Wenn die Bank Ihnen kündigt

Darlehen Wenn die Bank Ihnen kündigt

Peter Rensch
von Peter Rensch
27.08.2018
Auf einen Blick
  • Ihre Bank kann Ihnen den Kreditvertrag kündigen, wenn Sie mit zwei Ratenzahlungen im Verzug sind.
  • Der Kündigung muss eine schriftliche Mahnung vorweggehen.
  • Verbraucherschützer raten: Informieren Sie die Bank rechtzeitig, wenn Sie in Zahlungsverzug kommen.
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Sie haben der Bank fehlerhafte Angaben zu Ihren Vermögensverhältnissen gemacht, Ihren Arbeitsplatz verloren, sind plötzlich schwer krank geworden oder Ihren Verpflichtungen einer fristgerechten Rückzahlung nicht nachgekommen?

Alles Gründe für die Bank, Ihnen den Kredit zu kündigen. Das kann im schlimmsten Fall fristlos und ohne große Erklärung sein. Meist dann, wenn ein grobes Fehlverhalten Ihrerseits vorliegt. Doch soweit muss es erst gar nicht kommen.

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Ein Fall aus der Praxis

Das Schreiben seiner Hausbank klang förmlich: Er wurde aufgefordert, innerhalb von 14 Tagen den noch ausstehenden Vertrag seines Verbraucherdarlehens auszugleichen. Wenn dies nicht fristgerecht geschehe, sehe sich die Bank gezwungen, den Vertrag zu kündigen.

Nach Ablauf der Frist traf dann tatsächlich das Kündigungsschreiben ein und der Betroffene wendete sich an das Gericht. Unter dem Aktenzeichen 3 W 96/04 entschied das Oberlandesgericht Celle zugunsten des Bankkunden mit der Begründung, das Schreiben sei nicht ausreichend präzise formuliert gewesen.  

Das klingt auf Sie sicherlich beruhigend, doch es gibt Fälle, in denen Banken berechtigt sind, Kreditverträge zu kündigen und innerhalb einer Frist die komplette Rückzahlung zu verlangen.

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Darlehensbetrag 10.000 €, Laufzeit 48 Monate

Wann Ihre Bank den Kredit kündigen darf  

Das Kündigungsrecht eines Darlehensgebers ist in Paragraf 498 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geregelt. Demnach darf die Kündigung eines gewährten Kredits dann ausgesprochen werden, wenn der Darlehensnehmer mit zwei Raten und zehn Prozent der Darlehenssumme in Verzug ist.

Beträgt die Laufzeit mehr als drei Jahre, reichen bereits fünf Prozent aus. Weitere Voraussetzungen, damit die Kündigung rechtens ist: eine schriftliche Mahnung mit einer Frist zur Begleichung der offenen Raten von 14 Tagen und ein Gesprächsangebot zur gemeinsamen Lösungsfindung.

Lesen Sie auch: Kredit ohne Schufa – Retter in der Not oder Betrug

Wann die Kündigung eines Verbraucherdarlehens unwirksam ist  

Laut Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe (Urteil vom 19. November 2013 - Az. 9 U 43/12) ist eine außerordentliche Kündigung des Verbraucherdarlehens durch den Darlehensgeber dann unwirksam, wenn in der zuvor versandten Mahnung eine zu hohe Forderung genannt wurde.  

In dem Fall konnte ein Darlehensnehmer aufgrund finanzieller Schwierigkeiten seine vertraglich vereinbarten Raten nicht mehr begleichen. Daraufhin mahnte dessen Bank schriftlich unter Fristsetzung den Gesamtrückstand an und drohte mit Kündigung, die dann nach Fristablauf auch ausgesprochen wurde. Weil jedoch die Bank in dem aufgeführten Gesamtrückstand auch unzulässig erhobene Rücklastschrift- und Mahngebühren aufführte, erachtete das OLG Karlsruhe die Kündigung als unwirksam. Begründung: Die Voraussetzungen nach den Vorschriften des BGB lagen nicht vor (Paragraf 498 Abs. 1 Ziff. 2 BGB).  

Vorbeugung einer Kreditkündigung  

Wie Ihre Bank reagiert, wenn Sie Ihre Raten nicht zahlen: Im ersten Schritt schickt Ihnen die Bank eine meist noch moderate Aufforderung, die offenen Raten zu begleichen. Spätestens dann sollten Sie reagieren und das Gespräch mit Ihrem Berater suchen. Denn nach einer weiteren erfolglosen Mahnung wird Ihre Bank die unverzügliche Rückzahlung der offenen Kreditsumme fordern.

