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  • Mehr Fördermittel vom Staat auf der einen Seite, gestiegene Materialpreise und proppenvolle Auftragsbücher im Handwerk auf der anderen. Macht eine energetische Sanierung des Eigenheim jetzt Sinn?

  • Mit einer energetischen Gebäudesanierung lassen sich Energie und bares Geld sparen. Wie Sie Ihr Zuhause zukunftssicher energetisch sanieren, was Sie beachten sollten und welche Kosten dabei auf Sie zukommen, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

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Mehr Fördermittel vom Staat auf der einen Seite, steigende Materialpreise und volle Auftragsbücher im Handwerk auf der anderen – der Zeitpunkt für eine energetische Sanierung des Eigenheims ist so gut wie noch nie und schlecht zugleich. Worauf gilt es, bei der Planung besonders zu achten? Wie dick und teuer wird die Dämmung der Fassade, je nachdem, welches Dämmmaterial verwendet wird? Wie sieht die Kostenrechnung für verschiedene Heizungssysteme aus? Und wie klappt die Finanzierung? Was genau Hauseigentümer abklären sollten, um mit ihrem Eigenheim zum Klimaschutz beizutragen, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

 

Energetische Sanierung Förderung: Hohe Nachfrage bei den Fördergeldern

Die KfW spricht von „Rekordjagd“. Rund acht Milliarden Euro Fördergelder sagte die Staatsbank Privatkunden für energieeffizientes Bauen und Sanieren im ersten Quartal 2021 zu, ein Plus von 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Aus dem Kredit-Fördertopf für Komplettsanierungen vergab sie im Schnitt 77.000 Euro je Wohneinheit, für einzelne Maßnahmen gab es durchschnittlich gut 22.000 Euro.

Stark war auch der Andrang auf die Förderprogramme des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Bis Ende April zahlte das Amt nach eigenen Angaben mehr als 297 Millionen Euro für die energetische Sanierung von Gebäuden aus, im gleichen Zeitraum vor einem Jahr waren es knapp 35 Millionen Euro. Hintergrund: Seit Januar fließen Zuschüsse für einzelne Sanierungsmaßnahmen über das Bafa.

 

Baustoffe Lieferengpass & Preisentwicklung

Wenn es an die Umsetzung von Vorhaben geht, zeigen sich allerdings Engpässe. „Die Auftragsbücher der Handwerker sind voll. Oft bekomme ich zu hören, dass 2021 nichts mehr geht, erst wieder nächstes Jahr. Das war abzusehen“, sagt Barbara Wittmann-Ginzel vom Bundesverband für Gebäudeenergieberater, Ingenieure und Handwerker (GIH). Und die Architektin verweist noch auf eine andere Entwicklung, die Projekte bremst. Das sind die Lieferschwierigkeiten und der Preisanstieg bei Baumaterialien. Wer mit Holz saniert, müsse „schon sehr schlucken“, sagt sie über die Preise.

Lieferengpässe beim Baumaterial sorgen für Preissteigerungen

Das Problem ist ein globales. „Im Moment funktionierten die weltweiten Lieferketten nur eingeschränkt, sagt Hans-Joachim Riechers, Hauptgeschäftsführer des Verbands für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM). Was Dämmmaterialien und Dämmsysteme anbelangt, sei es aber keineswegs so, dass Baustoffhersteller nicht mehr lieferfähig seien. „Die Lieferzeiten haben sich auf bis zu zwei Monate verlängert, und die Preise haben sich um bis zu 30 Prozent erhöht.“

Die Hersteller von Polyurethan-Dämmplatten sehen ihre Lieferkette „massiv gestört“. Verschärft werde die Lage durch „die starke Nachfrage nach PU-Dämmstoffen sowie Wartungsarbeiten in Anlagen“, teilt der Industrieverband IVPU mit. Mit einer Entspannung rechnet er erst im Herbst.

Der VDPM sieht in den Lieferengpässen keinen Grund für Hauseigentümer und Hauseigentümerinnen, mit Sanierungsmaßnahmen zu warten. „Wir raten allen Handwerkern und Kunden, gründlich zu planen und sich bei den jeweiligen Vorlieferanten über die Preissituation und die Lieferzeiten zu informieren“, sagt Riechers. Mit einem guten Planungs- und Baustellenmanagement ließe sich die Situation beherrschen.

