Ausmisten und Aufräumen – mit Methode
In den Tiefen der Schränke und Kommoden, in Abstellkammern, Kellern, Dachböden und Garagen sammeln sich so immer mehr Dinge an, die wir nie verwenden und deren Existenz wir teilweise längst vergessen haben. Irgendwann kann einem das über den Kopf wachsen, zur Belastung des eigenen Lebens, aber auch der Partnerschaft werden.
Die Marie Kondo Methode
Wer schließlich vor der Größe der Aufgabe kapituliert, braucht Hilfe und Beratung. Das hat Marie Kondo erkannt und eine erfolgreiche Methode gegen das Chaos in – offenbar – Millionen Haushalten entwickelt. Sie nennt sich KonMari und unterscheidet sich von üblichen Aufräummethoden vor allem dadurch, dass sie sich nicht Zimmer für Zimmer vorarbeitet, wie man das üblicherweise tut, sondern nach Kategorien in folgender Reihenfolge:
- Kleidung
- Bücher
- Papierkram
- Küche, Bad und alle anderen Räumlichkeiten wie Keller und Garage
- emotional aufgeladene Dinge wie Fotos, Briefe, Urlaubserinnerungen, Geschenke et cetera
Dabei ist es essentiell, alle Dinge einer Kategorie, beispielsweise in diversen Zimmern verteilte Klamotten, auf einen Haufen zu legen. Das löst bei vielen erstmal einen – heilsamen – Schock über die Menge aus. Dann nimmt man jedes Teil in die Hand und fragt sich, ob es "Freude entfacht". Nur das darf bleiben.
Aufräum-Hype kam mit Mari Kondo
Auch vor Marie Kondo gab es bereits sehr erfolgreiche Ratgeber, die beim Thema Aufräumen und Ausmisten das ganze Leben in den Blick nahmen etwa der Theologe Werner Tiki Küstenmacher mit seinem 2001 erschienenen Bestseller "Simplify your life". Aber auch viele Einrichtungstrends wie Feng-Shui, der bereits in den 1920er Jahren entwickelte Purismus oder der gerade so aktuelle Minimalismus basieren auf der wohltuenden Wirkung einer aufgeräumten Umgebung und möglichst weniger Besitztümer.
Trotzdem löste erst Marie Kondo einen wahren Aufräum-Hype aus. Seit dem Start ihrer Netflix-Serie 2019, in der man sie in Aktion in amerikanischen Haushalten erlebt, explodierte in den sozialen Netzwerken das Thema Aufräumen und Ausmisten. Wer nach Ideen und effektiven Methoden sucht, um den Haushalt auf Vordermann zu bringen, findet dazu mittlerweile hunderte Einträge von Blogs bis Videos.
Fräulein Ordnung, KonMari & Co: Professionelle Hilfe beim Aufräumen
Da Marie Kondo nicht selbst weltweit vor Ort sein kann, bilden ihre Mitarbeiter inzwischen "KonMari-Consultants" aus. Nach einem dreitägigen Kurs für um die 2.500 US-Dollar in New York oder London, einer gewissen Anzahl von Aufräumstunden samt Protokoll und Fotodokumentation sowie einer jährlichen Lizenzgebühr von 500 Dollar wird man zum zertifizierten KonMari-Aufräumprofi.
KonMari Consultants in Deutschland
Über 200 haben das bereits geschafft, in Deutschland sind es allerdings bislang nur fünf:
- Jasmine Dünker (Köln)
- Béa Bänziger (Frankfurt)
- Patricia Behrens (Hamburg)
- Corinna Rose (Berlin)
- Anika Schwertfeger (Berlin)
Fräulein Ordnung hilft beim Aufräumen
Doch das Geschäftsmodell lässt sich natürlich kopieren. Die deutsche Version könnte Denise Colquhoun werden. Als "Fräulein Ordnung" betreibt sie einen äußerst erfolgreichen Blog, hat vier Bücher zum Thema veröffentlicht, darunter "Besser aufräumen, freier leben", und fährt auch weiterhin als "Professional Organizer" zu ihren Kunden nach Hause. Dabei folgt sie – anders als Marie Kondo – nicht stur einem bestimmten Ablauf, sondern geht auf individuelle Wünsche ein. Ist die Küche am dringlichsten, wird eben dort mit dem großen Räumen begonnen. Inspirieren lassen kann man sich davon auch auf Youtube, denn bei einigen Aufträgen war die Kamera dabei.
Hilfe vom AufräumCoach
Wer sich durch die Flut der Ratgeber, Dokus und Blogs wie etwa "Ordnungsliebe" gearbeitet hat und trotzdem mit seinem Chaos nicht fertig wird, kann sich inzwischen fast überall in Deutschland professionelle Hilfe holen. Neben Fräulein Ordnung beispielsweise bei Rita Schilke in Berlin. Sie hat ebenfalls ein Buch verfasst, "Die 50 besten Chaos-Killer für Familien", gibt Tipps für mehr Ordnung auf ihrem Blog "AufräumCoach" und hilft ihren Kunden auch persönlich beim Lichten des Chaos. Viele weitere professionelle Aufräumexperten in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz findet man beim Netzwerk "OrdnungsService.com" sowie einen weiteren Blog zum Thema.
Wie viel kostet ein Aufräumcoach?
Die Unterstützung durch einen professionellen Aufräumcoach ist allerdings nicht ganz billig. Mit etwa 70 Euro in der Stunde sollte man da schon rechnen. Viel Geld, das man vielleicht lieber in neue Ordnungshüter oder eine Belohnung nach getaner Arbeit investieren könnte.
