Beim Vormund für das Kind mitbestimmen

Sorgerechtsverfügung Beim Vormund für das Kind mitbestimmen

Annette Jäger
von Annette Jäger
17.08.2017
Auf einen Blick
  • Per Sorgerechtsverfügung können Eltern mitbestimmten, wer die Kinder nach dem eigenen Ableben versorgt. Eine Sorgerechtsvollmacht ist eine sinnvolle Ergänzung.

  •  Zur finanzielle Vorsorge für die Kinder sollten Eltern eine Risikolebensversicherung abschließen. Als Faustregel für die Höhe der Versicherungssumme gilt: Sie sollte das Drei- bis Fünffache des Jahresbruttoeinkommens betragen.

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Bei Schicksalsschlägen hört man hinterher Betroffene immer wieder sagen: Hätten sie nur vorgesorgt. Nicht, dass das Schicksal dadurch hätte abgewendet werden können. Aber der Umgang damit wäre in mancher Hinsicht einfacher gewesen. Das betrifft neben finanziellen Vorkehrungen auch Fragen der Fürsorge. Wer beispielsweise kümmert sich um minderjährige Kinder, wenn ein Elternteil oder beide Eltern gleichzeitig sterben, sei es durch einen Unfall oder eine Krankheit? Nicht automatisch kommen die Kinder immer zum nächststehenden Verwandten. Und auf den Taufpaten läuft entgegen landläufiger Meinung keineswegs das Sorgerecht über.

Eltern – vor allem alleinerziehende Elternteile – sollten sich darüber Gedanken machen. Sie können Vorsorge treffen: Mit einer Sorgerechtsverfügung können sie mitbestimmten, wer die Kinder nach dem eigenen Ableben versorgt. Eine Sorgerechtsvollmacht ist eine sinnvolle Ergänzung. Erfahren Sie in den folgenden Abschnitten, was Sie zu dem Thema wissen müssen und wie Sie außerdem für Hinterbliebene finanzielle vorsorgen können.

1. Versorgung minderjähriger Kinder – wie ist die Rechtslage?

1a. Zwei Szenarien

Szenario 1: Ein Elternteil stirbt

Wenn Mutter und Vater beide das Sorgerecht haben und ein Elternteil verstirbt, hat automatisch der überlebende Elternteil das alleinige Sorgerecht. Das gilt bei gemeinsam lebenden Paaren genauso wie bei Paaren, die getrennt sind. Geregelt ist dies im Paragraph 1680 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB):

"(1) Stand die elterliche Sorge den Eltern gemeinsam zu und ist ein Elternteil gestorben, so steht die elterliche Sorge dem überlebenden Elternteil zu."

Hat der verstorbene Elternteil das Sorgerecht alleine ausgeübt, spricht das Familiengericht in der Regel dem leiblichen Elternteil das Sorgerecht zu, vorausgesetzt es widerspricht nicht dem Wohl des Kindes. §1680 BGB

"(2) Ist ein Elternteil, dem die elterliche Sorge gemäß § 1626a Absatz 3 oder § 1671 allein zustand, gestorben, so hat das Familiengericht die elterliche Sorge dem überlebenden Elternteil zu übertragen, wenn dies dem Wohl des Kindes nicht widerspricht."

Szenario 2: Beide Elternteile sterben

Wenn ein Kind gleich beide Eltern verliert, entscheidet ebenfalls das Familiengericht, wer in Zukunft die Sorge tragen soll.

1b. Familiengericht bestellt Vormund

Entscheidet das Familiengericht, wo ein Kind aufwachsen soll, wird es in den meisten Fällen das Sorgerecht auf den noch lebenden Elternteil übertragen, auch wenn diesem eventuell in der Vergangenheit das Sorgerecht entzogen wurde. Das Wohl des Kindes steht bei der Entscheidung im Mittelpunkt. Gibt es berechtigte Zweifel, dass das Kind beim verbleibenden Elternteil gut aufgehoben ist, wird das Gericht einen anderen Vormund bestimmen. Dabei werden immer die persönlichen und finanziellen Verhältnisse des potentiellen Vormunds in die Entscheidung miteinbezogen.

