Ratgeber der Woche

Fair statt Fast Fashion: Mode verantwortungsvoll konsumieren

26.06.2020
Auf einen Blick
  • Umweltverschmutzung, gigantischer Ressourcenverbrauch, menschenverachtende Arbeitsbedingungen – die Modebranche gilt mittlerweile als eines der ökologisch und moralisch schmutzigsten Geschäfte der Welt.

  • Doch das Bestreben um eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft ist da. Die Nachfrage nach fair hergestellter Kleidung und Öko-Siegeln wächst und immer mehr werden innovative Recycling-Fasern verarbeitet.

  • Wir zeigen wie man mit Secondhand, Klamottentausch, Upstyling & Co. einen Weg aus der Wegwerfkultur findet.

  • Als zusätzlichen Service erhalten Sie den gesamten Ratgeber auch als PDF.
Wegwerfware Kleidung: Besser Fair als Fast Fashion kaufen.
PhotoSGH/shutterstock.com

Unser Ratgeber der Woche in der Kurzfassung

Mode verantwortungsvoll konsumieren

Bekleidungsketten wie Zara oder H&M locken ihre modebewussten Kunden mit bis zu 24 neuen Kollektionen pro Jahr in die Läden. Doch die schnell konsumierte Fast Fashion hat einen hohen Preis. Umweltverschmutzung, gigantischer Ressourcenverbrauch, menschenverachtende Arbeitsbedingungen und CO2-Emmissionen, die mit jährlich 1.458 Millionen Tonnen höher sind als die des gesamten Flug- und Schiffsverkehrs vor der Corona-Krise - die Modebranche gilt mittlerweile als eines der ökologisch und moralisch schmutzigsten Geschäfte der Welt. Das ist der Preis für die Produktion von jährlich über 100 Milliarden Kleidungsstücken, die eigentlich kaum jemand wirklich braucht. Allein in deutschen Schränken liegen nach einer Studie im Auftrag von Greenpeace zwei Milliarden davon herum, die so gut wie nie getragen werden. Doch möglicherweise findet gerade durch die erzwungene Shopping-Pause während des Shutdowns ein Umdenken statt. Das legt zumindest eine Umfrage der Boston Consulting Group nahe, nach der 35 Prozent der Konsumenten vermehrt Kleidung von Unternehmen kaufen wollen, die sich nachhaltig verhalten.

Fair hergestellte Kleidung

Zwischen Kiel und Konstanz gibt es etwa 200 Läden für ausschließlich fair hergestellte Bio-Kleidung. Ihre Adressen findet man beispielsweise im Einkaufsratgeber Textilien von Greenpeace, auf getchanged.net, bei Femnet, Naturtextil und Buy good stuff. Außerdem haben viele Kommunen Führer zum nachhaltigen Einkauf herausgegeben. Darüber hinaus bieten auch große Handelshäuser wie Peek & Cloppenburg zunehmend faire Modemarken an wie etwa das Kölner Label Armed Angels oder Nudie-Jeans. Und auch Online haben sich eine große Anzahl an Shops von Avocadostore bis Zündstoff auf fair und ökologisch hergestellte Klamotten spezialisiert.

Siegel für faire und ökologische Kleidung

Unter dem Druck von Politik und Nichtregierungsorganisationen nehmen immer mehr Unternehmen Kursänderungen vor. So haben unter anderem H&M, C&A, Zara, Mango, Puma und Adidas im Rahmen der Detox-Kampagne von Greenpeace Gifte weitgehend aus ihrer Produktion verbannt. Ihre Bemühungen vermarkten viele mit eigenen Labeln etwa der "Conscious-Collection" von H&M oder Bio-Etiketten, die allerdings nur etwas über den Anbau der Fasern, nicht aber über den Herstellungsprozess aussagen. Verlässliche, durch unabhängige Zertifizierungsstellen kontrollierte Siegel sind dagegen Made in Green, GOTS und IVN Best. Bei Der blaue Engel, Bluesign, Cradle to Cradle und dem EU-Ecolabel steht die Ökologie im Vordergrund. Bei den sozialen Standards schneiden sie dagegen mäßig ab. Der Oeko-Tex Standard 100 sagt nur etwas über die Schadstoffrückstände im Endprodukt aus. 2019 eingeführt bezieht sich der staatliche Grüne Knopf bislang nur auf das Färben und Nähen und basiert auf bereits verliehenen Siegeln wie dem GOTS. Problematisch ist außerdem, dass in Europa hergestellte Waren das Label automatisch erhalten, obwohl die Produktionsbedingungen in Osteuropa einer von Brot für die Welt und der Clean Clothes Campaign in Auftrag gegebenen Studie zufolge ähnlich katastrophal sind wie in Asien.

