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Börsenmillionärin Beate Sander: Diese China-Aktien sind ein Muss!

Update: 21.08.2020
Auf einen Blick
  • Chinesische Aktien haben vielversprechenden Perspektiven, aber auch Risiken.

  • Der chinesische Aktienmarkt enthält verschiedene Segmente, mit denen man sich vor der Geldanlage auseinandersetzen sollte.

  • Bei der Geldanlage im Reich der Mitte sollte man auf eine breite Diversifikation achten.
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China als Investitionsziel – dabei denken einige an goldene Zukunft, andere an westliche Ignoranz und manche an eine autoritäre Parteidiktatur. Und alles drei stimmt und spielt in die Entscheidung über Investments hinein.

  • Was unumstritten ist: die Größe des Marktes in China. Hier leben 1,4 Milliarden Menschen in zunehmendem Wohlstand.
  • Gemessen an seiner Wirtschaftsleistung ist China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Und trotzdem gilt das Land nach den Maßstäben der Indexanbieter MSCI und FTSE als Schwellenland, das zudem zudem gering gewichtet ist: Im MSCI ACWI (Industrie- und Schwellenländer nach Marktkapitalisierung) machen die USA knapp 58 Prozent aus, China dagegen nur gut 5 Prozent.
  • Das Land steht gemäß seiner Verfassung „unter der demokratischen Diktatur des Volkes“. Die Volksrepublik wird von Beginn an von der Kommunistischen Partei autoritär bis totalitär regiert, mit Vorwürfen schwerer Menschenrechtsverletzungen.

China ist die größte Export- und die zweitgrößte Importnation. In beiden Bereichen sind die USA, Japan, Südkorea und Taiwan die wichtigsten Handelspartner. Die chinesische Wirtschaft entwickelt sich dynamisch. Seit über zwanzig Jahren nimmt das Ausmaß staatlicher Eingriffe in den „Sozialismus chinesischer Prägung“ stark ab. Allerdings schottet die Regierung das Land immer noch von den großen Playern der westlichen Welt konsequent ab: Amazon, Facebook, Google usw. haben derzeit keine Möglichkeit, in den chinesischen Markt einzutreten. Dies ist wiederum ein großer Vorteil für die chinesischen Tech-Riesen wie Alibaba und Tencent. Sie agieren in China nahezu konkurrenzlos.

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Yanjun Gast von LBBW Asset Management betont im Interview mit Biallo, dass China die Corona-Ausbreitung in den Griff bekommen habe. Das sei die Grundlage für den Optimismus. Ohne diese Vorraussetzung komme kein Aufschwung in die Wirtschaft. China sei als erstes Land lahmgelegt worden, habe es aber auch als Erster wieder erfolgreich aus der Krise herausgeschafft. Ein weiterer Grund sei die Unterstützung des chinesischen Staats und der Notenbanken.


Chinas Mittelschicht bald anderthalbmal so groß wie US-Bevölkerung

Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank stellt im Interview mit Biallo.de. die wachsende Kaufkraft des riesigen Marktes heraus: „Chinas Mittelschicht wuchs in den vergangenen Jahrzehnten so schnell wie in kaum einem anderen Land. Gehörten dieser Bevölkerungsgruppe 2002 lediglich vier Prozent der Chinesen an, umfasste die Gruppe zehn Jahre später bereits 420 Millionen Menschen (31 Prozent der Bevölkerung). Das Beratungsunternehmen McKinsey rechnet damit, dass die chinesische Mittelschicht in den kommenden zwei Jahren mit 550 Millionen Menschen auf mehr als die eineinhalbfache Größe der heutigen US-Bevölkerung anwachsen könnte.“

Der Unternehmer und Investor Ray Dalio prägte zu den Widersprüchen des Reichs der Mitte den Ausspruch: „Jeder Markt hat seine speziellen Risiken. Das größte Risiko für Anleger ist jedoch, nicht in China zu investieren.“ So sieht es auch Beate Sander, Börsen-Millionärin, Buchautorin und bekannt als „Börsen-Oma“: „Wer nicht in China investiert, macht einen Fehler.“

„Lockruf Ostasien mit dem Riesenreich China“

Sander stellte der Redaktionn von biallo.de für diesen Artikel Auszüge aus ihrem noch unveröffentlichten Hörbuch zu ihrem Bestseller „Der Aktien- und Börsenführerschein“ zur Verfügung (Erscheinungstermin voraussichtlich im September 2020).

