Tages- und Festgeld

Wie sicher sind Banken türkischer Herkunft?

Update: 07.02.2020
Auf einen Blick
  • Die türkische Wirtschaft entwickelte sich zuletzt besser als erwartet – auch dank des Aufschwungs im Tourismus-Sektor.

  • Dennoch erhalten wir immer wieder Anfragen von besorgten Lesern: Sind Einlagen bei Banken türkischer Herkunft angesichts der Währungskrise noch sicher?

  • Die Antwort lautet: ja – zumindest bis zur Höhe der gesetzlichen Einlagensicherung.
Wer Ausschau nach überdurchschnittlichen Sparzinsen hält, wird bei deutschen Banken türkischer Herkunft fündig.
Bartolomiej Pietrzyk / Shutterstock.com

Der Einmarsch in Syrien, der Streit mit Griechenland und Zypern oder die Drohung, Flüchtlinge wieder verstärkt nach Europa zu lassen: Angesichts solcher politischer Unwägbarkeiten halten sich deutsche Unternehmen derzeit mit einem Engagement in der Türkei eher zurück. Die deutschen Urlauber dagegen haben das Land offenbar wiederentdeckt: Mehr als fünf Millionen Deutsche verbrachten 2019 dort ihre Ferien. Das sind elf Prozent mehr als noch im Jahr zuvor.

Nach den rund sieben Millionen Russen stellen die Deutschen damit die zweitgrößte Gruppe ausländischer Urlauber in der Türkei. Mit positiven Folgen für die schwächelnde türkische Wirtschaft: Sie dürfte – entgegen der bisherigen Prognosen – im Jahr 2019 ein leichtes Wachstum von knapp über der Null-Linie aufweisen. Der Tourismus hat daran einen nicht unbedeutenden Anteil: Er macht rund 14 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus

Die Lira bleibt schwach

Ein wichtiger Grund für das wiedererwachte Interesse deutscher Urlauber ist der Kurs der türkischen Lira. Die Währung hatte von Anfang 2019 bis in den Mai hinein deutlich an Wert verloren, erholte sich dann bis zum Sommer – und ist seitdem wieder auf dem Weg nach unten. Eine schwache Lira jedoch macht Reisen in das Land für ausländische Urlauber attraktiv. Und sie stärkt die Exporte, weil sie türkische Waren im Ausland verbilligt.

Dieser Trend dürfte auch künftig anhalten, denn seit der Ablösung des Notenbankchefs Murat Cetinkaya durch Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verfolgt die Zentralbank eine lockere Geldpolitik. Cetinkayas Nachfolger Murat Uysal senkte seit seiner Amtsübernahme bereits vier Mal die Zinsen – zuletzt im Januar dieses Jahres auf nunmehr 11,25 Prozent. Noch im September 2018 lag der Leitzins mehr als doppelt so hoch. Setzt die Notenbank diese Politik fort, erhöht sie damit weiter den Druck auf die türkische Währung. 

Banken türkischer Herkunft mit überdurchschnittlichen Zinsen

Im Tagesgeld- und Festgeld-Vergleich listet biallo.de auch einige Banken mit türkischen Wurzeln auf. Der negative Zinstrend in Europa ist zwar auch an Ihnen nicht vorbeigegangen. So bot etwa die Ziraat Bank noch vor gut einem halben Jahr bei einer Laufzeit von zwölf Monaten einen Festgeld-Zins von 0,75 Prozent. Mittlerweile sind es noch 0,50 Prozent (siehe Tabelle). Das ist jedoch noch immer überdurchschnittlich – wie bei anderen türkischen Banken auch.

Bank Zins p.a. S&P-Länderrating / Niederlassung
Ziraat Bank 0,50 % AAA (höchste Sicherheit) / Deutschland
Denizbank 0,40 % AA (sehr hohe Sicherheit) / Österreich
Isbank 0,40 % AAA (höchste Sicherheit) / Deutschland
Oyak Anker Bank 0,40 % AAA (höchste Sicherheit) / Deutschland
Akbank 0,25 % AAA (höchste Sicherheit) / Deutschland
Vakifbank International 0,20 % AA (sehr hohe Sicherheit) / Österreich
Garantibank 0,10 % AAA (höchste Sicherheit) / Niederlande

(Stand: 7. Februar 2020)

Die Festgeldzinsen dieser Banken liegen damit noch immer zum Teil deutlich über dem Marktdurchschnitt von aktuell 0,20 Prozent.

Beim Blick auf unsere Bewertung fällt auf, dass die meisten genannten Banken nicht nur in puncto Zinsen überdurchschnittlich abschneiden. Sie bieten alle auch ein hohes Maß an Sicherheit. Doch wie kann das angesichts der jüngsten politischen Turbulenzen in der Türkei sein, fragen sich viele unserer Leser. Ist das Geld bei diesen Banken wirklich sicher?

