Auf einen Blick
  • In Coworking-Spaces kann man Arbeitsplätze samt Büroinfrastruktur buchen.

  • Coworking-Spaces werden vielfältig genutzt: Freiberufler verlassen die Enge des Homeoffice, Unternehmen buchen Räume für ein Projektteam oder sie bieten entfernt arbeitenden Mitarbeitern einen wohnortnahen Arbeitsplatz.

  • Die Spaces bieten mehr als einen Arbeitsplatz. Sie wollen Menschen unterschiedlichster Hintergründe zusammenbringen und Austausch fördern.
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Schon mal was von Coworking-Spaces gehört? Viele meinen, dahinter verbirgt sich ein modernes Gemeinschaftsbüro, in dem sich Start-ups einmieten und die Mitarbeiter in Turnschuhen zur Arbeit und am Kicker auf gute Ideen kommen. Das mag eine Variante von Coworking sein, aber es ist bei Weitem nicht alles.

Coworking entwickelt sich gerade zu einem zentralen Baustein der Arbeitswelt. Selbstständige, Start-ups oder mittelständische Unternehmen nutzen Coworking-Spaces und schätzen die gute Infrastruktur der Büroausstattung, die vielfältige und flexible Nutzung ohne langfristige Bindung und den Community-Gedanken dahinter. Der Markt ist in den vergangenen Jahren gewachsen, für so manche Eigentümer von Gewerbeimmobilien ist Coworking eine attraktive Alternative geworden, leerstehende Büroräume einem neuen Konzept zuzuführen – in der Stadt genauso wie auf dem Land. Vor allem auf dem Land erweist sich Coworking auch als Chance, eine Region zu beleben.

Wir haben uns umgeschaut und zusammengetragen, was sich hinter Coworking alles verbirgt, wie es funktioniert, was es kostet und welche Vorteile Nutzer und Anbieter daraus ziehen können.

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Was ist ein Coworking Space?

Entstanden ist die Idee des Coworking in den USA, in San Francisco, in den späten 1990er-Jahren. Der Beginn des Coworkings ist mit dem Namen Brad Neuberg verbunden, der auf der Suche nach einer alternativen Arbeitsstätte war, nicht alleine zu Hause und nicht im herkömmlichen Büro. Der neue Arbeitsplatz sollte vielmehr Austausch unter Fachleuten ermöglichen, hier sollten Ressourcen und Ideen geteilt werden. Die „Hat Factory“, der erste offizielle Coworking-Space, wurde 2005 von Neuberg in San Francisco eröffnet. Hier konnte man Schreibtische und Büroinfrastruktur nutzen, ohne sich langfristig an Mietverträge binden zu müssen und fand obendrein ein inspirierendes Arbeitsumfeld. Das war der Start.

Coworking: Ein neues Bedürfnis zu arbeiten

Inzwischen ist Coworking längst nach Europa gelangt – auch nach Deutschland. Hier trifft Coworking auf ein neues Bedürfnis zu arbeiten, das die Coronapandemie noch einmal vorangetrieben hat: Menschen arbeiten nicht mehr fünf Tage die Woche je acht Stunden am selben Schreibtisch im Büro, das mit Grünpflanzen und Familienfotos im Bilderrahmen dekoriert ist.

Für Arbeitende: Heute arbeiten Menschen in vielen Branchen mobil und hybrid. Sie teilen sich die Arbeitszeit selbst ein, unterbrechen die Arbeit, um die Kinder vom Kindergarten abzuholen, verlegen Arbeitseinheiten auf Abendstunden, um für die Familie da zu sein oder Angehörige zu pflegen, sie arbeiten manche Tage im Homeoffice, aber kommen auch zu Meetings ins Büro, sie sind viel unterwegs und brauchen ihren Schreibtisch manchmal nur sporadisch. Coworking trifft dieses Bedürfnis, maximal flexibel zu arbeiten.