Bereits mehr als 25.000-fach verkauft: Der berühmte Aktien- und Börsenführerschein. 

Darin schreibt sie vom „Lockruf Ostasien mit dem Riesenreich China“. Der Erfolg Chinas stocke öfter durch den Handelskrieg mit den USA und die hohen Strafzölle, ausgelöst durch Donald Trump. Außerdem habe das Coronavirus deutliche Spuren in China hinterlassen. Peking lote zurzeit die Grenzen auf dem Weg zur Weltmacht Nummer eins aus.      

„Eine erneute Eskalation des Handelsstreits mit den USA birgt sowohl für A- als auch H-Shares eine anhaltende Gefahr. In China wächst der Unmut darüber, dass die Trump-Administration trotz der großen Zugeständnisse Chinas den geopolitischen Druck auf Peking hoch hält und weiter gegen chinesische Unternehmen und Offizielle vorgeht", erklärt Dr. Stephan von der Deutschen Bank. Gleichzeitig passe das erst im Januar verabschiedete Handelsabkommen, das Trump im Wahlkampf zusätzliche Nachfrage für US-Unternehmen bescheren sollte, nicht mehr zum chinakritischen Zeitgeist, der im politischen Washington stetig zunehme. „Sollte Joe Biden im November ins Weiße Haus einziehen, könnte die US-Politik zwar wieder etwas berechenbarer werden, die Rivalität der beiden Großmächte wäre damit aber keinesfalls beendet.“

Was bewirkt der Handelskonflikt?

Beate Sander sieht die Waage sich Richtung China neigen: Nach dem heftigen Einbruch im ersten Quartal 2020 habe die Volksrepublik im zweiten Quartal wieder ein Wirtschaftswachstum erzielt, mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 3,2 Prozent.

Zu dieser Zahl und anderen offiziellen Statistiken aus der Volksrepublik sei angemerkt: Es gibt Stimmen, die sie zumindest für geschönt halten. Laut den staatlichen Daten gab es in den vergangenen Jahren praktisch keine Konjunkturzyklen, und die Wachstumsraten schwankten kaum. Der tiefe Abschwung der chinesischen Wirtschaft 2015/2016 ist aus den offiziellen Zahlen kaum ablesbar. Der Staat veröffentlichte seit 2012 auch kaum Korrekturen zu ersten Wachstumsschätzungen. Abalystin Yanjun Gast von der LBBW wirft allerdings ein, dass der Trend stimme und die Fundamentaldaten der Wirtschaft gut seien. Auch die deutschen Unternehmen berichteten von guten Entwicklungen auf dem chinesischen Markt.

Investorin Sander betont: Allerdings gehe es noch nicht in allen Branchen aufwärts. Im Gegensatz zu Deutschland und der EU habe die chinesische Regierung bislang nur vergleichsweise zurückhaltende Konjunkturprogramme gestartet. Zeitweilig habe es so ausgesehen, als ob die USA und China den Handelskrieg durch Abbau von Strafzöllen zum Wohl beider Nationen beenden würden. Doch seit dem Corona-Crash sei von einem entspannten Klima nichts mehr zu spüren. Sander vertritt im Gespräch mit biallo.de die Ansicht, dass China im Konflikt mit den USA obsiegen werde.

Dr. Stephan von der Deutschen Bank stellt zu China heraus: „Es ist beachtlich, wie schnell die Pandemie unter Kontrolle gebracht wurde und die Konjunktur nach dem ersten Schock wieder an Fahrt aufnahm. (…) Für das Gesamtjahr 2020 rechnet der IWF mit einem Wachstum von 1,0 Prozent. China ist damit einer der wenigen großen Volkswirtschaften, deren Wirtschaft in diesem Jahr wächst. Die relativ schnelle Eindämmung des Virus und die die vielzitierte V-förmige Erholung der Wirtschaft führten dazu, dass die chinesischen Aktienmärkte im globalen Vergleich relativ unbeschadet durch die Corona-Krise kamen.“

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Ein Land mit mehreren Aktien-Segmenten

Was macht den chinesischen Aktienmarkt so besonders? Anders als in anderen Regionen der Welt fallen in China spezielle Aktienklassen auf: A-, B- und H-Aktien, außerdem Red Chips und P-Chips, S Chips und N-Aktien. Prinzipiell gibt es jedoch darunter zwei große Segmente: A- und H-Shares. Den Rest kann man als zugehörige Gruppen verstehen.

