Enterben fast unmöglich

Pflichtteil Enterben fast unmöglich

Update: 06.07.2017
Fritz Himmel
von Fritz Himmel
08.07.2017
Auf einen Blick
  • Nach einer aktuellen Studie vererben die Deutschen 400 Milliarden Euro im Jahr.

  • Nach deutschem Erbrecht, haben gesetzliche Erben zumindest Anspruch auf einen Pflichtteil.
  • Wer ungeliebten Angehörigen weniger vererben möchte, kann den Wert des Nachlasses reduzieren oder das Vermögen strategisch verschenken.
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400 Milliarden Euro. So viel erben die Deutschen Jahr für Jahr. Von dieser Zahl geht eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Hans-Böckler-Stiftung aus. In der Untersuchung rechnen die Autoren dies für 70-Jährige durch. Diese hatten 2012 etwa 1,31 Billionen Euro. Durch weiteres Sparen soll das Vermögen weiter wachsen. 2027 hätte diese Gruppe demnach bereits knapp 1,7 Billionen Euro. Wie viele jedoch davon ihren Verwandten nichts zukommen lassen möchten, steht nicht drin. Klar ist aber: enterben ist nicht so einfach möglich.

Grundsätzlich haben im deutschen Erbrecht die nächsten Angehörigen - soweit sie gesetzlicher Erbe sind - zumindest Anspruch auf einen sogenannten Pflichtteil. So können Sie als Kind, Ehepartner oder eingetragener Lebenspartner sowie als Elternteil, falls keine Kinder vorhanden sind, auch dann einen Teil des Nachlasses verlangen, wenn Sie enterbt wurden. Ihr Pflichtteil beträgt immer die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Entgegen weit verbreiteter Meinung sind Geschwister übrigens nicht pflichtteilsberechtigt.

Hinterlässt beispielsweise der verstorbene Witwer zwei Kinder, so beträgt der gesetzliche Erbteil der Sprösslinge jeweils 50 Prozent. Daraus ergäbe sich ein Pflichtteilsanspruch in Höhe von 25 Prozent. Trotz eines möglichen Enterbens erhielte ein Kind über den Pflichtteil noch immer ein Viertel des Vermögens. Bei einem Gesamtnachlass von 200.000 Euro beträgt der gesetzliche Erbteil für jedes Kind somit 100.000 Euro und der Pflichtteil demnach 50.000 Euro.

Wann Sie den Pflichtteil stunden dürfen

Was Sie unbedingt beachten müssen: Das Tückische dabei ist, dass der Anspruch auf einen Pflichtteil immer ein Geldanspruch ist. "Kritisch bei Pflichtteilsansprüchen ist vor allem, wenn der Nachlass vorwiegend aus Sachwerten besteht", sagt Bernhard Klinger, Fachanwalt für Erbrecht aus München und Vorstand im Netzwerk Deutscher Erbrechtsexperten.

So sehen sich häufig Erben einer Immobilie oder eines Unternehmens damit konfrontiert, dieses Vermögen veräußern zu müssen, um Ansprüche eines Pflichtteilsberechtigten zu erfüllen. "Der Erbe kann jedoch eine Stundung des Pflichtteils verlangen, wenn die sofortige Erfüllung des gesamten Anspruchs für ihn wegen der Art der Nachlassgegenstände eine unbillige Härte wäre", rät Klinger. Die Entscheidung über Gewährung und Dauer einer Stundung trifft das Nachlassgericht.

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Den Pflichtteil können Sie nur schwer entziehen

Den Pflichtteilsanspruch bei einem gesetzlichen Erben auszuhebeln und ihn komplett zu enterben, ist nur bei besonders schwerwiegenden Gründen möglich. "Diese träfen zu, wenn ein Abkömmling dem Erblasser, seinem Ehe- bzw. Lebenspartner oder einem seiner anderen Kinder nach dem Leben trachtet oder gegen diese ein Verbrechen oder ein vorsätzliches Vergehen begangen hat", sagt Klinger. Auch eine rechtskräftige Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung berechtigt zum Pflichtteilsentzug.

Verschenken statt enterben

Wenn Sie ungeliebten Familienmitgliedern später weniger vererben wollen, dann haben Sie durchaus Optionen, deren Pflichtteilsanspruch zu verringern. Sie können den Wert Ihres Nachlasses reduzieren oder Ihr Vermögen strategisch verschenken. Schenkungsstrategie: "Dabei zählt jedes Jahr. Durch rechtzeitige Schenkungen lässt sich das Pflichtteilsrecht mindern oder sogar gänzlich ausschließen", sagt Klaus Becker, Fachanwalt für Erbrecht in Aachen.

Nach neuem Recht findet eine Schenkung für die Berechnung des sogenannten Pflichtteilsergänzungsanspruchs immer weniger Berücksichtigung, je länger diese zeitlich zurückliegt. Hat eine Schenkung nur ein Jahr vor dem Erbfall stattgefunden, wird sie zu 100 Prozent bei der Berechnung mit berücksichtigt.

Im zweiten Jahr jedoch nur noch zu 90 Prozent, im dritten Jahr zu 80 Prozent usw. Sind seit der Schenkung mehr als zehn Jahre verstrichen, bleibt sie komplett außen vor. In der Realität sieht es dann so aus: Ein Vater schenkt seinem Sohn ein Haus im Wert von 400.000 Euro, die Tochter soll leer ausgehen. Ihr Pflichtteilsergänzungsanspruch schmilzt nun Jahr für Jahr gegen null, je nachdem, wann der Vater stirbt. 

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So schenken Sie richtig

Die Vermögensübertragung muss zivilrechtlich immer auch als "echte" Schenkung eingestuft sein. Andernfalls läuft die Regelung ins Leere, da die Zehn-Jahres-Frist nicht beginnt. "Das trifft zum Beispiel zu, wenn sich der Schenker ein Nießbrauchrecht oder ein Wohnrecht vorbehält", sagt Becker. Aufpassen heißt es auch bei Übertragungen von Vermögen an Ehegatten. Die Zehn-Jahres-Frist - und damit auch die Abschmelzung des Wertes der Schenkung - beginnt hier erst mit Scheidung oder Tod.

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nach dem Sprachstudium (Indologie/Anglistik) in München ging ich zuerst in die Filmbranche zu Warner Columbia und arbeitete anschließend viele Jahre als Werbeleiter in einem Fachbuchverlag in München.

Seit Gründung 1997 bin ich Mitglied bei Biallo & Team. Für das Finanzportal biallo.de bearbeite ich schwerpunktmäßig die Bereiche Telekommunikation, Altersvorsorge und Versicherungen sowie Erbrecht. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschien das Biallo-Buch „Das neue Pflichtteilsrecht“.

Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de