Auf einen Blick
  • Die Türkei steckt nach wie vor in einer der größten Währungskrisen des Landes. Die Inflationsrate liegt bei knapp 20 Prozent.

  • Die türkische Lira steht nach einer zwischenzeitlichen Stabilisierung zum Jahresanfang mittlerweile wieder deutlich unter Druck. Seit Anfang September hat die Landeswährung gegenüber dem Euro um rund 20 Prozent abgewertet.

  • Immer wieder erhalten wir Anfragen von besorgten Lesern: "Sind Einlagen bei türkischen Banken hierzulande noch sicher?" Die Antwortet lautet ganz klar: ja – zumindest bis zur Höhe der gesetzlichen Einlagensicherung.

Die Türkei ist derzeit in einer gefährlichen Abwertungsspirale gefangen: Die Türkische Lira markiert ein Rekordtief nach dem anderen und gleichzeitig schießen die Inflationsraten immer weiter in die Höhe. Laut türkischem Statistikamt kletterten die Verbraucherpreise im Oktober auf Jahressicht um knapp 20 Prozent nach oben. Gegenüber dem Vormonat betrug der Anstieg 2,4 Prozent.

Die gefühlte beziehungsweise reale Inflation dürfte für Verbraucherinnen und Verbraucher in der Türkei deutlich höher liegen. Laut der unabhängigen türkischen Inflationsforschungsgruppe ENAG lagen die Verbraucherpreise fast 50 Prozent höher als im Vorjahr und knapp sieben Prozent höher als im Vormonat.

Hauptgrund für den drastischen Anstieg ist der Währungsverfall der Lira, der den Import von ausländischen Waren verteuert. Die Landeswährung hat sich allein seit Anfang September gegenüber US-Dollar und Euro um gut 15 beziehungsweise knapp 20 Prozent verbilligt. Seit dem Jahreshoch Mitte Februar betragen die Verluste sogar rund 30 Prozent.

 

Erdogan stellt die Gesetze des Finanzmarkts auf den Kopf

Experten sehen die Geldentwertung auch in der Notenbankpolitik des Landes begründet. Immer wieder mischt sich Präsident Recep Tayyip Erdoğan in die Geldpolitik ein und hat in den vergangenen zwölf Monaten bereits zwei Notenbankchefs entlassen. Der neue Zentralbankchef Şahap Kavcıoğlu ist seit März dieses Jahres im Amt und gilt als linientreu.

Trotz der stark steigenden Inflationsraten hat Kavcıoğlu den Leitzins im September und Oktober um insgesamt drei Prozentpunkte gesenkt – auf nunmehr 16 Prozent. Im Vorfeld hatte Erdoğan immer wieder Leitzinssenkungen eingefordert. Auch drei hochrangige Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses mussten im Oktober ihren Hut nehmen, weil sie die jüngsten Zinssenkungen kritisiert hatten.

Die jüngsten Maßnahmen sind für Wirtschaftsexperten äußerst besorgniserregend. Schließlich steht die Unabhängigkeit der Notenbank auf dem Spiel und Zinssenkungen waren noch nie ein probates Mittel, um die Inflation einzudämmen. Doch der türkische Staatspräsident sieht das offenbar anders und meint, sich über die unbeschriebenen Gesetze des Finanzmarkts hinwegsetzen zu können.

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Türken flüchten in Gold

Angesichts des drastischen Währungsverfalls und der steigenden Inflationsraten flüchten viele Türken in den sicheren Hafen Gold. Nicht zuletzt auch, weil die türkische Regierung seit 1. Mai Zahlungen mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen verboten hat. Branchenexperten zufolge sollen mehr als 5.000 Tonnen Gold in türkischen Wohnzimmern lagern. Das ist mehr als der Goldbestand der Deutschen Bundesbank (rund 3.380 Tonnen).

Einziger Lichtblick: Die türkische Wirtschaft zieht im Moment kräftig an. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dürfte  im laufenden Jahr laut aktuellen Schätzungen der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) bei neun Prozent liegen und sollte sich im nächsten Jahr bei 3,5 Prozent einpendeln.