  • A-Shares sind in Renminbi (Yuan) notiert, und zwar an den Börsen in Schanghai oder Schenzhen. Nicht-chinesische Anleger dürfen in A-Aktien nur investieren, wenn sie ausgewählte institutionelle Investoren sind (Qualified Foreign Institutional Investors - QFII). Daher sind A-Shares inzwischen auch in breiten Indizes enthalten. (Die chinesische Währung ist zwar an einen internationalen Währungskorb gekoppelt, aber nicht frei konvertierbar. Den Wechselkurs legt die Zentralbank fest.)
  • B-Shares sind chinesische Aktien, die in ausländischer Währung gehandelt werden, ebenfalls notiert in Schanghai (meist US-Dollar) oder Schenzhen (meist Hongkong-Dollar). Dieses Segment wurde für Ausländer geschaffen. Mit der Lockerung der Beschränkungen für A-Aktien hat diese Aktienklasse indes an Bedeutung eingebüßt

Festland oder nicht?

A- und B-Aktien zählen zum Onshore-Segment, den Festland-Aktien. Nun folgen die Offshore-Klassen. Sie sind ausländischen Anlegern uneingeschränkt zugänglich.

  • H-Shares sind chinesische Aktien, die in Hongkong in Hongkong-Dollar gehandelt werden. (Die Unternehmen sind oft auch als A-Shares notiert, meist aber mit Aufschlag zu einem anderen Kurs.) Das Segment ist als liquider Markt populär bei Großinvestoren.
  • Red Chips werden in Hongkong gehandelt, stehen aber unter Kontrolle von Unternehmen oder Organisationen, die der Volksrepublik China gehören.
  • P-Chips sind Unternehmen mit Sitz außerhalb Chinas. Sie machen aber Umsatz in China, haben dort eine Eigentümerstruktur oder konzentrieren ihren Besitz im Land.
  • S Chips gehören zu chinesischen Unternehmen, deren Aktien in Singapur als S Shares gelistet sind. Die Unternehmen unterhalten ihre Geschäftstätigkeit in Festland-China.
  • N-Shares sind Aktien chinesischer Unternehmen, die in New York gelistet sind, etwa an der NASDAQ. Es sind quasi die US-amerikanischen P-Chips. Sie haben ihre Hauptgeschäftstätigkeit in China und werden in New York oft als ADRs (Hinterlegungsscheine, stellvertretend für die Original-Aktie) gehandelt.

Chefanlagestratege Stephan wagt einen Ausblick: „In den kommen Jahren könnten A-Shares von einer fortschreitenden Integration in die globalen Aktienindizes von MSCI und FTSE Russell profitieren. Hier sind chinesische Festlandaktien bisher noch stark unterrepräsentiert. Der A-Shares-Aktienmarkt ist mit einer Marktkapitalisierung von rund acht Billionen US-Dollar der zweitgrößte Aktienmarkt nach den USA.“

In welchem China-Index handelt man die Aktienklassen?

Es gibt eine ganze Reihe chinesischer Aktienindizes. Besonders beliebt sind der CSI 300 (Festland) und in Hongkong der Hang Seng Index und der Hang Seng China Enterprise Index.

  • Der CSI 300 trägt die Anzahl seiner Titel im Namen. Der Index enthält die 300 größten und liquidesten Unternehmen, die in Renminbi notiert sind und in Schanghai oder Schenzhen gehandelt werden (A-Aktien). Auf diesen Index gibt es zwei (sparplanfähige) ETFs von Xtrackers.
  • Der Hang Seng China Enterprise Index (HSCEI) enthält die 50 wichtigsten H-Aktien (festland-)chinesischer Unternehmen, die in Hongkong gehandelt werden. Auf diesen Index gibt es zwei (sparplanfähige) ETFs, von Lyxor und ComStage.
  • Der Hang Seng (HSI) enthält die 50 größten und liquidesten Unternehmen (Blue Chips), die in Hongkong gelistet sind. Auf diesen Index gibt es zwei (sparplanfähige) ETFs, von Lyxor und ComStage.

