mit Handwerker-Ärger umgehen

Gerade wenn Sie an eine unseriöse Firma geraten sind, kann es Ärger geben. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie man im Streitfall vorgehen sollte. Bei allem Ärger sollten Sie aber einen kühlen Kopf bewahren. Nicht für jeden zu viel bezahlten Betrag lohnt es sich, Zeit, Geld und Mühe zu investieren, um Recht zu bekommen.

Reaktion vor Ort

Wenn Ihnen eine Rechnung übertrieben hoch erscheint, sollten Sie nach Möglichkeit erst nachprüfen, ob der Rechnungsbetrag angemessen ist oder nicht. So sollte eine einfache Türöffnung ohne Beschädigungen zwischen 80 und 120 Euro kosten. Falls die Türöffnung nachts, am Wochenende oder an Feiertagen stattfindet, dürfen die Dienste allerdings Aufschläge auf die Lohnkosten verlangen – nicht aber auf die Gesamtrechnung, Material- oder Fahrtkosten.

Wenn Sie einen Notdienst angerufen haben, der mit einer lokalen Adresse wirbt, müssen Sie auch nur eine lokale Anfahrt bezahlen – nicht etwa eine 100 Kilometer lange Anreise. Falls möglich, zahlen Sie nur den Anteil, der Ihnen angemessen erscheint und vereinbaren eine Überweisung nach eingehender Prüfung. Falls der Handwerker sehr massiv wird, können Sie notfalls auch die Polizei rufen.

Wenn Sie die Rechnung direkt bezahlen, sollten Sie dennoch dazu schreiben, dass die Bezahlung unter Vorbehalt erfolgt und Klauseln mit denen Sie die Arbeit abnehmen, streichen. Klar ist jedoch: Auch wenn Sie unter Vorbehalt bezahlen, kann es schwierig sein, das Geld zurückzubekommen.

Falls der Handwerker Beschädigungen verursacht hat, sollten Sie das sofort reklamieren und am besten auch fotografieren. Kratzer an Türen oder im Boden, zerstörte Eingangstüren oder unnötig aufgebrochene Wände – wenn Handwerker Beschädigungen verursachen, müssen sie auch dafür geradestehen. Auch solche Schäden halten Sie am besten direkt auf der Rechnung fest und lassen möglichst auch den Handwerker unterschreiben.

Wer hilft bei Problemen?

Eine erste Anlaufstelle kann die zuständige Innung oder Handwerkskammer sein. Diese dürfen zwar nicht individuelle Rechtsberatungen durchführen, wohl aber allgemeine Anfragen beantworten. Ergibt sich daraus keine Lösung, können Verbraucher auch eine Schlichtung beantragen. Handelt es sich um Betrüger, die beispielsweise mit falschen Adressen operieren, empfiehlt es sich, Anzeige zu erstatten. Das ist inzwischen häufig schon online möglich.

Lesen Sie auch: So finden Sie eine günstige Rechtsberatung

Hilfreiche Ansprechpartner sind auch die Verbraucherzentralen der Länder. Dort können Sie sich direkt vor Ort oder auch telefonisch beraten lassen. Wer rechtsschutzversichert ist, kann sich an die Anwaltshotline der Versicherung wenden oder ein erstes Beratungsgespräch vereinbaren.

Da die meisten Versicherten einen Selbstbehalt vereinbart haben, sollte die Schadenshöhe den Aufwand möglichst lohnen. Wer keine Rechtsschutzversicherung hat, kann sich eine erste rechtliche Einschätzung auch über ein Rechtsportal holen. Auf Seiten wie www.frag-einen-anwalt.de und www.justanswer.de können Verbraucher ab einer Zahlung von 25 Euro Rechtsfragen beantworten lassen. Portale wie www.rechtsanwalt.net und www.klugo.de werben damit, dass Kunden eine kostenlose Ersteinschätzung bekommen. Erst wenn während dieser Erstberatung klar wird, dass weitere Schritte unternommen werden müssen, fallen für den Anwalt Kosten an – wenn er denn beauftragt wird.

Tipp: Eine schnelle Auskunft bekommen Sie, wenn Sie sich an eine kostenpflichtige Anwaltshotline wie www.deutsche-anwaltshotline.de, www.deutsche-rechtsanwaltshotline.de oder www.rechtsberater.de wenden.

Biallo-Lesetipp

Tacho-Dreher schrauben den Preis von Gebrauchtwagen um einige Tausend Euro nach oben. Wie lässt sich der Betrug aufdecken? Die Antwort lesen Sie in unserem Artikel "Verdreht und verkauft". 

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Biallo-Spezialistin rund um das Thema Mobilfunk. LTE, NFC, UMTS - sie weiß, was diese Abkürzungen bedeuten und wann sie für unsere Leser wichtig sind. Nach ihrem Studium der Publizistik hat sie sich auf Verbraucherthemen spezialisiert. Caroline Benzel arbeitet für Print- und Online-Medien sowie fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen.

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