Allerdings weist die EBWE auch auf die Risiken hin: Der politische Ansatz der Zentralbank und die hohe Inflation könnten die Erholung noch beeinträchtigen, so die EBWE. So könnten ausländische Kapitalgeber ihr Kapital bei der ersten Gelegenheit abziehen, wenn sie eine Verschlechterung der Lage sehen, sagte EBWE-Analyst Roger Kelly Anfang November gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

 

Türkische Banken im Festgeld-Vergleich von biallo.de

Im Tagesgeld- und Festgeld-Vergleich listet biallo.de auch acht Banken mit türkischen Wurzeln auf. Der negative Zinstrend in Europa ist zwar auch an ihnen nicht vorbeigegangen. So bot etwa die Ziraat Bank bei einer Laufzeit von zwölf Monaten im Jahr 2018 noch einen Festgeldzins in Höhe von 1,10 Prozent – mittlerweile wird die Laufzeit gar nicht mehr angeboten, bei 24 Monaten sind es nur noch 0,02 Prozent pro Jahr (siehe Tabelle). Dennoch bieten die anderen sieben Anbieter höhere Zinsen als der Marktdurchschnitt, schließlich liegen die Festgeldzinsen laut Biallo-Festgeld-Index aktuell auf Allzeittief (0,14 Prozent).

Für Groß und Klein: Höchste Sicherheit und attraktive Zinsen

Sie sind in puncto Geldanlage wenig börsenaffin, eher der sicherheitsbewusste Mensch? Dann hat die niederländische Yapi Kredi Bank für Ihr Erspartes die ideale Lösung: das Euro-Plus Festgeldkonto mit bis zu 1,60 Prozent Zinsen, das Sie auch für Ihren Nachwuchs als Kindersparkonto eröffnen können.  Mehr erfahren
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Türkische Banken im Festgeld-Vergleich (Laufzeit 12 Monate)

Bank Zins p. a.  Anlagesumme Einlagensicherung (ES) S&P-Länderrating
Yapi Kredi  0,40 %  ab 5.000 Euro  100.000 Euro pro Person / Niederlande  AAA
höchste Sicherheit
KT Bank  0,30 %  1.000 bis 1. Mio Euro  100.000 Euro pro Person / Deutschland  AAA
höchste Sicherheit
Isbank 0,30 % 2.500 bis 250.00 Euro 100.000 Euro pro Person / deutsche ES zzgl. freiwilllige ES über BdB in Millionnenhöhe AAA
höchste Sicherheit
Garanti Bank  0,15 %  2.500 bis 250.000 Euro  100.000 Euro pro Person / Niederlande  AAA
höchste Sicherheit
Denizbank 0,15 % ab 1.000 Euro 100.000 Euro pro Person / Österreich AA+
hohe Sicherheit
Vakifbank 0,15 % ab 5.000 Euro 100.000 Euro pro Person / Österreich AA+
hohe Sicherheit
Akbank  0,12 %  2.000 bis 100.000 Euro 100.000 Euro pro Person / deutsche ES zzgl. freiwilllige ES über BdB in Millionnenhöhe  AAA
höchste Sicherheit
Oyak Anker Bank  0,10 % 2.500 Euro bis 500.000 Euro  100.000 Euro pro Person / deutsche ES zzgl. freiwilllige ES über BdB in Millionnenhöhe  AAA
höchste Sicherheit
Quelle: eigene Recherche / Stand: 10. November 2021 / Konditionen laut Anbieter / Angaben ohne Gewähr.
 

Türkische Banken mit bester Einlagensicherung

Beim Blick auf unsere Bewertung fällt auf, dass die Mehrheit der genannten Banken nicht nur in puncto Zinsen besser als der Durchschnitt abschneiden. Sie bieten alle auch ein hohes Maß an Sicherheit. Doch wie kann das angesichts der jüngsten politischen Turbulenzen in der Türkei sein? Viele unserer Leser fragen sich im Moment: Ist das Geld bei diesen Banken wirklich noch sicher?

"Diese Banken unterliegen der deutschen, österreichischen oder niederländischen Einlagensicherung – insofern muss sich niemand Sorgen machen", erklärt Horst Biallo, Gründer und Geschäftsführer des gleichnamigen Verbraucherportals. 

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Wer ist im Entschädigungsfall zuständig?

Laut Bundesverband deutscher Banken (BdB) spielt die Eigentümerschaft eines Instituts im Entschädigungsfall keine Rolle. "Bei einem selbstständigen deutschen Tochterunternehmen handelt es sich um eine Bank, die nach deutschem Recht gegründet wurde und komplett deutschem Aufsichtsrecht unterliegt. Die Bank ist daher auch Pflichtmitglied bei einer deutschen gesetzlichen Entschädigungseinrichtung", erklärt BdB-Sprecherin Tanja Beller. 

Im Falle des Eintritts eines Entschädigungsfalles bei unselbstständigen Zweigstellen von Kreditinstituten, die ihren Sitz in einem anderen Staat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) haben und die Bankgeschäfte in Deutschland betreiben, werde die Entschädigung durch die ausländische Einlagensicherung durchgeführt, die eine Kooperationsvereinbarung mit der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB) haben. 