MSCI als etablierter Index-Anbieter

Für deutsche Anleger sind die Indizes von MSCI und FTSE populär. Bezogen auf China gibt es eine Reihe von Indizes dieser Anbieter:

  • Der MSCI China enthält 711 Werte. Es sind die größten und umsatzstärksten chinesischen Unternehmen an der Börse Hongkong (H-Shares, B-Shares, Red Chips, P Chips). Auf diesen Index gibt es fünf (sparplanfähige) ETFs verschiedener Anbieter.
  • Der MSCI China A enthält 713 Werte, und zwar A-Aktien, wie der Name sagt. Es sind die größten und umsatzstärksten Unternehmen, die in Schanghai oder Schenzhen in Renminbi gehandelt werden. Auf diesen Index gibt es 3 ETFs, von denen 2 sparplanfähig sind.
  • Der MSCI China A Inclusion enthält 473 A-Aktien, die auch im MSCI Emerging Markets (Schwellenländer Welt) auftauchen. Auf diesen Index gibt es einen (sparplanfähigen) ETF von HSBC.
  • Der MSCI China A International enthält 510 A-Aktien. Es sind die größten und umsatzstärksten Unternehmen, die in Schanghai oder Schenzhen in Renminbi gehandelt werden. Der Index bietet A-Aktien für ausgewählte institutionelle Investoren (QFII). Auf den Index gibt es einen (sparplanfähigen) ETF von iShares.
  • Der MSCI China H enthält 88 H-Aktien. Es sind die größten und umsatzstärksten Unternehmen, die in Hongkong gelistet sind. Auf diesen Index gibt es einen (sparplanfähigen) ETF von Amundi.

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FTSE: breitester Index mit günstigstem ETF

Bei den FTSE-Indizes fällt besonders der erste ins Auge:

  • Der FTSE China 30/18 Capped enthält 980 Werte hoher und mittlerer Marktkapitalisierung, und zwar A-, B- und H-Aktien, P-Chips, Red Chips, S Chips und N-Shares. Die Zahlen im Namen bedeuten: Das größte Unternehmen ist auf 30 Prozent des Index begrenzt, alle anderen auf 18 Prozent. Auf diesen Index gibt es einen (sparplanfähigen) ETF von Franklin Templeton. Dieser ETF ist von allen am breitesten diversifiziert und gleichzeitig der günstigste (0,19 Prozent jährliche Gesamtkosten – TER).
  • Der FTSE China 50 enthält 50 chinesische Aktien, die größten und liquidesten, die in Hongkong notiert sind: H-Shares, Red Chips und P Chips. Auf diesen Index gibt es zwei (sparplanfähige) ETFs von iShares und Xtrackers.
  • Der FTSE China A-H 50 enthält die 50 größten chinesischen Unternehmen, die in Schanghai oder Schenzhen gelistet sind, repräsentiert durch ihre A- oder H-Aktien. Auf diesen Index gibt es einen (sparplanfähigen) ETF von Xtrackers.
  • Der FTSE China A50 enthält die 50 größten A-Aktien, die in Schanghai oder Schenzhen in lokaler Währung gelistet sind. Auf diesen Index gibt es einen (sparplanfähigen) ETF von ComStage.

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Das Pendant zum S&P 500 aus den USA und andere

Es bleiben noch drei weitere China-Indizes:

  • Der S&P China 500 enthält die 500 größten und liquidesten chinesischen Aktien, und zwar alle Segmente einschließlich A-Shares und Offshore-Klassen. Auf diesen Index gibt es einen (sparplanfähigen) ETF von WisdomTree.
  • Der Dow Jones China Offshore 50 enthält die 50 größten Unternehmen, die hauptsächlich in Festland-China tätig sind, aber in Hongkong oder den USA gehandelt werden. Auf diesen Index gibt es einen (sparplanfähigen) ETF von iShares.
  • Der Shanghai Stock Exchange 50 A-Share enthält die 50 größten A-Shares, die in Schanghai gehandelt werden. Auf diesen Index gibt es einen (sparplanfähigen) ETF, gemanagt von Lyxor (Bank of China International (BOCI) Commerzbank).

Hang Seng Tech Index: Konkurrenz für die NASDAQ 100 aus Hongkong

An der Börse von Hong Kong startete am 26. Juli 2020 ein neuer Index: der Hang Seng Tech. Hintergrund ist der Konflikt zwischen China und den USA. Denn die Vereinigten Staaten haben chinesische Börsengänge in den Monaten davor erschwert. Die zunehmenden Spannungen bewirkten, dass einige chinesische Unternehmen zumindest teilweise von der Börse New York nach Hongkong zurückgekehrten: etwa die Tech-Konzerne Netease, JD.com und Alibaba. Zuletzt hat Donald Trump erklärt, er prüfe auch ein Verbot von Alibaba in den USA. Vielleicht auch ein Grund, warum die Alibaba-Tochter Ant Group – bekannt durch das Bezahlsystem "Alipay" – keinen Börsengang in New York plant, sondern sich nur in Schanghai und Hongkong listen lässt. Mit einem geplanten Erlös von 20 Milliarden US-Dollar und einer Bewertung von bis zu 200 Milliarden US-Dollar könnte es der größte Börsengang aller Zeiten werden.