Ein Sonderfall stellt die Kündigung eines Dispokredits dar. Diesen kann Ihre Bank mit einer Frist von 30 Tagen kündigen, ohne Angaben von Gründen. Falls die Bank eine berechtigte Annahme hat, dass Sie dauerhaft den in Anspruch genommenen Kreditrahmen nicht mehr begleichen können, etwa wenn Ihre monatlichen Einnahmen nicht mehr für eine Entschuldung ausreichen, ist sie berechtigt, den Vertrag sogar fristlos zu kündigen.

  • Biallo-Tipp: Informieren Sie Ihre Bank zeitnah, wenn Sie in finanzielle Schieflage geraten und legen Sie dar, wie Sie für Stabilität bei Ihren Finanzen sorgen werden. Wenn Sie die Ratenzahlung nicht mehr leisten können, gilt auch hier: den Bankberater kontaktieren. Vielleicht kann die Ratenzahlung kurzfristig verringert werden.  

Anpassung der Kreditkondition möglich  

Dazu Anja Smolarek, Sprecherin der Berliner Volksbank: "Eine Kreditkündigung erfolgt nicht aus heiterem Himmel. Grundsätzlich empfehlen wir Kunden, frühzeitig das Gespräch mit der Bank zu suchen, wenn sich finanzielle Schwierigkeiten abzeichnen und sie mit der Rückzahlung ihres Kredites in Verzug kommen. Mit einer frühen Beratung und gegebenenfalls einer Anpassung der Kreditkonditionen lassen sich auch unvorhergesehene Situationen meistern."  

  • Biallo-Tipp: Ein rechtzeitiges Bankgespräch kann auch einen negativen Schufa-Eintrag verhindern, damit Ihre Kreditwürdigkeit nicht noch mehr eingeschränkt wird. Oder nehmen Sie Kontakt mit einer neuen Bank auf und besprechen Sie eine mögliche Umschuldung.  

Ziehen Sie einen Experten hinzu

Marcus Köster, Rechtsanwalt der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät dazu, einen Experten hinzuzuziehen, wenn eine Einigung mit der Bank unsicher erscheint: "In jedem Fall kann und sollte der Kunde sich beraten lassen, wenn er Zweifel an der Kündigung hat. Eine Beratungsstelle in seiner Nähe findet der Verbraucher auf unseren Internetseiten."

Ist eine Kündigung wegen Zahlungsverzuges rechtmäßig erfolgt und bestehen zudem vielleicht auch noch weitere Verpflichtungen, die nicht eingehalten werden können, empfiehlt der Experte eine – für den Verbraucher kostenfreie – anerkannte Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung aufzusuchen. 

Komplexer kann es bei der Kündigung einer Baufinanzierung werden. Um einer möglichen Zwangsversteigerung entgegenzuwirken, sollten Sie sich unbedingt anwaltlichen Rat einholen und Kreditvertrag sowie Kündigung prüfen lassen. Alternativen: bei einer anderen Bank eine Baufinanzierung beantragen oder die Option eines Verkaufs der Immobilie in Erwägung ziehen.

Lesen Sie auch: Bürgschaft – Was Schuldner und Bürgen wissen müssen

Biallo-Tipp

Transparenz gegenüber Ihrer Bank ist hilfreich, wenn Sie befürchten, fällige Kreditraten nicht mehr zahlen zu können. Ein Gespräch mit dem Berater kann auf eine drohende Kreditkündigung positiv wirken. Wenn diese bereits schriftlich erfolgte, sollten Sie Expertenrat, beispielsweise bei der Verbraucherzentrale, einholen.

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ist gelernter Bankkaufmann und war zuletzt sieben Jahre Chefredakteur bei Springer Fachmedien in Wiesbaden. Dort war er verantwortlich für die Print- und Online-Objekte Bankmagazin, Bankfachklasse und SalesBusiness. Seit 2011 ist er freier Journalist und hat sich auf Finanz- und Verbraucherthemen spezialisiert.

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ist gelernter Bankkaufmann und war zuletzt sieben Jahre Chefredakteur bei Springer Fachmedien in Wiesbaden. Dort war er verantwortlich für die Print- und Online-Objekte Bankmagazin, Bankfachklasse und SalesBusiness. Seit 2011 ist er freier Journalist und hat sich auf Finanz- und Verbraucherthemen spezialisiert.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de