Corona-Krise

In Zeiten von Corona: Finanzielle Hilfen für Familien

04.06.2020
Auf einen Blick
  • Egal ob Kurzarbeit oder freigestellt – werdende Eltern sollen bei der späteren Elterngeldberechnung nicht benachteiligt werden.

  • Familien können bis zu 185 Euro Notfall-Kinderzuschlag beantragen.

  • Die Frist für Lohnersatz auf Grund von Kita- oder Schulschließung wird von sechs auf bis zu zehn Wochen verlängert.

  • Einen Kinderbonus von einmalig 300 Euro verabschiedeten die Koalitionsspitzen am 3. Juni in Berlin.
Corona, Homeoffice, Schule-zu-Hause, etc.: Die Bundesregierung will Eltern zumindest finanziell unterstützen.
Sharomka / shutterstock.com

Die Pandemie und sämtliche Maßnahmen bringen den Arbeitsalltag gehörig durcheinander. Angestellte in systemrelevanten Berufen werden am Arbeitsplatz gebraucht und sind unabkömmlich. Andere sitzen quasi arbeitslos daheim, da von Kurzarbeit oder Freistellung betroffen. Und wieder andere müssten arbeiten, können aber nicht. Denn da ist niemand, der den Dreijährigen beaufsichtigt, während Mama arbeitet.

Der Staat kann Familien, die unter den Auswirkungen der Corona-Krise leiden nicht alle Last und Sorgen nehmen. Doch es wurden recht schnell Hilfen ins Leben gerufen, die zumindest finanziell unter die Arme greifen sollen. 

Neue Regelungen für das Elterngeld

Werdende Eltern haben eine Benachteiligung bei der späteren Elterngeldberechnung befürchtet. Aber: Das müssen sie nicht. Damit das Elterngeld nämlich weiterhin funktioniert, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend folgendes auf den Plan gerufen:

  • Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten und aktuell besonders gebraucht werden oder unabkömmlich sind, können ihre Elterngeldmonate verschieben. Sie dürfen sich bis nach dem 14. Lebensmonat des Kindes die Zeit nehmen, spätestens zum Juni 2021.

  • Den Partnerschaftsbonus verlieren Eltern nicht. Weiter müssen sie keine Gelder zurückzahlen, sollten sie aufgrund der Pandemie mehr oder weniger arbeiten als erwartet.

  • Einkommensersatzleistungen aufgrund der Covid-19-Pandemie, wie Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld I, vermindern das Elterngeld nicht. Die Monate mit geringerem Einkommen können von der Elterngeldberechnung ausgenommen werden.

Wichtig: Diese gesetzlichen Anpassungen gelten rückwirkend ab dem 1. März 2020.

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Notfall-Kinderzuschlag

Der Notfall-Kinderzuschlag, kurz Notfall-KiZ, steht Familien zu, bei denen die Eltern zu den Geringverdienern zählen. Der Zuschlag beträgt bis zu 185 Euro pro Monat und Kind. Ob und in welcher Höhe er ausgezahlt wird, hängt von mehreren persönlichen Faktoren ab. Wer wissen möchte, ob er die finanzielle Hilfe bekommt, kann dies über den KiZ-Lotsen der Arbeitsagentur berechnen.

  • Biallo-Tipp: Wer den Notfall-KiZ erhält, ist von Kitagebühren befreit und hat einen Anspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe.

Lesen Sie auch unseren ausführlichen Ratgeber zum Starke-Familien-Gesetz.

Lohnersatz wegen Kita- und Schulschließung

Nicht wenige Eltern, vor allem Mütter, betreuen ihre Kinder wegen geschlossener Kindereinrichtung oder Schule daheim. Wer dadurch einen Verdienstausfall hat, kann eine finanzielle Entschädigung beantragen. Das Procedere: Der Arbeitgeber zahlt das Geld aus und lässt es sich danach von der in seinem Bundesland zuständigen Behörde erstatten.

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Der Lohnersatz wird – laut Beschluss vom 29. Mai 2020 – von bis dato sechs auf bis zu zehn Wochen pro Elternteil verlängert, für Alleinerziehende auf bis zu 20 Wochen. Eltern bekommen jedoch nicht den vollständigen Lohnausfall erstattet. Es gibt 67 Prozent des Nettoeinkommens, maximal 2.016 Euro im Monat.

Wichtig: Wer eine andere "zumutbare Betreuungsmöglichkeit" hat, erhält die Entschädigungszahlung nicht. Als diese zumutbaren Alternativen gelten:

  • die Notbetreuung in Kindertagesstätte oder Schule,
  • der andere Elternteil oder Verwandte, wenn diese die Betreuung übernehmen können,
  • die Versetzung ins Homeoffice.

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Kurzfristige Lohnfortzahlung nach Paragraf 616 BGB

Wer nur für einen kurzen Zeitraum seiner Arbeit fernbleibt, um sein Kind zu betreuen, kann nach geltender Rechtslage ohne Lohneinbußen dem Arbeitsplatz fernbleiben. "Der Paragraf 616 BGB regelt, dass ein Arbeitnehmer, der ohne sein Verschulden vorübergehend, das heißt maximal fünf Tage, an der Dienstleistung verhindert wird, seinen Vergütungsanspruch gegen den Arbeitgeber auch dann behält, wenn er wegen der Erkrankung des Kindes nicht zur Arbeit erscheinen kann", erklärt Fachanwalt für Arbeitsrecht Jens Former aus München. "Für den Zeitraum erhält er Gehalt und muss sich nicht auf das reduzierte Krankengeld verweisen lassen."