Nutzen, was schon da ist

Am nachhaltigsten ist es allerdings, möglichst wenig zu kaufen und das Vorhandene länger zu tragen. Nach Berechnungen der englischen Organisation WRAP reduziert sich alle neun Monate der Verbrauch eines Kleidungsstücks an Wasser, CO2 und Abfall um 20 bis 30 Prozent. Die Lust auf Neues kann man dennoch in Second-Hand und Vintage-Läden, bei Tauschpartys oder mit Leasing-Klamotten stillen.

Bekleidungsketten wie Zara oder H&M locken ihre modebewussten Kunden mit bis zu 24 neuen Kollektionen pro Jahr in die Läden. Doch die schnell konsumierte Fast Fashion hat einen hohen Preis.

Es gibt wohl kaum ein schlichteres Kleidungsstück als ein T-Shirt. Es braucht weder Knöpfe noch Reißverschluss, Futterstoff oder Kragen. Trotzdem reist es während seiner Herstellung vom Baumwollanbau bis in unsere Fußgängerzonen mit rund 18.000 Kilometern einmal um die halbe Welt. Dabei entstehen Treibhausgase in 50facher Höhe des Eigengewichts: für 220 Gramm Stoff rund elf Kilogramm CO2. Für die Bewässerung der Baumwollfelder in regenarmen Gegenden wie Burkina Faso, Usbekistan oder Indien sowie die verschiedenen Verarbeitungsschritte wie das Reinigen und Färben verbraucht das unscheinbare T-Shirt durchschnittlich 2.495 Liter Wasser. Außerdem wird für die schädlingsanfällige, in Monokulturen angebaute Baumwolle ein Viertel der weltweit verbrauchten Pestizide eingesetzt. Das T-Shirt ist mit 150 Gramm dabei. Zum Färben und Veredeln der Fasern stehen 4.000 Farben und 7.500 Chemikalien zur Verfügung, die in den Produktionsländern Böden, Flüsse und Grundwasser belasten und Gesundheitsschäden verursachen können. Diese Zahlen belegen verschiedene Studien unter anderem des Entwicklungsministeriums.

Lesen Sie auch: Ausmisten und sinnvoll verwerten

Doch damit nicht genug. Unser T-Shirt trägt noch mehr Ballast mit sich herum: die häufig menschenverachtenden Arbeitsbedingungen all jener, die es produzieren. Schichten von bis zu 15 Stunden an sechs bis sieben Tagen in der Woche, mangelnder Gesundheits- und Kündigungsschutz im Fall von Krankheit oder Schwangerschaft und Löhne, die weit unter dem Existenzminimum liegen, sind für die Mehrheit der rund 75 Millionen Textilarbeiter/innen normaler Alltag.

Das Bündnis für nachhaltige Textilien

Als am 24. April 2013 in Bangladesch das Fabrikgebäude Rana Plaza einstürzte, starben 1.129 Menschen, 2.500 wurden teils schwer verletzt. Die Reportagen und Bilder vom Unglücksort führten der ganzen Welt vor Augen, unter welchen Umständen unsere Kleidung dort produziert wurde.

Für Bundesentwicklungsminister Gerd Müller war dies ein "Weckruf", der zur Gründung des Bündnisses für nachhaltige Textilien führte. Die mittlerweile 120 Mitglieder aus Wirtschaft, Gewerkschaften, NGOs, Verbänden und Politik setzen sich dafür ein, "die menschenrechtliche Lage entlang der Liefer- und Wertschöpfungsketten weltweit zu verbessern". So wurden in Asien 67 Millionen Euro in die Aus- und Fortbildung für Arbeitssicherheit, in Unfallversicherungen, Feuerwachen und Techniken zur Wassereinsparung investiert. Tiefgreifende Änderungen wird es aber nur geben, wenn die umsatzstarken Modeketten und -marken bei ihren Lieferanten soziale Standards durchsetzen, höhere Lohnkosten in Kauf nehmen, die Weitergabe von Aufträgen an unbekannte Subunternehmer verbieten und Verantwortung für ihre gesamte Lieferkette übernehmen.