Für Unternehmen: Auch für Unternehmen ist Coworking interessant. Denn Büroflächen zu mieten, zu kaufen, zu bauen und zu unterhalten verursacht immense Kosten. Viele Unternehmen haben deshalb schon längst ihre Abteilungen umstrukturiert: Feste Arbeitsplätze gibt es nicht mehr, jeder arbeitet da, wo gerade Platz ist, es sind ohnehin nicht alle jeden Tag anwesend –  immer ist jemand im Urlaub, krank, im Homeoffice oder auf Dienstreise. Auch hier kann Coworking eine Lücke schließen – ein Unternehmen bucht genau so viele Arbeitsplätze, wie gerade nötig sind und kann sogar Pendlern einen wohnortnahen Arbeitsplatz in einem Coworking-Space bieten, sofern der Mitarbeitende nicht täglich im Unternehmen präsent sein muss.

Herzstück: der Community-Gedanke

Ganz wichtig ist der Community-Gedanke, der zum Coworking gehört. Das heißt nicht nur, Arbeitsplätze samt Infrastruktur zu nutzen. Coworking ist eigentlich eine „soziale Bewegung“, sagt Dina Sierralta, Vorstandsmitglied der German Coworking Federation e.V., dem Bundesverband Coworking Spaces Deutschland. Es geht auch um die Menschen, die dort zusammenkommen: Sich kennenlernen, sich austauschen, neue Verbindungen knüpfen, die nach dem „Prinzip des glücklichen Zufalls“ zustande kommen, ist das Herzstück von Coworking. „Der Raum ist das Werkzeug dafür“, sagt Sierralta.

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So funktionieren Coworking Konzepte

In Coworking-Spaces bucht man Arbeitsplätze inklusive einer gesamten Büroinfrastruktur. Nutzer können diese stundenweise, tageweise, monatsweise, manchmal auch länger buchen – je nach Bedarf und was der Anbieter zur Verfügung stellt. Die meisten Anbieter haben verschiedene Tarife gestaltet. Die Angebote sind vielfältig, jeder Anbieter verfolgt ein eigenes Konzept.

  • Es gibt einzelne Arbeitsplätze in einem Großraumbüro. Das Modell wird oft Flex-Desk genannt.

  • Es gibt auch abgeschlossene Einzelbüros.

  • Müssen größere Gruppen untergebracht werden, können größere Flächen nach individuellem Bedarf belegt werden.

  • Zusätzlich stehen Konferenz- oder Seminarräume für Meetings zur Verfügung.

  • Manche Anbieter bieten auch rein virtuelle Büros, sogenannte „Virtual Offices“ an: eine Adresse mit Briefkasten, unter Umständen auch mit einer Paketannahme für Menschen, die vorwiegend mobil arbeiten.

Infrastruktur

Coworking-Spaces bieten darüber hinaus eine komplette Infrastruktur und Ressourcen für modernes Arbeiten: High-Speed-Internetverbindung, Drucker, Scanner, Schließfächer, moderne Präsentationstechnik, Whiteboards, Monitore.

Service

Auch Service gehört dazu – von Kaffeemaschine bis Sanitäranlagen ist alles vorhanden, was man an weichen Faktoren für einen Arbeitstag benötigt. Es gibt vielleicht sogar Sofas und einen Kicker, denn auch mal abschalten und ausruhen, mal auf andere Gedanken kommen, ist Teil eines Arbeitstages. Die Öffnungszeiten sind oft rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr.

Community

Viele Coworking-Spaces bieten zusätzlich Netzwerkaktivitäten an, um den Community-Gedanken mit Leben zu füllen. Es gibt Feierabend-Treffen für gemeinsamen Austausch, Seminare oder Workshops zu bestimmten Themen oder Weiterbildungsangebote. Gerade in den Metropolen mit einem größeren Angebot gibt es solche, die sich auf bestimmte Branchen spezialisiert haben: etwa auf  die Finanzbranche oder Kreative. Oft kann es aber auch gerade reizvoll sein, Menschen zu treffen, die aus einer ganz anderen Branche kommen – vielleicht ergeben sich völlig neue interdisziplinäre Ansätze. In vielen Coworking-Spaces gibt es sogenannte Community-Manager, die als Ansprechpartner da sind und helfen, sich untereinander zu vernetzen.

 

Wo finde ich Coworking Spaces?

