Nebenberuflich gründen: Mit wenig Risiko zur Selbstständigkeit

Ratgeber der Woche Nebenberuflich gründen: Mit wenig Risiko zur Selbstständigkeit

Ines Baur
von Ines Baur
13.05.2019
Auf einen Blick
  • Festangestellte mit einer guten Geschäftsidee können sich nebenberuflich selbständig machen– das fixe Gehalt sichert den Lebensstandard und schmälert das Risiko.

  • Die To-do-Listen von Existenzgründern und Nebenerwerbsgründern gleichen sich grundsätzlich. Allerdings hat der nebenberuflich Selbständige noch zusätzliche Fragen zu Arbeitgeber, Arbeitszeiten und Sozialversicherung abzuklären.

  • Ein ordentlich ausgearbeiteter Businessplan hilft, die Geschäftsidee umzusetzen und ist ein perfektes Selbst-Kontroll-Instrument.
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Existenzgründer arbeiten Tag und Nacht, haben keine Freizeit, dafür einen straffen Zeitplan. Und sie setzen ihre Existenz auf Spiel. Solche Vorurteile schrecken so manchen Gründer in spe ab, seine Geschäftsidee umzusetzen. Allerdings gibt es für – bis dato Festangestellte – neben dem Sprung ins kalte Wasser noch den Weg der kleinen Schritte: Der Existenzgründer startet mit seinem Vorhaben erst einmal nebenberuflich, geht die Selbstständigkeit als Nebenjob für einige Stunden pro Woche an. Der große Vorteil dabei ist, dass er sein Geld mit der Festanstellung verdient und nicht alles auf eine Karte setzen muss.

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Die To-do-Listen von Existenzgründern und nebenberuflich Selbstständigen gleichen sich grundsätzlich. Allerdings hat ein Arbeitnehmer, somit Nebenerwerbsgründer, zusätzlich einige Fragen abzuklären. Muss er seinen Arbeitgeber um Erlaubnis fragen? Darf er in seinen eignen vier Wänden arbeiten? Ändern sich die Beiträge für die Sozialabgaben? Wie und wo meldet er sich selbstständig?

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Arbeitgeber

Freie Berufswahl und berechtigtes Interesse

Grundsätzlich gilt: Ein Angestellter darf sich nebenberuflich selbstständig machen. Das regelt Artikel zwölf des Grundgesetzes: "Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen." Demnach steht es jedem frei, neben seiner Festanstellung eine nebenberufliche Tätigkeit auszuüben – auch eine selbstständige.

Dennoch: "Ich würde mir immer eine schriftliche Genehmigung des Arbeitgebers oder Dienstherren einholen", empfiehlt Harald Hof von der betriebswirtschaftlichen Beratung der IHK für München und Oberbayern. Ein Schriftstück ist letztendlich nicht unerheblich, sollte es – aus welchem Grund auch immer – doch irgendwann Diskrepanzen bezüglich der nebenberuflichen Beschäftigung geben. Ein Arbeitgeber kann beispielsweise gegen den Nebenjob seines Angestellten vorgehen, sollte die Nebentätigkeit seine berechtigten betrieblichen Interessen beeinträchtigen.

Beispiel: Ein angestellter Krankenpfleger arbeitet als Leichenbestatter. Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (6 AZR 357/01) besagt, dass der angestellte Krankenpfleger nicht nebenberuflich als Leichenbestatter arbeiten darf. Denn der Umstand, von einem Krankenpfleger versorgt zu werden, der nebenberuflich als Bestatter tätig ist, erzeugt bei Patienten Irritationen und die Genesung könnte beeinträchtigt werden.

  • Biallo-Tipp: Unzulässig sind im Arbeitsvertrag Klauseln, die betonen, dass "während der Dauer der Beschäftigung der Angestellte keinerlei Nebentätigkeiten ausüben darf." So ein Zusatz ist rechtswidrig und kann deshalb ignoriert werden. Ungeachtet aller Paragraphen und Arbeitsverträge empfehlen Experten grundsätzlich das Gespräch mit dem Chef. Denn solange hier ein gutes Verhältnis besteht und die Nebentätigkeit sich nicht auf den Job auswirkt, sollte es keine Schwierigkeiten geben. Und um auch weiterhin keine Streitigkeiten aufkommen zu lassen, sollte sich der Arbeitnehmer an bestimmte Regeln halten:

    • Weder betriebliche Mittel des Arbeitgebers verwenden, noch während der Arbeitszeit dem Nebenberuf nachgehen (Telefonate, E-Mail, Recherchen).
    • Dem Arbeitgeber keine Konkurrenz machen oder Kunden ausspannen.
    • Den gewohnten Einsatz bei der Arbeit bringen, wie vertraglich vereinbart.