Wem das Thema Nachhaltigkeit wichtig ist, der kann auch mit den eigenen Bankgeschäften zu Klimaschutz beitragen und für eine gute Zukunft sorgen: Nachhaltige Banken bieten "grüne" Girokonten mit denen man Gutes tut.

Lesen Sie auch: Nachhaltiges Crowdinvesting – Mehr als nur gute Rendite

Rechner kreditkarten
3
Kreditkarten
 
Karte
Anbieter
Jahresgeb.
Sollzinssatz
 
1.
VisaCard
0,00 €
6,74%
2.
comdirect VISA-Karte
0,00 €
6,5%
3.
Genial Card
0,00 €
12,82%
mit Girokontenbindung

Positive Entwicklungen in der Modebranche

Doch es gibt auch Lichtblicke in der Modebranche. Nachdem Greenpeace jahrelang hohe Konzentrationen von Giftstoffen in den Abwässern der Textilfabriken nachgewiesen hatte, gründete die Organisation 2011 die Detox-Kampagne.

Unternehmen, die sich ihr anschlossen, verpflichteten sich bis 2020 elf gefährliche Chemikalien-Gruppen aus der Produktion zu eliminieren. Bereits fünf Jahre später hatten der Zara-Mutterkonzern Inditex, H&M und Benetton dieses Ziel weitgehend erreicht. Die regelmäßigen Überprüfungen und Veröffentlichungen von Greenpeace über den aktuellen Stand führten weltweit immer wieder zu Protesten von Konsumenten beispielsweise vor Stores von Adidas und G-Star Raw. Inzwischen ist mit den 26 Textilherstellern rund um Prato in Italien eine ganze Region mit an Bord sowie 54 weitere Unternehmen darunter 19 Modefirmen, sieben Discounter, drei Outdoor-Marken und viele Textillieferanten. Gemeinsam stehen sie für 15 Prozent der globalen Textilproduktion. Das hat eine starke Signalwirkung auf die übrigen Wettbewerber und setzt zudem einen gewissen Automatismus in Gang. Denn hat eine Fabrik erst einmal gefährliche Chemikalien ausgemustert, wird sich daran auch für Aufträge von anderen, nicht an der Kampagne beteiligten, Firmen etwas ändern.

Lesen Sie auch: Was das Klimaschutzpaket für Verbraucher bedeutet

Mit nachhaltigen Fasern gegen Wegwerfware

Darüber hinaus gibt es in der Branche Bestrebungen, eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft aufzubauen. Ein paar Beispiele: C&A, der weltweit größte Abnehmer von zertifizierter Bio-Baumwolle, arbeitet mit der Initiative "Fashion for Good" an der Implementierung einer "Circular Fashion". H&M fertigt bereits ein Drittel der Waren aus nachhaltig hergestellten Fasern, bis 2030 soll das auf das gesamte Sortiment ausgeweitet werden, unter anderem mit recycelten Fasern aus Altkleidern. Der Outdoor-Ausrüster Patagonia verwendet bereits seit Anfang der 90er Jahre Recycling-Polyester, das aus Plastikflaschen, Stoffresten und Altkleidern gewonnen wird, und deckt damit mittlerweile 80 Prozent des Bedarfs. Auch bei Esprit heißt es: "Wir möchten weg von einer linearen Wirtschaft und einer Wegwerfkultur. Und hin zu einer Kreislaufwirtschaft, in der wir respektvoll mit Rohstoffen umgehen." Derzeit kommen 40 Prozent des Materialbedarfs bei Esprit aus nachhaltigen Quellen. Das Ziel heißt 100 Prozent. Adidas bringt 2021 mit dem "Futurecraft.loop" den ersten komplett recycelfähigen Laufschuh auf den Markt. Er kann problemlos in seine Einzelteile zerlegt werden, aus denen ein neuer Performance-Schuh entsteht.

Lesen Sie auch: Ein zweites Leben für Smartphone, Tablet & Co.

Außerdem kommen derzeit – dank innovativem Forschergeist – immer neue nachhaltige Fasern auf den Markt. So gibt es: Taschen, Schuhe und Kleidung aus einem veganen "Fruchtleder", das aus Ananasblättern gefertigt wird, Viskose aus Meeresalgen, Eukalyptusholz ("Lyocell") oder zertifizierten Holzquellen ("EcoVero"), Fasern aus Rohmilch-Abfällen oder ausgemusterten Teppichen und Fischernetzen ("ECONYL"). Am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung arbeiten im Pilotprojekt "DiTex" Wissenschaftler und Partner aus der Wirtschaft daran, bei recycelten Fasern die gleiche Qualität wie bei Neuware zu erreichen. Eine erste Testphase mit Berufskleidung samt genauer Dokumentation der Lebensdauer ist bereits angelaufen.

