Freistellungsauftrag optimal nutzen

Abgeltungssteuer Freistellungsauftrag optimal nutzen

von Michael Schreiber
Auf einen Blick
  • Kapitalerträge sind bis zu 801 Euro pro Jahr steuerfrei. Wird der sogenannte Sparerpauschbetrag überschritten, fällt die 25-prozentige Abgeltungsteuer an.

  • Damit die Kapitalerträge ohne Steuerabzug in die eigene Tasche fließen, stellen Banken, Bausparkassen und Fondsgesellschaften sogenannte Freistellungsaufträge bereit.

  • Grundsätzlich bleibt ein einmal erteilter Freistellungsauftrag unbefristet gültig, kann allerdings jederzeit widerrufen oder geändert werden.
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Was ist ein Freistellungsauftrag?

Mit einem Freistellungsauftrag beauftragen Anleger ihre Bank oder Sparkasse, anfallende Kapitalerträge vom automatischen Steuerabzug zu befreien. Ohne diesen Auftrag führt das Geldinstitut 25 Prozent Kapitalertragsteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an das Finanzamt ab.

Wer das nicht möchte, der kann mittels Freistellungsauftrag den Zinsverlust ganz oder teilweise verhindern. Insgesamt darf jeder Sparer 801 Euro an Kapitalerträgen freistellen, Ehegatten 1.602 Euro. Pro Bank genügt ein Freistellungsauftrag für jeweils alle Konten und Depots.

Die frühere Auflistung pro Konto oder Depot ist hinfällig. Existieren Anlagekonten und Depots bei mehreren Geldhäusern, kann man den Sparerpauschbetrag splitten und die Teilbeträge auf verschiedene Freistellungsaufträge pro Bank verteilen.

Was ist die Abgeltungsteuer?

Bei der Geldanlage sollte man immer auch das steuerliche Einmaleins der Abgeltungsteuer im Blick haben. Sonst füllt man Vater Staat mit unnötig bezahlten Steuern die Staatskasse und schmälert damit die eigene Rendite fürs Ersparte.

Bei Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen aus Wertpapiergeschäften fällt ein Pauschalabzug von 25 Prozent Abgeltungsteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag direkt an der Quelle an. Für Kirchenmitglieder kommt noch Kirchensteuer hinzu - in Bayern und Baden-Württemberg beträgt sie acht Prozent der Abgeltungsteuer, im übrigen Bundesgebiet neun Prozent. Ist der Bank ihre Konfessionszugehörigkeit bekannt, wird der Gotteslohn beim Steuerabzug automatisch berücksichtigt.

Das hat Vorteile, denn es wird dann nur eine ermäßigte Abgeltungsteuer von 24,51 Prozent (Bayern/BaWü) bzw. 24,45 (übriges Bundesgebiet) statt 25 Prozent einbehalten. Damit wird berücksichtigt, dass der Anleger die Kirchensteuer als Sonderausgaben steuerlich geltend machen könnte. Die Gesamtsteuerbelastung auf Kapitalerträge beträgt dann inklusive Soli und Kirchenabgabe 27,82 bzw. 27,99 Prozent (je nach Region 8 oder 9 Prozent Kirchensteuer). Konfessionslose zahlen 26,38 Prozent.

Soviel Zinserträge können Kinder, Studenten und Rentner mit niedrigem Einkommen steuerfrei kassieren:

 

2018

2019

2020

Grundfreibetrag

9 000 €

9 168 €

9 408 €

Sparerpauschbetrag

801 €

801 €

801 €

Sonderausgaben-Pauschbetrag

36 €

36 €

36 €

Steuerfreies Einkommen pro Person

9 837 €

10 005 €

10 245 €

Quelle: eigene Recherche; Grundfreibetrag 2019 und 2020 - erwartete Anhebung aufgrund Entwurf des Familienentlastungsgesetzes

Zehn Tipps gegen zu viel Abgeltungssteuer

  1. Kapitalerträge richtig schätzen:

    Zusammengerechnet dürfen alle Freistellungsaufträge 801 Euro (Ehepaare 1.602 Euro) nicht überschreiten. Anleger müssen also die Summe ihrer Kapitalerträge pro Bank abschätzen und die Beträge entsprechend verteilen. Zu den Kapitalerträgen zählen Zinsen, Fondsausschüttungen, Dividenden und realisierte Kursgewinne aus Wertpapiergeschäften.

