Chancen und Risiken von ETF

Fondsanlage Chancen und Risiken von ETF

Max Geißler
von Max Geißler
25.08.2017
Auf einen Blick
  • Geringe Kosten, hohe Transparenz und gute Renditechancen sprechen für Indexfonds.
  • Fehlerfrei sind ETFs deswegen jedoch nicht. Das starre Anlagekonzept, die Überbewertung einzelner Aktien und Bonitätsrisiken bilden Fallstricke für Anleger.
  • Ein ETF-Sparplan mindert Anlagerisiken und erhöht die Renditechancen.
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Keine Anlageform hat in den vergangenen Jahren so rasant an Bedeutung gewonnen wie ETFs. Mehr als 4.000 Milliarden Euro sind weltweit in Indexfonds investiert. Bis zum Jahr 2020 wird sich nach Schätzungen von Christian Staub, Deutschland-Chef des weltgrößten ETF-Anbieters Blackrock, diese Zahl verdoppeln.

ETFs bündeln viele Vorteile

Die Vorzüge von ETFs liegen auf der Hand: Sie sind schnell und flexibel handelbar, die Wertentwicklung ist transparent und die Kosten niedrig. Anleger können jederzeit Fondsanteile an der Börse kaufen oder verkaufen. Zudem ist die Kursentwicklung leicht nachvollziehbar, da ETFs die Entwicklung des zugrundeliegenden Index eins zu eins nachbilden. Welche Renditen mit den besten Indexfonds möglich sind, das zeigt anschaulich unser ETF-Vergleich. Dort sehen Sie zum Beispiel, dass ETFs auf den deutschen Aktien-Leitindex Dax in den vergangenen fünf Jahren rund elf Prozent jährlich zulegten.

Den Markt können nur wenige schlagen

Ein weiterer Pluspunkt sind die überdurchschnittlichen Kurs-Chancen von ETFs. Im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds, die selektiv in eine bestimmte Wertpapierauswahl investieren, schneiden die marktbreit anlegenden ETFs in der Masse besser ab. Studien zeigen immer wieder, dass je nach Anlageklasse und Fondskonzept nur etwa ein Drittel bis ein Viertel aktiv gemanagter Fonds kontinuierlich besser performen als der jeweilige Markt. Anders ausgedrückt: ETFs schneiden zu zwei Drittel bis drei Viertel besser ab als vergleichbare, klassische Investmentfonds. Das liegt grob gesagt daran, dass Märkte keine Fehler machen im Gegensatz zu Fondsmanagern.

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Kostenvorteile für ETFs

Die Renditevorteile resultieren aber nicht nur aus dem Investment in einen ganzen Markt. Auch die hohen Kosten von aktiv gemanagten Aktien- und Rentenfonds spielen ETFs in die Hände. Während beispielsweise Dax-ETFs jährlich nur 0,1 bis 0,2 Prozent Kosten und auch keinen Ausgabeaufschlag erheben, berechnen aktiv gemanagte Aktienfonds mit Schwerpunkt Deutschland laut Mornigstar jährlich 1,5 bis 2,0 Prozent. Zudem addieren sich beim Kauf rund fünf Prozent regulärer Ausgabeaufschlag.

Das Problem: Um den Kostennachteil wieder hereinzuholen, gehen Fondsmanager oft höhere Risiken ein. Das kann, muss aber nicht zu einer besseren Performance führen. In der Realität schaffen es nur wenige aktiv gemanagte Fonds, dauerhaft besser zu performen als vergleichbare ETFs.

ETF nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen

Trotz vieler Pluspunkte sind Indexfonds aber kein "Rundumsorglos-Paket". So verfolgen ETFs stets ein starres Anlagekonzept, indem sie immer auf einen ganzen Markt setzen. Stürzt dieser ab, geht auch der ETF in die Knie. Aktiv gemanagte Fonds können sich dagegen schnell von Problem-Aktien oder -Branchen trennen oder einfach mehr Cash halten und so Kursverluste begrenzen.