Alternative Vormundkandidaten sind in der Regel andere Angehörige des Kindes. Bekommt beispielsweise die Tante das Sorgerecht übertragen, heißt das nicht, dass sie das Kind auch bei sich aufnehmen wird. Sie kann durchaus bestimmen, dass das Kind in einem Heim oder bei einer Pflegefamilie aufwachsen soll. Grundsätzlich gilt: Das Gericht behält eine Kontrollfunktion. Bei bestimmten Rechtsgeschäften muss das Gericht einbezogen werden, etwa bei Grundstücks- oder Immobiliengeschäften, die der Vormund im Namen des Kindes tätigt.

Amtsvormund

Gibt es keine geeignete Person aus dem näheren Umfeld des Kindes, kann das Gericht auch einen Fremden, einen sogenannten Amtsvormund bestellen. Das kann ein Mitarbeiter des Jugendamtes sein oder ein Mitglied aus einem Vormundschaftsverein. Auch der Amtsvormund muss bei bestimmten Entscheidungen das Gericht befragen.

Auch beim Amtsvormund wird das Kind nicht leben. Viel eher kommt es dann in eine Pflegefamilie oder in ein Heim. Darüber entscheidet dann der amtliche Vormund.

Sicher ist, dass das Gericht bei der Entscheidung über eine Vormundschaft immer versuchen wird, das Kind, so weit möglich, in seinem gewohnten Umfeld zu belassen und es wird auch versuchen, den Wunsch der Eltern, so wie er angenommen wird, umzusetzen. Ebenso werden enge Bindungen des Kindes an Verwandte der Familie, an Freunde oder Bekannte, berücksichtigt. Das ist im Paragraph 1779 Bürgerliches Gesetzbuch geregelt:

"…(2) Das Familiengericht soll eine Person auswählen, die nach ihren persönlichen Verhältnissen und ihrer Vermögenslage sowie nach den sonstigen Umständen zur Führung der Vormundschaft geeignet ist. Bei der Auswahl unter mehreren geeigneten Personen sind der mutmaßliche Wille der Eltern, die persönlichen Bindungen des Mündels, die Verwandtschaft oder Schwägerschaft mit dem Mündel sowie das religiöse Bekenntnis des Mündels zu berücksichtigen…."

Übrigens: Taufpaten sollen allein die christliche Erziehung bzw. Entwicklung ihres Patenkindes fördern. Sie übernehmen nicht das Sorgerecht, wenn den Eltern etwas zustößt. Das war früher anders.

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2. Sorgerechtsverfügung

2a. Wer benötigt eine Sorgerechtsverfügung

Eine Sorgerechtsverfügung ist für alle Eltern relevant, die den Fall regeln wollen, dass einer anderen Personen das Sorgerecht für die minderjährigen Kinder übertragen wird, sollten beide Elternteile versterben.

Insbesondere ist die Verfügung auch für all jene relevant, die das Sorgerecht alleine ausüben. Hier wird immer ein Vormund durch das Familiengericht bestimmt.

2b. Was kann die Sorgerechtsverfügung?

Mit einer Sorgerechtsverfügung können Eltern festlegen, auf wen das Sorgerecht im Todesfall übergehen soll – allerdings gelten ein paar gesetzliche Regelungen, die nicht umgangen werden können. So kann bei getrennt lebenden Eltern nicht der Elternteil, bei dem das Kind nach der Trennung nicht gelebt hat, als Vormund einfach ausgeschlossen werden, nur weil man ihn unsympathisch findet oder sich zerstritten hat.

Ein Gericht muss sich an die Angaben in der Sorgerechtsverfügung halten, außer in der Verfügung ist eine Person vorgeschlagen, die nach Ansicht des Gerichts das Wohl des Kindes nicht sicherstellen kann.

In einer Sorgerechtsverfügung können Eltern auch Personen festlegen, die das Sorgerecht auf keinen Fall erhalten sollen (siehe dazu auch unten, Punkt 2d.)