Coworking gibt es inzwischen überall in Deutschland. In den Städten ist das Angebot natürlich größer als im ländlichen Raum, aber auch da gibt es Angebote. Als Nutzer kann es sinnvoll sein, gezielt dort zu suchen, wo man arbeiten möchte. Eine Google-Suche mit dem Suchbegriff „Coworking Spaces“ hilft weiter. Wer auf Dienstreise ist und arbeiten muss, sucht ebenfalls vor Ort. Ebenso gibt es eine stetig wachsende Landkarte, die „Coworking-Map“, die Coworking-Spaces in Deutschland verortet – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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Wer kann Coworking nutzen?

Im Folgenden führen wir einige Nutzerprofile auf, für die Coworking-Spaces geeignet sein können. Die Auflistung liefert aber nur eine Idee, wie vielfältig das Angebot genutzt werden kann. Es gibt sicher noch viel mehr Beispiele von Nutzergruppen. 

  • Coworking-Spaces sind natürlich für Freiberufler und Selbstständige interessant, die eine Schreibtischtätigkeit haben, üblicherweise von zu Hause aus arbeiten und die zusätzlich – oder als Ersatz – zum heimischen Arbeitsplatz eine Alternative suchen, die sie unter Menschen bringt und Austausch ermöglicht.

  • Coworking-Spaces sind genauso für die Handwerkerbranche interessant: Ein Schreiner wünscht sich vielleicht einen ruhigen Ort mit Büroausstattung für die monatliche Abrechnung oder Kundengespräche.

  • Coworking-Spaces werden auch von Unternehmen auf vielfältige Weise genutzt: Um weit verstreut arbeitenden Mitarbeitern ein Büro zur Verfügung zu stellen und ihnen lange Pendlerwege zu ersparen; um einem international zusammengestellten Team für eine Projektarbeit Räumlichkeiten zu bieten; um einer Führungsriege eines Unternehmens einen neutralen Ort zu bieten, um eine Strategie zu besprechen oder ein Projekt zu planen; um Vorstellungsgespräche in ein modernes Büroumfeld auszulagern; um Platzmangel im eigenen Unternehmen auszugleichen etc.

  • Manche Berufsgruppen wie Anwälte nutzen manchmal nur die repräsentativen Meetingräume eines Coworking-Spaces für Mandantengespräche oder Mediationen.

  • Studentinnen und Studenten buchen sich einen Schreibtisch, um in Ruhe an ihrer Bachelor- oder Masterarbeit zu arbeiten.

 

Vorteile von Coworking-Spaces

Für Nutzer – Einzelpersonen wie auch Unternehmen – ergeben sich eine ganze Reihe an Vorteilen gegenüber dem Homeoffice und gegenüber Büroräumen. Hier die wichtigsten Aspekte: Coworking-Space-Nutzer

  • gehen keine langfristigen Mietverträge für Büroräume ein,

  • sparen Instandhaltungskosten oder Reparaturen, wie sie bei einer Mietsache anfallen würden,

  • buchen Arbeitsplätze nach individuellem Bedarf,

  • können die Anzahl von Arbeitsplätzen schnell an Wachstumsphasen anpassen oder sich auch schnell wieder verkleinern,

  • können Geld sparen. Das gilt für Unternehmen, die sonst selbst Arbeitsplätze zur Verfügung stellen müssten: Nach Angaben des Bundesverbandes Coworking-Spaces kostet ein Arbeitsplatz in einem Space im Durchschnitt 220 bis 250 Euro monatlich, der klassische Arbeitsplatz in einer Behörde kostet rund 600 Euro, in mittelständischen Unternehmen bis zu 1.000 Euro im Monat, hat der Verband ermittelt,

  • teilen technische Ausstattung und nutzen diese auf modernstem Niveau und sind nicht für Reparaturen und Wartung zuständig,

  • nutzen professionelle Büromöbel: in der Regel ergonomische Schreibtischstühle, höhenverstellbare Tische etc.,

  • müssen sich nicht um die Büroreinigung kümmern,

  • wirken der Vereinsamung im Homeoffice entgegen,

  • treffen andere Menschen und erleben im besten Falle inspirierenden Austausch, nutzen gegebenenfalls sogar Synergien, knüpfen Netzwerke,

  • profitieren von kurzen Arbeitswegen und sparen sich lange Pendlerstrecken.