Ausmisten Tipps: Aussortieren mit System
Denn Motivation ist bei der ganzen Sache das Wichtigste. Deshalb sollte man sich, bevor es losgeht, erstmal gründlich überlegen, wie viel Zeit dafür zur Verfügung steht, wo es am meisten brennt und für was die eigene Energie ausreicht. Denn gleich das ganze Haus nach der KonMari-Methode auf den Kopf zu stellen, ist nicht jedermanns Sache.
Nehmen Sie sich überschaubare Aufgaben vor
Vor allem wenn die Zeit begrenzt ist und man am Abend eine Sache abgeschlossen haben möchte, ist es besser, sich überschaubare Aufgaben vorzunehmen, etwa den Schreibtisch, den Kleiderschrank oder das Badezimmer.
Fragen Sie sich: Brauche ich das wirklich noch?
Einen Rat von Marie Kondo und vielen anderen Ordnungsspezialisten sollte man allerdings beherzigen, nämlich jedes Ding in die Hand zu nehmen und sich ernsthaft zu fragen, ob man es noch braucht oder ob es eben "Freude entfacht". Hilfreich ist dabei die Methode der drei Kisten für Behalten, Ausmustern, Überlegen. Die Wackelkandidaten kann man dann erstmal an einen Abstellort verfrachten. Hat man nach einem Jahr noch nichts davon vermisst, ist die Sache entschieden. Bei Kleidung hilft für die Zukunft ein simpler Trick: Man hängt zunächst alle Kleiderbügel umgekehrt, mit der offenen Seite nach vorn, in den Schrank. Jedes getragene Teil wird wieder richtig herum aufgehängt. So sieht man schnell, was man nach einer Saison oder einem Jahr nicht gebraucht hat.
In einem weiteren Ratgeber von uns lesen Sie, wie man mit Fair Fashion, Secondhand, Klamottentausch, Upstyling & Co. einen Weg aus der Wegwerfkultur findet.
Aussortieren: Kaputte Dinge richtig entsorgen
Am besten unterscheidet man gleich beim Aussortieren zwischen Dingen, die noch in Ordnung sind, und solchen, die in den Müll gehören. Da stellt sich allerdings häufig die Frage: In welchen? Kabel in den Restmüll? Kaputtes Plastikspielzeug in die Gelbe Tonne? Eindeutig ist es bei Papierkram, Zeitschriften und alten vergilbten Büchern: Sie wandern in die Blaue Tonne. Kaputtes Kinderspielzeug, auch wenn es aus Plastik ist, gehört entweder in den Restmüll oder, wenn es Batterien enthält, zu den elektrischen Kleingeräten auf den Wertstoffhöfen, die Batterien separat in die entsprechende Sammelbox. Auch die Kiste mit den Kabeln, von denen man keine Ahnung mehr hat, wozu sie gehören, kann man hier abgeben, denn sie enthalten recycelbare Wertstoffe wie Kupfer. Handys, Laptops und Computer stecken ebenfalls voller wertvoller Rohstoffe und sollten auf keinen Fall im Müll landen.
Was gehört zum Sperrmüll?
Da es zwischen den Bundesländern, aber auch den einzelnen Abfallwirtschaftsunternehmen Unterschiede gibt, was auf den Wertstoffhöfen, speziellen Sammelstellen oder dem Sperrmüll angenommen wird, sollte man hier vorsichtshalber nachfragen. Das gilt auch für CDs, DVDs, Blurays und CD-Rohlinge, die sicher nicht mehr bespielt werden, denn sie enthalten hochwertiges recycelbares Polycarbonat, aus dem neue Datenträger hergestellt werden können. Aus kaputter Kleidung und Haushaltstextilien wie Bettwäsche lassen sich noch Dämmstoffe oder Flickenteppiche herstellen. In Landkreisen und Kommunen, die dafür Abnehmer haben, darf man sie deshalb in die Kleidercontainer auf den Wertstoffhöfen werfen. Hier gilt es auf die entsprechenden Aufschriften zu achten. Ist das nicht der Fall, gehören sie in den Restmüll.
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Nachhaltigkeit: Zu schade für den Müll?
In der Welt von Marie Kondo ist es wichtig, sich bei den Dingen, die man aussortiert, für ihre Dienste zu bedanken. Das beruht wohl auch auf der Vorstellung des japanischen Shintoismus, alles auf der Welt – auch die unbelebten Dinge – seien beseelt. Bei der Ordnungs-Ikone war es das dann aber auch. Was mit den Bergen aussortierter Sachen anschließend passiert, interessiert sie nicht weiter. Wirkliche Wertschätzung bedeutet aber, den Gegenständen eine möglichst lange Nutzungsdauer zu schenken. Denn ihre Produktion hat ja eine Menge Ressourcen verbraucht und CO2 verursacht.
Für die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts fallen beispielsweise durchschnittlich 2.495 Liter Wasser an, für eine Jeans gar 6.000 Liter – und die Baumwolle dafür wächst meist in Ländern wie Usbekistan, Indien und China, wo Wasser zunehmend Mangelware ist. Der Trend zur "Fast Fashion", also Mode als billige Wegwerfware zu betrachten, ist insofern ein fatales Signal. So ist es auch aus Gründen der Nachhaltigkeit richtig, ungenutzte Dinge nicht herumliegen zu lassen, sondern auszumisten – könnten sie doch andernorts noch "Freude entfachen".