2c. Geeigneten Vormund festlegen

Damit das Gericht, den in der Verfügung genannten Vormund auch berücksichtigen kann, muss er geeignet sein. Sehr betagte und bereits kranke bzw. gebrechliche Großeltern, die das Sorgerecht für ein noch kleines Kind übernehmen sollen, sind es beispielsweise in Augen des Gerichts nicht. Das Gericht wird dann zum Wohl des Kindes einen anderen Vormund bestimmen. Ebenso Geschwister, die noch nicht volljährig sind, können nicht Vormund werden. Ein befreundetes Ehepaar kann aber zum Beispiel auch gemeinsam als Vormund auftreten.

Wer ein Vormund werden soll, können Eltern in der Regel kaum alleine entscheiden. Unbedingt sollten Eltern die Verwandten oder auch Freunde, die in Frage kommen, in die Entscheidung miteinbeziehen. Schließlich macht die Verfügung nur Sinn, wenn die darin genannte Person auch damit einverstanden ist, das Sorgerecht zu übernehmen. Die Eltern oder der Elternteil als Verfasser der Sorgerechtsverfügung sollten auch eine Ersatzperson festlegen für den Fall, dass die erstgenannte Person zum fraglichen Zeitpunkt nicht mehr zur Verfügung steht oder das Gericht sie nicht akzeptiert.

Bei der Benennung eines Vormunds sollte man einerseits die persönliche Beziehung zum Kind in die Entscheidung mit einbeziehen, aber auch den Wohnort der Person, Alter und Familiensituation. Lebt das Kind mit seiner Mutter in Deutschland und der Onkel in Amerika soll der Vormund werden, muss man sich fragen, ob es zum Wohl des Kindes ist, wenn es dann nach Amerika umziehen müsste.

Tipp: Ist das Kind alt genug, sollten die Eltern gemeinsam mit ihm besprechen, wer im Notfall Vormund werden soll. Kinder, die älter als 14 Jahre alt sind, können vor Gericht der Regelung in der Sorgerechtsverfügung widersprechen.

Übrigens: Es ist durchaus möglich, dass Eltern verschiedene Sorgeberechtigte in ihrer Verfügung benennen. In diesem Fall gilt die Anordnung des zuletzt verstorbenen Elternteils.

2d. Vermögenssorge separat bestimmten

In einer Sorgerechtsverfügung kann die Personensorge und die Vermögenssorge getrennt, zwei verschiedenen Personen übertragen werden. In getrennten Familien ist das häufig der Fall.

Beispiel: Die Eltern leben getrennt. Elternteil A., der sich um das vier Jahre alte Kind kümmert, hat auch eine Immobilie zu vererben. Im Todesfall von A. würde der getrennt lebende Elternteil B der Vormund werden und ohne vorliegende Sorgerechtsverfügung auch das Erbe verwalten. Das ist aber Elternteil A. nicht recht. So kann dieser über eine Sorgerechtsverfügung eine andere Person als Vormund nennen, die das Erbe verwalten soll.

Wer es ganz genau nimmt, stellt auch noch über ein Testament sicher, dass der getrennte Elternteil, nicht das Vermögen des Kindes erben soll, sollte dem Kind etwas zustoßen, bevor es volljährig ist. Dieses komplizierte Konstrukt sollte man mit Hilfe eines Notars formulieren.

2e. Inhalt einer Sorgerechtsverfügung

Das sollte in einer Sorgerechtsverfügung stehen:

  • Die Person, die das Sorgerecht übernehmen soll.
  • Eine Ersatzperson, die das Sorgerecht übernehmen soll, sollte die erstgenannte Person nicht mehr in Frage kommen.
  • Eventuell Personen, die das Sorgerecht ausdrücklich nicht erhalten sollen. Sollte es sich dabei um den anderen Elternteil handeln, so muss ausführlich und nachvollziehbar dargelegt werden, warum der Elternteil nicht in Frage kommt.
  • Eventuell, dass Personen- und Vermögenssorge von verschiedenen Personen wahrgenommen werden sollen.