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Hinweis

Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst unterliegen generell der Anzeige- und Genehmigungspflicht beim und durch die Dienstherren.

Arbeitszeiten

Das Thema Arbeitszeit ist beim Gründen eines Unternehmens nicht unerheblich. Denn es wird Zeit und Kraft in Anspruch nehmen. Und so wie ein Angestellter das Recht auf sein volles Gehalt hat, hat der Arbeitgeber das Recht auf die volle Arbeitskraft seines Angestellten. Daher sollten Nebenerwerbsgründer unbedingt mit ihren Kräften haushalten und eine Leistungsminderung vermeiden, die durch Überarbeitung und Übermüdung auftauchen können.

Vor allem Personen, die verantwortungsvolle Hauptberufe haben, sollten nicht übermüdet und unkonzentriert ihrer Arbeit nachgehen. Wer meint, dass ja niemand die Stunden zusammenzählt, sollte bedenken, dass er seine Gesundheit riskiert, wenn er permanent abgehetzt ist.

Wer überlegt, einfach während seines Jahresurlaubs seiner nebenberuflichen Selbstständigkeit nachzugehen, sollte den Gedanken gleich streichen. Denn weder Krankheit- und Genesungszeit, noch Urlaubstage sind zum Arbeiten da, sondern zur Erholung und Regeneration. Wer in dieser Zeit arbeitet, muss mit Konsequenzen und Ärger mit dem Arbeitgeber rechnen.

Reduzierung der Wochenarbeitszeit, Brückenteilzeit

Ein Vollbeschäftigter mit einer 40-Stunden-Woche, der sich nebenberuflich selbstständig machen möchte, muss vielleicht seine Wochenarbeitszeit reduzieren. Ein klärendes Gespräch mit dem Arbeitgeber kann für beide Seiten praktikable Lösungen bringen.

In manchen Betrieben kommt eine Brückenteilzeit in Frage. Die verschafft dem Nebenerwerbsgründer für sein Projekt ein Plus an Zeit, mit garantierter Rückkehr. Denn Arbeitnehmer haben seit Januar 2019 ab einer bestimmten Betriebsgröße das Recht darauf, ihre Arbeitszeit für eine im Voraus begrenzte Dauer zu verringern. Danach können sie wieder in das vorherige Arbeitszeitmodell zurück. Die Zeitspanne beträgt mindestens ein Jahr und höchstens fünf Jahre. Die zeitliche Begrenzung ist von Vorteil für beide Seiten. Garantiert sie doch sowohl dem Arbeitnehmer als auch dem Arbeitgeber Planungssicherheit.

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Sozialversicherung

Arbeitnehmer in einer Festanstellung sind pflichtversichert. Sie zahlen in der Regel ihrem Bruttolohn entsprechend Beiträge zur Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung. Einkünfte einer nebenberuflichen Selbstständigkeit beeinflussen üblicherweise nicht die Pflichtbeiträge der gesetzlichen Sozialversicherung.

Allerdings liegt die Betonung hier ganz klar auf "nebenberuflich". Sollte sich der Schwerpunkt bei der Kombination Angestellter und nebenberuflich Selbstständiger im Laufe der Zeit verschieben und die Selbstständigkeit immer mehr zum Hauptjob werden, gelten andere Regeln.