    Wichtig: Kursgewinne und Dividendenzahlungen unterliegen seit 2009 nicht mehr dem Halbeinkünfteverfahren (50-Prozent-Regel). Entsprechende Erträge werden seither zu 100 Prozent erfasst. Liegen die vereinnahmten Kapitalerträge über dem freigestellten Betrag, führt die Bank die fällige Abgeltungssteuer automatisch ans Finanzamt ab.
  2. Geltungsdauer und Änderungsbestimmungen beachten:

    Ein Freistellungsauftrag gilt stets ab dem 1.1. des Jahres, in dem er eingereicht wird, und zwar für das ganze Kalenderjahr. Eine Kündigung ist nur zum 31.12. möglich. Freistellungsaufträge können auch unbefristet erteilt werden.

    Wichtig: Ein bestehender Auftrag kann nur geändert oder gelöscht werden, indem ein neuer Freistellungsauftrag erteilt wird. Wird die Bankverbindung aufgelöst, muss man zusätzlich einen separaten Auftrag zur Löschung des bestehenden Freistellungsauftrages stellen, ansonsten bleibt ein ungenutzter Freibetrag dort bestehen.
  3. Rechtzeitig einrichten:

    Der Freistellungsauftrag sollte stets beiKonto- oder Depoteröffnungeingereicht werden, um unerwünschte Steuerzahlungen von Anfang an zu vermeiden. Banken führen nämlich fällige Abgeltungssteuer automatisch bei Kapitalgutschrift ans Finanzamt ab, wenn kein Freistellungsauftrag vorliegt.

    Ein unterjährig neu beantragter oder erhöhter Freistellungsauftrag kann für bereits realisierte Erträge nachträglich Vorteile bringen. So ist zum Beispiel im Rahmen der nachträglichen Verlustrechnung die Erstattung bereits abgeführter Kapitalertragsteuern möglich.
  4. Paarweise oder getrennt?

    Möchten Ehepartner einen gemeinschaftlichen Freistellungsauftrag erteilen, muss dieser von beiden Partnern unterschrieben werden. Ehegatten können aber auch getrennt voneinander Einzel-Freistellungsaufträge einrichten. In diesem Fall ist nur eine Unterschrift erforderlich.

    Ändert sich aufgrund einer Heirat der Name, muss man einen neuen Freistellungsauftrag auf den geänderten Namen einreichen, der alte wird ungültig. Bei Gemeinschaftskonten gilt: Diese können nur von verheirateten Partnern freigestellt werden. Sind die Kontoinhaber nicht miteinander verheiratet, etwa eingetragene Lebenspartnerschaften, ist keine Freistellung möglich.
  5. Neuantrag bei Scheidung:

    Nach einer Scheidung muss ein vorliegender Gemeinschaftsauftrag durch Einzel-Freistellungsaufträge ersetzt werden. Dabei hat man die Wahl, ob im Jahr der Trennung noch die gemeinschaftliche Zinsfreistellung oder bereits getrennte Verrechnung erfolgen soll.
  6. Einzelauftrag nach Todesfall:

    Stirbt ein Partner, kann der Hinterbliebene im Todesjahr noch über den gemeinsamen Sparer-Pauschbetrag für Ehepaare (1.602 Euro) verfügen. Für die Folgejahre muss der Hinterbliebene dann einen neuen Einzel-Freistellungsauftrag erteilen.
  7. Separater Antrag für Kinderkonten:

    Kapitalerträge von Kindern werden nicht in den Sparer-Pauschbetrag der Eltern eingerechnet. Für die Konten von Minderjährigen können Eltern jeweils einen gesonderten Freistellungsauftrag bis zur gesetzlichen Höchstgrenze von 801 Euro stellen. Dieser muss von allen gesetzlichen Vertretern unterschrieben werden.
  8. Ehegattenübergreifende Verlustrechnung:

    Dabei verrechnet die Bank einmal im Jahr die Gewinne und Verluste unterschiedlicher Einzeldepots von Ehepartnern miteinander. Voraussetzung dafür ist ein gemeinschaftlicher Freistellungsauftrag. Hat das Paar seinen Sparer-Pauschbetrag bereits bei einem anderen Geldinstitut ausgeschöpft oder soll explizit nur die ehegattenübergreifende Verlustverrechnung erfolgen, so kann das Paar einen gemeinschaftlichen Freistellungsauftrag über null Euro ausstellen.
  9. Steueridentifikationsnummer notwendig:

    Seit 2011 müssen alle neu gestellten Freistellungsaufträge die Steueridentifikationsnummer enthalten. Die aus elf Ziffern bestehende, persönliche Steuernummer wird allen in Deutschland gemeldeten Bürgern vom Bundeszentralamt für Steuern zugeteilt. Die Nummer ist lebenslang gültig. Bankkunden finden sie zum Beispiel in ihrem letzten Steuerbescheid.
  10. Steuerpflicht bei Umzug ins Ausland:

    Wird der Wohnsitz dauerhaft ins Ausland verlegt und entfällt dadurch die uneingeschränkte Einkommensteuerpflicht in Deutschland, so verlieren auch bestehende Freistellungsaufträge ihre Gültigkeit. Kapitalerträge unterliegen dann stets der vollen Abgeltungssteuer.

    Tipp: Sind Freistellungsaufträge in ihrer Höhe ungünstig auf verschiedene Geldinstitute verteilt und führt eine Bank deswegen unnötigerweise zu viel Abgeltungssteuer ans Finanzamt ab, können Sparer über den Weg der Einkommensteuererklärung zu viel gezahlte Ertragsteuern zurückzuholen. In diesem Fall lohnt sich das Ausfüllen des Steuerformulars: "Einkünfte aus Kapitalvermögen".

So berechnet sich der Steuerabzug auf Kapitalerträge

 

konfessionslose

Steuerzahler

Kirchenmitglieder

(Bayern/Baden-Württemberg)

8 % Kirchensteuer

Übriges Bundesgebiet

9 % Kirchensteuer

Abgeltungsteuer

25 %

24,51 %

24,45 %

Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer

--

1,96%

2,20 %

Solidarzuschlag 5,5% der AbgeltSt

1,38 %

1,35%

1,34%

Steuerabzug insgesamt

26,38 %

27,82 %

27,99 %

Anleger, die ihrer inländischen Bank einen Freistellungsauftrag über den Sparerpauschbetrag von 801 / 1.602 Euro (Ledige/Verheiratete) erteilen, bekommen bis zu diesem Freibetrag Kapitaleinkommen ohne Steuerabzüge - brutto für netto - ausgezahlt. Doch jeder sechste Bundesbürger versäumt es - aus Bequemlichkeit oder Unkenntnis - sein steuerfreies Volumen per Freistellungsauftrag optimal auszuschöpfen.

Wie wird eigentlich die Kirchensteuer auf Kapitalerträge bezahlt?

Sofern der Sparer seiner Bank einen wirksamen Freistellungsauftrag erteilt hat, bekommt man seine Zinsen und Dividenden bis zum steuerfreien Limit auch ohne Abzug der Kirchensteuer ausbezahlt.

Seit Anfang 2015 sind die Banken gesetzlich verpflichtet, auch die Kirchensteuer auf Kapitalerträge automatisch abzuführen, wenn das Freistellungsvolumen ausgeschöpft ist.

Die dazu notwendigen Informationen zur Religionszugehörigkeit haben sich Banken, Bausparkassen und Fondsgesellschaften durch einen automatisierten Abruf gespeicherter Steuerdaten beim Bundeszentralamt für Steuern in Bonn beschafft.

Haben Sie diesem Datenabgleich widersprochen, kommen Sie allerdings um eine Steuerzahlung des Gotteslohnes nicht herum. Die Kirchensteuer wird über die Einkommensteuererklärung für 2018 nacherhoben.

Dort erhalten Sie den Freistellungsauftrag

Alle Banken, Bausparkassen und Fondsgesellschaften halten ein eigenes Formular für Sie bereit. Fragen Sie daher zuerst bei Ihrer Bank nach. Der Freistellungsauftrag kann auf dem Postweg oder auch per Fax erteilt werden. Wer sein Konto online führt, erteilt seinen Freistellungsauftrag auch bequem von zu Hause via Internet. Das Freistellungsverfahren ist für Bankkunden kostenlos – die Bank darf keine Gebühren für die Verwaltung der Freistellungsaufträge berechnen.

