Auf einen Blick
  • Die Türkei steckt nach wie vor in einer großen Wirtschafts- und Währungskrise. Allerdings zeigen die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen erste Erfolge.

  • Die türkische Lira hat gegenüber Euro und US-Dollar in den vergangenen drei Monaten um rund 20 Prozent aufgewertet. 

  • Dennoch erhalten wir immer wieder Leseranfragen: "Sind Einlagen bei Banken türkischer Herkunft hierzulande noch sicher?"

  • Die Antwortet lautet ganz klar: ja – zumindest bis zur Höhe der gesetzlichen Einlagensicherung.
Auch hierzulande sind Sparer durch die Währungs- und Wirtschaftskrise in der Türkei verunsichert.
Natanael Ginting / Shutterstock.com

In einer der schwersten Wirtschafts- und Währungskrisen der Türkei scheint endlich Licht am Ende des Tunnels erkennbar zu sein. Nachdem die türkische Notenbank den Leitzins im November und Dezember 2020 in zwei Schritten von 10,25 auf 17 Prozent deutlich angehoben hatte, stabilisierte sich im Gegenzug auch die türkische Lira: Gegenüber Euro und US-Dollar konnte die türkische Leitwährung in den vergangenen drei Monaten um rund 20 Prozent aufwerten. Allerdings war die Lira in den Monaten zuvor auch um bis zu 40 Prozent eingebrochen.

Offenbar sorgt der neue Notenbankpräsident Naci Agbal für mehr Vertrauen unter den internationalen Investoren, auch wenn die Inflationsrate im Land weiter bei rund 15 Prozent liegt. Dennoch: "Mit einem Leitzins von 17 Prozent und einer Inflationsrate von etwa 15 Prozent ergibt sich ein realer Leitzins von rund zwei Prozent. Im aktuellen globalen Zinsumfeld ist das für internationale Investoren attraktiv genug, um Gelder anzuziehen", sagte Sören Hettler, Devisen-Analyst bei der DZ-Bank, vor kurzem gegenüber BusinessInsider Deutschland.

Biallo-Tipp: Bis zu zehn Prozent Dividende

Eine interessante Alternative zum Festgeld sind die Dividenden von Genossenschaftsbanken. In der Spitze winken jährlich zweistellige Zinsen – Renditen, von denen klassiche Zinssparer derzeit nur träumen können! Manche Genossen gehen sogar bundesweit auf Mitgliederfang. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber:  Die besten Dividenden von Genossenschaftsbanken.

Türkische Banken mit relativ hohen Zinsen

Im Tagesgeld- und Festgeld-Vergleich listet biallo.de auch sieben Banken mit türkischen Wurzeln auf. Der negative Zinstrend in Europa ist zwar auch an ihnen nicht vorbeigegangen. So bot etwa die Ziraat Bank vor einem Jahr bei einer Laufzeit von zwölf Monaten einen Festgeldzins in Höhe von 0,75 Prozent. Mittlerweile sind es nur noch 0,30 Prozent (siehe Tabelle). Das ist jedoch noch immer noch mehr als der Marktdurchschnitt. Schließlich liegen die Festgeldzinsen laut Biallo-Festgeld-Index aktuell bei durchschnittlich 0,21 Prozent (Stand: 9. Februar).

Türkische Banken im Festgeld-Vergleich (Laufzeit 12 Monate)

Bank Zins p. a.  Anlagesumme Einlagensicherung (ES) S&P-Länderrating
Ziraat Bank 0,30 % 2.500 bis 250.000 Euro 100.000 Euro pro Person / deutsche ES zzgl. freiwilllige ES über BdB in Millionnenhöhe AAA

höchste Sicherheit
Isbank 0,30 % 2.500 bis 250.00 Euro 100.000 Euro pro Person / deutsche ES zzgl. freiwilllige ES über BdB in Millionnenhöhe AAA

höchste Sicherheit
Akbank  0,25 % 2.000 bis 1.000.000 Euro 100.000 Euro pro Person / deutsche ES zzgl. freiwilllige ES über BdB in Millionnenhöhe AAA

höchste Sicherheit
Denizbank 0,25 % ab 1.000 Euro 100.000 Euro pro Person / österreichische ES  AA

hohe Sicherheit
Garantibank 0,20 % 2.500 bis 250.000 Euro 100.000 Euro pro Person / niederländische ES AAA

höchste Sicherheit
Oyak Anker Bank 0,20 % ab 2.500 Euro 100.000 Euro pro Person / deutsche ES zzgl. freiwilllige ES über BdB in Millionnenhöhe AAA

höchste Sicherheit
Vakifbank 0,15 % ab 5.000 Euro 100.000 Euro pro Person / österreichische ES  AA

hohe Sicherheit
Quelle: eigene Recherche / Stand: 9. Feb. 2021 / Konditionen laut Anbieter / Angaben ohne Gewähr

Türkische Banken mit bester Einlagensicherung

Beim Blick auf unsere Bewertung fällt auf, dass die meisten genannten Banken nicht nur in puncto Zinsen besser als der Durchschnitt abschneiden. Sie bieten alle auch ein hohes Maß an Sicherheit. Doch wie kann das angesichts der jüngsten politischen Turbulenzen in der Türkei sein? Viele unserer Leser fragen sich im Moment: Ist das Geld bei diesen Banken wirklich noch sicher?