Tipp: Unterschiedliche Angebote von Handwerkern einholen

Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft CO2online empfiehlt Hausbesitzern, mindestens drei Angebote von Handwerkern einzuholen und „unbedingt die Gültigkeit und Preisbindung des Angebots zu berücksichtigen“. Angebote gelten wegen der kaum vorhersehbaren Materialpreise nur kurze Zeit. „Die Beantragung von Fördermitteln ist zurzeit noch mit Wartezeit verbunden. Bis aber die endgültige Förderzusage nicht erfolgt ist, können Hauseigentümer nur auf eigenes Risiko Handwerker beauftragen. Die Angebote sollten entsprechend lange gültig sein“, rät Alexander Steinfeldt von CO2online.

 

Gebäudeenergiegesetz: Was schreibt der Gesetzgeber vor?

Der Staat nimmt Hauseigentümer und Hauseigentümerinnen mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) in die Pflicht. In dem seit 1. November 2020 geltenden Regelwerk hat er die Energieeinsparverordnung, das Energieeinsparungsgesetz und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz zusammengeführt. Die Vorgaben für Sanierungen sind dabei im Kern unverändert geblieben. Einige Punkte sind hinzugekommen.

Maßnahmen zur Verbesserung von Wermedämmung & Heiztechnik

Verlangt werden Maßnahmen, die die Wärmedämmung und Heiztechnik verbessern. Das betrifft vor allem Mehrfamilienhäuser. Im Fall von Ein- und Zweifamilienhäusern gelten Ausnahmen – vorausgesetzt, die Eigentümer wohnen darin bereits seit dem 1. Februar 2002. Anders Neueigentümer: Wer ein Haus kauft, erbt oder geschenkt bekommt, das vor Februar 2002 gebaut wurde, muss binnen zwei Jahren nach Übertragung des Eigentums nachrüsten. Das sind die wichtigsten Vorgaben:

  • Öl- und Gasheizungen, die älter als 30 Jahre sind, müssen ausgetauscht werden (§ 72 GEG). Nicht ausgetauscht werden müssen Brennwert- und Niedertemperaturkessel sowie Anlagen, deren Heizleistung unter vier oder über 400 Kilowatt liegt.

  • Die oberste Geschossdecke ist zu dämmen, wenn sie nicht den sogenannten Mindestwärmeschutz nach der DIN-Norm 4108-2 bietet (§ 47 GEG). Die Vorgabe gilt als erfüllt, wenn anstelle der Decke das Dach gedämmt wird oder bereits normgerecht ist. Sie greift bei Gebäuden, die nach ihrer „Zweckbestimmung“ mindestens vier Monate im Jahr auf mindestens 19 Grad Celsius beheizt werden. Also etwa bei Ferienhäusern gegebenenfalls nicht.

  • Dämmpflicht besteht bei Heizungs- und Warmwasserrohren in Räumen, die nicht beheizt werden (§ 71 GEG).

  • Außenbauteile unterliegen einer Zehn-Prozent-Regel: Wer außen etwas erneuert oder erstmalig einbaut, muss sich an das GEG halten, wenn sich die Maßnahme auf mehr als zehn Prozent der Fläche erstreckt, die das Außenbauteil oder die „Bauteilgruppe“ am Gebäude einnimmt (§ 48 GEG). Wird zum Beispiel der Putz großflächig erneuert, muss die Fassade gedämmt werden. Handelt es sich nur um ein paar ausgebesserte Risse, ist das nicht erforderlich; ebenso bei einem neuen Fassadenanstrich. Diese Regelung schließt Alteigentümer eines Ein- oder Zweifamilienhauses ein, das sie seit Februar 2002 bewohnen.

Wenn abzusehen ist, dass sich Dämmmaßnahmen (§ 47 und 71) nicht amortisieren würden, müssen sie nicht ergriffen werden. Der Gesetzgeber stellt sie unter den Vorbehalt, dass die für die Nachrüstung erforderlichen Aufwendungen durch die eintretenden Einsparungen innerhalb einer angemessenen Frist erwirtschaftet werden können.