 

Auf Suche: So wählen Sie den richtigen Coworking Space

Wenn Sie auf der Suche nach dem richtigen Coworking-Standort für sich selbst oder für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind, sollten Sie nach Ihren speziellen Bedürfnissen gehen. Hier ein paar lohnende Überlegungen:

  • Wie wichtig ist der Datenschutz bei der Arbeit? Wenn das eine große Rolle spielt, sollten Sie ein Einzelbüro buchen.

  • Telefonieren Sie oder Ihre Mitarbeiter viel? Auch dann ist ein Einzelbüro besser geeignet als ein Arbeitsplatz im Flex-Desk-Bereich – auch, weil sich sonst andere Nutzer gestört fühlen könnten.

  • Wann sind Ihre Arbeitszeiten und ist der Coworking-Space dann auch geöffnet? Möglicherweise müssen Sie oder Ihre Mitarbeiter auch mal Telefonate mit Kollegen in anderen Zeitzonen führen. Dann ist es gut, wenn ein Coworking-Space an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr geöffnet ist.

  • Entspricht die Büroausstattung – Möbel und technische Ausstattung – Ihren Bedürfnissen?

  • Wie weit ist der Weg zum Coworking-Space? Idealerweise legen Sie oder Ihre Mitarbeitenden keine weiten Wege zurück. Unternehmen, die das Büro für ihre Belegschaft buchen, sollten darauf achten, dass es gut erreichbar ist, mit dem Auto und mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

  • Passen die angebotenen Nutzungsverträge zu Ihren Bedürfnissen? Zu Kosten und Laufzeiten lesen Sie weiter unten.

  • Benötigen Sie Besprechungsräume? Kostet das einen Aufpreis oder ist die Nutzung im Preis inklusive?

  • Wie ist die Arbeitsatmosphäre? Ist der Coworking-Space ein Ort, an den Sie gerne gehen, an dem Sie sich konzentrieren können?

  • Müssen Sie im Coworking-Space auch Kundinnen und Kunden empfangen oder Mitarbeitergespräche führen? Achten Sie darauf, ob die Ausstattung, das Umfeld, die Einrichtung auch das widerspiegelt, wie Sie sich in Ihrer Arbeit präsentieren wollen und ob der Datenschutz gewährleistet ist.

  • Ist Ihnen der Community-Gedanke wichtig? Dann schauen Sie genau auf das Angebot, das der Space bietet bezüglich Austausch, Treffen, Workshops. Wer sind die anderen Nutzer?

Viele Coworking-Spaces bieten kostenlose Probetage an – so können Sie gut herausfinden, ob der Ort und die dort arbeitende Gemeinschaft zu Ihnen passen.

 

Coworking-Spaces: Buchung, Vertrag, Kosten

Wer einen Coworking-Space nutzt, schließt keinen Mietvertrag ab. Vielmehr bucht man den Arbeitsort für eine bestimmte Dauer und geht einen Nutzungsvertrag ein, der in der Regel online abgeschlossen wird. Es werden meist verschiedene Tarife angeboten, mit unterschiedlichen Laufzeiten – einen Tag, eine Woche, einen Monat. Es gibt auch das Modell Tagestickets oder Zehnerkarten, die man nach Bedarf einsetzen kann. Achten Sie darauf, ob Sie eine einmalige Nutzung buchen oder ob Sie ein Abonnement abschließen, das sich automatisch verlängert.

Der Nutzungsvertrag sollte natürlich transparent gestaltet sein und sämtliche Kosten auflisten wie auch alle Leistungen, die inbegriffen sind. Achten Sie darauf, ob im Preis die Nutzung von Konferenzräumen enthalten ist oder ob dafür Extrakosten anfallen. Das Gleiche gilt für die Nutzung von technischen Geräten wie Drucker oder Whiteboards und Monitore.

Was kostet die Nutzung eines Coworking Space?

Die Preisgestaltung ist genauso individuell wie das Angebot. Es macht jedoch einen großen Unterschied, ob man im ländlichen Raum oder in der Stadt unterwegs ist. Ein günstiges Angebot sind 99 Euro im Monat für einen Arbeitsplatz im Großraumbüro. Ein abgeschlossenes Büro kostet je nach Region um die 300 bis 600 Euro pro Monat. Unsere drei Beispiele von Coworking-Spaces zeigen die Preisspanne exemplarisch auf.