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"Diese Banken unterliegen der deutschen, österreichischen oder niederländischen Einlagensicherung – insofern muss sich niemand Sorgen machen", erklärt Horst Biallo, Gründer und Geschäftsführer des gleichnamigen Verbraucherportals. 


Wer ist im Entschädigungsfall zuständig?

Laut Bundesverband deutscher Banken (BdB) spielt die Eigentümerschaft eines Instituts im Entschädigungsfall keine Rolle. "Bei einem selbstständigen deutschen Tochterunternehmen handelt es sich um eine Bank, die nach deutschem Recht gegründet wurde und komplett deutschem Aufsichtsrecht unterliegt. Die Bank ist daher auch Pflichtmitglied bei einer deutschen gesetzlichen Entschädigungseinrichtung", erklärt BdB-Sprecherin Tanja Beller. 

Im Falle des Eintritts eines Entschädigungsfalles bei unselbstständigen Zweigstellen von Kreditinstituten, die ihren Sitz in einem anderen Staat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) haben und die Bankgeschäfte in Deutschland betreiben, werde die Entschädigung durch die ausländische Einlagensicherung durchgeführt, die eine Kooperationsvereinbarung mit der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB) haben. 

"Unselbstständige Niederlassungen von Kreditinstituten aus Staaten außerhalb der EU beziehungsweise des EWR sind Mitglieder der deutschen gesetzlichen Entschädigungseinrichtungen. Darüber hinaus wirken viele ausländische Banken am freiwilligen Einlagensicherungsfonds der privaten Banken mit", so Beller weiter. Dadurch liege die Sicherungsgrenze pro Einleger oft im zweistelligen Millionenbereich.

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Rechtlich eigenständige Kreditinstitute

Bei der Garantibank International etwa handelt es sich um die niederländische Tochter der Türkiye Garanti Bankası A.Ş. – Hauptsitz ist nicht wie bei der Mutter Istanbul, sondern Amsterdam. Daher sind Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Person über die Einlagensicherung der Niederlande geschützt, die wie Deutschland von den US-Ratingagenturen ein sogenanntes Triple-A-Rating erhalten, also für einen Schuldner mit erstklassiger Bonität stehen. 

Denizbank und Vakifbank International haben zwar auch jeweils türkische Mutterbanken, sind aber rechtlich eigenständige Aktiengesellschaften mit Hauptsitz in Wien. Deshalb ist hier die österreichische Einlagensicherung zuständig (100.000 Euro pro Person). Österreich genießt bei Standard & Poor's die zweithöchste Bonität mit einem "AA+"-Rating.


Ziraat BankIsbank, Oyak Anker Bank und Akbank haben ihren Hauptsitz in Deutschland und werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kontrolliert. Im Entschädigungsfall springt daher die deutsche Einlagensicherung ein (100.000 Euro pro Person). 

Zusätzlich sind alle vier Geldinstitute noch freiwillig dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken angeschlossen. Dadurch beträgt die Sicherungsgrenze bei der Akbank derzeit gut 108 Millionen Euro pro Einleger, bei der Ziraat Bank rund 35 Millionen Euro, bei der Isbank gut 28 Millionen Euro und bei der Oyak Anker Bank knapp 20 Millionen Euro (Stand: 9. Februar 2021).

Einen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht

Allerdings weist die Bafin ausdrücklich darauf hin, dass es für die freiwilligen Sicherungseinrichtungen keinen Rechtsanspruch auf eine Entschädigung gibt und sie auch nicht der Aufsicht der Bafin unterliegen. "Von daher empfehlen wir generell, nie mehr als 100.000 Euro bei einer Bank anzulegen und Anlagen auf mehrere Geldhäuser zu verteilen", rät Horst Biallo. Bei den Empfehlungen von biallo.de werden grundsätzlich nur Anbieter aus Ländern mit hoher Bonität in der Auswahl berücksichtigt (mindestens Note "AA-" bei Standard & Poor’s).

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Dass die türkischen Mutterkonzerne bei ihren europäischen Niederlassungen Geld abziehen könnten oder Zugriff auf deren Kundeneinlagen haben, darüber brauchen sich Anleger laut Bafin keine Sorgen zu machen. "Die Großkreditverordnung beschränkt das Volumen von gruppeninternen Krediten auf 100 Prozent der anrechnungsfähigen Eigenmittel, das heißt, eine Bank darf nicht mehr als 100 Prozent ihrer anrechnungsfähigen Eigenmittel als Kredite an ihre Mutterbank vergeben", sagt Bafin-Sprecherin Dominika Kula gegenüber biallo.de.

Eigenmittel eines Instituts seien die Summe aus Kernkapital und Ergänzungskapital – darunter fallen nicht die Einlagen beim Institut. "Die Bafin und die Bundesbank erhalten laufend Meldungen über diese Berechnungsgrößen und überwachen, ob sie eingehalten werden. Zudem sind Institute verpflichtet, Überschreitungen der Großkreditgrenzen der Bafin ad hoc anzuzeigen."

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Betrag 10.000 €, Laufzeit 12 Monate





  Sebastian Schick
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