Freiwilligendienste: Abenteuer Lebenserfahrung

Ratgeber der Woche Freiwilligendienste: Abenteuer Lebenserfahrung

Annette Jäger
von Annette Jäger
11.05.2018
Auf einen Blick
  • Freiwilligendienste eröffnen die Möglichkeit, nach dem Schulabschluss in die Berufswelt hineinzuschnuppern, und schulen die soziale Kompetenz.

  • Am beliebtesten sind ein Bundesfreiwilligendienst (BFD),  Freiwilliges Soziales Jahr (FsJ) und Freiwilliges Ökologisches Jahr (FöJ). Auch Angebote im Ausland unter dem Dach von Organisationen sind gefragt.

  • Für die Dienste gelten feste Rahmenbedingungen. Wer eine Stelle hat, muss sich an feste Arbeitszeiten halten, ist sozialversichert und verfügt über geregelte Urlaubstage.

  • Für ihr Engagement erhalten Freiwillige ein Taschengeld. Der Höchstbetrag liegt aktuell bei 390 Euro.
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Freiwilligendienste sind hoch angesehen. Sie bringen Lebenserfahrung, bescheren Einblicke ins Berufsleben und schulen in sozialer Kompetenz. Für viele junge Erwachsene haben sie auch eine wichtige Brückenfunktion: Nach der Schule bietet ein Freiwilligendienst die Möglichkeit der Orientierung und gleichzeitig ist die Zeit bis zum Beginn eines Studiums oder einer Ausbildung sinnvoll gefüllt. Bewerber haben eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich freiwillig zu engagieren: im sozialen Bereich, in der Natur, im Sport, in Kultur und Integration oder im Zivil- und Katastrophenschutz. Ein Bundesfreiwilligendienst (BFD), ein Freiwilliges Soziales Jahr (FsJ) und ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FöJ), sind die am häufigsten gewählten Freiwilligendienste im Inland. Es gibt auch Angebote im Ausland. Erfahren Sie auf den folgenden Seiten, was für einen Freiwilligendienst spricht, wie er abläuft und welche Rahmenbedingungen gelten.

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1. Freiwilligendienst: Definition und Aufgabe

1a. So funktioniert ein Freiwilligendienst

Freiwilligendienste stellen ein Angebot dar, sich außerhalb von Beruf und Schule für das Allgemeinwohl zu engagieren - im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich oder im Bereich des Sports, der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz. Meist sind es junge Erwachsene zwischen 18 und 26 Jahren, die sich für so einen Dienst melden. Die meisten Freiwilligendienste laufen über einen Zeitraum von zwölf Monaten.

Freiwillig heißt dabei nicht, dass die Engagierten den Dienst ausüben können, wann und wie sie wollen. Im Gegenteil, es gelten feste Rahmenbedingungen. Wer sich beworben und eine Stelle erhalten hat, ist in ein Team eingebunden, muss sich an feste Arbeitszeiten halten, ist sozialversichert, verfügt über geregelte Urlaubstage und nimmt an Seminaren teil. Für ihr Engagement erhalten die Freiwilligen ein Taschengeld. Der Höchstbetrag liegt aktuell bei 390 Euro. Nur wenn all diese Rahmenbedingungen erfüllt sind, gilt das Engagement als Freiwilligendienst und wird dem Teilnehmer auch als solcher bescheinigt.

Die am häufigsten absolvierten Freiwilligendienste in Deutschland sind

  • der Bundesfreiwilligendienst (BFD), der seit 2011 den Zivildienst ersetzt,
  • das Freiwillige Soziale Jahr (FsJ),
  • das Freiwillige Ökologische Jahr (FöJ).

Es gibt auch Angebote im Ausland, siehe dazu Punkt 4.