Yanjun Gast von LBBW Asset Management erklärt, dass die USA nicht der Kernmarkt von Alibaba sind. Der Handelskonflikt zählt für sie zu den eher kurzfristigen Risiken für das Sentiment, weil die fundamentalen Daten intakt sind. Der Hang-Seng-Tech-Index hat das Ziel, den NASDAQ 100 zu schlagen, wie aus der Beschreibung und Vorstellung hervorgeht. Dazu vereint er die großen chinesischen Tech-Konzerne wie Alibaba, Tencent oder Xiaomi. Diese Firmen sind für Yanjun Gast die besten Firmen aus dem Bereich mit dem größten Potential.

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Der Hang Seng Tech erstreckt sich über mehrere Bereiche des Technologie-Sektors: Hardware, Versicherung, Cloud-Computing, Fintech und E-Commerce. Der Index legte in seiner ersten Handelswoche um 3,4 Prozent zu und umfasst die dreißig größten Technologie-Unternehmen, die in Hongkong gelistet sind. Die fünf größten machen mehr als 40 Prozent der Gewichtung aus: Alibaba (Amazon-Rivale), Meituan Dianping (Dienstleistungsvermittlier), Xiaomi (Huawei-Konkurrent), Tencent (Internet mit Messenger-Diensten, sozialen Netwerken und Online-Medien) und Sunny Optical (Objektivhersteller für Smartphones). Bald könnte auch die Alibaba-Tochter Ant Group im Hang Seng Tech gelistet sein.

Demnächst auch ETFs auf den Index

Es ist sehr wahrscheinlich, dass auf diesen Index demnächst ETFs aufgelegt werden. Einige Analysten glauben sogar, dass der neue Index Aufmerksamkeit von der NASDAQ 100 abziehen wird. Außer den 5 großen genannten Unternehmen könnten dann davon etwa Lenovo (Computer und Smartphones), Kingdee International (Software), ASM Pacific Technology (Halbleiter) oder Tongcheng-Elong und Maoyan Entertainment (Online-Händler). Der Tech-Index hätte in der Rückbetrachtung deutlich besser performt als der breite Hang-Seng-Index: Der HSI liegt für dieses Jahr im Minus, für den Technologie-Ausschnitt ergibt der „Rückspiegel“ einen Gewinn von mehr als 40 Prozent dieses Jahr.

Dr. Stephan rät allerdings zur Behutsamkeit: „Auf Sektorebene halte ich den durch die chinesischen Internet-Giganten dominierten Tech-Sektor trotzt hoher Bewertungen prinzipiell für noch immer interessant. Da sich der Streit zwischen den USA und China neben Handelsfragen aber zunehmend auch um die technologische Vorherrschaft dreht, würde ich bei Tech-Aktien jedoch derzeit zur Vorsicht raten.“

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Ein weiterer interessanter Sektor: die chinesische Gesundheitsbranche

Der Chefanlagestratege der Deutschen Bank lenkt den Blick vom populären Tech-Sektor auch auf die Gesundheit: „Seit 1978 sind die Gesundheitsausgaben in China im Schnitt um 17 Prozent pro Jahr gestiegen. Die Ausgaben pro Einwohner lagen 2017 mit 841 US-Dollar aber noch weit unter jenen in Deutschland (5.922 US-Dollar) oder den USA (10.246 US-Dollar). Ich rechne damit, dass die Ausgaben in China aufgrund des zunehmenden Wohlstandes und der alternden Bevölkerung in den kommenden Jahren weiter steigen werden. Bereits jetzt sind 167 Millionen Chinesen älter als 65 Jahre, für die kommenden fünf Jahre wird mit einem Anstieg auf 200 Millionen Personen gerechnet. Da das staatliche Gesundheitssystem nur die Grundversorgung garantiert, erwarte ich eine zunehmende Nachfrage nach privaten Krankenversicherungen.“

23 ETFs auf 15 China- und Hongkong-Indizes

Hat man sich für China als Investitionsziel entschieden, dann haben ETFs den Vorteil von Diversifikation und günstigen Kosten, indem man auf breite Indizes setzt. Neben den hier aufgeführten Indizes kommen alternativ ETFs auf Emerging Markets-Indizes in Betracht, wo China stark vertreten ist (bis zu 80 Prozent). Auch in der Region Asien ist China noch mit einer Gewichtung bis zu 56 Prozent enthalten.