Voraussetzung hierfür ist, dass das Kind nicht anderweitig betreut werden kann, etwa von Verwandten, Freunden oder Nachbarn. Die bittere Pille: Die Lohnfortzahlung nach Paragraf 616 BGB ist in vielen Arbeits- und Tarifverträgen ausgeschlossen und auf wenige Tage, in der Regel fünf, begrenzt.

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Rückerstattung der Elternbeiträge aufgrund von Kita-Schließungen

Kita zu und trotzdem Beitrag zahlen? Nein, denn viele Bundesländer und Kommunen haben sich entschieden, für die Dauer der Kita-Schließungen die Elternbeiträge zum Teil oder ganz zu erstatten.

Wegen des föderalen Systems hierzulande gibt es jedoch keine einheitliche Regelung – Länder und Kommunen handeln eigenständig. Mehr Informationen gibt es beim jeweiligen Familien-Landesministerium. Die Bayerische Staatsregierung zum Beispiel hat beschlossen, dass Eltern während den Betretungsverboten bei den Beiträgen entlastet werden.

Vereinfachter Zugang zu SGB II-Leistungen

Familien, die sich in akuter Existenznot befinden, erhalten vorübergehend vereinfacht einen Zugang zu SGB II-Leistungen. Für den möglichen Anspruch wird Erspartes für die Zeit zwischen 1. März und dem 30. Juni 2020 nicht berücksichtigt.

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Bei Neuanträgen auf SGB II-Leistungen wird die Miete der kommenden sechs Monaten vollständig vom Jobcenter übernommen. Unabhängig davon, ob die örtlichen Mietkosten als angemessen gelten.

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Der 300-Euro-Kinderbonus

Vor der Wahl ist nach der Wahl? Es wurde viel debattiert um einen Extra-Kinderbonus, der die Kaufkraft stärken und die Wirtschaft ankurbeln soll. Finanzminister Scholz hatte 300 Euro, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet gar 600 Euro pro Kind ins Gespräch gebracht.

Eine Entscheidung wurde am 3. Juni von CDU, CSU und SPD getroffen – während den Verhandlungen über das milliardenschwere Konjunktur- und Krisenbewältigungspaket. Gemäß Eckpunktepapier der Koalition erhalten Familien, die besonders von den Einschränkungen betroffen sind, einmalig 300 Euro pro Kind. Dieser Bonus wird mit dem Kindergeld ausbezahlt.

Entlastungsbetrag für Alleinerziehende verdoppelt

Mit dem jüngst verabschiedeten Konjunkturpaket der Bundesregierung sollen auch alleinerziehende Mütter und Väter unterstützt werden. So wird aufgrund des ungleich höheren Betreuungsaufwands in Zeiten von Corona für Alleinerziehende der Steuerfreibetrag – sogenannter Entlastungsbetrag – von aktuell 1.908 Euro auf 4.000 Euro befristet für die Jahre 2020 und 2021 angehoben und somit mehr als verdoppelt.

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Notbetreuung für Alleinerziehende

Keine direkte finanzielle Unterstützung, aber dennoch wichtig: die Notbetreuung für Alleinerziehende. Die nämlich stehen mit der Doppelbelastung aus Kinderbetreuung und Existenzsicherung alleine da.

Hier haben die meisten Bundesländer reagiert und ihnen – selbst, wenn sie in keinem systemrelevanten Beruf arbeiten – den Zugang zur Notbetreuung ermöglicht. Wer die Notbetreuung in Anspruch nehmen möchte, wendet sich an Schule, Kita oder Tagesmutter/Tagesvater – das ist momentan vor allem relevant, sollte eine zweite Pandemie-Welle kommen.

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Kontaktstellen in Notlagen

Diese weltweite Krise trifft nicht nur finanziell. Sie wirkt sich auf das Zusammenleben aus. Im Job, im Alltag, in Familie und Partnerschaft. Während sich einige über die neue Qualität des Familienlebens freuen, leben andere in Angst und sind am Verzweifeln. Wer unter der Situation leidet, im Freundes-, Bekanntenkreis oder Nachbarschaft Gewalttätigkeiten mitbekommt, sollte sich an eine Beratungsstelle wenden.

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Es gibt viele Stellen, deren Beratung unkompliziert, kostenlos und anonym erfolgt – ganz wie man möchte, telefonisch oder per Chat:

Hilfe-Telefon "Gewaltgegen Frauen"

Telefon: 08000 116 016

oder

Sofort-Chat

Anonym und kostenfreie Beratung von betroffenen Frauen aller Nationalitäten

Hilfe-Telefon"sexueller Missbrauch"

Telefon: 0800 22 55 530

oder

beratung@hilfetelefon-missbrauch.de

Hilfe für alle Opfer sexueller Gewalt von einem Team aus psychologisch und pädagogisch ausgebildeten Fachkräften

Krisen-Hotlinefür Alleinerziehende

Telefon: 0201 - 82 774 799

Krisen-Hotline für Alleinerziehende, täglich von 8.30 Uhr bis 16.30 Uhr

Pflege-Telefon

Telefon: 030 - 2017 9131

oder

info@wege-zur-pflege.de

Telefonische Beratung und schnelle Hilfe für Angehörige

Nummer gegen Kummer

Eltern-Telefon: 0800 111 0 550

Kinder- und Jugendtelefon: 116 111

oder

Online per Chat

Nummer gegen Kummer e.V. ist die Dachorganisation des größten, kostenfreien, telefonischen Beratungsangebotes für Kinder, Jugendliche und Eltern




  Kerstin Weinzierl


 
 
 
 
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