1b. Deshalb ist ein Freiwilligendienst sinnvoll

Man muss nicht zwingend einen sozialen Beruf anstreben als Voraussetzung für einen Freiwilligendienst. Eine solche Erfahrung ist in jeder Berufsbranche von großem Wert. Das sind gute Gründe für einen Freiwilligendienst:

  • Teilnehmer erhalten die Chance, die Zeit zwischen Schulabschluss und Uni oder Ausbildung mit einer sinnvollen Tätigkeit zu überbrücken.
  • Sie erhalten Einblick in gesellschaftliche Verhältnisse und schnuppern fernab von jeder Theorie ins praktische Berufsleben.
  • Freiwilligendienste tragen dazu bei, Vorurteile abzubauen und den Horizont zu erweitern.
  • Teilnehmer eignen sich soziale Kompetenzen an und lernen, im Team zu arbeiten.
  • Teilnehmer lernen, Verantwortung zu übernehmen und eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen.
  • Teilnehmer gewinnen an Selbstbewusstsein, wenn sie in ihrer Arbeit erfolgreich sind und positive Rückmeldungen erhalten.
  • Bei späteren Bewerbungen für einen Beruf sind Freiwilligendienste hoch angesehen und wiegen nicht selten schwerer als "nur" gute Noten.
  • Universitäten und Hochschulen können einen Freiwilligendienst als Praktikum anrechnen oder als sogenanntes nachrangiges Kriterium. Kommen beispielsweise zwei Bewerber für einen Platz in Frage, kann derjenige, der einen Freiwilligendienst absolviert hat, den Vorzug erhalten.
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2. So funktioniert der Bundesfreiwilligendienst (BFD)

2a. Was ist ein Bundesfreiwilligendienst?

Der Bundesfreiwilligendienst ist ein Angebot, sich außerhalb von Beruf und Schule für das Allgemeinwohl zu engagieren - im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich oder im Sport, der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz. Über 40.000 Bürger engagieren sich derzeit (Stand April 2018) über einen solchen Dienst in gemeinnützen Einrichtungen. In manchen Bereichen kann man über den Bundesfreiwilligendienst auch eine Ausbildung absolvieren, beispielsweise zum Rettungssanitäter oder zum Übungsleiter im Sport.

Den Bundesfreiwilligendienst gibt es seit 2011. Es ersetzt den bis dahin üblichen Zivildienst. Er wird vom Bund organisiert und ergänzt die Angebote des Freiwilligen Sozialen bzw. Ökologischen Jahres, FsJ und FöJ (siehe Punkt 3).

Ein Bundesfreiwilligendienst kann nur in Deutschland geleistet werden, Auslandsaufenthalte sind nicht möglich. Dafür stehen andere Dienste zur Verfügung (siehe Punkt 4).

2b. Welche Dienste werden angeboten?

Typische Tätigkeiten im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes sind: Schulwegbegleiter für behinderte Kinder; Unterstützungstätigkeit in einem Kindergarten oder einer Nachmittagsbetreuung; Krankentransporte beim Rettungsdienst; Ausgabe und Organisation von "Essen auf Rädern"; Fahrdienste für behinderte Menschen; Mitarbeit bei einem Hausnotruf; Unterstützung in einem Kinderhort; Küchendienst im Obdachlosencafé; Wattführungen und Meeressäugerschutz, etwa auf Amrum; Unterstützung eines Sportvereins; Engagement in einem Integrationsprojekt für Menschen mit Migrationshintergrund.

Einsatzstellen werden von gemeinwohlorientierten Einrichtungen angeboten. Dazu zählen Mitgliedseinrichtungen der Wohlfahrtsverbände (Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland), aber auch nicht-verbandsgebundene Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kinderheime, Kindertagesstätten, Schulen, Jugendeinrichtungen, Einrichtungen der Behindertenhilfe, Erholungsheime, Mehrgenerationenhäuser, Selbsthilfegruppen, Sportvereine, Museen, Kultureinrichtungen, Einrichtungen des Zivil- und Katastrophenschutzes, Träger ökologischer Projekte und Kommunen.

Entweder spricht der Interessent auf eigene Initiative eine Einrichtung an, ob sie einen Freiwilligendienst anbietet. Oder aber er sucht über die zentrale Einsatzstellensuche unter www.bundesfreiwilligendienst.de eine passende Tätigkeit.

2c. Bewerbung

Für Bewerbungen um einen Bundesfreiwilligendienst gibt es keine verbindlichen Fristen. Diese legt jede Einsatzstelle individuell fest. Es kommt tatsächlich auf die jeweilige Stelle an, wie lange im Voraus sich ein Interessent bewerben muss. Manche Tätigkeiten sind so beliebt, dass sie schnell besetzt sind. Andere Einrichtungen suchen händeringend nach Freiwilligen. Hier ist auch eine sehr kurzfristige Bewerbung möglich. Am besten erkundigt sich der Interessent direkt bei der Einsatzstelle, wann der besten Zeitpunkt für eine Bewerbung ist und wie das genaue Prozedere ist.