Von den China-Indizes hat der CSI 300 in den vergangenen drei Jahren am besten performt (gut 40 Prozent). Am schlechtesten lief in dieser Zeit der MSCI China H (minus sieben Prozent). Über den Zeitraum von einem Jahr ist der MSCI China A der Sieger (gut 20 Prozent). Am schlechtesten lief erneut der MSCI China H (minus 13 Prozent).

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Eine ETF-Empfehlung von Beate Sander

Der größte in Deutschland handelbare ETF auf China ist der XtrackersMSCI China mit rund 1,3 Milliarden Euro Volumen. Der günstigste ETF (0,19 Prozent TER) ist der bereits erwähnte Franklin FTSE China auf den breit gestreuten FTSE China 30/18 Capped. In den vergangenen drei Jahren performte der Xtrackers CSI300 am besten (rund 45 Prozent). Im letzten Jahr lief der Lyxor Hwabao WP MSCI China A am stärksten (gut 30 Prozent).

„Börsen-Oma“ Beate Sander empfiehlt in ihrem Manager-Magazin-Bestseller „Börsenführerschein“ den ComStage HSI mit Zugang zu den Blue Chips von Hongkong. Der ETF hat seit seiner Auflage vor zehn Jahren eine Rendite von jährlich gut fünf Prozent erwirtschaftet. Die laufenden Kosten betragen 0,55 Prozent. Der ausschüttende Fonds verwaltet ein Vermögen von zehn Millionen Euro.

Ein weiterer Beststeller von Beate Sanders – alles rund um ETFs und Fonds

Perlen unter den aktiven Fonds

Die Auswahl an aktiven Fonds auf die Region China/Hongkong ist noch viel größer als die der ETFs. Während es 23 ETFs auf den chinesischen Aktienmarkt gibt, sind es bei gemanagten Fonds 123 an der Zahl. Davon haben 15 Fonds den Markt in den letzten fünf Jahren geschlagen/outperformt. Angegeben ist jeweils die annualisierte Rendite über fünf Jahre nach Abzug der Kosten und inklusive Ausschüttungen.

Am besten hat der UBS Equity China Opportunity abgeschnitten. Er erzielte eine jährliche Rendite von 13,5 Prozent. Das Management will in die meistversprechenden chinesischen Unternehmen investieren. Der Fonds hat jährliche Kosten von 2,4 Prozent.

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Relativ günstige aktive Fonds

Relativ günstig für einen aktiven Fonds (mit 0,9 Prozent TER) ist der Fidelity China Consumer I (WKN: A2APPN). Er erzielte eine jährliche Rendite von sieben Prozent. Das Management investiert in Unternehmen, die in der Entwicklung, Herstellung oder dem Verkauf von Waren oder Dienstleitungen tätig sind. Nur wenig teurer (mit 1,0 Prozent TER) ist der Robeco Chinese Equities. Er erzielte eine jährliche Rendite von 6,8 Prozent. Das Fondsmanagement ermittelt attraktive makroökonomische Themen und wählt fundamental gesunde Unternehmen.

Andere Fonds, die stark peformt haben

Teuer, aber erfolgreich: Der Mirae China Sector Leader Equity A (WKN: A1H9CJ). Er erzielte eine jährliche Rendite von 9,2 Prozent. Die TER beläuft sich auf stolze 2,95 Prozent. Das Management investiert in führende Unternehmen aus China (beschränkt auf B-Anteile) und Hongkong.

 Weitere aktive Fonds mit mehr als neun Prozent annualisierter Performance sind:

  • der JPM China A: Dieser Thesaurierer erzielte eine jährliche Rendite von 9,3 Prozent. Die TER beträgt 1,8 Prozent. Das Management legt langfristig in Unternehmen der Volksrepublik China an. Diesen Fonds gibt es auch noch in ausschüttender Form. Beide Fonds belaufen sich auf US-Dollar als Fondswährung. Ein dritter Fonds lautet auf Hongkong-Dollar (ausschüttend, WKN: A1C4FJ), ein vierter auf Singapur-Dollar (thesaurierend, WKN: A0YCGE).
  • Invesco ist auch als großer Anbieter von ETFs bekannt. Der Invesco China Focus Equity A erzielte eine jährliche Rendite von 9,4 Prozent. Die TER beträgt 2,15 Prozent. Das Management investiert langfristig in Aktien von Unternehmen, die Bezug zu China haben.