Krankenversicherung

Gesetzlich Versicherte, die sich nebenberuflich selbstständig machen möchten, sollten Kontakt mit ihrer Krankenkasse aufnehmen. "Es gibt bei der Fragestellung nebenberuflich oder hauptberuflich selbstständig viele Kombinationen, die sich auf Einstufung und Beitragszahlung auswirken", sagt Stephan Mayer, Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Techniker Krankenkasse. "Deshalb sollte zur individuellen Prüfung jeder, der nebenberuflich selbstständig tätig werden möchte, sich unbedingt mit seiner Krankenkasse in Verbindung setzen." Die gesetzliche Krankenversicherung wird dann im Rahmen einer Gesamtschau prüfen, wie die Selbstständigkeit aus wirtschaftlicher Sicht und Zeitaufwand in Relation zur Festanstellung steht und ob sie sich auf die Beiträge auswirkt.

Stellt die Krankenversicherung anhand der Einnahmen fest, dass die Einnahmen aus der nebenberuflichen Selbstständigkeit die Einnahmen aus dem Angestelltenverhältnis übersteigen, müssen die Versicherungsbeiträge (rückwirkend) entrichtet werden. Sollte irgendwann die nebenberufliche Selbstständigkeit in Bezug auf Einkommen und / oder Arbeitszeit überwiegen, ist es möglich, den Status "Selbstständig" zu beantragen. Dann kann sich der Arbeitnehmer, der dann ja hauptberuflich selbstständig ist, freiwillig bei der GKV weiterversichern. Oder er wechselt in eine private Krankenversicherung.

Arbeitslosenversicherung

Im Gegensatz zur Krankenversicherung ändert sich bei der Arbeitslosenversicherung nichts – ungeachtet, wie viel Geld der Arbeitnehmer über den selbstständigen Nebenerwerb verdient.

Rentenversicherung

Grundsätzlich sind alle Arbeitnehmer in der Rentenversicherung pflichtversichert. Die meisten Selbstständigen dagegen können der Rentenversicherung freiwillig beitreten. Daneben gibt es aber auch einige Berufs- und Personengruppen, die der Versicherungspflicht unterliegen wie etwa Erzieher, Lehrer, Pflegepersonen, Hebammen und manche Handwerksberufe. Für sie kann eine Versicherungspflicht auch gelten, sollten sie ihren Beruf nebenberuflich in einer Selbstständigkeit ausüben. So hat ein Lehrer, der nebenberuflich Nachhilfe gibt und regelmäßig mehr als 450 Euro pro Monat verdient, auf das zusätzliche Einkommen Rentenversicherungsbeiträge zu zahlen.

Doch auch hier gibt es Ausnahmen, beispielsweise für Gründer. Es empfiehlt sich jedenfalls die Kontaktaufnahme bei der Rentenversicherung zur Klärung der individuellen Situation.

GmbH, GbR, Einzelunternehmer?

Jedes Unternehmen in Deutschland braucht eine Rechtsform. "Wenn Mandanten zu mir kommen, frage ich, in welcher Branche sie unterwegs sind", erklärt Karsten Schmidt vom Deutschen Steuerberaterverband. "Handelt es sich um eine Branche mit hohen Haftungsrisiken, ist die sogenannte Unternehmergesellschaft, kurz UG, sinnvoll. Sind die Haftungsrisiken dagegen begrenzt, ist ein Einzelunternehmen empfehlenswert."

Sowohl die GmbH als auch die UG – die genaugenommen eine Variante der GmbH ist – sind haftungsbeschränkt. Das bedeutet, die Haftung beschränkt sich bei der GmbH auf das Stammkapital von 25.000 Euro . Bei der UG auf das Vermögen der Gesellschaft – theoretisch gründbar ab einem Euro Stammkapital.

Achtung: Bei der UG muss das Stammkapital mit Gewinnen aufgefüllt werden, bis es bei 25.000 Euro ist. Dann wird sie zur GmbH. Auch wenn das Thema Haftungsbeschränkung aufhorchen lässt – die GmbH und UG sind vom Aufwand her nicht zu unterschätzen. So sind sie etwa bilanzierungspflichtig, die Gründungsformalitäten sind aufwendig und das GmbH-Gesetz macht strenge Vorschriften zur Buchführung. "Für jemanden, der sich nebenberuflich selbstständig macht und auch nebenberuflich selbstständig bleiben möchte, sind diese Rechtsformen nicht empfehlenswert", sagt Schmidt.

Gibt ein Gewerbetreibender oder Freiberufler keine andere Rechtsform an, ist er automatisch Einzelunternehmer und haftet mit seinem Privatvermögen.