Ausnahmeregelung beim Denkmalschutz

Zudem gibt es eine Ausnahmeregelung für „Baudenkmäler und sonstige besonders erhaltenswerte Bausubstanz“ (§ 105). Sie greift, wenn „die Substanz oder das Erscheinungsbild beeinträchtigt oder andere Maßnahmen zu einem unverhältnismäßig hohen Aufwand führen“ würden.

Klimaschutz-Sofortprogramm: Überarbeitung des GEG

Das GEG steht vor einer Überarbeitung. Mit dem „Klimaschutz-Sofortprogramm“ der Bundesregierung wird die ursprünglich für 2023 vorgesehene Novelle um ein Jahr vorgezogen werden. Novelliert werden soll dann unter anderem die „Anforderungssystematik“. Die Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude (BEG) steigt im nächsten Jahr um 4,5 Milliarden Euro. Ab 2023 fließt aus den Fördertöpfen kein Geld mehr für öl- und gasbasierte Heizungen.

 

Energetisch sanieren: Was ist bei der Energieberatung zu beachten?

Das GEG macht die Energieberatung zur Pflicht: Vorgeschrieben ist ein kostenloses Beratungsgespräch zum einen, wenn ein Ein- oder Zweifamilienhaus in einem Umfang saniert wird, dass eine energetische Neubewertung erfolgt (§ 48 GEG). Zum anderen ist sie obligatorisch für Käufer eines Ein- oder Zweifamilienhauses. Sie müssen nach der „Übergabe des Energieausweises ein informatorisches Beratungsgespräch“ zu diesem Ausweis führen (§ 80 GEG).

Die Förderprogramme von Bafa und KfW sind größtenteils an die Bedingung geknüpft, dass ein Energie-Effizienz-Experte in das Sanierungsvorhaben eingebunden wird – ein einmaliges Beratungsgespräch genügt nicht. Kleinere Vorhaben wie zum Beispiel der Austausch einer Heizungspumpe oder die Dämmung von Rohrleitungen werden auch ohne jegliche Energieberatung staatlich gefördert.

„Empfehlenswert ist immer, über eine ganzheitliche Sanierung nachzudenken“, sagt Barbara Wittmann-Ginzel vom Bundesverband für Gebäudeenergieberater, Ingenieure und Handwerker (GIH). „Der Hauseigentümer sollte sich den energetischen Ist-Zustand des Gebäudes aufzeigen lassen und, was er im Einzelnen machen könnte, um Energie zu sparen.“

Individueller Sanierungsfahrplan

Die tiefergehende Energieberatung zielt entweder auf eine Sanierung in einem Ruck oder einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP). Hauseigentümer und Hauseigentümerinnen haben die Wahl. „Viele haben oft nicht das Budget, um ihr Haus auf einen Schlag komplett zu sanieren. Mit einem Sanierungsplan kann man sich je nach Geldbeutel schrittweise vorarbeiten – bis zum Effizienzhaus", empfiehlt Wittmann-Ginzel.

Wer Schritt für Schritt saniert, kann mehr Förderung erhalten. Das Bafa bezuschusst die „förderfähigen Ausgaben“ grundsätzlich mit 20 Prozent. Ist eine Sanierungsmaßnahme Teil eines „individuellen Sanierungsfahrplans“, steigt der Fördersatz für jede Maßnahme auf 25 Prozent.

  • Biallo-Tipp: Die kostenlose Pflichtberatung leisten etwa die Verbraucherzentralen – telefonisch, online oder in ihren Servicestellen. Sachkundige Personen, die das übernehmen, finden Sie auch beim Bundesverband GIH in der Online-Datenbank. Eine grundlegende Datenbank ist die Energieeffizienz-Expertenliste der Deutschen Energieagentur (Dena). Wer eine umfassende Energieberatung sucht, sollte darauf achten, dass der Experte oder die Expertin in dieser Liste aufgeführt ist. Unter der Voraussetzung fördert der Staat die Beratung und bestimmte Vorhaben.

