Hilfe in Corona-Zeiten

Kinderzuschlag statt Hartz IV

Update: 21.08.2020
Auf einen Blick
  • Für Familien in Nöten lohnt es sich häufig, den Kinderzuschlag zu beantragen. Diesen zahlen die Familienkassen zusätzlich zum Kindergeld. 

  • Bis zum 30.9.2020 gelten die „Corona-Regeln“ zum Notfall-Kiz. Nun muss für den Antrag auf den Kinderzuschlag nur noch das Einkommen des Vormonats nachgewiesen werden.

  • Der Kinderzuschlag soll verhindern, dass erwerbstätige Eltern nur wegen der Aufwendungen für ihre Kinder gezwungen sind, Hartz IV zu beantragen. 
Mit dem Kinderzuschlag unterstützt der Staat ärmere Familien.
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Die Familienkassen der Arbeitsagenturen zahlen – bei Bedürftigkeit – zusätzlich zum "normalen" Kindergeld den Kinderzuschlag. Dieser ist sozusagen eine "Aufstockung" des Kindergeldes. Zusammen mit dem Kinderzuschlag können damit einer Familie mit zwei Kindern allein an Kinderleistungen 778 Euro zustehen.

Das Kindergeld beträgt aktuell für das erste und zweite Kind 204 Euro sowie 210 Euro für das dritte Kind. Für das vierte und jedes weitere Kind zahlt die Familienkasse 235 Euro. Der Kinderzuschlag beträgt maximal 185 Euro pro Monat. Der Zuschlag soll verhindern, dass Eltern allein wegen der Aufwendungen für ihre Kinder gezwungen sind, Hartz IV zu beantragen. Stattdessen gibt es eben dann ein Plus zum Kindergeld, wodurch die entsprechenden Haushalte in der Regel etwas mehr zur Verfügung haben, als ihnen nach den bei Hartz IV (Arbeitslosengeld II) geltenden Regeln zusteht.

Der Kinderzuschlag soll die Betroffenen, zusammen mit dem eigenen Erwerbseinkommen, über die Hartz-IV-Schwelle hieven. Einkalkuliert ist dabei zudem auch noch das Wohngeld. Um von den Vorteilen des Kinderzuschlags profitieren zu können, müssen Sie also zudem noch Wohngeld beantragen.

So ersparen Sie sich jedoch den Weg zum Jobcenter und die Beantragung von Hartz-IV-Aufstockung. Dementsprechend sind auch nicht die Jobcenter sondern die Familienkassen der Arbeitsagenturen für diese Leistung zuständig.

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Einkommensgrenzen

Den Kinderzuschlag können Elternpaare erhalten, die monatlich über ein Bruttoeinkommen von mindestens 900 Euro verfügen. Für Alleinerziehende gilt eine Mindest-Einkommensgrenze von 600 Euro. Hier handelt es sich jeweils um Bruttobeträge.

Wichtig ist dabei: Auch für eine Alleinerziehende reicht ein 450-Euro-Job allein nicht aus, wenn es um den Anspruch auf den Kinderzuschlag geht. Zugleich darf das Einkommen auch nicht zu hoch sein. Aber auch für eine vierköpfige Familie mit einem Bruttoeinkommen von knapp 2.500 Euro kann der Kinderzuschlag noch in Frage kommen.

Der gleichzeitige Bezug von Hartz IV und Kinderzuschlag ist ausgeschlossen. Zusätzlich zur Versicherungsleistung Arbeitslosengeld I kann die Leistung jedoch gezahlt werden.

Einkommensanrechnung entschärft

Jedes Einkommen des Kindes – außer dem Kindergeld – wurde früher voll auf den Kinderzuschlag angerechnet. Viele Alleinerziehende, die vom Staat für ihr Kind einen Unterhaltsvorschuss erhalten, gingen deshalb beim Kinderzuschlag leer aus. Nun werden nur noch 45 Prozent des Kindeseinkommens angerechnet.

Deshalb kann zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind zwischen sechs und elf Jahren neben dem Unterhaltsvorschuss von 220 Euro noch einen Kinderzuschlag von bis zu 86 Euro im Monat bekommen.

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Bemessungszeitraum

Bei der Berechnung des Kinderzuschlags zählt das durchschnittliche Eltern- und Kindeseinkommen der vergangenen sechs Monate. Der so errechnete Betrag gilt für einen Zeitraum von sechs Monaten. Änderungen der Einkommensverhältnisse in dieser Zeit interessieren in der Regel nicht. In vielen Fällen ist dies von Vorteil. So entfällt der Anspruch zum Beispiel nicht, wenn ein Elternteil in dem Sechs-Monats-Zeitraum deutlich mehr verdient. Sinkt dagegen das Einkommen in dem Sechs-Monats-Zeitraum, so ist die Neuregelung von Nachteil.

Antragstellung

Für den Kinderzuschlag sind ebenso wie für das Kindergeld die Familienkassen der Arbeitsagenturen zuständig. Die Leistung gewähren sie immer für volle Monate. Wer den Antrag bis zum 30. September stellt, kann sich also noch die Leistung für den vollen September sichern. Wer den Kinderzuschlag bekommen will, muss mindestens mit einem Kind, für das er Kindergeld erhält, zusammenleben.

Kindergeld gibt es maximal, bis ein Kind 25 Jahre alt ist – das ist damit auch die Höchstgrenze des Anspruchs auf den Kinderzuschlag. Das Kind darf noch nicht verheiratet sein und nicht in einer offiziellen Lebenspartnerschaft leben.

Bis zum 30.9. 2020 gelten die erleichterten Regeln des sogenannten Notfall-Kiz. Wichtig dabei: Eltern müssen derzeit nur noch ihr Einkommen im Monat vor der Antragstellung nachweisen. 

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Bildungspaket

Wer den Kinderzuschlag erhält, hat auch Anspruch auf Leistungen aus dem sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket. Dazu gehören Leistungen für Schulmaterialien in Höhe von 150 Euro im Jahr. Das Mittagessen in der Schule oder in der Kita ist für die betroffenen Kinder künftig kostenfrei.

Auch die Eigenanteile für die Schülerbeförderung entfallen. Zudem erhalten die Kinder pro Monat einen Gutschein im Wert von 15 Euro für Leistungen in den Bereichen Sport, Spiel, Kultur und Geselligkeit – etwa für die Mitgliedschaft in einem Fußball- oder Schwimmverein.

Und nicht zuletzt: Nachhilfe wird Schülern aus finanziell bedürftigen Familien auch ohne eine Versetzungsgefährdung finanziert.




  Rolf Winkel


 
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