  • Biallo-Tipp: Sowohl nebenberufliche als auch hauptberufliche Gründer sind mit einem Termin bei einem Steuerfachmann gut beraten.

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Finanzamt, Gewerbeamt und Steuern

Vor dem Start der nebenberuflichen Selbstständigkeit stehen – wie für jeden Existenzgründer – Behördengänge an. Neben der Rechtsform des Unternehmens sollte der Nebenerwerbler wissen, ob er eine freiberufliche oder eine gewerbliche Tätigkeit startet. Denn:

  • Freiberufler füllen den Fragebogen des Finanzamts zur steuerlichen Erfassung aus.

  • Gewerbetreibende melden ihr Unternehmen beim Gewerbeamt an. Das informiert dann die weiteren Behörden, unter anderem das Finanzamt.

Auskunft über den Status quo erteilen der Steuerberater oder das Finanzamt. Oder der Paragraf 18 des Einkommensteuergesetzes. Hier findet sich eine Auflistung der freien Berufe. Dazu gehören beispielsweise der selbstständig tätige Anwalt, Journalist, Architekt oder Steuerberater. Zu den gewerblichen Tätigkeiten zählt handwerkliches Arbeiten, Ladengeschäfte, Halten von Online-Seminaren oder Verkäufe bei Ebay. Die Anmeldung eines Gewerbes kostet je nach Region zwischen 20 und 50 Euro.

  • Biallo-Tipp: Wer mit seinem Nebenerwerb sowohl eine gewerbliche als auch eine freiberufliche Tätigkeit anbietet, sollte klare Grenzen ziehen, um den Status Freiberufler nicht zu riskieren. Dazu gehört jeweils ein eigenes Geschäftskonto und eine eigene Steuernummer. Beispiel: Der Journalist, der schreibt und auf seiner Homepage nebenbei E-Kurse anbietet. Aktuell zählt ein E-Kurs als Produkt und so braucht er ein Gewerbe zum Verkauf.

Steuern

Selbstständige müssen Steuern auf ihre Einkünfte zahlen. Im Gegensatz zum Gehalt wird die Steuer aber nicht automatisch etwa vom Gewinn eingezogen. Der selbstständige Nebenerwerbler ist in der Pflicht, eine Steuererklärung abzugeben und daraufhin seine Steuern abzuführen.

Steuererklärung
Hat ein Angestellter neben seiner Festanstellung noch Einkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit oder einem Gewerbebetrieb, wird er künftig neben der Anlage N (Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit), noch die Anlage S (Einkünfte aus selbstständiger Arbeit) oder die Anlage G (Einkünfte aus Gewerbebetrieb) einreichen.

Umsatzsteuer
Die Umsatzsteuer fällt hierzulande bei jedem Produkt, das verkauft wird und bei jeder Dienstleistung an. Sie beträgt in der Regel 19 Prozent, der ermäßigte Satz sieben Prozent. Alle, die nicht die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, müssen sie zahlen. Das Finanzamt hat regelmäßige Teilzahlungen, entweder monatlich (Umsatzsteuerzahllast vom Vorjahr war größer als 7.500 Euro) oder zum Quartal (geringer als 7.500 Euro) festgesetzt.

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Für Gründer gibt es eine Ausnahmeregelung: Sie müssen ihre Umsatzsteuervoranmeldung im Jahr der Unternehmensgründung und im Folgejahr monatlich einreichen. Die Umsatzsteuervoranmeldung erfolgt über ELSTER online.

  • Biallo-Tipp: Legen Sie möglichst genug Geld aufs Tagesgeldkonto, um die Steuer am Zahltag begleichen zu können. Für eine genaue Berechnung geht man am besten zu einem Steuerberater.
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Standort und Arbeitsplatz

Selbstständige Nebenberufler brauchen einen Platz, um ihrer Arbeit nachzugehen. Das kann ein Laden sein, ein angemietetes Büro, eine fahrende Imbissbude. Oder auch der Küchentisch in der eigenen Wohnung, an dem er mit dem Laptop Internetseiten erstellt. Um das Budget nicht zu sehr zu strapazieren, starten nicht wenige Nebenerwerbsgründer ihr Business von daheim aus.