 

Dämmung: Materialien, Dämmstärke & Kosten im Überblick

Viele Altbauten sind kaum oder nicht gedämmt. Ein Maß dafür, wie viel Wärme durch Wände, Dach und Fenster verloren geht, ist jeweils der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient).

Wärmedurchgangskoeffizient als Richtwert

Der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) beziffert den Wärmestrom in Watt pro Quadratmeter und pro Kelvin Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenseite. Bei Außenwänden unsanierter Gebäude liegt der U-Wert in vielen Fällen bei 1,5 W/(m2 K) oder sogar darüber. Im Gebäudeenergiegesetz ist für die Dämmung von Außenwänden, oberster Geschossdecke oder Dach ein Wert von 0,24 vorgegeben. Zum Vergleich: Außenbauteile von Passivhäusern haben einen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) unter 0,15 W/(m2 K).

Schlecht gedämmte Außenwände machen Experten zufolge im Schnitt 20 bis 25 Prozent der Wärmeverluste aus. Auf ein unsaniertes Dach – oder die oberste Geschossdecke – entfallen etwa 20 Prozent der Verluste, auf das Fundament 15 Prozent. Alte Fenster bedingen bis zu 20 Prozent. „Die energetische Gebäudesanierung sollte mit den größten Verlustbringern, also den Hüllflächen beginnen“, sagt Arnold Drewer, Leiter des privatwirtschaftlichen Ipeg-Instituts in Paderborn. Der Experte für Gebäudemodernisierung empfiehlt, gleich so gut wie möglich zu dämmen. „Wenn man jetzt zu dünn dämmt und in ein paar Jahren – weil sich die politischen Vorgaben ändern – die Dämmung mit dem gleichen Material verstärkt, zahlt man noch einmal zusätzlich die Arbeitskosten.“

Energieeinsparung: Ein Beispiel

Die Fassadendämmung führt bei einem Einfamilienhaus dazu, dass der U-Wert von 1,4 auf 0,2 W/(m2 K) sinkt. Es strömen also 1,2 W/(m2 K) weniger nach außen. Die Fassade misst 120 Quadratmeter. Das Haus steht in Hannover, die Zahl der „Heizgradstunden“ dort liegt im Schnitt bei 87 kKh (Kilokelvinstunden). Die jährliche Energieeinsparung beträgt: 120 m2 x 87 kKh x 1,2 W/(m2 K) = 12.528 kWh. Im Fall einer Ölheizung verringert sich der Jahresverbrauch um: 12.528 kWh/9,94 kWh/l (Heizwert von Öl je Liter) = 1.260 Liter. Bei einem Preis von 0,69 Cent je Liter macht das 869 Euro aus. Mögliche Investitionskosten: Rechnet man im Fall eines zweischaligen Mauerwerks für die Kerndämmung mit 70 Euro pro Quadratmeter, bedeutet das 8.400 Euro. 20 Prozent davon zahlt der Staat (siehe Abschnitt Förderung). Daraus errechnet sich eine Amortisationszeit von 7,7 Jahren (8.400 Euro - 1.860 Euro / 869 Euro). Eine Dämmung mit einem Wärmeverbundsystem (WDVS), das 150 Euro pro Quadratmeter kostet, amortisiert sich in dem Beispiel in 16,6 Jahren.

U-Wert: Dämmstoffe machen den Unterschied – Dämmstärke & Materialkosten im Vergleich

Wie dick man dämmen muss, um einen bestimmten U-Wert zu erreichen und was es kostet, hängt vom Dämmstoff ab. Welchen Unterschied das Material macht, zeigt ein Rechenbeispiel des Ipeg-Instituts (siehe Grafiken). In dem Beispiel handelt es sich um eine Außendämmung, die den U-Wert von 1,4 auf 0,12 verbessert – 1,4 ist im Altbau ein typischer Wert für eine 20 Zentimeter dicke Wand aus Ziegelstein oder 24 Zentimeter dicke Wand aus Kalksandstein.