2f. Formalien einer Sorgerechtsverfügung

Eine Sorgerechtsverfügung ist immer Teil einer letztwilligen Verfügung, also eines Testaments oder Erbvertrags. Hat man nichts zu vererben, kann die Sorgerechtsverfügung auch alleiniger Inhalt des Testaments sein. Damit die Sorgerechtsverfügung auch gültig ist, muss sie diese Formalien erfüllen:

  • Sie muss handschriftlich verfasst sein.
  • Vor­ und Zuname des Verfassers oder der Verfasserin müssen genannt sein.
  • Vor-, Zuname und Geburtsdatum des betroffenen Kindes bzw. betroffener Kinder müssen genannt sein.
  • Sie muss mit Ort, Datum und Unterschrift (Vor- und Nachname!) versehen sein.
  • Verfassen Eltern gemeinsam eine Verfügung und sind sich über die genannten Personen einig, genügt es, wenn einer die Verfügung verfasst und dann aber beide unterschreiben, jeweils mit Ort und Datum.
  • Sind Eltern nicht verheiratet, haben aber das gemeinsame Sorgerecht, sollten sie getrennte Verfügungen verfassen. Hier gilt wie oben schon genannt: Werden verschiedene Personen in den jeweiligen Verfügungen genannt, gilt die Verfügung des zuletzt Verstorbenen.

2g. Aufbewahrung

Jede Art von schriftlicher Vorsorge ist nur so gut wie ihre Aufbewahrung. Eine Sorgerechtsverfügung, von der keiner etwas weiß und die unbeachtet in einer Schublade liegt, zeigt im Notfall keine Wirkung. Wenn sie zuhause verwahrt wird, muss sie auffindbar sein. Im besten Fall hat man sie bei einem Notar im Rahmen eines Testaments verfasst. Sie ist damit registriert. Das hat den Vorteil, dass sie automatisch im Rahmen der Testamentseröffnung Beachtung findet. Die in der Verfügung genannten Personen sollten auf jeden Fall informiert sein.

Tipp: Eine Sorgerechtsverfügung sollte hin und wieder aktualisiert werden, etwa wenn sich die Lebenssituationen verändert, zum Beispiel durch einen Umzug, und das Auswirkungen auf die Wahl des Vormunds hat.

2h. Musterverfügung

So könnte eine Sorgerechtsverfügung formuliert sein (Mustervorlage):


"Wir, Maria Muster, geborene…., geboren am TT.MM.JJ in …, wohnhaft in…sowie mein Ehemann, Hans Muster, geboren am TT.MM.JJ in …, wohnhaft in …, verfügen für den Fall, dass wir die elterliche Sorge für unser Kind Max Muster, geboren am TT.MM.JJ, wohnhaft in …., vorübergehend oder auf Dauer nicht mehr ausüben können, dass Frau Rita Mustermann, geborene …., geboren am TT.MM.JJ in …, wohnhaft in…, Telefon:…., das Sorgerecht übernehmen soll und zum Vormund bestellt wird. Frau Rita Mustermann soll sowohl die Personensorge als auch die Vermögenssorge ausüben.

Sollte Frau Mustermann die Übernahme des Sorgerechts für Max Muster nicht möglich sein, soll Herr Paul Meier, geboren am TT.MM.JJ. in …, wohnhaft in …, Telefon: …, das Sorgerecht übernehmen und zum Vormund bestellt werden. Herr Max Muster soll sowohl die Personensorge als auch die Vermögenssorge ausüben.

Keinesfalls soll Herr Peter Muster, geboren am TT.MM.JJ in …, wohnhaft in … die Vormundschaft übernehmen. Grund für diese Entscheidung sind langjährige Streitigkeiten und persönliche Differenzen. Zu Herrn Peter Muster besteht seit …kein persönlicher Kontakt mehr.