Der Auftrag ist nur gültig, wenn auf ihm auch die elfstellige Steueridentifikationsnummer angegeben wird, die jeder Steuerzahler vom Finanzamt erhalten hat. Biallo-Tipp Man kann die Kennung aus dem letzten Steuerbescheid des Finanzamtes oder der letzten Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers ablesen oder bei seinem örtlichen Finanzamt erfragen. Online kann man die Nummer über das Bundeszentralamt für Steuern abrufen (www.bzst.de / unter "Steuern national").

Darauf sollten Sie außerdem beim Freistellungsauftrag achten

  • Als Ehepaar stellen

    Als verheiratete Anleger können Sie gemeinsam bis zu 1.602 Euro bei einer oder mehreren Banken freistellen lassen, wenn Sie sich bei der Steuererklärung für die gemeinsame Veranlagung entscheiden. Wie Sie den Betrag verteilen, bleibt Ihnen überlassen. Wenn etwa die Frau bei ihrer Bank deutlich höhere Kapitalerträge erzielt als ihr Mann bei einem anderen Institut, muss sie sich nach der Hochzeit nicht auf die 801 Euro Sparerpauschbetrag beschränken. Sie kann jetzt zum Beispiel 1.200 Euro steuerfrei auszahlen lassen und ihr Mann die übrigen 402 Euro.

    Bedingung ist nur, dass die zwei bei beiden Banken gemeinsame Freistellungsaufträge erteilen. Der gemeinsame Freistellungsauftrag zahlt sich auch aus, wenn beide bei der gleichen Bank Geld anlegen. Macht einer Verluste und der andere erzielt Gewinne, muss die Bank oder Fondsgesellschaft beides am Ende des Jahres miteinander verrechnen. Auch diese depotübergreifende Verlustverrechnung veranlasst man mittels eines gemeinsam erteilten Freistellungsauftrages. Manko: Unterhält das Paar bei mehreren Banken Konten und Depots, ist ein bankübergreifender Verlustausgleich nur über die Steuererklärung möglich.
  • Auch für Sparkonten der Kinder möglich

    Auch Kapitalerträge der Kinder können bei der Bank mit Hilfe eines eigenen Freistellungsauftrages maximal in Höhe des Sparerpauschbetrages von 801 Euro steuerfrei gestellt werden. Erzielen die Kinder Zinsen und Dividenden oberhalb dieses Freistellungsvolumens, ist die Bank zum Abzug der pauschalen Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag verpflichtet. Dazu kommt ggf. noch ein Abzug für Kirchensteuer. Diese Steuern müssen sich die Eltern vom Finanzamt wiederholen, in dem sie als Erziehungsberechtigte im Namen ihrer Kinder Jahr für Jahr eine Einkommensteuererklärung einreichen. Unnötige Steuerabzüge kann man jedoch auf bequemere Art vermeiden. Eltern legen der kontoführenden Bank statt eines Freistellungsauftrages eine "Nichtveranlagungsbescheinigung" für ihren Nachwuchs vor.

    Die Bescheinigung wird für einen Zeitraum von maximal drei Jahren anstandslos ausgestellt, wenn die Einnahmen des Kindes auf absehbare Zeit unter 9.837 Euro (2018) bleiben. Den Antragsvordruck NV 1 A erhalten Steuerzahler bei ihrem örtlichen Finanzamt oder unter www.formulare-bfinv.de, unter den Stichworten "Formularcenter, Formulare A-Z, Nichtveranlagungsbescheinigung" zum Download. Nach Ablauf der Frist muss die Bescheinigung erneut beantragt werden.

    Biallo-Tipp: Die hohen Freibeträge der Kinder können Eltern zum Steuern sparen nutzen, in dem sie Ertrag bringende Vermögenswerte auf die Kinder übertragen. Doch Vorsicht: Ein Übertrag von Sparkonten und Depots muss endgültig sein, sonst erkennt das Finanzamt die Gestaltung nicht an. Nachteilig kann die Gestaltung bei hohen Einkünften für das Kind sein, weil eventuell die kostenlose Krankenversicherung über die Familie oder ein BAföG-Anspruch entfällt.
  • Pro Bank nur ein Freistellungsauftrag

