Wie sicher sind Banken türkischer Herkunft?

Tages- und Festgeld Wie sicher sind Banken türkischer Herkunft?

Update: 26.04.2019
Sebastian Schick
von Sebastian Schick
Update: 26.04.2019
Auf einen Blick
  • Die türkische Lira steht nach wie vor stark unter Druck, auch die Inflation in der Türkei bleibt auf einem hohen Niveau.

  • Immer wieder erhalten wir Anfragen von besorgten Lesern: Sind Einlagen bei Banken türkischer Herkunft noch sicher?

  • Die Antwort lautet ganz klar: Ja – zumindest bis zur Höhe der gesetzlichen Einlagensicherung.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Die Währungskrise in der Türkei ist noch nicht vom Tisch. So hat die türkische Notenbank trotz der schwachen Landeswährung und einer Inflationsrate von knapp 20 Prozent die Zinsen nicht verändert. Der Leitzins bleibt weiterhin bei 24 Prozent. Die Lira reagierte daraufhin mit Kursverlusten. So wurde kurz nach der Entscheidung ein Euro für 6,63 Lira gehandelt. Zuvor hatte ein Euro noch 6,58 Lira gekostet. Ein Ende der Krise ist also noch nicht in Sicht.

Vor mehr als einem halben Jahr war die Situation schlimmer: Allein im August 2018 rauschte der Wert der Lira um bis zu 30 Prozent in die Tiefe. Doch nach der Finanzspritze durch das Emirat Katar und der Intervention der türkischen Notenbank – sie hatte den Leitzins Mitte September von 17,75 auf 24 Prozent angehoben – setzte eine Erholung ein.

Dennoch machen sich viele Anleger weiterhin Sorgen um ihre Einlagen. Nicht nur in der Türkei selbst, sondern auch hierzulande bei den deutschen und österreichischen Niederlassungen der türkischen Mutterbanken.

Anbieter locken mit relativ hohen Zinsen

Im Tagesgeld- und Festgeld-Vergleich listet biallo.de nach wie vor Banken mit türkischer Herkunft. Bei einer Laufzeit von 24 Monaten bieten diese sechs Geldinstitute überdurchschnittliche Zinsen.

BankZins p.a.S&P-Länderrating / Niederlassung
Ziraat Bank1,15 %AAA (höchste Sicherheit) / Deutschland
Isbank1,15 %AAA (höchste Sicherheit) / Deutschland
Akbank0,95 %AAA (höchste Sicherheit) / Deutschland
Denizbank0,80 %AA+ (sehr hohe Sicherheit) / Österreich
Oyak Anker Bank0,70 %AAA (höchste Sicherheit) / Deutschland
Vakifbank0,45 %AA+ (sehr hohe Sicherheit) / Österreich
(Stand: 26. April 2019)

Die Festgeldzinsen dieser Banken liegen damit deutlich über dem Marktdurchschnitt von aktuell 0,32 Prozent.

Beim Blick auf unsere Bewertung fällt auf, dass alle genannten Banken nicht nur in puncto Zinsen sehr gut abschneiden, sondern auch beim Thema Sicherheit. Doch wie kann das angesichts der jüngsten Turbulenzen sein, fragen sich viele unserer Leser. Ist das Geld bei diesen Banken wirklich sicher?

Lesen Sie auch: Festgeld-Test von biallo.de

Die Antwort lautet ganz klar: Ja. "Diese Banken unterliegen der deutschen und österreichischen Einlagensicherung – insofern muss sich niemand Sorgen machen", erklärt Horst Biallo, Gründer und Herausgeber von biallo.de.

Wer ist im Entschädigungsfall zuständig?

Laut Bundesverband deutscher Banken spielt die Eigentümerschaft einer Bank im Entschädigungsfall keine Rolle. "Bei einem selbstständigen deutschen Tochterunternehmen handelt es sich um eine Bank, die nach deutschem Recht gegründet wurde und komplett deutschem Aufsichtsrecht unterliegt. Die Bank ist daher auch Pflichtmitglied bei einer deutschen gesetzlichen Entschädigungseinrichtung", erklärt Bankenverband-Sprecherin Tanja Beller.