Ort / Datum Unterschrift Maria Muster

Unterschrift Hans Muster"

Quelle: Deutsche Vorsorgedatenbank AG, www.deutschevorsorgedatenbank.de

3. Sorgerechtsvollmacht

Sinnvoll ergänzt wird die Sorgerechtsverfügung um die Sorgerechtsvollmacht, die greift, wenn die Eltern das Sorgerecht vorübergehend nicht ausüben können. Gründe können zum Beispiel eine anstehende Operation oder ein längerer Klinikaufenthalt sein.

Tipp: Schon bei einer simplen Urlaubsreise, bei der das minderjährige Kind mit einer befreundeten Familie verreist oder mit den Großeltern, ist eine vorübergehende Übertragung der Personensorge nötig.

In einer Sorgerechtsvollmacht kann man einen Vormund festlegen, der für einen bestimmten Zeitraum der Vormund sein soll. Dieser entscheidet dann über Erziehungsfragen in dieser Zeit und ist auch bei eventuell anstehenden Arztbesuchen entscheidungsbefugt und kann auch in eine Operation einwilligen, wenn die Eltern dazu nicht in der Lage sind. In Notfällen ist das wichtig.

Wichtig: Eine Sorgerechtsvollmacht ist widerruflich. Sie gilt nicht auf Dauer. Diesen Zusatz, dass der Unterzeichner sie jederzeit widerrufen kann, sollte man in die Vollmacht einfügen.

Es gelten dieselben formalen Vorgaben wie bei der Sorgerechtsverfügung.

4. Risikolebensversicherung

4a. Finanzielle Fürsorge

Stirbt ein Elternteil minderjähriger Kinder, ist einerseits die Personenvorsorge zu treffen, zum anderen die finanzielle Vorsorge. Die Kinder haben noch eine Ausbildung vor sich oder sie bleiben in einer nicht abbezahlten Immobilie zurück.

Einer Risikolebensversicherung kommt in diesem Zusammenhang eine zentrale Bedeutung zu. Sie leistet im Todesfall des Versicherungsnehmers, ganz gleich ob dieser durch eine Krankheit oder einen Unfall umkommt, eine Kapitalzahlung. Die Police ist damit das Instrument schlechthin, um Hinterbliebene finanziell abzusichern. Angesprochen sind hier junge Familien genauso wie Alleinerziehende. Auch wenn einer anderen Person das Sorgerecht übertragen werden muss, ist ein finanzielles Polster für die Kinder wünschenswert.

4b. Welche Leistungen sind wichtig?

Versicherungssumme: Risikolebensversicherungen sind einfach konstruierte Policen. Das Kernelement ist die Versicherungssumme: Wie hoch sie sein sollte, hängt von vielen Faktoren ab: Sind die Kinder noch sehr klein und sind sie vielleicht noch 15 oder 20 Jahre lang zu finanzieren? Oder sind sie schon Jugendliche und stehen in wenigen Jahren sowieso auf eigenen Beinen? Ist eine Immobilie abzubezahlen? Gibt es Vermögen, auf das man im Ernstfall zurückgreifen kann? Eines ist sicher: 100.000 Euro Versicherungssumme sind sicherlich zu wenig. Welche Summe tatsächlich die richtige ist, entscheidet die persönliche Situation. Als Faustregel gilt: das Drei- bis Fünffache des Jahresbruttoeinkommens ist realistisch.

Laufzeit: Die Laufzeit einer Police sollte so lange sein, wie Bedarf besteht – also bis die Kinder finanziell auf eigenen Beinen stehen und/oder eine Immobilie abbezahlt ist. Gegen Ende der Laufzeit kann man unter Umständen die Versicherungssumme verringern.

Nachversicherungsoption: Ein guter Vertrag sollte eine Nachversicherungsoption bieten. Das heißt, dass sich die Versicherungssumme nachträglich ohne erneute Gesundheitsprüfung nach oben anpassen lassen muss, wenn sich die Lebensumstände ändern und ein höherer Finanzbedarf entsteht.

Tipp: Auf die Unfalltodzusatzversicherung kann man verzichten. Bei dieser Variante verdoppelt sich die Versicherungssumme bei Unfalltod. Doch warum sollten Hinterbliebene in diesem Fall mehr Geld benötigen als bei anderen Todesursachen? Meint man, bei Unfalltod mehr Geld zu benötigen, sollte man die Versicherungssumme gleich höher ansetzen.