    Sparer können ihren Sparerpauschbetrag komplett bei einer einzigen Bank ausschöpfen, sie können ihn aber auch auf mehrere Kreditinstitute, Fondsgesellschaften oder Bausparkassen aufsplitten. Wichtig ist nur, dass man bei mehreren erteilten Freistellungsaufträgen das steuerfreie Volumen von 801 Euro für Ledige und 1.602 Euro für Verheiratete in Summe nur einmal verteilt. Für jede einzelne Bank ist nur ein einziger Freistellungsauftrag nötig – dieser gilt dann für sämtliche Konten und Depots bei dieser Bank. Eine Beschränkung auf nur ein Konto ist nicht möglich.
  • Dauer der Gültigkeit

    Grundsätzlich bleibt ein einmal erteilter Freistellungsauftrag unbefristet gültig, wenn Sie ihn nicht ändern oder zurück nehmen. Man kann der Bank aber auch von vornherein einen zeitlich befristeten Auftrag erteilen, der sich dann automatisch durch Zeitablauf erledigt. Diese Möglichkeit ergibt sich aus dem amtlichen Formular.

    Biallo-Tipp: Gerade in der aktuellen Zinsflaute ist es wichtig, bei mehreren Bankverbindungen den Überblick über die voraussichtlichen Kapitalerträge und Freistellungsvolumen zu behalten. Führen Sie deshalb privat Buch oder erfragen Sie diese Informationen regelmäßig bei Ihren Banken ab. Verschieben Sie erteilte Freistellungsaufträge zu der Bank mit den höchsten Kapitalerträgen, damit der steuerfreie Betrag möglichst ausgeschöpft wird.
  • Nachträglich ändern

    Grundsätzlich können Sie erteilte Freistellungsaufträge jederzeit, auch während des Jahres widerrufen, ändern oder anpassen. Allerdings prüft die Bank zunächst, inwieweit das bisherige Freistellungsvolumen bereits durch angefallene Kapitalerträge ausgeschöpft wurde. Eine Herabsetzung unter diesen Betrag ist für das laufende Jahr dann nicht mehr zulässig.

    Sind bisher für 2018 keine Kapitalerträge angefallen, kann man den Freistellungsauftrag demnach auch rückwirkend zum 1. Januar 2018 problemlos ändern oder sogar ganz zurückziehen. Ansonsten wird eine Anpassung des Freistellungsvolumens erst zum 1. Januar 2019 wirksam.

Freistellungsaufträge zu hoch: Das sind Ihre Möglichkeiten

Eine Möglichkeit ist, einen überhöhten Freistellungsauftrag wieder zu verringern. Dazu stellt man einfach bei der Bank einen neuen Freistellungsauftrag mit geringerem Betrag. Können Sie sich aber nicht entscheiden, bei welcher Bank die Zinserträge voraussichtlich niedriger sein werden als zunächst angenommen, können Sie die überhöhten Freistellungsaufträge auch in voller Höhe stehen lassen. Das Finanzamt bekommt von zu hohen Freistellungsaufträgen zunächst keinen Wind. Ursache hierfür ist eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 1999. Seither melden Banken dem Bundeszentralamt für Steuern nicht mehr die Höhe der insgesamt gestellten Freistellungsaufträge, sondern nur den tatsächlich in Anspruch genommenen Zinsbetrag.

Das bedeutet:
Das Bundesamt und nachfolgend die Finanzämter haben gar keine Informationen darüber, wie viel Kapitalerträge insgesamt vom Anleger frei gestellt worden sind. Entsprechend wird der Fiskus auch keine unangenehmen Nachfragen stellen, falls die Summe aller Freistellungsaufträge 801 Euro übersteigt.

Ergibt sich nun, dass eine Geldanlage im Lauf des Jahres nicht so gut läuft wie geplant, kann man also trotz überhöhter Freistellungsaufträge innerhalb des gesetzlichen Limits von 801 Euro bleiben. Folglich hätten die überhöht ausgestellten Freistellungsaufträge keine negativen Auswirkungen.

Fiskus wird bei Überschreiten der Obergrenze aktiv

Überschreitet allerdings die Summe aller vereinnahmten Zinsen und Dividenden den maximal zur Verfügung stehenden Sparerpauschbetrag von 801 Euro je Person, alarmiert das Bundeszentralamt für Steuern das zuständige Finanzamt.