 

Für potenzielle Betreiber: Das sollten Sie über Coworking-Spaces wissen

Betreiber eines Coworking-Spaces zu werden, kann reizvoll sein. Viele Anbieter, die mit einem Space gestartet haben, betreiben inzwischen mehrere Standorte in verschiedenen Städten. Es kann für Eigentümer einer Gewerbeimmobilie interessant sein, selbst aktiv zu werden und einen Space zu gründen oder aber die Immobilie an einen aktiven Coworking-Space-Betreiber zu vermieten, der dort einen neuen Standort aufzieht.

Auch eine Kommune kann natürlich zum Coworking-Space-Gründer werden. Gerade im ländlichen Raum sind zunehmend Coworking-Angebote gefragt. Hier kann Coworking neben der Bereitstellung von Arbeitsplätzen noch mehr leisten: Eine Vernetzung von Berufstätigen, die Belebung einer Region, die Bildung von beruflichen Gemeinschaften, die wirtschaftliche Förderung einer Region.

Gute Gründe für das Betreiben eines Coworking Space

Es ist also denkbar, dass sich ein ganzes Team aus Gründungsmitgliedern zusammenschließt, mit dem Ziel, einen Coworking-Standort zu gründen. Eine interessante Broschüre dazu hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zusammengestellt, den Link finden Sie am Ende des Textes.

Es gibt einige gute Gründe für Coworking für das Betreiben von Coworking-Spaces:

  • Wer heute Büroräume vermietet, läuft immer Gefahr, dass die Mieter abspringen und man einen Leerstand zu verwalten hat.  Beim Coworking kann sich das Risiko eines Leerstands reduzieren, weil man nicht nur einen Nutzer hat, sondern mehrere.

  • Coworking ist ein nachhaltiges Konzept für den Umgang mit Raum und Ressourcen: Arbeitsplätze werden maximal genutzt und auch die Technik wird untereinander geteilt. Teilen spart Geld und schont die Umwelt.

  • Coworking-Spaces können Impulse geben. Das gilt vor allem im ländlichen Raum. Dort, wo Arbeitsplätze entstehen, siedeln sich im Umfeld vielleicht auch Dienstleistungen an: Cafés, Einkaufsmöglichkeiten, ein Restaurant etc. Außerdem können die Räume vielleicht auch von einem örtlichen Verein für ein Treffen genutzt werden, Räume können als Poststellen, Kindertagesstätten oder für Kulturveranstaltungen genutzt werden – viele Nutzungskonzepte sind denkbar, wie auch das soziale Leben in einer Kommune profitieren kann. Laut Bundesverband Coworking Spaces e.V. kann Coworking durchaus einen Beitrag zu einer Regionalentwicklung leisten: Es kann Landflucht, Urbanisierung und Abwanderung entgegenwirken und kann je nach Standort auch den Pendlerverkehr reduzieren, heißt es. 

Coworking-Space betreiben: Der richtige Standort und die passende Immobilie

Ob Stadt oder Land – ein Coworking-Standort kann überall funktionieren, muss aber nicht. Das zeigen die jüngsten Schlagzeilen des Betreibers „Wework“. Das Start-up aus den USA ist explosionsartig gewachsen, hat weltweit Büroräume gemietet und diese weitervermietet. Jetzt droht dem Unternehmen die Insolvenz (Stand: August 2023). Es blieb dann doch die Kundschaft aus. Kritiker sagen, die Büros wurden zu teuer angeboten und es handle sich um ein reines Investorenmodell.

Welches Fazit ziehen Betreiber oder solche, die es werden wollen daraus? Ein Coworking-Space funktioniert nicht überall automatisch, es ist kein Selbstläufer. Viele Parameter müssen zusammenpassen: der Standort, die geeignete Immobilie, die Kosten, die Nutzer. Viele Anbieter fangen erst einmal mit einem Standort an, sammeln Erfahrungen, wachsen dann. Coworking und der Community-Gedanke dahinter braucht an manchen Orten erst Zeit, um sich zu etablieren, um in all seinen Vorzügen in den Köpfen der potenziellen Nutzer anzukommen.