Auch die Überbewertung einzelner Aktien kann problematisch für einen ETF sein. "Indizes setzen nicht auf die Qualität einzelner Aktien oder auf deren Unterbewertung, sondern auf schiere Größe. Das aber bedeutet häufig das Gegenteil, denn ein Index wählt die einzelnen Titel nach dem Börsenwert aus", erklärt Rainer Laborenz, Chef von Azemos Vermögensmanagement aus Offenburg. Sind zum Beispiel Technologie- und Telekomtitel besonders teuer, wie um das Jahr 2000 herum, kauft man im Index folglich einen besonders hohen Anteil davon.

Nach dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000 fielen Titel wie die Deutsche Telekom oder Intel jedoch ins Bodenlose, teilweise um mehr als 90 Prozent. Folge: Die entsprechenden Indizes erlitten überdurchschnittliche Kursverluste. Als Gegenstrategie empfiehlt sich eine Vermögensstreuung auf verschiedene, teils gegensätzliche Indizes.

Bonitätsrisiko

Viele ETFs investieren nicht in echte Aktien, sondern in beliebige Wertpapiere und Derivate. Diese Papiere garantieren aber lediglich stellvertretend die Renditen des Index. Das Problem: Mit echten Aktien kann man Börsenrückgänge aussitzen, bei synthetischen ETFs ist man dagegen abhängig von der Bonität des garantiegebenden Emittenten. Und dieser wiederum ist abhängig von den Emittenten seiner im ETF verbauten Derivate und Finanzprodukte.

Kollabieren die künstlichen Finanztitel, erlebt auch der ETF ein Fiasko, das Beispiel Lehman Brothers hat dies anschaulich gezeigt. Zu allem Überfluss dürfen ETF-Underlyings auch vom Emittenten beliehen werden, was die Sicherheit der Fonds weiter beeinträchtigt. Unter Sicherheitsaspekten sollten Anleger deshalb ETFs bevorzugen, die in echte Aktien investieren.

Hin und Her macht Taschen leer

Ein drittes Risiko besteht nicht im ETF selbst, sondern im Anlegerverhalten. Eine Studie aus dem Jahr 2013 mit dem Titel "The dark side of ETFs" belegt, dass Anleger, die erstmalig in ETFs investieren, sehr schlecht abschneiden. Der Grund: Die einfache und kostengünstige Handelbarkeit von ETFs verführt dazu, durch häufigen An- und Verkauf Gewinne erzielen zu wollen (Market Timing).

"Dies durchkreuzt aber die Grundidee passiver Indexfonds, die ja gerade darin besteht, Indizes nachzubilden und im Index längerfristig investiert zu bleiben, anstatt ständig hin und her zu handeln", betont der Münchner Vermögensverwalter Thomas Freiberger. Die mit dem ETF eingesparten Kosten würden so wieder aufgebläht. Außerdem kann falsches Market Timing zu Underperformance führen. Ein ETF sei letztlich nur ein Werkzeug. Das tollste Werkzeug nütze aber nichts, wenn man es falsch anwendet, so der Finanzexperte.

Fazit

Richtig angewendet, sind ETFs eine kostengünstige und chancenreiche Geldanlage. Wichtig ist, den Anlagezeitraum nicht zu kurz zu wählen und in einen ausgewogenen Markt zu investieren. Wer das Risiko des falschen Markt-Timings ausschließen möchte, der kann einen ETF-Sparplan betreiben. Der Vorteil: Geht der Markt nach unten, kauft der Anleger zu günstigeren Kursen neue ETF-Anteile. Dadurch kann sich unterm Strich ein besserer Einstandspreis ergeben als bei Einmalanlage. Dies beflügelt auch die Rendite.

Biallo-Tipp

Wer seine Geldanlage nicht vollkommen selbst gestalten will oder kann, für den sind die sogenannten Robo-Advisor eine geeignete Alternative. Hier gibt es die Vermögensverwaltung schon für unter einem Prozent pro Jahr - inklusive Transaktionskosten, ETF-Kosten, Konto- und Depotführung. Wie die Robos genau funktionieren, lesen Sie in unserem Artikel Robo-Advisor im Vergleich.

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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de