"Unselbstständige Niederlassungen von Kreditinstituten aus Staaten außerhalb der EU beziehungsweise des EWR sind Mitglieder der deutschen gesetzlichen Entschädigungseinrichtungen. Darüber hinaus wirken viele ausländische Banken am freiwilligen Einlagensicherungsfonds der privaten Banken mit", so Beller weiter. Dadurch liege die Sicherungsgrenze pro Einleger oft im zweistelligen Millionenbereich.

Wie soll man heute noch sein Geld sicher anlegen?

Die gute Nachricht: Ein Festgeldkonto ist die richtige Wahl für alle, die eine Geldanlage mit attraktiver und garantierter Verzinsung wünschen. Und das Beste daran: Festgeld ist eine sehr sichere Anlageform. Der Grund ist die gesetzliche Einlagensicherung, womit im Falle einer Bankenpleite Ihre Einlagen bis 100.000 Euro geschützt sind – bei Gemeinschaftskonten bis 200.000 Euro.  Zum Festgeld mit bis zu 1,25 Prozent Zinsen im Jahr!
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Rechtlich eigenständige Kreditinstitute

Bei der Garantibank International etwa handelt es sich um die niederländische Tochter der Türkiye Garanti Bankası A.Ş. – Hauptsitz ist nicht wie bei der Mutter Istanbul, sondern Amsterdam. Daher sind Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Person über die Einlagensicherung der Niederlande geschützt, die wie Deutschland von den US-Ratingagenturen ein sogenanntes Triple-A-Rating erhalten, also für einen Schuldner mit erstklassiger Bonität stehen. 

Denizbank und Vakifbank International haben zwar auch jeweils türkische Mutterbanken, sind aber rechtlich eigenständige Aktiengesellschaften mit Hauptsitz in Wien. Deshalb ist hier die österreichische Einlagensicherung zuständig (100.000 Euro pro Person). Österreich genießt bei Standard & Poor's die zweithöchste Bonität mit einem "AA+"-Rating.

Isbank, Oyak Anker Bank und Akbank haben ihren Hauptsitz in Deutschland und werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kontrolliert. Im Entschädigungsfall springt daher die deutsche Einlagensicherung ein (100.000 Euro pro Person). 

Zusätzlich sind alle drei Geldinstitute noch freiwillig dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken angeschlossen. Dadurch beträgt die Sicherungsgrenze bei der Akbank derzeit gut 108 Millionen Euro pro Einleger, bei der Isbank gut 29 Millionen Euro und bei der Oyak Anker Bank knapp 20 Millionen Euro (Stand: 10. November 2021).

 

Einen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht

Allerdings weist die Bafin ausdrücklich darauf hin, dass es für die freiwilligen Sicherungseinrichtungen keinen Rechtsanspruch auf eine Entschädigung gibt und sie auch nicht der Aufsicht der Bafin unterliegen. "Von daher empfehlen wir generell, nie mehr als 100.000 Euro bei einer Bank anzulegen und Anlagen auf mehrere Geldhäuser zu verteilen", rät Horst Biallo. Bei den Empfehlungen von biallo.de werden grundsätzlich nur Anbieter aus Ländern mit hoher Bonität in der Auswahl berücksichtigt (mindestens Note "AA-" bei Standard & Poor’s).

Dass die türkischen Mutterkonzerne bei ihren europäischen Niederlassungen Geld abziehen könnten oder Zugriff auf deren Kundeneinlagen haben, darüber brauchen sich Anleger laut Bafin keine Sorgen zu machen. "Die Großkreditverordnung beschränkt das Volumen von gruppeninternen Krediten auf 100 Prozent der anrechnungsfähigen Eigenmittel, das heißt, eine Bank darf nicht mehr als 100 Prozent ihrer anrechnungsfähigen Eigenmittel als Kredite an ihre Mutterbank vergeben", sagt Bafin-Sprecherin Dominika Kula gegenüber biallo.de.

Eigenmittel eines Instituts seien die Summe aus Kernkapital und Ergänzungskapital – darunter fallen nicht die Einlagen beim Institut. "Die Bafin und die Bundesbank erhalten laufend Meldungen über diese Berechnungsgrößen und überwachen, ob sie eingehalten werden. Zudem sind Institute verpflichtet, Überschreitungen der Großkreditgrenzen der Bafin ad hoc anzuzeigen."

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Über den Autor Kevin Schwarzinger
Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.
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