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Auf einen Blick
  • Sparsam leben, bewusst konsumieren, finanziell unabhängig werden – Frugalisten versuchen unnötige Ausgaben zu vermeiden. 
  • Der Frugalismus-Trend kommt ursprünglich aus den USA, hat aber mittwerweile auch in Europa seine Fans gefunden. Im deutschsprachigen Raum gilt die Rente mit 40 als Kerngedanke des Frugalismus.
  • Wir erklären, was genau Frugalismus ist und wie Frugalisten leben.
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Was macht uns glücklich? Laut einer Umfrage des Sinus Instituts sind es Gesundheit, eine gute Partnerschaft, eine intakte Familie, ausreichend Geld und Freiheit. Nicht gelistet sind ein begehbarer Kleiderschrank mit einem Haufen Designerklamotten, ein flotter Sportwagen oder für jede Jahreszeit ein passendes Porzellanservice.

Der Lockdown hat viele Menschen dazu gebracht, über ihr Hab und Gut nachzudenken. Eingeschlossen in den eigenen vier Wänden, wurden sie mit ihrem Überbesitz konfrontiert. Das große Ausmisten begann. In einigen Drogeriemärkten waren Müllsäcke ausverkauft, mehrere Sozialkaufhäuser verhängten einen Aufnahmestopp und Altkleidercontainer quollen über.

Nicht wenige bemerkten, dass sie gar nicht so viel Dinge brauchen. Und ärgerten sich, dass sie sich für Überflüssiges abrackern, Überstunden schieben und sich sogar verschulden oder den Dispo bis ans Limit ausreizen. Wo ist der Punkt, ab dem man nicht noch mehr braucht, um das Leben zu genießen? Dieser und ähnliche Gedanken beschäftigen eine Gruppe meist jüngerer Menschen schon länger. Die Frugalisten.

Was ist Frugalismus? Wie leben Frugalisten? Welche Bedeutung hat dieser Lebensstil in einer Zeit, in der Überkonsum und die Suche nach Zufriedenheit aufeinandertreffen? Und ist es realistisch mit 40 in Rente zu gehen?

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Was ist Frugalismus?

Der Begriff Frugalismus lässt sich vom englischen Wort frugal ableiten, was so viel wie bescheiden, sparsam oder genügsam heißt. Wortverwandtschaften finden sich weiter im Lateinischen: Frugalitas, bedeutet beispielsweise Mäßigkeit, das Adverb frugaliter wird mit enthaltsam, ordentlich oder wirtschaftlich übersetzt. (Quelle: frag-caesar.de). Das deutsche Wort Frugalist oder Frugalismus prägte nach eigenen Angaben Oliver Noelting, Inhaber von Website und Blog frugalisten.de.

FIRE – Ursprünge des Frugalismus

Der Ursprung des Mindsets findet sich in den USA. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gilt weithin als eine der größten Konsumgesellschaften der Welt. Bereits in den 90er Jahren entwickelte sich hier die Bewegung FIRE als Gegentrend zum Überkonsum. FIRE steht für Financial Independence, Retire Early. Zu deutsch: finanzielle Unabhängigkeit, frühzeitiger Ruhestand.

Die Bewegung zeigt eine Alternative zum „Nine-to-Five-Till-65“ mit viel Konsum und Überschuldung. Sie steht dafür, weniger Geld auszugeben, mehr zu sparen und das Ersparte anzulegen. Denn das macht es möglich, etliche Jahre vor der gesetzlichen Rente ausgesorgt zu haben und ein einfaches, aber glückliches Leben zu leben. Wer das Ziel finanzielle Unabhängigkeit erreicht, kann in den Ruhestand gehen oder nicht. Aber er kann auf alle Fälle tun und lassen, was er will, ohne darauf angewiesen zu sein, Geld zu verdienen.

Bekannter Kopf aus der Bewegung ist Mr.Moneymustache. Der Name ist das Pseudonym des Bloggers Peter Adeney. Der Software-Ingenieur und seine damalige Frau gingen 2005 im Alter von 30 Jahren in den Ruhestand. „Das haben wir nicht durch Glück oder besondere Leistungen erreicht.“ Sondern dadurch, dass sie einen Lebensstil geführt hätten, der rund 50 Prozent günstiger war als der vieler Altersgenossen.

„Den Überschuss haben wir in sehr langweilige, konservative Vanguard-Indexfonds und ein oder zwei Miethäuser investiert, bloggt Adeney. Er ist überzeugt, dass viele Menschen aus der Mittelschicht weniger Geld ausgeben und weniger Materielles besitzen sollten. Sie könnten finanziell unabhängiger sein, glücklicher leben und gleichzeitig ihren ökologischen Fußabdruck verringern.

