Corona-Krise: Warum sich jetzt ein ETF-Sparplan lohnt

Aktien Corona-Krise: Warum sich jetzt ein ETF-Sparplan lohnt

von Andreas Jalsovec
13.03.2020
Auf einen Blick
  • Wegen der Corona-Krise fragen sich viele Anleger: Soll ich weiter in Aktien investieren?

  • Ein Blick auf die Börsen-Geschichte anhand des sogenannten Renditedreiecks zeigt: Aktien lohnen sich langfristig. Vor allem, wenn man sie über einen ETF-Sparplan kauft.

  • Anleger sollten jedoch zum Ende der Sparphase flexibel sein, auf die Kosten achten – und auf ein mögliches Währungsrisiko.
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Am Freitag machte die Börsen-Krise eine Pause – zumindest für ein paar Stunden. Von Montag bis Donnerstag hatte der Deutsche Aktienindex (Dax) wegen der Unsicherheit um das Corona-Virus gut 20 Prozent verloren. Am Freitag sendete der Deutsche Leitindex immerhin einige Hoffnungszeichen. Zwischenzeitlich erreichte der Dax ein Plus von neun Prozent. Am Nachmittag ging es dann wieder bergab. Eine Stunde vor Handelsschluss waren die Gewinne wieder vollständig zusammengeschmolzen.

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Das Auf und Ab dürfte Kleinanleger erneut verunsichert haben. Viele von ihnen hatten sich in den letzten Tagen und Wochen die Frage gestellt: Was tun mit meinen Aktien? Soll ich aussteigen aus dem Markt? Oder gar zukaufen, weil die Kurse jetzt im Keller sind?

Bei der Antwort darauf kann ein Blick in die Börsen-Geschichte helfen, also auf ähnliche Krisen – wie etwa auf den Börsenabsturz in den Jahren 2000 und 2001. Die Historie zeigt: Wer in jenen Krisenzeiten in Aktien investierte, erlitt zunächst herbe Verluste. Doch längerfristig erzielten Anleger trotz des starken Einbruchs einen Gewinn. Das gilt insbesondere dann, wenn sie über einen Sparplan in Aktien investierten.

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3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
MSIF Global Opportunity AH EUR
LU0552385618
10,61%
2.
Fundsmith Equity Fund Sicav T Acc EUR
LU0690375182
10,26%
3.
ABAKUS New Growth Stocks
LU0418573316
9,60%
Laufzeit: 5 Jahre

Wie lief es beim Platzen der Dotcom-Blase?

Zur Erinnerung: Im März 2000 platzte die sogenannte Dotcom-Blase. Aktien von Technologieunternehmen hatten bis dahin riesige Kursgewinne verzeichnet. Als sich abzeichnete, dass die Firmen die überzogenen Gewinnerwartungen nicht erfüllen konnten, ging es an den Börsen fast zwei Jahre lang bergab. Verstärkt wurde der Abwärtstrend dann durch die Anschläge auf das New-Yorker World Trade Center vom 11. September 2001. Der Terror-Schock ließ die Kurse weltweit weiter einbrechen.

Wie aber erging es Anlegern, die zu dieser Zeit in Aktien investierten? Ablesen lässt sich das am sogenannten Renditedreieck für den weltweiten Index MSCI World. Es verdeutlicht, welche Rendite eine Aktienanlage, die man zu Beginn eines bestimmten Jahres tätigt, in den Folgejahren im Durchschnitt abwirft - Dividenden und Kosten der Anlage eingerechnet. Der Investor und Aktienexperte Christian W. Röhl hat zwei verschiedene Varianten des Dreiecks für die Zeit von 1972 bis 2019 ausgerechnet. Zum einen für den Fall einer Einmalanlage in Aktien. Zum anderen betrachtet Röhl den Fall, dass ein Anleger wie bei einem ETF-Sparplan jeden Monat einen festen Betrag in den Index investiert.

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Nach sechs Jahren erstmals wieder im Plus

Dabei zeigt das Renditedreieck für den ETF-Sparplan: In den ersten knapp fünf Jahren nach Beginn des Absturzes - also bis Ende 2004 - verzeichneten Anleger im Schnitt deutliche jährliche Verluste: Im fünften Jahr etwa ist das Depot noch immer mit vier Prozent pro Jahr im Minus. Bereits ein Jahr später – Ende 2005 – jedoch ändert sich das Bild: Die jährliche Performance liegt dann bei durchschnittlich 4,1 Prozent plus pro Jahr, Ende 2006 sind es plus fünf Prozent.