Aber die Corona-Krise könnte der Branche einen Umsatz-Einbruch von 30 Prozent bescheren. Da werden bei manchen Firmen eingeleitete Initiativen für mehr Ökologie und höhere Sozialstandards in den Hintergrund treten. Doch sie sind wichtiger denn je, wie eine neue Studie der Boston Consulting Group (BCG), Sustainable Apparel Coalition (SAC) und dem Technologieunternehmen Higg Co. belegt, "um auf dem Markt, der nach der Pandemie entstehen wird, wettbewerbsfähig zu sein. Während Nachhaltigkeit in einigen Bereichen der Branche in Gefahr ist, werden Unternehmen, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben, auf der anderen Seite der Pandemie zu den Anführern einer wiederauflebenden Modeindustrie gehören", so die Analyse der Forscher.

Rechner giroonline
3
Online-Girokonto
 
Anbieter
Monatspreis
Dispozinsen
Jahrespreis
Girocard
 
1.
0,00 €
Sofortdispo 6,65%
0,00 €
2.
  0,00 €
Sofortdispo 6,99%
0,00 €
ING
3.
0,00 €
Sofortdispo 7,25%
0,00 €

Wegweiser durch den Siegel-Dschungel

Ihre nachhaltigen Kollektionen kennzeichnen die Hersteller mit eigenen Labeln wie "WearTheChange" (C&A), "We Care" (s.Oliver), "I am sustainable" (Esprit), "Join Life" (Zara), "Committed Collection" (Mango) oder "Gut Gemacht" (Tchibo). Ob es sich dabei eher um Imagepflege und Greenwashing oder tatsächlich ökologisch und fair produzierte Waren handelt, lässt sich für den Laien kaum feststellen. Das wäre eine Aufgabe für das Vergleichsportal "Siegelklarheit", welches aus einem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) initiierten und finanzierten Projekt hervorgegangen ist. Doch leider findet man dort nur die unabhängigen Siegel, die auch andere Führer wie der "Kompass Gütesiegel" von Ökotest, der Einkaufsführer Textilien von Greenpeace oder der "Wegweiser durch das Label-Labyrinth" der Christliche Initiative Romero (CiP) auflisten. Die wichtigsten Siegel für Textilien sind:

  • GOTS – Global Organic Textile Standard: Das Siegel zertifiziert biologisch hergestellte Naturtextilien. Ihr Anteil muss bei mindestens 70 Prozent liegen, bis zu 30 Prozent dürfen Recyclingfasern auch aus Polyester sein. Die Sozialstandards richten sich nach den Normen der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO). Existenzsichernde Löhne und Versammlungsfreiheit sind nicht enthalten. Der GOTS regelt und überprüft die gesamte Produktionskette vom Anbau bis zur fertigen Textilie. Die Kontrollen führen unabhängige Dritte durch.

  • IVN Best: Das Siegel des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft ist das die Ökologie betreffend strengste Label. Die Beimischung von Kunstfasern ist nicht erlaubt, so dass die Produkte vollkommen biologisch abbaubar sind. Verlangt werden die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen sowie existenzsichernde Löhne. Die Überprüfung findet durch unabhängige Zertifizierungsstellen und Umweltlabore statt. Für jedes Kleidungsstück lässt sich der gesamte Entstehungsprozess nachverfolgen.

  • Öko-Tex – Made in Green: Die Produktion wird nach den strengen Regeln des "Sustainable Textile Production" (STeP) hinsichtlich Chemikalien- und Umweltmanagement, Arbeitssicherheit, Qualitätsmanagement und sozialer Verantwortung überprüft. Existenzsichernde Löhne werden allerdings lediglich empfohlen. Die Überprüfung erfolgt durch Mitglieder von Öko-Tex, einem Zusammenschluss von 16 Forschungs- und Prüfinstituten. Man erhält einen Überblick über den Herstellungsprozess mittels ID/QR-Code am Produkt.

