Fonds und ETFs

Boom der Gesundheitsbranche: So profitieren Anleger auch nach Corona

Update: 04.06.2020
Auf einen Blick
  • In der Corona-Krise haben Aktien aus der Gesundheits- und Medizinbranche zum Teil kräftig zugelegt. Einzelaktien sind aber riskant.

  • Die Branche hat auch über Corona hinaus gute Aussichten. Sie gilt als einer der zukunftsträchtigsten Wirtschaftsbereiche.

  • Anleger können über Fonds und ETFs in die Branche investieren. Es gibt sie für den ganzen Sektor oder für Teilbereiche wie die Biotechnologie
Ein Arzt analysiert das Ergebnis einer Diagnose: Die Gesundheitsbranche gilt als einer der zukunftsträchtigsten Wirtschaftsbereiche.
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Auf der Internetseite der "Shop Apotheke" steht der Schutz gegen die Corona-Pandemie ganz oben: Unter den ersten acht Kauf-Empfehlungen, die die Online-Apotheke ihren Kunden anbietet, finden sich neben den Dauerbrennern Kopfschmerzmittel und Muskelschmerzgel gleich vier verschiedene Modelle von Atemmasken – vom Einwegschutz über die waschbare Baumwoll- bis zur Profimaske.
Die niederländische Internet-Apotheke ist in Corona-Zeiten bei den Kunden äußerst gefragt – und bei den Anlegern. Das zeigt der Aktienkurs: Seit dem 19. Februar, dem Beginn der Corona-Krise an den weltweiten Börsen, hat sich das Papier der Shop Apotheke Europe NV mehr als verdoppelt. Das Unternehmen profitierte damit kräftig von der Pandemie – so wie auch andere Firmen aus der Gesundheits-, Medizin- und Pharmabranche.

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Einzelaktien bergen höheres Risiko

Hersteller von Impfstoffen wie die US-Firma Moderna oder das Mainzer Unternehmen BioNtech etwa, aber auch die Produzenten von möglichen Medikamenten gegen das Virus wie Gilead Sciences oder AbbVie verzeichneten ebenfalls kräftige Kursgewinne. Die Zuwächse bauen vor allem auf die Hoffnung, dass die Unternehmen im Rennen um ein wirksames Mittel gegen das Virus ganz vorne landen. Tritt das jedoch nicht ein, ist das Kursplus schnell wieder verloren.
Echte Umsatzsteigerungen verbuchen dagegen die Ausrüster und Zulieferer der Branche – also etwa die Produzenten von Schutzmasken wie die Lübecker Firma Drägerwerk oder von Testkits, wie sie das Hildener Unternehmen Qiagen herstellt. Auch deren Aktienkurse legten dank der Absatzgewinne oft deutlich zu. Ob das jedoch dauerhaft so bleibt, ist offen. Tatsächlich haben die Notierungen bereits zum Teil wieder deutlich verloren.

Breite Streuung reduziert Risiko

In einzelne Aktien der Corona-Profiteure zu investieren, kann daher für Anleger "äußerst schwierig" sein, meint Bernd Haferstock von der Wiesbadener Vermögensverwaltung Habbel, Pohlig & Partner. "Der beste Zugang erschließt sich für den Privatanleger über die Einbindung von Fonds", rät er. Diese könnten sich an einem weltweiten "Healthcare"-Index orientieren. Auf solche Indizes der Gesundheitsbranche können Anleger mit ETFs setzen. Daneben gibt es auch Fonds, die den Sektor abdecken – und seine Teilbereiche wie etwa die Biotechnologie.
Dass die Branche zukunftsträchtig ist, darin sind sich die Experten einig. Das Thema Gesundheit habe wegen der Corona-Pandemie "deutlich an Bedeutung gewonnen", meint etwa Mario Adorf, Fondsmanager bei der Deka, der Fondsgesellschaft der Sparkassen: "Die Krise hat klar gezeigt, dass hier dringend Investitionen notwendig sind."
Ähnlich sieht es Vermögensverwalter Haferstock: "Die Corona-Pandemie wird für vielfältige Branchen im Gesundheitssystem der Katalysator für weitere Entwicklungen sein", meint er. Das betreffe nicht nur Sektoren wie Pharma, Medizintechnik oder Biotechnologie. Auch ein Bereich wie die Telemedizin erhalte durch die Pandemie einen Schub – also etwa die Diagnose einer Krankheit über das Internet.