Dieses wird den Sparer dann auffordern, im Rahmen der Steuererklärung die Anlage KAP (Einkünfte aus Kapitalvermögen) auszufüllen und einzureichen. In der Regel wird der Fiskus dann rückwirkend Steuern erheben.

Biallo-Tipp:
Damit man bei einer Vielzahl von Freistellungsaufträgen nicht den Überblick verliert, sollte man sich die einzelnen Beträge gesondert notieren und überhöhte Freistellungsaufträge besser gleich mindern.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Freistellungsauftrag

Erfährt das Finanzamt die Höhe meiner Freistellungsaufträge?

Ja, denn jede einzelne Bank muss die freigestellte Höhe jährlich dem Bundeszentralamt für Steuern melden. Das meldet Anleger, die zu viele Kapitalerträge freistellen, ihrem Finanzamt.

Von dort gibt es dann umgehend einen "blauen Brief" mit der freundlichen Aufforderung, die Freistellungaufträge wieder auf das gesetzliche Höchstmaß zu begrenzen. Zudem verlangt der Fiskus für die falsch abgerechneten Jahre nachträglich eine Steuererklärung, um unberechtigte Steuervorteile wieder einzusammeln.

Wie verteilen wir nach unserer Hochzeit die Freistellungsaufträge und ab wann gelten die neuen?

Jungvermählte Paare können einen oder mehrere gemeinsame Freistellungsaufträge über insgesamt 1.602 Euro erteilen. Die Aufträge gelten für das ganze Jahr, auch rückwirkend für die Monate vor der Hochzeit. Hat ein Partner vor der Hochzeit die 801 Euro Freistellungsvolumen ausgeschöpft und der andere noch nicht, erstattet die Bank nach dem neuen gemeinsamen Freistellungsauftrag die zu viel bezahlte Abgeltungssteuer.

Dabei spielt es keine Rolle, ob das Konto nur auf den Namen eines Ehepartners lautet oder auf beide (BMF-Schreiben vom 9.10.2012 – Az. IV C 1 – S 2252/10/10013, Rz. 261).

Ich habe Steuern auf Kapitalerträge bezahlt, obwohl mein Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft war. Was kann ich tun?

Die einzelne Bank belässt Kapitalerträge nur bis zur Höhe des ihr erteilten Freistellungsauftrages steuerfrei. Ein ungenutztes Freistellungsvolumen bei anderen Banken wird nicht berücksichtigt. Bei einer Bank waren im letzten Jahr Ihre Zinserträge oder Dividenden höher als der Freistellungsauftrag – deshalb hat das Kreditinstitut Steuern einbehalten.

Sie können sich diese Abgeltungssteuer vom Finanzamt erstatten lassen. Geben Sie dazu für das letzte Jahr eine Einkommensteuererklärung ab und fügen Sie das Formular Anlage KAP ausgefüllt bei.

Ich habe Mietkaution bezahlt. Kann ich auch für dieses Spargeld einen Freistellungsauftrag erteilen?

Leider nein. Für bestimmte Konten und Erträge kann generell kein Freistellungsauftrag erteilt werden. Dazu zählen zum Beispiel Konten, die zum Betriebsvermögen von Gewerbetreibenden, Freiberuflern oder Vermietern gehören. Auch für Treuhandkonten (Mietkaution) oder gemeinschaftliche Konten von Wohnungs- und Grundstücksgemeinschaften, Erbengemeinschaften, Vereinen oder Investmentclubs ist eine Steuerfreistellung nicht vorgesehen.

Steuerabzüge muss jeder einzelne Beteiligte anteilig über die eigene Steuererklärung vom Finanzamt zurückfordern. Dazu benötigt man eine Steuerbescheinigung der kontoführenden Bank. Die bescheinigte Steuer muss dann auf alle Kontoinhaber aufgeteilt werden.

Biallo-Tipp: Wohneigentümer fordern diesen Beleg bei ihrer Hausverwaltung an. Hält man ausländische Aktien in seinem Depot, kann es vorkommen, dass trotz erteiltem Freistellungsauftrag dennoch ausländische Quellensteuer einbehalten wird. Auch das kann man nicht verhindern, denn die Freistellung gilt nur für die deutsche Abgeltungssteuer. Oft kann man aber Quellensteuern im Ausland zurückfordern. Fragen Sie Ihren Bankberater.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de