2d. Wer kann teilnehmen?

Männer und Frauen jeden Alters können einen Bundesfreiwilligendienst absolvieren. Voraussetzung ist, dass der Teilnehmer mindestens die neunte Klasse beendet hat bzw. seine Vollzeitschulpflicht erfüllt hat, also je nach Bundesland mindestens 15 bzw. 16 Jahre alt ist. Auch Empfänger von Arbeitslosengeld II können einen Bundesfreiwilligendienst machen. Während der Dauer des Dienstes ist der Teilnehmer nicht verpflichtet, eine Arbeit aufzunehmen. Wichtig zu wissen ist, dass alle Einnahmen angerechnet werden: also das für den Dienst gewährte Taschengeld (es gilt ein Freibetrag von 200 Euro im Monat), aber auch eventuelle Sachleistungen wie Unterkunft und Verpflegung oder, wenn diese nicht bereitgestellt wird, die ausgezahlten Geldersatzleistungen.

2e. Wie lange dauert ein Dienst?

Regulär dauert ein Bundesfreiwilligendienst zwölf Monate. Manchmal sind auch Dienste von einer Dauer von sechs Monaten möglich, längstens kommen 18 Monate in Frage, in Ausnahmefällen sogar 24 Monate. Eine Dauer von zwei Jahren betrifft dann meist die Einsatzbereiche, in denen eine Ausbildung vorgesehen ist, beispielsweise zum Rettungssanitäter oder zum Übungsleiter im Sportverein. Die Dienste müssen nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt begonnen werden. Je nach Einsatzgebiet kann eine Aufnahme jederzeit in Frage kommen.

2f. Wie lange ist die tägliche Arbeitszeit?

Ein Bundesfreiwilligendienst ist ein Vollzeitjob. Die Freiwilligen werden wie Arbeitnehmer integriert. Die Arbeitszeit umfasst demnach etwa 38,5 Wochenstunden. Ab dem 27. Lebensjahr können Freiwillige auch eine Teilzeitstelle besetzen, sie muss aber mindestens 20 Wochenstunden umfassen. Bei einer Vollzeitstelle gibt es in der Regel 24 Werktage als Urlaub.

2g. Pädagogische Begleitung

Begleitend zum Freiwilligendienst gibt es Seminare als pädagogische Begleitung. Bei einem zwölfmonatigen Dienst sind 25 Tage Seminar angesetzt. In diesen Seminaren werden soziale, ökologische, kulturelle und interkulturelle Kompetenzen vermittelt. Sie sollen den Freiwilligen auch auf seinen Einsatz vorbereiten und sie dienen dazu, Erfahrungen auszutauschen. Hier sollen auch soziale Kompetenzen gestärkt werden.

2h. Taschengeld

Ein Bundesfreiwilligendienst ist ehrenamtlich und unentgeltlich. Es gibt aber ein Taschengeld, das die Funktion einer Aufwandsentschädigung erfüllt. Die Höhe des Taschengeldes darf sechs Prozent der in der allgemeinen Rentenversicherung geltenden Beitragsbemessungsgrenze nicht überschreiten, das sind maximal 390 Euro im Monat (Stand 2018). Wer Teilzeit arbeitet, bekommt ein anteilig gekürztes Taschengeld ausbezahlt. Allerdings entscheidet der Träger, bei dem der Freiwillige den Dienst antritt, wie viel er monatlich bezahlt. Arbeitskleidung stellt meist die Einsatzstelle zur Verfügung. Und auch für die Unterkunft und Verpflegung kommen einige Einsatzstellen auf oder bezahlen stattdessen ein sogenanntes Ersatzgeld.

Tipp: Während eines Freiwilligendienstes bleibt der Anspruch auf Kindergeld bestehen, soweit der Freiwillige unter 25 Jahren ist.

Krankenversicherung

Sollte der Freiwillige noch in der Familienversicherung gesetzlich krankenversichert sein, endet diese für die Zeit des Freiwilligendienstes. Denn alle Freiwilligen sind pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenkasse. Die Familienversicherung kann nach dem Dienst, wenn zum Beispiel wieder ein Schulbesuch oder ein Studium ansteht, fortgeführt werden. Auch alle, die vorher privat krankenversichert waren, müssen sich bei Aufnahme eines Freiwilligendienstes gesetzlich krankenversichern.