Wichtig ist, das Konzept auf den Bedarf vor Ort abzustimmen. Da muss man in ländlichen Regionen vielleicht ein wenig mehr recherchieren als in der Stadt. Es lohnt sich auch, mit einer Kommune in Kontakt zu treten und dem örtlichen Unternehmerverband, um Interessen abzufragen. Hier ein paar Ideen, was bei der Standortwahl eine Rolle spielen könnte:

  • Ein Coworking-Space sollte zentral gelegen und gut erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Auto sein.

  • Eine gute digitale Infrastruktur ist eine Kernvoraussetzung, kurz: Schnelles Internet ist ein Muss.

  • Gibt es vielleicht einen wirtschaftlichen Schwerpunkt in einer Region? Ist hier etwa ein Biotechnologiezentrum? Dann könnte der Space natürlich an diese Bedürfnisse anknüpfen, womöglich kann sich eine interessante Zusammenarbeit entwickeln.

  • Gibt es eine interessante Immobilie? Denken Sie mutig: Auch Hallen, Zwischennutzungen, Fabriken oder Garagen kommen infrage – modernes Arbeiten im Loft ist angesagt. Außerdem soll der Coworking-Space ein repräsentatives und einladendes Ambiente bieten und vielleicht ein paar softe Faktoren mitbringen: eine Dachterrasse, einen Garten, attraktive Außenbereiche.

  • Die Miete oder der Kauf einer Immobilie muss in Relation stehen zur Rendite, die mit dem Coworking-Space in Aussicht steht. Immobilien in zweiter Reihe, in Hinterhöfen, sind oft günstiger.

Zur Kostenkalkulation lesen Sie auch den Ratgeber „Nebenkostenabrechnung & Steuererklärung: Wie Mieter Steuern sparen“ auf biallo.de.

  • Biallo-Tipp: Die Größe macht den Unterschied. Ab ein paar hundert Quadratmetern wird ein Coworking-Space erst zum Geschäftsmodell. Halten Sie auch die Augen offen nach Kooperationen – zum Beispiel haben viele Banken vor Ort ihre Filialen geschlossen. Aus diesen Räumen sind schon öfter Coworking-Spaces geworden.

Gründung eines Coworking Space: Hier gibt es Beratung

Es gibt zwei Bundesverbände, die die Interessen von Coworking-Spaces vertreten:

Die German Coworking Federation e.V. – Bundesverband Coworking Deutschland wurde 2015 gegründet, vertritt Coworking-Space-Betreiberinnen und -Betreiber in ganz Deutschland und bietet Workshops und Beratung rund um die Gründung eines Spaces an.

Der Bundesverband Coworking Spaces (BVCS) e.V. unterstützt, vernetzt und vertritt Coworking-Spaces in Deutschland, in der Branche aktive Unternehmen und Unternehmer sowie Kommunen, öffentliche Träger und Wissenschaft. Auch hier gibt es Workshops und Beratung für Gründerinnen und Gründer eines Spaces und Weiterbildungsangebote.

  • Biallo-Tipp: Wer einen Coworking-Standort gründen möchte, sollte sich gut informieren, welche Arbeitsbedingungen die unterschiedlichen Zielgruppen benötigen. Wer beispielsweise Arbeitsplätze auch für Unternehmen zur Verfügung stellen möchte, muss sich auch über Themen wie Arbeitssicherheit und Datenschutz Gedanken machen. Eine Beratung durch Profis wie erfahrene Space-Betreiberinnen oder -Betreiber ist auf jeden Fall sinnvoll.

Finanzielle Förderung bei der Gründung eines Coworking Space

Wer erwägt, einen Coworking-Space zu gründen, sollte bei der Kommune oder der Stadt nachfragen, ob es spezielle Gründerzuschüsse gibt. Anlaufstationen sind auch Regionalmanager vor Ort, sofern es so etwas gibt. Gerade im ländlichen Raum gibt es unter Umständen Förderprogramme. Ein Beispiel ist das Programm integrierte ländliche Entwicklung in Niedersachsen (ZILE), das Programm Zukunftsräume Niedersachsen und das Programm Dorf-Büros Rheinland-Pfalz.

  • Biallo-Tipp: Nutzen Sie außerdem eine Suchplattform für Förderprogramme aller Art, link siehe am Ende des Textes.