Weitere vertrauenswürdige Siegel sind Bluesign, Cradle to Cradle, Der Blaue Engel, EU-Ecolabel, Fairtrade Textilstandard, Fair Wear Foundation und Global Recycled Standard, die jedoch Ökologie und Fairness unterschiedlich gewichten.

Staatliches Siegel Grüner Knopf

Das erste staatliche Siegel, der Grüne Knopf von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, startete 2019 mit 27 Teilnehmern darunter Aldi, Lidl, Kaufland, Rewe, Tchibo, Hess Natur und Vaude. Die Unternehmen müssen zunächst nur in den Bereichen "Zuschneiden und Nähen" sowie "Bleichen und Färben" 46 Sozial- und Umweltkriterien einhalten. Erst in den nächsten Jahren sollen der Bereich "Spinnen und Weben" und als letztes die "Faserproduktion/Baumwollanbau" hinzukommen. Grundlage für die Unternehmenskriterien sind die Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte. Diese enthalten aber nur die Bezahlung des Mindestlohns, der in keinem der Produktionsländer zum Leben reicht.

Geradezu skandalös ist, dass in Europa hergestellte Kleidung den Grünen Knopf automatisch verwenden darf. Denn der Bericht "Ausbeutung Made in Europe" von Brot für die Welt und Clean Clothes Campaign belegt, dass "die Kluft zwischen dem tatsächlichen Lohn und einem Basis-Existenzlohn in Europa tendenziell größer ist als in Asien". Das Siegel sagt also weder über faire Produktionsbedingungen noch über die Ökologie etwas aus, könnte es doch "auf einem T-Shirt aus pestizidbehandelter Gentechnik-Baumwolle kleben", so Viola Wohlgemuth, Konsum-Expertin bei Greenpeace.

Lesen Sie auch: Grüne Geldanlage– Nachhaltige Fonds und ETFs mit hohen Renditen

Langlebige Kleidung – weniger kaufen, länger tragen

Ob Fast oder Fair Fashion – am nachhaltigsten ist es natürlich weniger zu konsumieren und die Sachen länger zu tragen. Das funktioniert allerdings nur, wenn man schon beim Klamotten-Kauf auf Langlebigkeit achtet. Prinzipiell lohnt es sich vor allem bei zeitlosen Basics wie Jeans, T-Shirts, Blazer beziehungsweise Sakko, Pullovern und Cardigans in Qualität zu investieren.

Einige Unternehmen haben sich besonders der Langlebigkeit verschrieben. So gibt der Brite Tom Cridland auf seine klassischen Hosen, Jackets, T-Shirts und Sweatshirts eine Garantie von 30 Jahren. Das amerikanische Unternehmen Lands' End verwöhnt seine Kunden sogar mit einer zeitlich unbegrenzten "Zufriedenheitsgarantie". Da bei Männerhemden immer zuerst der Kragen durchscheuert, ist der bei der Upcycling-Firma Aluc austauschbar, bei Brainshirt kann man Hemden nach drei Jahren einschicken und bekommt sie mit neuem Kragen und Manschetten zurück. Bei der nächsten Retoure nach weiteren drei Jahren erhält man einen Gutschein von zehn Euro und aus den intakten Hemdenteilen entstehen neue Hemden in buntem Patchwork. Bei Nudie, den 16 "Tailor-Shops" von Levi's und bei Gant kann man Jeans reparieren lassen, bei Esprit sämtliche dort gekauften Klamotten und in den durch die Städte tourenden "Worn Wear-Mobilen" von Patagonia wird kostenlos alles geflickt egal von welcher Marke.

Und selbst, wenn die hochwertigen Klamotten irgendwann nicht mehr passen oder gefallen und ausgemustert werden, können sie dank der Qualität noch anderen Freude bereiten – im Gegensatz zur billig produzierten Fast Fashion, die nach ein paar Waschgängen verschlissen aussieht. Diese Erfahrung machen sowohl professionelle als auch karitative Verwerter von Altkleidern. "Über 50 Prozent der Sachen sind nicht mehr tragbar", stellt etwa Thomas Ahlmann vom Dachverband Fairwertung, einem Zusammenschluss von über 130 gemeinnützigen Altkleider-Sammelorganisationen, fest.

Rechner topfondsauf
3
Aktienfonds Ökologie/Ethik
 
Name
ISIN
Wertzu-
wachs p.a.
 