Tipp: Freiwillige müssen keinen Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenkasse entrichten.

Arbeitslosenversicherung

Während des Bundesfreiwilligendienstes werden auch Beiträge an die Arbeitslosenversicherung abgeführt. Wer zwölf Monate einen Bundesfreiwilligendienst geleistet hat und nicht sofort einen Arbeitsplatz findet, kann Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.

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3. Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr, FsJ und FöJ

3a. Was ist ein FsJ und ein FöJ?

Wer ein Freiwilliges Soziales Jahr (FsJ) absolviert, engagiert sich im sozialen Bereich. Es sind dieselben Angebote, die im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes zur Verfügung stehen. Es gibt auch das FsJ Kultur. Interessenten sind dann bei kulturellen Einrichtungen tätig, im Theater oder Museum. Sie helfen im Büro, bei der Technik oder der Öffentlichkeitsarbeit.

Beim Freiwilligen Ökologischen Jahr (FöJ) betätigen sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Naturschutz, in der Landwirtschaft, im Gartenbau. Es geht darum, Einblick in ökologische und umweltpolitische Zusammenhänge zu erhalten. Es gibt bei Weitem nicht so viele Stellen für ein FöJ wie für ein FsJ.

3b. Rahmenbedingungen FsJ und FöJ

Das Freiwillige Soziale Jahr und das Freiwillige Ökologische Jahr sind genauso strukturiert wie ein Bundesfreiwilligendienst. Der Bundesfreiwilligendienst ergänzt lediglich das schon länger bestehende Angebot von FsJ und FöJ. Es gelten dieselben Rahmenbedingungen, was Arbeitszeit, Dauer, Taschengeld, Sozialversicherungsschutz angeht. Auch die Einsatzfelder sind deckungsgleich. In einigen Details gibt es aber doch Unterschiede:

  • Bundesfreiwilligendienste werden vom Bund organisiert und finanziert, FsJ und FöJ durch die jeweiligen Trägereinrichtungen auf Länderebene. Für den Interessenten, der einen Dienst absolvieren möchte, ist das jedoch unerheblich.
  • FsJ und FöJ sind ausdrücklich Jugendfreiwilligendienste. Es können sich demnach nur junge Menschen unter 27 Jahren engagieren.
  • FsJ und FöJ starten meistens am 1. September und dauern bis zum 31. August des kommenden Jahres. Viele Einrichtungen weichen aber davon ab und nehmen zu mehreren Terminen während des Jahres Freiwillige auf.
  • Interessenten können nur einmalig an einem FsJ oder FöJ teilnehmen. Einen Bundesfreiwilligendienst können sie öfter machen, zwischen den Einsätzen müssen jeweils fünf Jahre liegen.
  • Ein FsJ oder ein FöJ können Interessenten auch im Ausland absolvieren. Allerdings gibt es nur wenige Stellen. Für Auslandsdienste kommen auch andere Projekte in Frage (siehe Punkt 4).


Fazit: Für den Interessenten ist es unerheblich, ob er einen Bundesfreiwilligendienst oder ein FsJ bzw. FöJ macht. Ob das eine oder das andere, hängt vielmehr vom Träger ab, bei dem man den Dienst absolvieren möchte - ob dieser ein FsJ bzw. FöJ oder einen Bundesfreiwilligendienst im abgestrebten Tätigkeitsbereich anbietet.

3c. Einsatzstelle finden

Da FsJ und FöJ auf Länderebene organisiert sind, suchen Interessenten am besten in dem Bundesland, in dem sie arbeiten wollen, nach einer Stelle. Im Internet sind unter dem Suchbegriff "FsJ" oder "FöJ" und dem jeweiligen Bundesland Suchfunktionen für Einsatzstellen zu finden. Vielleicht kennt der Interessant ja auch selbst eine Organisation, bei der er gerne arbeiten möchte. Dann kann er diese natürlich auch direkt ansprechen.

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4. Freiwilligendienste im Ausland

4a. Zwei Varianten

Ein Freiwilligendienst ist eine Möglichkeit, unter dem Dach einer Organisation Auslandserfahrung zu sammeln. Von Russland über Polen und Frankreich bis Ghana und Neuseeland kann man überall auf der Welt Freiwilligendienste absolvieren und andere Kulturen und Lebensumstände kennenlernen. Auch hier gibt es soziale, ökologische und kulturelle Projekte. Solche Dienste können ein ganzes Jahr, aber auch nur wenige Wochen dauern. Es gibt zwei Formen von Freiwilligendiensten im Ausland.