Kerngedanke des Frugalismus: Die Rente mit 40

Der Trend kam über den Teich, erreichte Europa und findet seine Fans. Im deutschsprachigen Raum gilt die Rente mit 40 als Kerngedanke des Frugalismus.
Vermutlich wegen des gleichnamigen Buchs von Florian Wagner. Wer nicht am Titel hängenbleibt, wird lesen, dass für Wagner und andere der Frugalismus viel mehr bedeutet als SparenAnlegenfrühe Rente. „Entgegen dem verbreiteten Vorurteil wird Erfolg im Frugalismus nicht an Pfennigfuchserei gemessen, sondern an der Fähigkeit, bewusst materielle Dinge zu genießen und selbst zu erkennen, was uns wahre Freude bereitet“, schreibt Wagner. Frugalismus sei etwas Subjektives und jeder könne selbst entscheiden, wie er ihn umsetzen möchte. „Wenn wir zehn Paar Schuhe besitzen, aber immer noch das Gefühl haben, nichts anzuziehen zu haben, könnte es sein, dass wir Frustkäufer sind. Wenn wir jedoch zwanzig Paar Schuhe haben und diese über Jahre hinweg täglich mit großer Freude anziehen, ist das frugalistisch.“

Konzept der finanziellen Freiheit und das Simple Life

Frugal leben bedeutet bescheiden und sparsam zu sein. Das gern als „Fuck-you-money“ bezeichnete Vermögen ist Mittel zum Zweck, Muße für Freunde und Familie zu haben. Freizeit und die Chance, seinen Interessen nachzugehen. Zeit für Jobs oder Projekte, die Spaß machen und die eigene Entwicklung voranbringen. Es bedeutet, arbeiten können aber nicht müssen.

 

Wie leben Frugalisten?

Frugalisten versuchen unnötige Ausgaben zu vermeiden. Schritt eins ist es, ein Bewusstsein zu schaffen, wohin das Geld eigentlich geht. Einfaches Tool sind Haushaltsbücher oder Finanzplaner. Es gilt, Wünsche, Bedürfnisse und finanzielle Mittel aufeinander abstimmen.

Wie reduzieren Frugalisten konkret ihre Ausgaben?

  • Kostenfresser erkennen: Wer es ernst meint, geht das Thema diszipliniert an und checkt pragmatisch den finanziellen Status Quo. Von der Miete über Versicherungen, Abos, Mobiltelefonverträge bis hin zum wöchentlichen Lebensmitteleinkauf. Posten wie Gebühren für Kreditkarten werden genauso unter die Lupe genommen wie Kosten von Girokonten. Ist ein Konto zu teuer, wird es gewechselt, lockt ein Anbieter mit Prämien, wird genauer hingesehen. In einem anderen Beitrag von uns, erfahren Sie, welche Banken noch kostenlose Girokonten anbieten.
  • Mietkosten senken: Fast obligatorisch ist die Reduzierung der Wohnkosten. Mieten stellen oft einen enormen Kostenfaktor dar. Ist die Miete zu teuer, hilft manchmal nur ein Umzug. Anstelle der hochpreisigen Dreizimmer-Wohnung im hippen Viertel, geht es in eine günstige Wohnung am Stadtrand oder ins Tiny House – ein Haus im Miniformat. Gerne in der Nähe des Arbeitsplatzes. Damit lässt sich eventuell auf einen weiteren Kostenfresser – das eigene Auto – verzichten. Eine günstige und umweltfreundliche Alternative zum Auto: Das E-Bike. Wir verrarten Ihnen, wo Sie E-Bikes günstig leihen und kaufen können.
  • Alltagskosten reduzieren: Bücher in Bibliotheken leihen, nicht kaufen. Kleidung, Mobiliar oder Alltagsgegenstände wie einen Wäscheständer gibt es bei Second-Hand-Portalen um ein Vielfaches günstiger als im Neuverkauf.
  • Ernährung: Die meisten Frugalisten legen Wert auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Sie sparen nicht, indem sie sich von billigen Fertiggerichten oder einseitig ernähren. Eher kaufen sie wenig industriell verarbeitete Lebensmittel. Gerne in Bio-Qualität. Ausgaben für gesunde oder Bio-Lebensmittel reduzieren sie, indem sie bei Cash Back Programmen mitmachen.

Bewusstes Konsumieren schließt Nachhaltigkeit ein. Ausmisten und sinnvoll verwerten – anstatt alte Gegenstände einfach wegzuwerfen, verkaufen immer mehr Menschen gebrauchte Dinge über Kleinanzeigen oder Börsen im Internet. Wie man mit Secondhand, Klamottentausch, Upstyling & Co. einen Weg aus der Wegwerfkultur findet.