Seit geraumer Zeit wagen wieder mehr Frauen und Männer den Schritt in die Selbstständigkeit. Meist macht vor der eigentlichen Gründung eine Gründungsberatung Sinn, die in vielen Fällen staatlich bezuschusst wird. Wie mit Gründungszuschuss, Förderdarlehen, Beteiligungen & Co. die Existenzgründung finanziell erleichtert wird, erklären wir Ihnen in einem weiteren Artikel.

 

Blick in die Praxis: Beispiele von Coworking Spaces

Wir haben uns den Coworking Space „Worqs“ angeschaut, der als großer Anbieter mit 28 Coworking-Spaces in 19 Städten aktiv ist. Dahinter steht die Cowork AG, die Gründungsmitglied des Bundesverbands Coworking Spaces ist. Wir stellen den Space Tink Tank in Heidelberg vor, Gründerin ist Lone Aggersbjerg, die selbst viele Jahre in führenden Positionen für bekannte Unternehmen international unterwegs war und selbst in vielen Coworking-Spaces gearbeitet hat. Und wir schauen hinter die Kulissen von „H39 – Work in Pies“, einem Coworking-Space im ländlichen Raum, in Buch, das gerade mal eintausend Einwohner zählt, gelegen mitten im Mittelgebirge des Hunsrücks in Rheinland-Pfalz. Das H39 ist ein gutes Beispiel, wie Coworking im ländlichen Raum umgesetzt werden kann: Die Gemeinde ist Träger des Spaces und hat gezielt Projekte gesucht, mit denen das Leben auf dem Land attraktiv werden kann. In Buch sind die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Pendler, wohnortnahes Coworking kann lange Arbeitswege ersparen. Bis 2019 war in den Räumlichkeiten eine Bank untergebracht.

Drei Coworking-Spaces im Vergleich

An den drei Beispielen möchten wir aufzeigen, wie vielfältig das Coworking-Angebot ist und wie es in der Praxis funktioniert:

 

Worqs

Tink Tank

H39 – Work in Pies

Standort

28 Coworking-Spaces in 19 Städten, u.a. in Aachen, Berlin, Dortmund, Simmerath, Hamm.
https://www.worqs.de/

Zwei Standorte in Heidelberg: Tink Tank Landfried und Tink Tank Campbell
https://tink-tank.de/campbell/
https://tink-tank.de/landfried/

Ein Standort in Buch
https://h-39.de/

 

Angebot

Einzelne Arbeitsplätze, private Büros, Meeting- und Seminarräume, Events, Virtual Office. Je nach Standort sind die Spaces zwischen 400 und 800 Quadratmeter groß.

Je nach Standort 32 bzw. 52 Arbeitsplätze, je 2 private Büros, 2 bzw. 4 Meetingräume, ein Workshopraum, Virtual Office, 400 bzw. 700 Quadratmeter groß.

8 Arbeitsplätze, 2 davon als Teambüro nutzbar, zwei Meetingräume, Virtual Office.

Preise

Ab 99 Euro netto pro Monat für flexible Arbeitsplätze, durchschnittlich 300 Euro für ein Einzelbüro.

 

Je nach Standort ab 120 bzw. 195 Euro für acht Tage Nutzung im Monat bis 410 bzw. 450 Euro mit persönlichem Schreibtisch; Tagesticket 35 bzw. 40 Euro, Wochenticket 150 bzw. 180 Euro.

100 für ein Flex-Desk pro Monat; 400 Euro für ein Einzelbüro.

Leistungen

Inklusive in allen Tarifen: Möblierung, Highspeed-Wifi, Nebenkosten (Strom, Wasser, Heizung), Reinigung, Zugang zu Café und Meetingräumen, komplette Infrastruktur.

Höhenverstellbarer Schreibtisch im Communitybereich, 24/7 Zutritt zum Space, Nutzung der Meetingräume, Highspeed Internet, Scanner/Drucker, Kaffee, Wasser, Obst und Snacks, Spacehopperticket 1 Tag pro Monat.

Höhenverstellbare Schreibtische, Internetzugang, Kaffee, Tee, Wasser. Je nach Tarif ist die Nutzung des Meeting-Raums, von Schließfächern und einem Postfach inklusiv oder als Extra zu buchen.