Gesundheitsfragen

Detaillierte Fragen zum Gesundheitszustand der versicherten Person sind Teil jeder Versicherungspolice. Angaben zu Krankenhausaufenthalten oder Behandlungen von Krankheiten in den vergangenen Jahren sind Routine. Auch wenn manche Fragen vielleicht kleinlich erscheinen, sollte man sie gründlich beantworten. Man sollte sogar die Ärzte, die einen wegen verschiedener Erkrankungen oder Verletzungen behandelt haben, zu Rate ziehen. Im Ernstfall können die Gesundheitsfragen nämlich zum Knackpunkt werden: Hat der Versicherungsnehmer die Fragen schlampig beantwortet oder im Augenblick des Abschlusses der Police nebensächlich erscheinende Beschwerden verschwiegen, kann es passieren, dass die Versicherung im Ernstfall die Auszahlung der Versicherungssumme verweigert. Schließlich kann es sein, dass eine chronische Krankheit zum vorzeitigen Tod der versicherten Person führt. Zu einer Zahlungsverweigerung ist das Unternehmen berechtigt, wenn sich herausstellt, dass unzureichende Angaben über Vorerkrankungen oder Beschwerden gemacht wurden, die den Tod verursacht haben.

Tipp: Besonders Raucher sollten hier aufpassen. Die Beiträge für Raucher sind zum Teil wesentlich teurer als für Nichtraucher. Trotzdem sollte man im Vertrag nicht schummeln und sich als Nichtraucher ausgeben. Sollte man an einer Krankheit, die auf das Rauchen zurückzuführen ist, sterben, riskiert man den Versicherungsschutz. Als Nichtraucher gilt man nur, wenn man in den vergangenen zwölf Monaten vor Antragstellung nicht geraucht hat

4c. So viel kostet eine Police

Risikolebensversicherungen sind vergleichsweise günstige Policen. Allerdings unterscheiden sich die Beiträge enorm. Man kann ruhig auf einen günstigen Anbieter setzen, denn es gibt keine großen Unterschiede bei den Bedingungen. Versichert ist immer dasselbe Risiko: der Tod. Raucher zahlen um ein Vielfaches mehr als Nichtraucher! Die beiden Tabellen unten zeigen Preisvergleiche.

Tabelle: Tarifbeispiele für Risikolebensversicherungen.

Modellfall: 35 Jahre alter Versicherungsnehmer, Bankangestellter, Nichtraucher, Versicherungssumme 300.000 Euro, 20 Jahre Laufzeit.

Anbieter

Tarif

Monatsbeitrag

Dialog

RISTBP

12,20 Euro

Zurich Life

Risiko Bas

23,11 Euro

Ergo direkt

RLVTarif R6

15,55 Euro

Allianz

PLV Plus (E307)

29,18 Euro

Signal Iduna

SI Risikolebensversicherung

31,97 Euro

Quelle: Biallo.de/Stand Juli 2017

Tabelle: Tarifbeispiele für Risikolebensversicherungen.

Modellfall: 35 Jahre alter Versicherungsnehmer, Bankangestellter, Raucher, Versicherungssumme 300.000 Euro, 20 Jahre Laufzeit.

Anbieter

Tarif

Monatsbeitrag

Dialog

RISTBP

21,76 Euro

Ergo direkt

RLVTarif R6

46,45 Euro

Huk Coburg

WB

50,10 Euro

Zurich Life

Risiko Bas

72,26 Euro

Signal Iduna

SI Risikolebensversicherung

80,49 Euro

Quelle: Biallo.de/Stand August 2017

(Alle Angaben wurden nach bestem Wissen recherchiert, dennoch übernehmen wir keine Gewähr).

Diesen Beitrag stellen wir Ihnen auch als PDF-Dokument bereit. Sie können ihn hier herunterladen: "Sorgerechtsverfügung - Beim Vormund für das Kind mitbestimmen"

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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