Geregelte Freiwilligendienste

Hier gibt es feststehende Rahmenbedingungen. Die Projekte sind von deutschen Ministerien oder der Europäischen Union finanziell bezuschusst. Solche Dienste dauern üblicherweise zwölf Monate und beginnen am 1. September. Es gelten lange Bewerbungsfristen, denn die Stellen sind begrenzt und der Andrang ist groß. Zwischen neun und zwölf Monate vor dem gewünschten Beginn eines solchen Dienstes sollten sich Interessenten bereits bewerben. Es gibt in Deutschland vor allem diese vier Programme der geregelten Freiwilligendienste:

  • Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD)
  • Weltwärts
  • Kulturweit
  • Europäischer Freiwilligendienst (EFD)

Auch ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr kann im Ausland absolviert werden. Tatsächlich gibt es aber nur sehr wenige Stellenangebote.

Flexible Freiwilligenarbeit

Es gibt deutlich mehr Angebote der flexiblen Freiwilligenarbeit als der geregelten. Für eine solche Stelle können sich Interessenten auch noch kurzfristig bewerben. Nicht nur deutsche Trägerorganisationen mit Engagements im Ausland kommen in Frage, sondern der Bewerber kann auch auf Angebote von ausländischen Organisationen zugreifen. Wer sich für einen flexiblen Freiwilligendienst entscheidet, muss sicher gehen, an eine seriöse Organisation zu geraten.

Hier helfen spezielle Internetportale weiter, zum Beispiel www.wegweiser-freiwilligenarbeit.com

Dort erhalten Interessenten Hilfe und Unterstützung bei der Auswahl der richtigen Organisation. Die Plattform fungiert als Vermittler zwischen Freiwilligen und den Projekten, die Freiwillige suchen. Für die Freiwilligen ist der Infodienst kostenlos. Auch über die Homepage www.freiwilligenarbeit.de werden Einsatzstellen vermittelt.

Tipp: Einsätze für geregelte Freiwilligenarbeit dauern manchmal nur weniger Wochen.

4b. Das müssen Bewerber grundsätzlich über Freiwilligendienste im Ausland wissen

Kosten: Einsätze im Auslandkosten grundsätzlich Geld. Je nachdem ob es sich um einen geregelten Dienst oder flexible Freiwilligenarbeit handelt, fallen geringere oder höhere Kosten an. Diese kommen zustande, weil für eine Organisation für den Aufenthalt und die Betreuung des Freiwilligen Kosten anfallen. Etwa für Unterkunft, Betreuung, Hilfeleistungen, allgemeine Personalkosten oder Ausrüstung. Die Teilnehmergebühr für einen Monat kann sich je nach Tätigkeit und Land auf 400 bis 600 Euro im Monat belaufen. Sie kann aber auch sehr viel mehr betragen, beispielsweise, wenn es um ein Tauchprojekt geht und eine kostspielige Ausstattung bereitgestellt werden muss.

Die Kosten hängen auch von den allgemeinen Lebenshaltungskosten im jeweiligen Zielland ab (Südostasien ist günstiger als Südafrika oder Mexiko), aber auch, ob ein Dienst in einer Schule in einer Stadt stattfindet (günstiger) oder ob es sich um ein Naturschutzprojekt im afrikanischen Hinterland handelt, das umfangreicher Ausstattung und Organisation bedarf (teuer). Geregelte Freiwilligendienste sind meist günstiger, da sie zu 75 Prozent von Ministerien bezuschusst werden (die anderen 25 Prozent trägt die Entsendeorganisation), Angebote der flexiblen Freiwilligenarbeit kosten meist mehr Geld.

Spenden: Zur Finanzierung eines geregelten Freiwilligendienstes ist es wünschenswert, dass der Freiwillige vor seiner Abreise einen sogenannten Spenderkreis gründet, um Geld zu sammeln. Damit soll der Kostenanteil, den die Organisation für den Aufenthalt tragen muss, finanziert werden. So ein Kreis besteht in der Praxis meist aus Familienmitgliedern, Freunden und Wohlgesonnenen, die spenden. Jedoch sollte das Sammeln von Spenden keine Voraussetzung für den Aufenthalt im Ausland sein. So betont zum Beispiel das Programm "weltwärts", dass die Teilnahme nicht abhängig davon ist, ob der Teilnehmer Spenden sammelt. Dies geschehe auf freiwilliger Basis. Die Entsendeorganisation sollte also nicht dazu drängen oder gar Fristen setzen.