Mieter sollten dringend einen Blick in ihren Mietvertrag werfen. Denn viele Standard-Mietverträge untersagen die geschäftliche Nutzung des Wohnraumes. Ein BGH-Urteil besagt, dass ein Vermieter bei Nichtgenehmigung das Mietverhältnis kündigen kann (Az.: VIII ZR 165/08).

Ein Mieter, der von daheim arbeitet, die Wohnung aber überwiegend zu Wohnzwecken nutzt und niemanden stört, wird die Erlaubnis des Vermieters erhalten.

Hat der Vermieter grünes Licht gegeben, sollte die Störung der anderen Mieter vermieden werden. "Wichtig hierbei ist der Umstand, dass kein Publikumsverkehr stattfindet, der zu Störungen der übrigen Mieter führen kann", rät Claus Deese vom Mieterschutzbund. "Wenn Publikumsverkehr doch notwendig ist, so ist grundsätzlich vor Aufnahme der Tätigkeit eine beweisbare Zustimmung des Vermieters notwendig. Dem Vermieter steht allerdings das Recht zu, die Zustimmung zu verweigern."

Ist die Wohnung im Besitz des Nebenberuflers und Teil einer Eigentümergemeinschaft, gilt es die Hausordnung zu lesen und gegebenenfalls die Hausverwaltung zu informieren.

Hinweis

Öffentliche Vorschriften untersagen in einem reinen Wohngebiet die gewerbliche Nutzung von Wohnraum. Das bedeutet beispielsweise keine Gänsezucht im Hinterhof oder kein Fotoatelier in der Zweiraumwohnung. Informationen über die Baunutzungsverordnung erteilen hier die Kommunen.

Kleinunternehmerregelung

Die Kleinunternehmerregelung nach Paragraf 19 UStG kann für nebenberufliche Existenzgründer interessant sein. "Ein Kleinunternehmer braucht keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen. Und die monatliche Umsatzsteuervoranmeldung entfällt hier ebenfalls", erklärt Schmidt.

Zu den Kleinunternehmern gehören aus steuerlicher Sicht Unternehmer, die im Jahr der Gründung voraussichtlich einen Gesamtumsatz von nicht mehr als 17.500 Euro erwirtschaften und im Folgejahr nicht mehr als 50.000 Euro. Wer diese Regelung nutzen möchte, gibt dies im Gewerbeschein oder im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung an. Dem Kunden muss der Kleinunternehmer die Anwendung der Regelung auf der Rechnung kommunizieren. Zum Beispiel: Keine ausgewiesene Umsatzsteuer aufgrund der Kleinunternehmerregelung nach §19 UStG.

"Wenn allerdings ein Existenzgründer hohe Ausgaben für Investitionen hat und daher erhebliche Vorsteuerbeträge enthalten sind, sollte man überlegen, ob die Kleinunternehmerregelung für ihn Sinn macht", gibt Schmidt zu bedenken. "Denn wer keine Umsatzsteuer ausweist, kann sich diese Steuer nicht über die Vorsteuer zurückholen."

Auch hier rentiert sich der Gang zum Steuerberater. Der kann am besten anhand eines ausgearbeiteten Businessplans einschätzen, ob die Regelung für den jeweiligen Fall sinnvoll ist oder nicht.

  • Biallo-Tipp: Verzichtet ein Gründer auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung, ist er an seine Entscheidung fünf Kalenderjahre gebunden.

Förderung

Nebenerwerbsgründer lassen das Thema Förderung oft außen vor. Denn das Geld für die Existenzsicherung bringt der Hauptjob und die nebenberufliche Selbstständigkeit kostet – vor allem bei Dienstleistern – mehr Zeit als Geld.

Interessant für Nebenerwerbsgründer könnte aber die Beratungsförderung sein: Hier wird das unternehmerische Know-how von Jungunternehmern, Bestandsunternehmen (ab dem dritten Jahr) und Unternehmen in Schwierigkeiten gefördert. Antragstellung erfolgt online über www.bafa.de.