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Erstmals weltweit mehr 65-Jährige als Kinder

Tatsächlich gilt Anlegern der Gesundheitsbereich nicht erst seit Corona als vielversprechend. "Health Care" sei einer der Megatrends moderner Gesellschaften, heißt es etwa in einer Studie der "Bank of America Merril Lynch". Grund dafür sei unter anderem die alternde Gesellschaft, so die Forscher. So werde es in den 2020er Jahren auf der Welt erstmals mehr 65-Jährige geben als Kinder. Von der Versorgung der Senioren profitieren Gesundheitsunternehmen besonders stark.
Hinzu kommt: Wegen der Corona-Pandemie dürften künftig noch mehr staatliche Mittel in den Sektor fließen werden. So soll der aktuell in Europa diskutierte 750-Milliarden-Euro-Hilfsfonds auch "maßgeblich Investitionen dorthin lenken, wo sie perspektivisch sinnstiftend sind: in den Gesundheitssektor", sagt Vermögensverwalter Bernd Haferstock.

Gesundheitsleistungen braucht man immer

Für Anleger bedeutet das: Ein Investment in die Gesundheitsbranche kann sich auch über Corona hinaus langfristig lohnen. Die Branche gilt dabei als vergleichsweise defensiv und unabhängig von der Konjunktur: Gesundheitsleistungen braucht man immer – auch in einem Abschwung. Die Aktienkurse in dem Sektor fallen daher auch in Schwächephasen an der Börse in der Regel weniger stark als der gesamte Markt.
Dies hat sich auch in der Corona-Krise gezeigt: vom Beginn der Krise bis zum Tiefpunkt der Kurse am 23. März verlor der weltweite Index MSCI World mehr als 34 Prozent. Beim Teilindex für die Gesundheitsunternehmen, dem MSCI World Health Care, waren es lediglich 26 Prozent. Die anschließende Aufwärtsbewegung machte der Teilindex dann allerdings genauso stark mit wie der Mutter-Index – gute Voraussetzungen für ein langfristig stabiles Investment.

ETFs bilden die Indizes der Branche ab

Auf den weltweiten Gesundheitssektor können Anleger mit ETFs setzen, etwa mit dem iShares MSCI World Health Care Sector oder dem Xtrackers MSCI World Health Care. Im Index enthalten sind insbesondere große Pharmaunternehmen wie Roche, Pfizer oder Merck. Er beherbergt jedoch auch das US-Unternehmen Johnson & Johnson, das Medikamente wie Imodium oder Hygieneprodukte wie Carefree herstellt.
In den Trend der alternden Gesellschaft können Anleger mit einem speziellen ETF investieren: Der iShares Ageing Population enthält zu mehr als der Hälfte Aktien aus der Gesundheitsbranche. Anleger stecken ihr Geld dabei aber auch in Firmen aus der Finanzwelt, etwa in das schwedische Broker- und Börsenunternehmen Avanza Bank oder in Konsumgüterproduzenten wie den US-amerikanischen Hersteller von Freizeitbooten Malibu Boats.
Mutigere Anleger können über einen ETF an der Entwicklung in der Biotechnologie teilhaben. Einer der größten Indizes ist dabei der Nasdaq US Biotechnology Index. Man kann ihn etwa über den iShares Nasdaq Biotechnology ETF abbilden. Der Index enthält unter anderem die beiden Unternehmen Moderna und Gilead, die in der Corona-Forschung aktiv sind.
Anleger sollten dabei aber bedenken, dass das Risiko für Kursverluste im Biotechnologie-Sektor deutlich höher ist als in der gesamten Branche. So gilt etwa bei der Forschung nach Medikamenten die Faustregel, dass neun von zehn Projekten scheitern. Entsprechend riskant ist die Anlage in das Thema.

Überrendite nur mit aktiven Fonds möglich

Anleger, die sich – statt in einen Index zu investieren – lieber auf die Auswahl eines Fondsmanagers verlassen, haben dafür ebenfalls mehrere Möglichkeiten. Breit streuende Fonds, die etwa die Ratingagentur Morningstar gut bewertet, sind der AB International Health Care Portfolio der Fondsgesellschaft AllianceBernstein oder der Bellevue Funds BB Adamant Medtech & Services, der vor allem US-Unternehmen enthält. Beide Fonds haben unter anderem die US-Firma Intuitiv Surgical im Portfolio. Sie stellt Chirurgie-Roboter her.
Bei einem Investment in aktiv gemanagte Fonds sollte Anleger klar sein, dass sich die Zusammensetzung des Fonds ändern kann – abhängig von der Strategie des Fondsmanagers. Das bietet die Chance auf zusätzliche Rendite, die sogenannte Outperformance. Anleger sollten dennoch immer wieder einmal überprüfen, ob das Portfolio des Fonds noch zu ihren Vorstellungen passt. Und: Die Kosten solcher Fonds sind unter Umständen deutlich höher als bei einem Investment in einen ETF.



  Andreas Jalsovec


 
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