1.
green benefit Global Impact Fund P
LU1136260384
24,94 %
Zum Chart
2.
ERSTE WWF Stock Environment R01 A
AT0000705660
18,96 %
Zum Chart
3.
AB FCP I Sust. US Them. Pf. B USD
LU0124677880
15,47 %
Zum Chart
Laufzeit: 5 Jahre

Slow Fashion – Kleidung leihen, tauschen, secondhand kaufen

Seit der Jahrtausendwende hat sich die Anzahl der weltweiten Kleidungskäufe auf mehr als 100 Milliarden Stück verdoppelt, während sich die Tragedauer halbiert hat. Durchschnittlich kauft jeder Deutsche jährlich 60 neue Teile, obwohl wir laut einer Umfrage von Greenpeace rund 40 Prozent unserer Klamotten selten oder nie tragen. Das summiert sich auf rund zwei Milliarden praktisch neuer Kleidungsstücke, die in unseren Schränken ungenutzt herum liegen. Daneben wird aber auch fleißig aussortiert. Bei der Erhebung von Greenpeace gab jeder zweite an, Klamotten und Schuhe innerhalb eines Jahres auszumustern, die andere Hälfte macht dies spätestens nach drei Jahren. Insgesamt kommen so jährlich eine Million Tonnen Altkleider zusammen, die größtenteils im Müll oder Sammel-Containern landen. Nur ein kleiner Teil wird im Bekanntenkreis weitergegeben, an karitative Organisationen gespendet oder verkauft.

Bedenkt man den gewaltigen Aufwand an Ressourcen, Arbeitskraft und Emissionen, der allein in der Produktion eines T-Shirts steckt, sollte man es nicht achtlos entsorgen, sondern ihm eine möglichst lange Lebenszeit bescheren. Denn nach Berechnungen der englischen Organisation WRAP verringert sich alle neun Monate der Verbrauch an CO2, Wasser und Abfall eines Kleidungsstücks um 20 bis 30 Prozent. Auf Abwechslung muss man dennoch nicht verzichten.

Secondhand-Mode

Auf Flohmärkten und in Secondhand-Läden gibt es ein riesiges Angebot an Vintage-Kleidung. Kauft man die in einem der Shops der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam, in einem Sozialkaufhaus oder bei einer karitativen Organisation, unterstützt man nebenbei auch noch einen guten Zweck. Und natürlich kann man dort auch gut erhaltene Sachen aus dem eigenen Kleiderschrank abgeben, anstatt sie in einen Container zu werfen. Denn der Inhalt landet häufig in Afrika oder Südamerika mit negativen Folgen für deren heimische Märkte.

Und auch bei einigen auf Nachhaltigkeit bedachten Marken wie Filippa K und Gudrun Sjöden findet man inzwischen neben den neuen Kollektionen auch gebrauchte Sachen in den Läden. Unabhängig von Öffnungszeiten und Maskenpflicht lässt sich bequem im Internet bei einer der zahlreichen Secondhand-Plattformen wie Kleiderkreisel, Kleiderkorb, Klamottenbox, Rebelle, Second Life Fashion oder ubup gebrauchte Mode shoppen.

Lesen Sie auch: Verbraucherrechte – So shoppen Sie sicher im Internet

Kleidung leihen

Warum sollte das, was bei Faschingskostümen schon lange funktioniert, nicht auch alltagstauglich sein: Klamotten einfach leihen statt kaufen. Für Leute, die die Abwechslung lieben oder bei denen im Job hohe Anforderungen ans Outfit gestellt werden, ist das eine tolle Möglichkeit, die Garderobe zu erweitern und gleichzeitig Umwelt und Geldbeutel zu schonen. Bei Anbietern wie Unown (nur nachhaltige Marken), Stay Awhile, Myonbelle, die Kleiderei (faire Mode), Kilenda, Hurr, Chic by Coice, Rent the Runway, oder Modami funktioniert das in etwa immer nach dem gleichen Prinzip. Als Mitglied kann man entweder Einzelteile für eine gewisse Zeit leasen oder zwischen unterschiedlichen Abo-Modellen mit einer bestimmten Anzahl von Kleidungsstücken wählen. Bei Unown gibt es beispielsweise Leasingteile ab 9,50 Euro, das Fashion-Abo für zwei oder drei neue Teile für 39 beziehungsweise 69 Euro monatlich. Im Preis enthalten sind bei allen Anbietern in der Regel:

  • Anschließende professionelle Reinigung
  • Versicherung für Flecken und Verschleiß
  • Rabatt beim Kauf von Lieblingsteilen
  • Kostenloser Umtausch und Rückversand

Unown leiht die Klamotten ebenfalls von den Herstellern und gibt sie am Ende ihrer Lebenszeit zum Recycling an diese zurück.