Eine Übersicht über die aktuellen Förderprogramme und die Voraussetzungen zur Teilnahme finden Interessierte beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Geschäftsidee und Businessplan

Am Beginn jeder Selbstständigkeit steht die Frage: Mit was möchte ich mich selbstständig machen? Das richtige Produkt oder die richtige Dienstleistung zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist ein Erfolgsgarant. Doch braucht es weiter eine gute Planung und unternehmerischen Geist. Ob der vorhanden ist, lässt sich mit einem Selbsttest (etwa mit "Sind Sie ein Unternehmertyp?" auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie) herausfinden.

Auch der Austausch mit anderen Selbstständigen bringt Interessierte weiter und nicht zuletzt das Gespräch mit Partner und Familie. Denn stellen die sich quer, ist das Projekt in Gefahr. Unterstützung und Verständnis sind nicht unwesentlich in den ersten Jahren.

Als nächstes sollten (Nebenerwerbs-)gründer– trotz Pionierstimmung– ihre Idee kritisch hinterfragen: Ist meine Geschäftsidee realistisch umsetzbar? Wer ist meine Kundschaft? Besteht genug Nachfrage? Wie schaut es mit der Konkurrenz aus? Diese und andere Fragen gilt es mit einem ordentlich ausgearbeiteten Businessplan zu erarbeiten. So ein Plan dient jedem Gründer als perfektes Selbst-Kontroll-Instrument. Und Vorlagen kann man kostenlos bei der IHK im Internet herunterladen.

Im Businessplan sind folgende Punkte ausführlich zu bearbeiten:

  • Exposee: Die Geschäftsidee auf maximal zwei Seiten zusammenfassen und ausformulieren.

  • Gründerprofil: Hierher gehört die Darstellung der eigenen fachlichen Kompetenzen, Branchenerfahrung und persönliche Voraussetzungen fürs Unternehmertum.

  • Markteinschätzung: Welche Kunden spricht der Betrieb an? Gibt es schon Kundenkontakte oder Anfragen? Wie ist die Konkurrenzsituation am Markt?

  • Wettbewerbssituation: Gibt es Mitbewerber, wo liegen die Schwächen oder Stärken der Konkurrenz? Was macht die eigene Geschäftsidee so wertvoll?

  • Marketing: Welche Strategie, Marketingaktivitäten sind geplant? Soll ein soziales Netzwerk genutzt und Anzeigen geschaltet werden?

  • Standort: Wie wichtig ist der Standort? Gibt es schon eine Location?

  • Unternehmensorganisation: Welche Rechtsform soll das Unternehmen haben? Welche Genehmigungen sind notwendig? Braucht es zusätzliches Personal? Falls ja, wie ist die Aufgabenverteilung?

  • Risikoanalyse: Welche Probleme können auftauchen, wie schwer wiegen sie und welche Lösungen gibt es?

  • Finanzwirtschaftliche Planungen: Sie umfasst die Kapitalbedarfsplanung, inklusive sämtlicher Investitionen, Gründungskosten, Betriebsmittel. Weiter eine Rentabilitätsvorschau (Gewinn-und Verlustrechnung), an deren Ende ein Plus stehen sollte.

Die Bearbeitung wird einige Zeit in Anspruch nehmen und nicht immer einfach von der Hand gehen. Doch es lohnt sich: Der Plan ordnet Ideen und Gedanken, hilft dabei Fragen zu beantworten, unterstützt dabei, Risiken zu erkennen und einige Fehler erst gar nicht zu machen.

Der fertig ausgearbeitete Businessplan dient Jungunternehmern als Diskussionsgrundlage und Informationsbroschüre, möchten Nebenerwerbsgründer für ihr Geschäft einen Kredit oder eine Förderung beantragen.

Wer eine gute Idee hat, es sich aber nicht zutraut, einen Businessplan zu erstellen, sollte sich Hilfe holen. "Es gibt von der IHK München Businessplanvorlagen sowohl im Netz als auch von der IHK Akademie München einen subventionierten Workshop Businessplan", sagt Experte Hof. "Auf jeden Fall macht es Sinn, sich über seinen Plan auszutauschen, beispielsweise bei der IHK."

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Biallo-Tipp

Die Geschäftsidee steht zu Beginn jedes Businessplans und sollte klar und deutlich ausformuliert sein. Das fällt vielen sehr schwer. Besser ist es, erst alle anderen Punkte auszuarbeiten und die Geschäftsidee als letztes zu formulieren.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de