Erwerbsminderungsrente Bei häufiger Arbeitsunfähigkeit: Finanzielle Sicherheit vom Staat?

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
20.12.2013
Auf einen Blick
Viele ältere Arbeitnehmer sind chronisch krank und immer mal wieder arbeitsunfähig. Unter Umständen haben sie dann Anspruch auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente.
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Die Erwerbsminderungsrente der Deutschen Rentenversicherung soll Sie finanziell absichern, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können. Tatsächlich aber ist das Leistungsspektrum schwach:

Volle Erwerbsminderungsrente:

Die erhalten Sie nur, wenn Sie in keinem Beruf mehr als drei Stunden am Tag arbeiten können. Können Sie mehr als sechs Stunden arbeiten, bekommen Sie nichts!

Berufsunfähigkeit:

Die Tätigkeit im eigenen, konkret ausgeübten Beruf ist bei nach 1961 Geborenen nicht mehr abgesichert.

Leistungen:

Maximal etwa 30 Prozent des letzten Bruttoeinkommens sind versichert - die halbe Erwerbsminderungsrente ist noch deutlich geringer.

Sie können täglich … arbeiten

Dann erhalten Sie die … Das ist eine Rente in Höhe von …

… weniger als drei Stunden …

… volle Erwerbsminderungsrente 

Ca. 29 % Ihres letzten Bruttoeinkommens


… drei bis sechs Stunden …

… halbe Erwerbsminderungsrente 

Ca. 15 % Ihres letzten Bruttoeinkommens


… mehr als sechs Stunden …

… keine Erwerbsminderungsrente 

Die Erwerbsminderungsrente in der Praxis

Erwerbsminderungsrente Psychische Erkrankungen häufigster Grund

Psychische Leiden stehen bei den anerkannten Erwerbsminderungen (EM) immer mehr im Vordergrund. Unter den 170.000 im Jahr 2014 bewilligten EM-Renten wurden 43 Prozent wegen psychischer Erkrankungen zugestanden. Danach folgten Skeletterkrankungen (vor allem Bandscheibenleiden), Krebs und Herz-/Kreislaufleiden. Es kommt nicht darauf an, wie schwer eine Krankheit ist. Die Gutachter der Rentenversicherung müssen vielmehr über die (Rest-)Arbeitsfähigkeit urteilen.

Die Rente wegen voller Erwerbsminderung gibt es, wenn nur noch Jobs mit täglich weniger als drei Stunden ausgeübt werden können. Die nur halb so hohe Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung kann erhalten, wer pro Tag noch zwischen drei und unter sechs Stunden arbeiten kann.

Tipp: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente erhält nur, wer mindestens fünf Jahre rentenversichert war und in den letzten fünf Jahren mindestens drei Jahre lang Pflichtbeiträge gezahlt hat. Günstigere Regelungen gelten für Berufsanfänger und für Ältere, die vor 1984 schon 60 Versicherungsmonate erwerbstätig waren.

Ausweg Arbeitsmarktrente

Wer täglich etwa noch fünf Stunden erwerbstätig sein kann, aber keinen entsprechenden Teilzeitjob findet, kann ebenfalls die Rente wegen voller Erwerbsminderung bekommen. Eine Sekretärin, die noch fünf Stunden arbeitsfähig ist und gute Chancen hat, einen entsprechenden Teilzeitjob zu finden, wird kaum die "Arbeitsmarktrente" wegen voller Erwerbsminderung bekommen. Diese gibt es weit eher für Schlosser und Bauarbeiter, für die es kaum Teilzeitstellen gibt.

Erwerbsminderungsrente bekommen – wie geht das?

Bei einer Erwerbsminderung ist es wichtig, schnell zu reagieren, denn die Rente muss beantragt werden. So gehen Sie dafür vor:

1. Überblick verschaffen

Die Deutsche Rentenversicherung stellt auf Ihrer Website alle Formulare zur Verfügung, die Sie für die Antragsstellung benötigen. Neben dem eigentlichen Antrag auf dem Formular R 100 ist das Formular R 990 interessant: In dem sehen Sie, welche Unterlagen Sie brauchen. Mehr Informationen hier

2. Antrag stellen

Wenn Sie bei der Antragsstellung Hilfe brauchen: Eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie hier auf der Website der Deutschen Rentenversicherung

3. Und wenn der Antrag abgelehnt wird?

Immer wieder wird die Rente abgelehnt, weil z.B. ein Gutachter befindet, dass die Antragsteller doch noch mindestens sechs Stunden täglich arbeiten können. Wichtig sind aussagekräftige Diagnosen von Ärzten, die auch zeigen, wie sich die Krankheit im Einzelfall auswirkt. Das sollten Antragsteller genau dokumentieren und dabei auch Tätigkeiten zu Hause, im Garten oder im Hobbybereich nicht vergessen. Es reicht auch, wenn Sie erst einmal Widerspruch einlegen, ohne den zu begründen, um die Frist zu wahren. Sie haben dann Zeit, den Widerspruch selbst zu begründen oder einen Anwalt damit zu beauftragen

Erwerbsminderung: Warum private Absicherung so wichtig ist!

Die staatliche Erwerbsminderungsrente ist gering - zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig, diese Redewendung trifft oft zu. Deshalb ist private Vorsorge so wichtig, wie sie etwa Peter H. aus Aalen abgeschlossen hat. Er verdient als Verkäufer rund 1.950 Euro netto im Monat - bei einer vollen Erwerbsminderung würde das eine Erwerbsminderungsrente von 1.086 Euro ausmachen zu wenig, um davon den Familienunterhalt zu bestreiten. Er hat sich deshalb für eine private Berufsunfähigkeitsversicherung entschieden, die ihn bei Berufsunfähigkeit eine Rente von 1.450 Euro zahlt. 

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 
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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de