Grundsicherung im Alter Wie der Staat kleine Renten aufstockt

Grundsicherung im Alter Wie der Staat kleine Renten aufstockt

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
15.03.2016
Auf einen Blick

Fällt die Alters- oder Erwerbsminderungsrente klein aus, können Betroffene Grundsicherung beantragen. Welche Regeln gelten und worauf Rentner achten sollten.

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Wer 2013 in Altersrente gegangen ist, muss sich in den alten Bundesländern im Schnitt mit einem Ruhegeld von gut 700 Euro (Ostdeutschland: 860 Euro) begnügen. Bei Erwerbsminderungsrentnern sind es sogar nur gut 600 Euro. Wer dann keine weiteren Einkünfte hat, sollte in jedem Fall prüfen, ob nicht zusätzlich noch Anspruch auf eine Aufstockung durch die Grundsicherung besteht.

So hoch fällt die Grundsicherung im Alter aus

Alleinstehende können vom Staat – genau wie bei Hartz IV – für den laufenden Lebensunterhalt bis zu 391 Euro im Monat erhalten, für (Ehe-)Paare sind es 706 Euro. Dazu werden noch die (angemessenen) Kosten für die Wohnung berücksichtigt, die unterschiedlich hoch ausfallen. Beträgt die Warmmiete eines Rentner-Ehepaars aus Berlin beispielsweise 500 Euro, so liegt der rechnerische „Bedarf“ des Paares bei 1.206 Euro. Erreicht die gesetzliche Rente des Paares nicht diese Höhe, so haben die Betroffenen Anspruch auf aufstockende Grundsicherungsleistungen des Sozialamts. Betragen die beiden Renten insgesamt etwa nur 1.100 Euro, so schießt das Sozialamt weitere 106 Euro zu, so dass insgesamt 1.206 Euro zusammenkommen. Soweit die Betroffenen – was auch bei Senioren nicht selten der Fall ist – jobben, dürfen sie einen Teil ihrer Einkünfte behalten. Bei einem 450-Euro-Job sind es 135 Euro. Der Rest wird mit der Grundsicherung verrechnet.

Grundsicherung im Alter
Grundsicherung im Alter: Immer mehr Rentner sind auf Unterstützung angewiesen

Grundsicherung kommt auch für hohe Kosten für die Private Krankenversicherung auf

Auch privat Krankenversicherten, die im Alter ihre gestiegenen Versicherungsbeiträge nicht mehr schultern können, helfen die Sozialämter. Dies gilt dann, wenn den Betroffenen nach Bezahlung der Versicherungsbeiträge und der Unterkunftskosten weniger als der Regelbedarf (siehe oben) bleibt. Zunächst müssen die Senioren dabei in der Regel in den sogenannten Basistarif wechseln, den alle privaten Versicherer anbieten müssen. Für Bedürftige im Sinne der Grundsicherung muss die Versicherungsprämie halbiert werden.

Kinder müssen nicht zahlen

Bei den meisten Punkten gibt es keinen Unterschied zwischen der Grundsicherung und Hartz IV. Doch einige Regeln sind für Rentner günstiger: Wer Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung bezieht, muss beispielsweise nicht damit rechnen, dass seine Kinder vom Amt zur Kasse gebeten werden – es sei denn, ein Kind verdient nach Abzug von Werbungskosten oder Betriebsausgaben über 100.000 Euro im Jahr. Nach dem Tod eines Grundsicherungsbeziehers werden dessen Erben von den Ämtern nicht zur Rückzahlung verpflichtet, falls es etwa noch Vermögenswerte (wie ein Häuschen) gibt. Bei Hartz IV ist das anders.

Wer hohe Ersparnisse hat, bekommt keine Grundsicherung

Bevor der Staat mit Zahlungen einspringt, müssen die Antragsteller allerdings zunächst ihre Rücklagen weitgehend aufbrauchen. Die Freibeträge fürs erlaubte Vermögen sind weit niedriger als bei Hartz IV. Für einen Alleinstehenden ist nur ein Geldvermögen bis 2.600 Euro erlaubt, für den Partner kommen 614 Euro hinzu.

Tipp: Wer mit 60 beispielsweise eine höhere Lebensversicherung ausbezahlt bekommt und nur eine geringe Rente erwartet, für den lohnt es sich unter Umständen, eine kleine Eigentumswohnung anzuschaffen. Denn Geldvermögen muss vor dem Grundsicherungsbezug erst verbraucht werden, eine kleine Immobilie darf man aber behalten. „Angemessenes“ Wohneigentum ist für Grundsicherungsbezieher nämlich erlaubt. Was das genau bedeutet, darüber gibt es nicht selten Streit. Klar ist: Ein alleinstehender Grundleistungsbezieher darf ein Häuschen mit 70 oder eine Eigentumswohnung mit 60 Quadratmetern in jedem Fall behalten. Für Paare gelten höhere Werte. Ein PKW wird den Betroffenen allerdings – anders als bei Hartz IV – im Regelfall nicht zugestanden. Ein Wagen muss deshalb meist verkauft werden, bevor es Grundsicherung gibt.

Aber Achtung: Ob es um den PKW, Ersparnisse oder einen Nebenjob geht: Wer Grundsicherung erhält, sollte den Ämtern gegenüber immer mit offenen Karten spielen – schon allein, weil die Ämter einen umfassenden Datenabgleich vornehmen. Und wer da schummelt, muss als Betrüger im Extremfall mit einem Strafverfahren rechnen.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de