Dicke der Außendämmung

Kosten nach Materialien

Dämmstärken und Materialkosten im Vergleich: Die Werte errechnen sich im Fall einer Dämmung eines Bauteils gegen Außenluft auf einen U-Wert von 0,12 W/(m2K), (Ausgangswert: 1,5 W/(m2K)). Weitere Parameter der Berechnung: Gradtagszahl: 2.812 (Kd/a), Gesamt-Wirkungsgrad der Heizanlage: 85 Prozent, CO2-Emissionen Primärenergie: 0,28 kg/kWh). Die Kostenrechnung beruht auf Marktdaten aus dem Jahr 2020. (Quelle: Ipeg-Institut).

Dämmstärken: Die Spanne bei den Dämmstärken der ausgewählten Materialien in der Kalkulation reicht von 5,3 bis knapp über 40 Zentimeter. Die Stärken für erdölbasierte Dämmprodukte, etwa aus Phenolharz, Polyurethan oder Polystyrol, liegen zwischen 16 und 26,6 Zentimetern. Die Werte für Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen beginnen bei 28,9 Zentimetern, am dicksten fällt die Stroh-Einblasdämmung aus.

Materialkosten: Viel größer ist die Preispanne. Die beiden Produkte, die die geringste Dämmstärke erfordern, heben sich ab: Für die Vakuumdämmplatte errechnen sich Kosten, ohne Einbau, in Höhe von 372 Euro pro Quadratmeter. Der Aerogeldämmstoff schlägt mit 741 Euro pro Quadratmeter zu Buche. Am wenigsten kostet das Recycling-Produkt Zellulose (10,37 Euro), das sind Altpapierschnipsel. Unter den Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen schneiden Holzfasern (17,63 Euro) bei den Materialkosten am günstigsten ab. Deutlich darüber liegen die Quadratmeterpreise für expandiertes Polystyrol (EPS-Platten) und Steinwolle – die bei Fassaden am häufigsten verwendeten Dämmstoffe.

„Zellulose ist nicht nur der preisgünstigste Dämmstoff, sondern auch derjenige mit der kürzesten energetischen Amortisationszeit“, sagt Ipeg-Geschäftsführer Drewer. „Es dauert nicht mal einen Monat, dann hat man mehr Energie eingespart, als für die Herstellung der Zellulose verbraucht wurde.“

  • Biallo-Tipp: Nicht jedes Material eignet sich für jede Stelle. Zellulose etwa kommt nicht zur Kerndämmung in zweischaligem Mauerwerk in Frage, dafür ist hydrophobes Material erforderlich. Sie bietet sich zum Beispiel als Zwischensparrendämmung im Dach an, als Fassadendämmung nur bei Holzrahmenbauten. Informationen über Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten verschiedener Stoffe finden Sie über das „Dämmstoff Navi“ der Energieagentur NRW. Über ökologische Dämmstoffe können Sie sich auch auf den Internetseiten der „Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe“, der Initiative „Natürlich Dämmen“ oder „CO2online“ informieren.

Einblasdämmung als günstiges Verfahren

Wo die Gegebenheiten es zulassen, rät Drewer zur Einblasdämmung. Bei diesem Verfahren werden die Dämmstoffpartikel per Luftdruck in den Hohlraum der Gebäudehülle gepresst, also zum Beispiel in ein zweischaliges Mauerwerk oder einen Zwischensparrenraum. „Das geht viel schneller als die Montage von Dämmplatten, die Arbeitskosten sind geringer“, sagt der Fachmann.

Was die Amortisation von Dämmmaßnahmen angeht, nennt Drewer für Dachböden einen Zeitraum von ein bis drei Jahren. Bei einer nachträglichen Kerndämmung seien es vier bis acht Jahre, ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) – die kostspieligste Lösung – amortisiere sich in weniger als 20 Jahren.