Sparen wird zum schönen Nebeneffekt

Wer weniger konsumiert, spart außer Geld Ressourcen. Wer den Kreislauf gebrauchter Konsumgüter unterstützt, spart Geld und hilft Müll und Energieverbrauch zu reduzieren.

Wer einen kaputten Gegenstand nicht gleich in die Tonne wirft, sondern selbst repariert, spart Geld und hat ein Erfolgserlebnis. Deutschlands Frugalist Nummer 1 Oliver Noelting schwärmt im Spiegel Podcast vom Ich-habe-Feuer-gemacht-Effekt. Im Film „Cast Away" schafft es Chuck (Tom Hanks), am Strand Feuer zu machen. Man sieht ihn, wie er „... dann völlig in Ekstase um dieses Feuer herumtanzt und sich auf die Brust trommelt, weil er es geschafft hat, (...) Feuer zu machen. Das ist so ein bisschen dieser Effekt, den man hat, wenn man es geschafft hat, selbst was zu reparieren oder was Neues zu lernen, (...) das macht einfach glücklich.“ Geld zu sparen sei dann eigentlich nur ein positiver Nebeneffekt.

 

Funktioniert Frugalismus für Geringverdiener?

Single und 5.000 Euro Nettoeinkommen. So lassen sich leicht 2.000 bis 3.000 Euro monatlich zur Seite packen. Ist Frugalismus demnach nur etwas für Reiche, Gutverdiener oder sogenannte DINKS, Double-Income-No-Kids? Oder können Geringverdiener ebenfalls von einer Rente vor dem offiziellen Ruhestand träumen?

Florian Wagner berichtet in seinem Buch von einem Studenten mit monatlichen Einnahmen von 1.160 Euro. Der Student begann irgendwann seine alltäglichen Ausgaben zu notieren. „Ich bekam ein Gespür dafür, welche Ausgaben sich für mich lohnen und welche nicht.“ Und was er sah, gefiel ihm nicht. Er war geschockt, wieviel Geld er monatlich „rausblase“, ohne dass es ihn wirklich glücklich macht. Dass er das erste Mal einen Überblick über seine Finanzen hatte, spornte ihn an, sein Konsumverhalten zu ändern. Ohne sich zu kasteien, spart er in einem Jahr ein Vermögen von 6.000 Euro an.

Mit 40 in Rente zu gehen ist sicher für wenige Normalverdiener realistisch. Doch das Beispiel des Studenten zeigt, dass es sich rechnet, sein Konsumverhalten zu hinterfragen. Einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben zu bekommen. Und sich Sparziele zu setzen. Einen Kapitalstock fürs Alter in Form einer privaten Altersvorsorge können sich auch Menschen mit geringem Einkommen aufbauen.

 

Der Unterschied zwischen Frugalismus und Minimalismus

Sicher sind einige Minimalisten zugleich Frugalisten und so mancher Frugalist pflegt einen minimalistischen Lebensstil. Frugalismus und Minimalismus werden gerne in einen Topf geworfen. Oder miteinander verwechselt. Doch es gibt Unterschiede:

  • Frugalisten überdenken ihren Konsum, sparen, investieren ihr Geld und wollen frühzeitig in Rente. Sie führen ein einfaches Leben, legen keinen Wert auf Statussymbole oder Dinge, die sie persönlich nicht weiterbringen.
  • Minimalisten verzichten weitgehend generell auf Konsum, reduzieren ihr Hab und Gut. Minimalisten fühlen sich häufig von zu vielen Sachen erschlagen. Eigentum verpflichtet. Sie wollen ein Maß an Hab und Gut erreichen, mit dem sie sich wohlfühlen.

Allerdings geben Minimalisten viel Geld aus für qualitativ hochwertige Gegenstände. Stichwort: Qualität vor Quantität. Im Schrank hängt dann beispielsweise eine teure und hochwertige Winterjacke, statt zehn Fast-Fashion-Produkte. Fürs Wohnzimmer kaufen sie ein kostbares Designmöbel und behalten das auf immer.

Biallo-Tipp:

Den ausführlichen Ratgeber zum Thema "Frugalismus" finden Sie hier als  kostenlosen PDF-Download.

In unserem Ratgeber zum Thema „Sparen im Alltag" zeigen wir Ihnen einige Tipps und Tricks, mit denen Sie in allen Lebenslagen ordentlich Geld sparen können.

Über die Autorin Ines Baur

Ines Baur hat ihre journalistische Karriere beim Fernsehen begonnen. Nach der Geburt ihres dritten Sohnes hat sich die gelernte Bankkauffrau auf Print- und Online-Medien spezialisiert. Schwerpunktmäßig schreibt sie zu den Themen Frauen und Finanzen, finanzielle Bildung, Frauen und Alters-Vorsorge, Frauen und finanzielle Selbständigkeit.

  Ines Baur