Extras und Events

Member-Breakfast, Member-BBQ, fachbezogene Webinare und Workshops.

Community Events, Content-driven Events, vergünstigte Fitnesstudio-Mitgliedschaft, Yoga, Spieleabende, Lunches, Community-Breakfasts etc.

Netzwerk-Events werden noch ausgebaut.

Quelle: Biallo.de/Stand August 2023. Alle Informationen wurden von den Betreibern zur Verfügung gestellt: Preisanpassungen der Betreiber sind vorbehalten.

Weitere interessante Modelle von Coworking-Spaces

Schauen Sie sich auch andere Coworking Modelle (Auswahl) an und lassen Sie sich inspirieren, was alles möglich ist.

Schiller 40 Wolfsburg: Das Schiller 40 gibt es seit 2012 und es ist nach eigenen Aussagen der erste kommunale Coworking-Space in Deutschland. Ziel ist, „der Kultur- und Kreativszene in Wolfsburg eine Anlaufstelle zu geben, digitale sowie innovative Formate und Konzepte zu erproben und Bürger der Stadt mit Digitaltechnologie in Kontakt zu bringen“. Gründungsmitglied des Spaces ist Christian Cordes, der auch Gründungsmitglied des Bundesverbands Coworking ist.

Good Spaces, Karlsruhe: Der Coworking Space Good Spaces betreibt inzwischen fünf Standorte in Deutschland. Hier haben zur Gründung zwei GmbHs zusammengearbeitet: Ein Team der Breidenbach GmbH, die seit 2011 die breidenbach studios und weitere Coworking-Spaces betreiben. Und das Team der GoodThinks GmbH. „Der Thinktank hat sich seit 2018 der Aufgabe verschrieben, nachhaltige Antworten auf soziale, ökologische und ökonomische Probleme unserer Zeit zu finden."

Betahaus Hamburg: Das Beta Haus betreibt Coworking-Spaces in Hamburg, Berlin, Sofia und Barcelona und hat ein Riesenangebot an Events mit Cafébetrieb. Hinter jedem Standort stehen jeweils andere Gründungsteams. Das Team Hamburg: „Als das analoge Ende der Kreativ-, Freelance- und Gründerszene Hamburgs leben wir seit 2010 den New Work-Gedanken und schaffen Räume für das kollaborative Arbeiten an relevanten und zeitaktuellen Themen und Trends.“

Verwendete Quellen

Entstehung: http://codinginparadise.org/ebooks/html/blog/start_of_coworking.html,
https://www.deskmag.com/de/coworking-spaces/die-geschichte-von-coworking-spaces-in-zahlen-zeitleiste-868?start=1
Bundesverbände: www.bundesverband-coworking.dehttps://www.coworking-germany.org/
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Coworking auf dem Land. Wie es gelingt und was es dafür braucht. https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/coworking-land-bule.pdf?__blob=publicationFile&v=8
Tipps zur Gründung: https://gruenderplattform.de/geschaeftsideen/coworking-space-guenden
Coworking im ländlichen Raum:
https://www.coworking-germany.org/thesenpapier-coworking-kultur-im-laendlichen-und-urbanen-raum-veroeffentlicht/
Datenbank zur Suche von Förderprogrammen: www.foerderdatenbank.de
Förderprogramme:
https://www.ml.niedersachsen.de/startseite/themen/entwicklung_des_landlichen_raums/zile_zuwendungen_zur_integrierten_landlichen_entwicklung/richtlinie-ueber-die-gewaehrung-vonzuwendungen-zur-integrierten-laendlichen-entwicklung-5104.html
https://www.mb.niedersachsen.de/zukunftsraeume-niedersachsen/zukunftsraeume-178270.htmlhttps://dorfbueros-rlp.de/
Datenbank zur Suche von Coworking-Spaces: https://coworkingmap.de/en/home-4erslider-english/ 
Zur Wework: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/werwork-buero-mieten-1.6117723
Experteninterviews: Tobias Kollewe, Präsident Bundesverband Coworking Spaces; Dina Serralta, Vorstandsmitglied German Coworking Federation - Bundesverband Coworking

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Über die Autorin Annette Jäger
während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren. Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.
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