Die Plattformen prüfen die bereitgestellten Geschäftsberichte und Jahresabschlüsse, auch unter mithilfe externer Expertise wie Steuerberater oder Ähnlichem. Erhält das Projekt das Okay, wird es auf dem Portal veröffentlicht. Crowdinvesting-Projekte sind beispielsweise:
- Bettervest: Solarsystem Ostafrika, 5 Jahre Laufzeit, 6 Prozent Renditeerwartung
- Exporo: Quartier am Wasserturm in Lübeck, Laufzeit bis 31.08.2024, 7,5 Prozent Renditeerwartung
- GLS Crowd: Unternehmensanleihe BMS/regenerative Energie, 5 Jahre Laufzeit, 5 Prozent Renditeerwartung
- Genocrowd: 12 exklusive Penthouse Wohnungen in Berlin-Steglitz, Laufzeit: bis 31.03.2025, Zins: 6,25 Prozent pro Jahr (+ 1,0 Prozent Cashback-Bonus bis zum 31.03.2023), Mindestanlage: 250 Euro, Maximalanlage: 25.000 Euro
Impact Investing versus traditionelle Investitionen – die Unterschiede
Im Unterschied zu klassischen Geldanlagen geht es beim Impact Investing nicht vorrangig um die Erzielung von Rendite. Es stehen zusätzlich vor allem nachhaltige oder soziale Anliegen im Fokus der Anlegerschaft. Wirkungsorientierte Geldanlagen haben somit den Anspruch, Umweltschutz und Rendite zu vereinen. Dabei überzeugt das Impact Investing vor allem dadurch, dass die erzielten Effekte auf Umwelt und Gesellschaft konkret und transparent dargelegt werden müssen.
Dies ist ein großer Unterschied zu "einfachen" nachhaltigen Geldanlagen. Bei diesen ist es nicht erforderlich, die erzielten Ergebnisse konkret auszuweisen. Oft genügt es, wenn zum Beispiel anhand von ESG-Kriterien Firmen ausgeschlossen werden, deren Unternehmenstätigkeit negative Folgen für Umwelt und Gesellschaft hat. Der Verzicht auf eine Aktiengesellschaft innerhalb eines Fonds führt aber nicht zwangsläufig zu positiven Effekten des Portfolios auf die Umwelt. Anders beim Impact Investing. Hier fließen Gelder direkt in Projekte oder Unternehmen, die einen positiven Effekt auf die Umwelt ausüben. Es geht also nicht nur um die Absicht, Gutes für Umwelt und Gesellschaft zu tun, sondern vor allem um das Resultat. Das investierte Geld soll konkrete Ergebnisse bewirken.
Welche Kriterien gibt es zur Auswahl von Impact-Unternehmen?
Damit ein Unternehmen oder ein Projekt für ein Impact Investment infrage kommt, muss es häufig mehrere Ansprüche gleichzeitig erfüllen. Dazu gehören einerseits ökologische, andererseits aber auch soziale oder ethische Anforderungen. Übergeordnete Bedingungen für eine Auswahl lassen sich zum Beispiel aus den bereits genannten Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung ableiten, also:
- saubere Energie,
- bezahlbare Gesundheit und Medizin,
- nachhaltiges Leben,
- menschenwürdige Arbeitsbedingungen,
- Bildung und Chancengleichheit,
- Klima- und Umweltschutz,
- nachhaltige Ressourcennutzung,
- sauberes Wasser.
Weitere wichtige Kriterien sind die transparente Dokumentation der bearbeiteten Projekte beziehungsweise Vorgänge sowie die Messbarkeit der tatsächlich erbrachten Leistungen. Wobei qualitative Auswirkungen, zum Beispiel die Verbesserung der sozialen Infrastruktur, häufig nur schwer zu messen und zu quantifizieren sind.
Welche Herausforderungen gibt es beim Impact Investing?
Nachhaltig wirtschaften oder anlegen gehört heute zum guten Ton. Kein Unternehmen wird heute von sich behaupten, es produziere umweltschädlich oder verschmutze mit seinen Investments die Umwelt. Aufgrund des guten Images von Nachhaltigkeit und Umweltschutz wächst die Palette der Firmen und Investmentgesellschaften, die Gutes für die Umwelt tun, immer weiter. Diese Entwicklung lockt natürlich Trittbrettfahrer an, die aus Gründen der Imagepflege von sich behaupten, nachhaltig oder sozial zu sein. Hier gilt es für Investoren also wachsam zu sein und ihr Investitionsziel auf seine nachhaltige Substanz bzw. Wirkungsweise genau zu prüfen.