Dann allerdings kommt der nächste Absturz: 2008 gehen die Börsen wegen der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers erneut auf Talfahrt. Das Sparplan-Depot dreht daher erneut ins Minus. Schon Ende 2010 steht unterm Strich jedoch mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 1,9 Prozent wieder ein leichtes Plus. Ende 2014 - also knapp 15 Jahre nach der Dotcom-Krise - liegt die Rendite schließlich bei 6,6 Prozent.

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Einmalanlage ist risikoreicher

Dies macht deutlich: Wer auf einen Aktiensparplan mit ETFs setzt, braucht einen langen Atem. Aber es lohnt sich - selbst, wenn die Investition in einer dramatischen Krise stattfindet. "Je länger man investiert war, umso geringer das Verlust-Risiko", meint Investor Röhl. Dabei zeigen die Rendite-Dreiecke allgemein: "Ab einem Horizont von 15 Jahren hat man im letzten halben Jahrhundert unabhängig vom Ein- und Ausstiegszeitpunkt mit globalen Aktien kein Geld verloren."

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Allerdings lässt sich aus den Renditedreiecken auch ersehen: Eine Einmalanlage in Aktien ist risikoreicher als ein regelmäßiges, monatliches Investment. Wer Anfang 2000 eine einzelne Summe in den MSCI World investierte, dessen Depot blieb 13 Jahre lang im Minus. Erst Ende 2014 stand im Schnitt ein leichtes Plus von 1,7 Prozent zu Buche. Das ist deutlich schlechter als beim ETF-Sparplan.

Regelmäßige Sparraten senken das Risiko

Der Grund liegt in den regelmäßigen Sparraten. Sie sorgen für eine Risikostreuung, weil die Aktien in unterschiedlichen Marktphasen gekauft werden. Läuft es an der Börse schlecht, sind die Kurse zwar tief. Das hat jedoch den Vorteil, dass Anleger über den Sparplan automatisch Aktien zu niedrigen Preisen erwerben. Unterm Strich entsteht so über die Zeit ein Durchschnittspreis für die Anteilsscheine, der langfristig Gewinne sehr wahrscheinlich macht. Börsianer sprechen vom sogenannten "Cost-Average-Effekt".

Ganz ohne Risiken sind die ETF-Sparpläne dennoch nicht. Auch bei einem langen Anlagehorizont sollten Anleger bedenken, dass es an der Börse immer wieder Marktphasen gibt, in denen es schlecht wäre, Anteile zu verkaufen. Der Investment-Horizont dürfe daher "nicht zu starr bemessen sein", meint Anlageexperte Röhl. "Wer zu einem bestimmten Zeitpunkt ans Geld muss, sollte mit dem ,Entsparen' nicht bis kurz vor knapp warten und in guten Phasen schon mal ein bisschen Liquidität schaffen", rät er. Das Geld kann man dann als Tagesgeld oder kurz laufendes Festgeld sicher parken.

ETF-Sparplan: Mit monatlichen Sparraten zum Vermögensaufbau

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
R-co Thematic Silver Plus C
FR0010909531
4,22%
2.
Oddo BHF Avenir Euro CR EUR
FR0000990095
2,71%
3.
H & A Aktien Small Cap EMU B
LU0100177426
2,27%
Laufzeit: 5 Jahre

Kosten des Sparplans sind entscheidend

Hinzu kommt: Gerade bei Sparplänen auf internationale Indizes, wie den weltweiten MSCI-World, gibt es ein Währungsrisiko. Die Mehrzahl der Aktien im MSCI-World etwa läuft auf Dollarbasis. Kaufen Anleger hier zu Lande also Aktien zu einem am Euro gemessen hohen Dollarkurs ein und verkaufen sie zu einem niedrigen Dollarkurs wieder, kostet das Rendite.

Achten sollte man bei den Sparplänen außerdem auf die Kosten. Sie unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter deutlich. Das ist gerade bei kleineren Sparraten wichtig. So liegen etwa bei einer Sparrate von monatlich 50 Euro und einer pauschalen Gebühr pro Ausführung von zwei Euro die Kosten bei vier Prozent. Das muss man dann durch Kursgewinne erst einmal aufholen.

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Relativ kostengünstig bieten sogenannte Robo-Advisor ETF-Sparpläne an. Sie sind beim jüngsten Börsenabsturz zwar durchaus kritisiert worden, weil die automatisierten Vermögensverwalter im Vergleich zu einem Fondsmanagern nur sehr begrenzt auf solche Kursstürze reagieren können. Das Renditedreieck auf den MSCI-World zeigt jedoch, dass das kein Nachteil sein muss. Zumindest dann nicht, wenn man einen langfristigen Anlagehorizont hat - und am Ende der Anlageperiode beim Ausstiegszeitpunkt flexibel bleibt.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de