Versicherung: Freiwillige, die länger als sechs Wochen im Ausland verbringen, benötigen eine Auslandskrankenversicherung für Langzeitaufenthalte. Bei den geregelten Freiwilligendiensten wird diese vom jeweiligen Träger bezahlt. Meist ist im Versicherungspaket auch eine Unfallversicherung und eine Haftpflichtversicherung enthalten. Bei flexibler Freiwilligenarbeit müssen die Interessenten üblicherweise selbst für die Kosten aufkommen, die je nach Leistungsumfang um die 400 Euro im Jahr betragen (Angebote z.B. von Hanse Merkur, ADAC, Travelsecure).

Tipp: Oftmals ist der Freiwillige selbst dafür verantwortlich, dass seine gesetzliche Krankenversicherung während seiner Abwesenheit aufrecht erhalten bleibt. Das ist wichtig, um auch während eines Heimaturlaubs krankenversichert zu sein.

Reisekosten: Bei den geregelten Freiwilligendiensten werden die Reisekosten meist übernommen. Auch Kosten für erforderliche Impfungen. Bei der flexiblen Freiwilligenarbeit muss der Freiwillige dafür meist selbst aufkommen.

Unterhalt und Verpflegung: Die Kosten für eine ortsübliche Unterkunft und die Verpflegung wird bei den geregelten Freiwilligendiensten meist übernommen oder aber ein Zuschuss wird gewährt. Bei der flexiblen Freiwilligenarbeit kommt es auf den jeweiligen Träger an, in welchem Umfang er beides zur Verfügung stellt.

Taschengeld: Bei den geregelten Freiwilligendiensten gibt es ein Taschengeld. Wie viel, kommt auf die jeweilige Organisation an. Das können 350 oder auch 150 Euro im Monat sein. Allerdings relativiert sich die Summe, da Freiwillige ja auch selbst Kosten für ihren Aufenthalt tragen müssen. Bei flexibler Freiwilligenarbeit gibt es kein Taschengeld.

4c. Beispiele für geregelte Freiwilligendienste

Internationaler Jugendfreiwilligendienst (IJFD): Den Internationalen Jugendfreiwilligendienst gibt es seit Januar 2011, er ergänzt den Bundesfreiwilligendienst. Der Schwerpunkt liegt im Erwerb sozialer und interkultureller Kompetenzen in sozialen und ökologischen Einsatzfeldern. Einen IJFD können Frauen und Männer bis zum 27. Lebensjahr absolvieren. Beim IJFD gibt es keine zentrale Webseite, über welche man Stellen für das Ausland finden kann. Eine Liste der Anlaufstellen finden Interessenten auf der Seite des Familienministeriums www.bmfsfj.de.

Weltwärts: Weltwärts ist ein Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Er steht Interessenten im Alter zwischen 18 und 28 Jahren offen. Der Schwerpunkt des Engagements liegt auf der Entwicklungshilfe. Der Dienst kann in allen Entwicklungsländern absolviert werden. www.weltwaerts.de

Kulturweit: Kulturweit ist ein internationaler Kultur-Freiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission. Interessenten müssen zwischen 18 bis 26 Jahren alt sein. Ein Dienst dauert sechs oder zwölf Monate. Einsätze in Kultur -und Bildungseinrichtungen weltweit kommen in Frage. www.kulturweit.de

Europäischer Freiwilligendienst (EFD): Der Europäische Freiwilligendienst ist Teil des EU-Programms Erasmus und Jugend in Aktion. Ein solcher Dienst kann in allen europäischen Ländern absolviert werden. Teilnehmer können zwischen 17 und 30 Jahre alt sein. In Frage kommen soziale, kulturelle und ökologische Projekte. Ein Einsatz dauert zwischen zwei Wochen und zwölf Monaten. Der Dienst wird von Universitäten nicht als Praktikum angerechnet, jedoch als Wartezeit auf einen Studienplatz. http://europa.eu/youth/EU/voluntary-activities/european-voluntary-service_de

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Annette Jäger
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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de