Im Falle des Eintritts eines Entschädigungsfalles bei unselbstständigen Zweigstellen von Kreditinstituten, die ihren Sitz in einem anderen Staat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) haben und die Bankgeschäfte in Deutschland betreiben, werde die Entschädigung durch die ausländische Einlagensicherung durchgeführt, die eine Kooperationsvereinbarung mit der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH haben.

"Unselbstständige Niederlassungen von Kreditinstituten aus Staaten außerhalb der EU beziehungsweise des EWR sind Mitglieder der deutschen gesetzlichen Entschädigungseinrichtungen. Darüber hinaus wirken viele ausländische Banken am freiwilligen Einlagensicherungsfonds der privaten Banken mit", so Beller weiter.

Lesen Sie auch: Festgeld im Ausland anlegen

Rechtlich eigenständige Kreditinstitute

Bei der Garantibank International etwa handelt es sich um die niederländische Tochter der Türkiye Garanti Bankası A.Ş. Hauptsitz ist nicht wie bei der Mutter Istanbul, sondern Amsterdam. Daher sind Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Person über die niederländische Einlagensicherung geschützt.

Die Denizbank und Vakifbank International haben zwar auch jeweils türkische Mutterbanken, sind aber rechtlich eigenständige Aktiengesellschaften mit Hauptsitz in Wien. Deshalb ist hier die österreichische Einlagensicherung zuständig (100.000 Euro pro Person).

Ziraat Bank, Oyak Anker Bank und Akbank haben ihren Hauptsitz in Deutschland und werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kontrolliert. Im Entschädigungsfall springt daher die deutsche Einlagensicherung ein (100.000 Euro pro Person). Zusätzlich sind alle drei Geldinstitute noch dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) angeschlossen. Dadurch beträgt die Sicherungsgrenze bei der Akbank derzeit gut 126 Millionen Euro pro Einleger, bei der Ziraat Bank rund 39 Millionen Euro und bei der Oyak Anker Bank knapp 20 Millionen Euro (Stand: April 2019).

Einen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht

Allerdings weist die Bafin ausdrücklich darauf hin, dass es für die freiwilligen Sicherungseinrichtungen keinen Rechtsanspruch auf eine Entschädigung gibt und sie auch nicht der Aufsicht der Bafin unterliegen. "Von daher empfehlen wir generell, nie mehr als 100.000 Euro bei einer Bank anzulegen und Anlagen auf mehrere Geldhäuser zu verteilen", rät Horst Biallo. Bei den Empfehlungen von biallo.de werden zudem nur Anbieter aus Ländern mit hoher Bonität in der Auswahl berücksichtigt (mindestens Note "AA-" bei Standard & Poor’s).

Lesen Sie auch: Tagesgeld-Test von biallo.de

Dass die türkischen Mutterkonzerne bei ihren europäischen Niederlassungen Geld abziehen könnten oder Zugriff auf deren Kundeneinlagen haben, darüber brauchen sich Anleger laut Bafin keine Sorgen zu machen. "Die Großkreditverordnung beschränkt das Volumen von gruppeninternen Krediten auf 100 Prozent der anrechnungsfähigen Eigenmittel, das heißt, eine Bank darf nicht mehr als 100 Prozent ihrer anrechnungsfähigen Eigenmittel als Kredite an ihre Mutterbank vergeben", sagt Bafin-Sprecherin Dominika Kula gegenüber biallo.de.

Eigenmittel eines Instituts seien die Summe aus Kernkapital und Ergänzungskapital – darunter fallen nicht die Einlagen beim Institut. "Die Bafin und die Bundesbank erhalten laufend Meldungen über diese Berechnungsgrößen und überwachen, ob sie eingehalten werden. Zudem sind Institute verpflichtet, Überschreitungen der Großkreditgrenzen der Bafin ad hoc anzuzeigen."

Ihre Meinung ist uns wichtig
Sebastian Schick
Sebastian Schick
Redaktionsleitung
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikel kommentieren
Sebastian Schick
Sebastian Schick

nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Sebastian Schick
Sebastian Schick

nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de