Dämmung von Heizungsrohren

Schnell auszahlen kann sich die Dämmung von Heizungsrohren mit Kunststoff, Kautschuk oder Mineralwolle. Eine Studie der Ostfalia Hochschule im Jahr 2017 ergab, dass in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus, errichtet in der Zeit zwischen 1980 und 1990, pro Meter blankem Heizungs- und Warmwasserrohr in unbeheizten Räumen jährlich 265 kWh verpuffen. Rechnet man mit einem Gaspreis von 6,1 Cent pro kWh, machen diese sogenannten Verteilverluste 16 Euro pro Meter aus. Die durchschnittliche Rohrlänge liegt laut Studie bei 22,5 Metern. Die Kosten für die Isolierung beziffert das Online-Portal www.heizung.de auf rund zehn Euro je Meter Rohr.

 

Energetische Gebäudesanierung: Was kosten die verschiedenen Heizungssysteme?

Bei der energetischen Gebäudesanierung ist die Entscheidung für die zukünftig verwendete Heiztechnik ein zentraler Punkt. Wie sieht die Kostenrechnung für verschiedene Heizungssysteme aus?

Wärempumpen

Die in Neubauten am häufigsten installierten Heizungen sind Wärmepumpen. Im vergangenen Jahr fiel laut Statistischem Bundesamt bei 45 Prozent der Wohngebäude die Wahl als „Primärenergiequelle“ auf dieses System. Die Technik eignet sich auch für Altbauten. „Wärmepumpen bieten sich fast immer an. Erd- beziehungsweise Grundwasser-Wärmepumpen setzen jedoch entsprechende örtliche Verhältnisse voraus, außerdem sind wasser- und bergrechtliche Vorgaben zu beachten“, sagt Barbara Wittmann-Ginzel.

Bei Luftwärmepumpen sollte die Heizlast nicht zu hoch sein, erklärt die Energieberaterin. „Liegt sie weit über 20 kW und haben die Heizkörper eine hohe Vorlauftemperatur, stößt die Luftwärmepumpe an ihre Grenzen. Dann kommt der Heizstab ins Spiel, das heißt, man braucht zum Heizen Strom aus der Steckdose.“

Holz-Pellet-Heizung

Eine mögliche Alternative unter den erneuerbaren Energiequellen ist Holz. „Wenn jemand eine Ölheizung austauscht, bietet sich zum Beispiel eine Holz-Pellet-Heizung an. Er hat Platz für das Pellet-Lager, wenn er den Öltank rausnimmt“, sagt Wittmann-Ginzel. Beim Austausch von Gasheizungen sei es hingegen oft so, dass der Platz für ein solches Lager fehle.

Gas-Brennwerttherme

Von einer Gas-Brennwerttherme rät sie „eher ab“. „Wenn es nicht anders geht, sollte man zusätzlich eine solarthermische Anlage installieren.“

Heizungssysteme: Kosten im Vergleich

Wie unterschiedlich die Kosten je nach dem Austausch des Heizungssystems sein können, zeigt eine Vergleichsrechnung des Instituts für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart (siehe Tabelle). Darin enthalten sind Anschaffungskosten sowie betriebs- und verbrauchsgebundene Kosten, etwa für Wartung und Reparaturen und Pellets, Gas, Strom oder Heizöl. Auch Fördermittel sind einkalkuliert.

Die Berechnungen ergeben: In einem Altbau der Energieeffizienzklasse D sind neben der Luftwärme-Pumpe momentan Erdgasheizungen vergleichsweise kostengünstig. Doch das wird sich ändern, der steigende Preis für CO2 wird die Kosten bei Gas-Brennwertthermen nach oben drücken. Holz-Pellets-Heizungen betrifft das nicht, langfristig gesehen gelten sie als die bessere Lösung.

  • Biallo-Tipp: Wichtig bei der Sanierung ist die Reihenfolge der Maßnahmen. „Als Faustregel gilt: Erst den Energieverbrauch so weit senken wie möglich, dann die Heizung tauschen, und am Ende alles einstellen und prüfen“, sagt Alexander Steinfeldt von der Beratungsgesellschaft CO2online. Im ersten Schritt sollte die Gebäudehülle saniert werden, danach eine für den neuen, niedrigeren Energieverbrauch richtig dimensionierte Heizung installiert werden.