Vereinzelt sparen sich Modemarken den Schritt über eine Leasing-Plattform und verleihen ihre Klamotten direkt an den Endkunden. So kann man bei Mud aus den Niederlanden für 7,50 Euro pro Monat eine Jeans leasen und nach einem Jahr gegen ein neues Modell eintauschen. Verschlissene Exemplare werden recycelt und zu neuen Jeans verarbeitet. Bei Tchibo Share gibt es Kinder- und Umstandskleidung, aber auch Teile aus dem Damenmode-Sortiment zum Einzel-Leasingpreis von fünf bis zehn Euro im Monat. Selbst H&M ist Ende 2019 auf den Zug aufgesprungen und hat zunächst in Stockholm einen Verleih-Service aus den Conscious-Kollektionen gestartet. Mit 33 Euro pro Woche für drei Teile sind die Schweden allerdings vergleichsweise teuer. Und auch bei Filippa K kann man einzelne Kleidungsstücke für vier Tage und 20 Prozent des ursprünglichen Verkaufspreises ausleihen mit einer Option auf Verlängerung. Das Kult-Label Ganni aus Dänemark hat mit dem Programm "Ganni Repeat" ebenfalls einen Verleih-Service im Programm, allerdings bislang nur im Ursprungsland.

Rechner giroschueler
3
Schüler-/Studenten-Girokonto
 
Anbieter
Monatspreis
Dispozinsen
Jahrespreis
Girocard
 
1.
0,00 €
nicht möglich%
0,00 €
2.
0,00 €
4,99%
0,00 €
3.
0,00 €
6,65%
0,00 €

Klamotten tauschen

Ein weiterer nachhaltiger Weg zu mehr Abwechslung ist der Kleidertausch. So lassen sich die zwei Milliarden bereits produzierten, aber ungenutzten Sachen aus unseren Schränken wieder in Umlauf bringen. Noch dazu kann so eine Kleider-Tausch-Party mit ein paar Freundinnen bei Aperol Spritz und Fingerfood jede Menge Spaß machen. Mehr Auswahl hat man bei professionell organisierten Tauschpartys wie beispielsweise von der Zeitschrift Glamour in München. Wann und wo so etwas wieder stattfinden wird, erfährt man in Lokalzeitung, Anzeigenblättern oder im Internet.

Lesen Sie auch: Voluntourismus – Im Urlaub Gutes tun

Kleidung reparieren, neu stylen oder selber nähen

Die Lebenszeit von Kleidung verlängern ließe sich häufig ganz einfach durch Reparatur, Anpassung oder ein neues Styling. Doch laut der Umfrage von Greenpeace zur "Wegwerfware Kleidung" hat etwa die Hälfte der Befragten noch nie Sachen zur Änderungsschneiderei gebracht – vermutlich herrscht hier die Meinung vor, dass sich das nicht 'lohnt'. Doch der Ladenpreis spiegelt ja leider nicht die tatsächlichen Kosten wider.

Wo immer möglich sollte man deshalb Kleidung auf die eine oder andere Weise wieder tragbar machen, sei es durch Reparieren oder Verändern. Vieles davon lässt sich relativ leicht selbst bewerkstelligen, zum Beispiel aus einer lang- eine kurzärmlige Bluse, aus einer Jacke eine Weste machen oder Hosen kürzen. Inspirationen dazu findet man im Internet auf DIY-Blogs wie love Maegan.com, A Beautiful Mess, I Spy DIY, P.S. I made this, A pair and a spare und Youtube-Videos. Die gezeigten Anregungen umzusetzen funktioniert sicher noch besser, wenn man außerdem einen Nähkurs besucht, die beispielsweise von Volkshochschulen, Stoff- und Nähmaschinengeschäften angeboten werden. Dann kann man selbst zum kreativen Mode-Designer werden und Kleidung tragen, die garantiert sonst niemand besitzt.

Lesen Sie auch: Nachhaltige Geldanlage – Immer mehr Robo-Advisor werden grün




  Helga Riedel


 
Exklusive Informationen und Angebote per Mail erhalten.


 
 
 
Powered by Telsso Clouds