Häufig ist der Wirkungsgrad eines nachhaltigen Projekts oder einer umweltfreundlichen Produktion nur schwer bis gar nicht zu messen beziehungsweise zu beziffern. Dies ist häufig bei großen Konzernen der Fall, die viele Produkte herstellen oder viele Dienstleistungen anbieten, bei denen aber nur ein Gegenstand, ein Verfahren oder eine Dienstleistung wirklich nachhaltig ist. Hier müssen Investoren festlegen, was ihnen dieser Umstand Wert ist. Trägt dieses Produkt zu einem wesentlichen Teil des Konzernumsatzes bei oder spart es wesentliche Teile umweltschädlicher Emissionen ein? Das Gleiche kann der Fall sein, wenn das Unternehmen eine Vorreiterrolle einnimmt, neue Produkte oder Geschäftsmodelle zu entwickeln oder Geschäftsbereiche in Richtung Nachhaltigkeit umzubauen. So könnte diese Firma durch mehr Recycling ihren ökologischen Fußabdruck verbessern oder ein preiswerteres oder weniger schädliches Medikament entwickeln wollen. Ein solcher Effekt kann durchaus ein Unterschiedsfaktor zum bestehenden Status Quo sein und Nachahmereffekte auslösen.
Impact Investing und Greenwashing
Greenwashing findet statt, wenn Unternehmen sich ein grünes oder nachhaltiges Deckmäntelchen verpassen, unter dem jedoch nichts oder nur wenig Grünes zu finden ist. Mit diesem Etikettenschwindel möchten solche Firmen nach außen hin besser, sprich ökologischer, dastehen, als sie in Wirklichkeit sind. Dieser Fall kann zum Beispiel bei Autokonzernen beobachtet werden, die nach außen hin die Wende zur E-Mobilität propagieren, aber selbst kaum E-Autos herstellen, sondern lieber SUVs und Autos mit hohen PS-Zahlen produzieren. Aktuell kann dies auch für Atomstromkonzerne gelten, die, dank EU (Stichwort: EU-Taxonomie), jetzt als klimafreundlich gelten, weil sie keine schädlichen Treibhausgase emittieren. Diese Stromkonzerne malen sich also grün an, obwohl sie genauso wenig grün sind wie vorher. Das Problem der radioaktiven Strahlung und des Atommülls ist nach wie vor ungelöst.
Um die Spreu vom Weizen zu trennen, ist es erforderlich, die betreffenden Unternehmen und Projekte unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten zu analysieren. Es ist wichtig, nicht nur auf Informationen aus dem Unternehmen selbst zu vertrauen, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und die laufende Berichterstattung zu verfolgen. Bei der Betrachtung der ökologischen und sozialen Auswirkungen muss stets der gesamte Produktionskreislauf sowie der Produktlebenszyklus betrachtet werden. Ferner kommt es darauf an, nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, also nicht einen Zementhersteller mit einem Tech-Giganten. Ein aussagekräftiges Bild ergibt sich nur bei Betrachtung von Unternehmen und Projekten aus der gleichen Branche.
Fazit: Impact Investing – Rendite oder Risiko
Nachhaltigkeit ist heute ein wesentlicher ökonomischer Erfolgsfaktor. Nachhaltigkeit sorgt für stabile Unternehmen mit Zukunft, weil das Engagement für Umwelt und Gesellschaft eine steigende Nachfrage bedient, einen Vorsprung vor der Konkurrenz sichert und wirtschaftliches Wachstum fördert. Und Wachstum ist die Basis für Rendite. Wer in Impact Investments investiert, kombiniert also Rendite mit ökologischer und/oder sozialer Wirkung. Als Investoren können Anleger Einfluss auf Unternehmensentscheidungen nehmen oder gezielt in einen Fonds investieren, der exakt ihre Ziele verfolgt.
Frei von Risiken sind jedoch auch Impact Investments nicht. Risiken bestehen in zweierlei Hinsicht: Einerseits kann die gewünschte sozial-ökologische Wirkung ausbleiben und andererseits die Rendite. Bei Anlagen in Einzelprojekten bestehen zudem Ausfallrisiken, etwa wenn das Projekt schlecht läuft oder gar insolvent wird. Nachteilig wirkt sich dann die meist hohe Mindestbeteiligung aus, die über Nachrangdarlehen oder Genussrechte sehr riskant abgesichert ist. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor besteht, wenn das angelegte Geld in neue Unternehmen oder unerforschte Märkte fließt.
Die Praxis zeigt, dass je nach Impact Investment ungleich höhere Kosten anfallen können, die letztlich an der Rendite knabbern. Denn die Finanzdienstleister haben mit diesen Geldanlagen mehr Arbeit als mit konventionellen, schließlich müssen sie sehr detaillierte Wirkungsnachweise erbringen. Unterm Strich lässt sich jedoch feststellen, dass Impact Investments ähnliche Renditeerwartungen mit sich bringen wie konventionelle Geldanlagen. Kosten und Risiken sollten Anlegerinnen und Anleger aber nicht vernachlässigen. Investments in Impact Fonds oder nachhaltige Robo-Advisor bieten häufig ein attraktives Gewinn- und Wertentwicklungspotenzial zu vertretbaren Kosten. Bei Investments in Einzelprojekte sollte der Faktor Risiko besonders akribisch geprüft werden.