Kostenvergleich Heizungssysteme: Die Daten sind errechnet für ein Einfamilienhaus der Energieffizienzklasse D (120 Quadratmeter Wohnfläche; Wärmebedarf für das Heizen: 78,1 kWh/m2·a; Wärmebedarf für Warmwasserbereitung: 11,0 Wh/m2·a; Jahreswärmebedarf 10.692 kWh). Alle Kosten sind inklusive Mehrwertsteuer. (Die Daten sind aus dem Jahr 2020 und stammen vom Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung IER der Universität Stuttgart.)

Biallo-Tipp: Baufinanzierung vorab berechnen

Wie sich die KfW-Förderung, eine höhere  Darlehenssumme, höhere oder niedrigere Monatsraten und vieles mehr auf Ihre Baufinanzierung auswirken, können Sie ganz einfach mit unserem  Baufinanzierungsrechner ermitteln. Außerdem gibt biallo.de hilfreiche  Tipps zur Baufinanzierung.
 

Energetische Sanierung: Kosten & Finanzierung

Fassade, Dach, Fenster, Heizung – bei einer energetischen Sanierung kommt einiges an Kosten zusammen. Die Beratungsgesellschaft CO2online nennt beispielhaft als „mögliche“ Sanierungskosten – Material plus Einbau – für ein Einfamilienhaus einen Wert von 45.000 Euro. Davon macht die Fassadendämmung, in dem Beispiel 100 Quadratmeter, 15.000 Euro aus. Auf die Dachdämmung, entfallen 11.000 Euro, auf die neuen Fenster 5.000 Euro und auf die Heizung, exemplarisch eine Luftwärmepumpe, 14.000 Euro.

Energetische Sanierung Beispiel

Oft erreichen die Gesamtkosten eine sechsstellige Höhe. Wie sich Kostenblöcke und Energieeinsparung unterscheiden können, zeigen zwei Sanierungen aus der Praxis der Energieberaterin Barbara Wittmann-Ginzel (siehe Tabelle). Im einen Fall handelte es sich um ein Reihenmittelhaus, das vergangenes Jahr auf das KfW-Effizienzhaus-Niveau 85 (EH) gebracht wurde, im anderen um einen 2019 zum EH 115 sanierten Bungalow.

Für beide Vorhaben wurden KfW-Zuschüsse genutzt. Die förderfähigen Kosten beliefen sich beim Reihenmittelhaus auf 107.000 Euro, der Zuschuss betrug 30 Prozent, also rund 32.000 Euro. Die Sanierung des Bungalows bezuschusste die KfW mit 15.000 Euro – 15 Prozent der damals maximal förderfähigen Kosten beim EH 115, die tatsächlichen Kosten lagen über 100.000 Euro.

Sanierungskosten und Energieeinsparung bei zwei Einfamilienhäusern. In die Finanzierung floss jeweils ein Zuschuss der KfW ein. (Quelle: Wittmann-Ginzel, GIH)

Geld vom Staat: KfW, BEG & Steuerbonus

Finanzierungshilfe leistet der Staat seit diesem Jahr mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Bereits seit Januar vergibt das Bafa Zuschüsse für einzelne Sanierungsmaßnahmen aus dem Fördertopf „BEG EM“. Seit Juli stehen die neuen KfW-Fördertöpfe für Neubau und Komplettsanierung offen („BEG WG“ und „BEG NWG“). Überdies kalkuliert die Staatsbank bei Kreditzinsen neuerdings Negativzinsen ein, die sie bei der Refinanzierung auf internationalen Kapitalmärkten erzielt.

Wie der Staat Kosten im Bereich Baubegleitung durch einen Energieberater oder Finanzierung von Photovoltaikanlagen fördern, erfahren Sie in weiteren Artikeln von uns. Einen ausführlichen Überblick über Fördermittel für Ihre energieeffiziente Sanierung gibt Ihnen unser Ratgeber Energieeffizient Sanieren – Steuerbonus und neue Programme der KfW ab 1. Juli 2021.