Fondstipps von Beate Sander

 Beate Sander lenkt den Blick noch auf zwei weitere interessante, aktive Fonds:

  • Der Comgest Growth China bezieht außer Werten aus China und Hongkong auch Aktien aus Taiwan mit ein. Die annualisierte Rendite betrug sechs Prozent; die laufenden Kosten machen 1,2 Prozent aus. Der thesaurierende Fonds hat sich bereits 19 Jahre am Markt behauptet und verwaltet ein ordentliches Volumen von über 260 Millionen Euro. Er legt nicht nur in Werte wie Tencent, Baidu oder Alibaba an, sondern auch in Taiwan Semiconductor.
  • Der Schroder International Selection Hong Kong hat seinen Schwerpunkt in Hongkong-Werten. Die annualisierte Rendite betrug 4,2 Prozent; die laufenden Kosten machen 1,84 Prozent aus. Der thesaurierende Fonds ist schon 18 Jahre am Markt und verwaltet stattliche 1,5 Milliarden Euro. Er legt in mittlere und große Firmen an, mit den Schwergewichten Tencent, Alibaba, AIA, Baidu und Galaxy. Er kann direkt in China B-Aktien und China H-Aktien investieren.

Beate Sanders beste Aktien aus China

Beate Sander hat ein Herz für Einzelaktien. In ihrem noch nicht erschienenen Hörbuch zu „Der Aktien- und Börsenführerschein“ stellt sie fest: „Alibaba, Baidu, China Mobile, Tencent kennt vom Namen her jeder. Mittlerweile gilt dies auch für den Elektroautobauer Geely.“ Sie nennt als chinesische Siegeraktien seit Januar 2020 (gerechnet bis zum 24. Juli 2020):

Unternehmen Branche Performance 5 Jahre*

BYD Co.

Akkumulatoren 116 %
Tencent Holding Internet 267 %
HK Electric Energieversorgung  36  %
Tsingtao Brewery Brauerei  59  %
China Resources Aktiv in den Bereichen Einzelhandel, Brauerei, Nahrungsmittel, Petrochemie, Leichtindustrie, Textilien und Logistik tätig. 127 %
*Performancedaten laut onvista.de zum Stichtag 21. Aug. 2020.

Chinesische Dividendenstars mit hoher Rendite

BYD und Tencent kommen sogleich noch einmal vor. Sander hebt hervor, dass man in China auch überdurchschnitttlich hohe Dividenden erzielen kann und stellt daher fünf chinesische Dividendenstars vor:

Unternehmen Branche Dividendenrendite 2020*
Bank of China (Hongkong) Banken 5,9 %
China Petroleum Chemical (Sinopec) Öl und Gas 4,6 %
CNOOC Öl und Gas 3,9 %
Shanghai Industrial Immobilien / Medizin / Konsumgüter 6,7 %
Yue Yuen  Textilindustrie 2,0 %
*Quelle: finanzen.net, Factset Research; bezogen auf den Schlusskurs vom 20. Aug. 2020.

Favoriten in Zukunftsmärkten

Sanders nennt auch sechs chinesische Aktienfavoriten 2020 in Zukunftsmärkten. 

Unternehmen Performance 1 Jahr* Performance 3 Jahre* Performance 5 Jahre*
Alibaba 36 % 51 % 243 %
Anta Sports 28 % 170 % 294 %
BYD Co. 52 % 45 % 116 %
BYD Electronic 125 % 42 % 382 %
GEELY Auto 32 % -17 % 414 %
Tencent 47 % 55 % 267 %
*Performance laut onvista.de zum Stichtag 21. Aug. 2020.

Ulrich Stephan ist dagegen skeptisch gegenüber chinesischen Einzelaktien für private Investoren: „Aus Risikogesichtspunkten sollten Anleger breit gestreut investieren. Von einem Engagement in Einzeltiteln rate ich daher ab. (…) ETFs bieten Zugang zu den größten und umsatzstärksten chinesischen Unternehmen.“

Kein Markt ohne Risiken

Wie Ray Dalio feststellt, hat jeder Markt seine Risiken. Doch auch allgemeine Risiken schlagen in China durch wie anderswo. Stichwort: Luckin Coffee. Die erst 2017 in Peking gegründete Kaffee- und Kaffeehauskette hatte schnell Erfolg als eine Art „chinesisches Starbucks“, mit mehr Filialen in China als der amerikanische Konkurrent im Januar 2020. Ab jetzt erinnert einiges an den Skandal um Wirecard: Ende Januar 2020 wurde auf Twitter ein Bericht veröffentlicht, wonach Luckin Coffee finanzielle und operative Zahlen gefälscht habe. Das Unternehmen stritt alles ab und sprach von böswilligen und falschen Anschuldigungen. 