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Die Antwort lautet ganz klar: ja. "Diese Banken unterliegen der deutschen, österreichischen oder niederländischen Einlagensicherung – insofern muss sich niemand Sorgen machen", erklärt Horst Biallo, Gründer und Herausgeber von biallo.de.

Wer ist im Entschädigungsfall zuständig?

Laut Bundesverband deutscher Banken spielt die Eigentümerschaft einer Bank im Entschädigungsfall keine Rolle. "Bei einem selbstständigen deutschen Tochterunternehmen handelt es sich um eine Bank, die nach deutschem Recht gegründet wurde und komplett deutschem Aufsichtsrecht unterliegt. Die Bank ist daher auch Pflichtmitglied bei einer deutschen gesetzlichen Entschädigungseinrichtung", erklärt Bankenverband-Sprecherin Tanja Beller.

Im Falle des Eintritts eines Entschädigungsfalles bei unselbstständigen Zweigstellen von Kreditinstituten, die ihren Sitz in einem anderen Staat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) haben und die Bankgeschäfte in Deutschland betreiben, werde die Entschädigung durch die ausländische Einlagensicherung durchgeführt, die eine Kooperationsvereinbarung mit der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH haben.

"Unselbstständige Niederlassungen von Kreditinstituten aus Staaten außerhalb der EU beziehungsweise des EWR sind Mitglieder der deutschen gesetzlichen Entschädigungseinrichtungen. Darüber hinaus wirken viele ausländische Banken am freiwilligen Einlagensicherungsfonds der privaten Banken mit", so Beller weiter.

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Rechtlich eigenständige Kreditinstitute

Bei der Garantibank International etwa handelt es sich um die niederländische Tochter der Türkiye Garanti Bankası A.Ş. Hauptsitz ist nicht wie bei der Mutter Istanbul, sondern Amsterdam. Daher sind Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Person über die niederländische Einlagensicherung geschützt.

Die Denizbank und Vakifbank International haben zwar auch jeweils türkische Mutterbanken, sind aber rechtlich eigenständige Aktiengesellschaften mit Hauptsitz in Wien. Deshalb ist hier die österreichische Einlagensicherung zuständig (100.000 Euro pro Person).

Ziraat Bank, Oyak Anker Bank und Akbank haben ihren Hauptsitz in Deutschland und werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kontrolliert. Im Entschädigungsfall springt daher die deutsche Einlagensicherung ein (100.000 Euro pro Person). Zusätzlich sind alle drei Geldinstitute noch dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) angeschlossen. Dadurch beträgt die Sicherungsgrenze bei der Akbank derzeit gut 126 Millionen Euro pro Einleger, bei der Ziraat Bank rund 39 Millionen Euro und bei der Oyak Anker Bank knapp 20 Millionen Euro (Stand: April 2019).

Einen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht

Allerdings weist die Bafin ausdrücklich darauf hin, dass es für die freiwilligen Sicherungseinrichtungen keinen Rechtsanspruch auf eine Entschädigung gibt und sie auch nicht der Aufsicht der Bafin unterliegen. "Von daher empfehlen wir generell, nie mehr als 100.000 Euro bei einer Bank anzulegen und Anlagen auf mehrere Geldhäuser zu verteilen", rät Horst Biallo. Bei den Empfehlungen von biallo.de werden zudem nur Anbieter aus Ländern mit hoher Bonität in der Auswahl berücksichtigt (mindestens Note "AA-" bei Standard & Poor’s).

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Dass die türkischen Mutterkonzerne bei ihren europäischen Niederlassungen Geld abziehen könnten oder Zugriff auf deren Kundeneinlagen haben, darüber brauchen sich Anleger laut Bafin keine Sorgen zu machen. "Die Großkreditverordnung beschränkt das Volumen von gruppeninternen Krediten auf 100 Prozent der anrechnungsfähigen Eigenmittel, das heißt, eine Bank darf nicht mehr als 100 Prozent ihrer anrechnungsfähigen Eigenmittel als Kredite an ihre Mutterbank vergeben", sagt Bafin-Sprecherin Dominika Kula gegenüber biallo.de.

Eigenmittel eines Instituts seien die Summe aus Kernkapital und Ergänzungskapital – darunter fallen nicht die Einlagen beim Institut. "Die Bafin und die Bundesbank erhalten laufend Meldungen über diese Berechnungsgrößen und überwachen, ob sie eingehalten werden. Zudem sind Institute verpflichtet, Überschreitungen der Großkreditgrenzen der Bafin ad hoc anzuzeigen."




  Sebastian Schick
  Andreas Jalsovec


 
 
 
 
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