Biallo-Tipp: iSFP Bonus erhalten

Wenn Sie Einzelmaßnahmen im Zuge eines „individuellen Sanierungsplans“ (iSFP) Ihres Energieberaters umsetzen, steigt der Tilgungs- oder direkte Zuschuss um fünf Prozent. Für die Sanierung der Gebäudehülle springen so bis zu 15.000 Euro heraus. Den iSFP-Bonus erhalten Sie ab der ersten Einzelmaßnahme. Auch wenn Sie den Sanierungsfahrplan innerhalb des vorgeschriebenen Zeitraums von 15 Jahren nicht ganz abarbeiten, müssen Sie den Bonus nicht zurückzahlen.

Neben KfW und Bafa schießen auch Landesförderinstitute der einzelnen Bundesländer und Kommunen Gelder zu. Beispiel München: Die Stadt hat ein Förderprogramm sowohl für Neu- als auch Bestandsbauten aufgelegt. Für die Dämmung von Außenwänden zahlt sie, je nach U-Wert, 30 oder 40 Euro je Quadratmeter Wohnfläche, für die Dachdämmung gibt es zehn oder 15 Euro. Einen Überblick dazu gibt unser Ratgeber Fördermittel von Bundesländern, Kommunen und Kirchen.

Kredit von der Hausbank

Nicht immer reicht das KfW-Darlehen aus, um die Sanierung finanziell zu stemmen. In Betracht kommt dann ein zweckgebundener Ratenkredit von der Hausbank, oft als „Renovierungskredit“, „Modernisierungskredit“ oder „Wohnkredit“ bezeichnet. Wer 50.000 Euro oder mehr benötigt, sollte eine Baufinanzierung erwägen, wenn die Immobilie entschuldet und die Grundschuld noch im Grundbuch eingetragen ist. Die Zinssätze für die Ratenkredite liegen oft über zwei Prozent, die Spanne umfasst trotz Niedrigzinsumfeld mehrere Prozentpunkte, ein Vergleich lohnt sich. 50.000 Euro Baugeld (80 Prozent Beleihung) mit einer Laufzeit von fünf Jahren gibt es zu Zinssätzen ab etwa 0,75 Prozent.

Einige Ethikbanken und Nachhaltigkeitsbanken orientieren sich daran, wie ökologisch ein Vorhaben ist. „Je umweltfreundlicher das Bauvorhaben, desto günstiger der Zins“, sagt der Sprecher der Umweltbank, Oliver Patzsch. Das Geldhaus entscheide auf der Grundlage eines Umweltratings, in das Kriterien wie Energetik, Ressourcenschonung, Klimaschutz und soziale Aspekte wie Mitverantwortung, Integration ins Quartier und Mobilität eingehen. Auf der höchsten Ratingstufe ist in den Basiskonditionen für Annuitätendarlehen mit einer Laufzeit von zehn Jahren ein effektiver Jahreszins von 1,01 Prozent vorgesehen.

Ähnlich handhabt das die Ethikbank. Bei Baufinanzierungen gibt es einen dreistufigen Zinsabschlag. Gefördert werden Energieeffizienz, regenerative Energien und ökologische Baustoffe. Je erfülltem Kriterium sinkt der Zins um 0,05 Prozent. Bei Sanierungen bemisst die Bank den Abschlag am „förderfähigen Modernisierungsanteil“ der Gesamtkosten. Liegt der Anteil unter 25 Prozent, beträgt der effektive Jahreszins für ein zehnjähriges Darlehen (Beleihung: 80 Prozent) 1,12 Prozent. Ab einem Anteil von 75 Prozent sinkt der Zins auf 0,97 Prozent. Bei einer Beleihung von 60 Prozent verringert er sich auf 0,72 Prozent. Die Baukredite haben ein Mindestvolumen von 40.000 Euro.

    Worauf sollten Hauseigentümer und Hauseigentümerinnen bei der energetischen Sanierung achten und welche Sanierungsmaßnahmen zahlen sich aus? Biallo.de sprach hierzu mit Architektin Barbara Wittmann-Ginzel vom Bundesverband für Gebäudeenergieberater, Ingenieure und Handwerker (GIH). Lesen Sie dazu unser Experterninterview zur energetischen Gebäudesanierung.

      Über den Autor Manfred Fischer
        Manfred Fischer
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