Anfang April gab Luckin Coffe bekannt, dass ein leitender Mitarbeiter Umsätze von rund 2,2 Mrd. RMB (310 Mio. US-Dollar) vorgetäuscht habe. Die chinesische Finanzaufsicht erklärte, sie ermittle wegen Betrugs. Der Kurs von Luckin Coffee stürzte um 80 Prozent ab. Der Handel wurde am 8. April in den USA und in Europa ausgesetzt. Seit dem 20. Mai wird die Aktie wieder gehandelt.

Zu berücksichtigen ist in China, dass die Regierung starken Einfluss auf die Unternehmen hat, sie regulieren und einschränken kann. Dasselbe gilt für ihren Einfluss auf den Börsenhandel. China wird sich indes der wachsenden Konkurrenz nach außen stellen müssen, insbesondere zu Indien, das schneller wächst als China. (Auch hier zeigt sich der Einfluss Chinas auf seine Währung. Die Regierung versucht in diesem Wettkampf öfter, den Renminbi abzuwerten.) 

Für Privatanleger ist die Willkür der chinesischen Regierung ein Risiko, das schlecht abzuschätzen ist. Eine weitere Gefahr könnte die Bildung einer Immobilienblase wie bei der Subprime-Krise in den USA sein. Viele Haushalte in China sind hochverschuldet, weil Banken jahrelang billige Kredite gewährt haben. Sollte eine dieser Banken ausfallen, droht chinesischen Aktien ein böses Szenario, ähnlich wie damals nach dem Ausfall von Lehman Brothers.

Der chinesische Staat sitzt immer mit am Tisch

Noch einmal: Investitionen in chinesische Aktien oder Fonds/ETFs sind mit dem Staat China und seiner Regierung verbunden. Einige Vorstandsmitglieder von Tencent zum Beispiel gehören zur Regierung. Sammelt Tencent Daten über die chinesische Bevölkerung, dann werden sie automatisch an die Regierung weitergeleitet. Auch dadurch ist es in staatlichem Interesse, etwa Tencent oder Alibaba florieren zu sehen. 

Aus der starken Rolle der Regierung in Peking erwachsen auch Risiken, streicht Chefanlagestratege Stephan heraus: „Für die Kurse der in Hongkong gelisteten Unternehmen geht die größte Gefahr derzeit von den politischen Spannungen zwischen der chinesischen Zentralregierung und den Bürgern der Sonderverwaltungszone aus.“ Beim Onshore-Segment liegen die Gefahren noch woanders: „Festlandaktien neigen dazu, stärker auf Schlagzeilen zu reagieren als in Hongkong gehandelte Aktien. Unter anderem wird dies mit dem hohen Anteil von chinesischen Privatanlegern begründet, die bei den Festlandaktien für mehr als 80 Prozent des täglichen Handelsvolumens verantwortlich sind.“

Trotz aller Risiken bleibt das starke Wachstum des chinesischen Marktes festzuhalten, dass sich gerade in der weltweiten Corona-Krise gezeigt hat. Die nachhaltige Erholung Chinas von der Covid-19-Seuche war und ist die Grundlage für einen beeindruckenden Bullenmarkt. Allerdings betont Yanjun Gast von LBBW Asset Management auch, dass man zuletzt einen verrückten Bullen gesehen habe, der nicht weit laufen könne. Sprich: Die fundamentalen Daten seien zwar gut, aber die Bewertung habe sich zu weit davon entfernt. Eine eventuelle Korrektur bei Sentiment und Aktienkursen könne man als Anleger gut zum Einstieg nutzen.

Fazit: Den Risiken am chinesischen Aktienmarkt begegnet man am besten mit einem langen Atem und langfristiger Geldanlage. Kursschwankungen oder Markteingriffe des Staates sind so leichter auszusitzen und auszuhalten. Ein Durchhaltevermögen wurde in der Vergangenheit belohnt.






 
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