Steuern

Steuerfreie Extras: Der zweite Lohn vom Chef

Update: 31.01.2020
Michael Schreiber
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Auf einen Blick
  • Laut dem Bund der Steuerzahler bleiben Arbeitnehmern von jedem sauer verdienten Euro netto nur 46,3 Cent, denn mehr als die Hälfte geht über Steuern und Sozialabgaben an den Staat.

  • Steuerfreie Gehaltsextras wie Firmenrente, Jobticket und Co. kosten weder Steuern noch Sozialabgaben. Und neben dem Arbeitnehmer selbst kann auch das Unternehmen von diesen Gehaltszulagen profitieren.
Steuerfreie Extras statt steuerpflichtige Gehaltserhöhung: In der nächsten Gehaltsverhandlung geschickt verhandeln und beim Einkommen netto mehr rausholen.
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"Hey Boss, ich brauch mehr Geld!" Lässt sich der Chef nach zähen Verhandlungen endlich auf eine Gehaltserhöhung ein, kommt das böse Erwachen mit dem nächsten Lohnzettel. Sozialabgaben und Steuern zehren das vermeintliche Plus auf dem Gehaltsstreifen schnell wieder auf. Der Bund der Steuerzahler hat im letzten Jahr mal nachgerechnet, was Arbeitnehmern von jedem verdienten Euro netto übrig bleibt, wenn Sozialabgaben und Steuern abgezogen werden. Das Ergebnis frustriert auf den ersten Blick: Es sind nur 46,3 Cent. Mit 53,7 Cent geht mehr als die Hälfte von jedem sauer verdienten Euro über Steuern und Sozialabgaben direkt an den Staat.

Doch das muss nicht sein. Mit Verhandlungsgeschick kann man auch bei gleichem Einkommen – statt Sonderzahlungen und Tariferhöhungen – Extras vereinbaren, die weder Steuern noch Sozialabgaben kosten. Weil davon auch das Unternehmen profitiert, sind viele Personalabteilungen verhandlungsbereit. Auf dem Arbeitsmarkt begehrte Fachleute nutzen ihre Verhandlungsmacht geschickt aus, um im Gehaltspoker zu punkten und dem Finanzamt auch noch ein Schnippchen zu schlagen. Möglich ist vieles.

Familie und Altersvorsorge

Kita-Beitrag

Statt einer Erhöhung des Salärs um ein paar hundert Euro pro Jahr könnte man dem Arbeitgeber vorschlagen, die Kindergartenkosten für den noch nicht schulpflichtigen Nachwuchs zu übernehmen. Der Zuschuss für den Kindergarten bleibt steuerfrei und auch die Firma profitiert, denn sie spart die bei einer regulären Lohnerhöhung anfallenden Zusatzabgaben ein. Auch das Honorar für eine Tagesmutter kann so steuergünstig gesponsert werden. "Betragsmäßig gibt es hier nach oben keine Grenze – der Beitrag für Krippe oder die Tagesmutter können vom Arbeitgeber bezuschusst oder komplett übernommen werden – selbst für Stief- oder Enkelkinder, die sie in Ihren Haushalt aufgenommen haben", weiß Steuerberater Wolfgang Wawro aus Berlin.

Kurzfristige Pflege und Betreuung

Für die kurzfristige Betreuung von Kindern bis 14 Jahren oder pflegebedürftigen Angehörigen darf der Arbeitgeber bis zu 600 Euro jährlich steuerfrei zusätzlich aufs vereinbarte Salär drauf packen. Das gibt es auch für die Betreuung zu Hause. Grundvoraussetzung ist aber, dass der Arbeitnehmer im Betrieb total eingespannt war und der Arbeitgeber deshalb für den Notfall die notwendigen privaten Betreuungskosten für Pfleger oder Babysitter ersetzt.

Erholungsbeihilfe

Die Firma darf jedem Arbeitnehmer eine steuerfreie Erholungsbeihilfe zahlen – neben dem steuerpflichtigen Urlaubsgeld oder als alleiniges Extra. Für den Beschäftigten gibt es 156 Euro, 104 Euro für den Ehepartner und 52 Euro pro Kind. Das Unternehmen zahlt 25 Prozent pauschale Lohnsteuer auf den Bonus.

Umzugskosten

Steht in diesem Jahr aus beruflichen Gründen ein Tapetenwechsel an, können sich Arbeitnehmer die Umzugskosten ohne Belege mit Pauschalbeträgen vom Chef erstatten lassen oder alternativ als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Hat man die neue Wohnung bis Ende Februar 2020 bezogen, gibt es 811 / 1.622 Euro (Ledige / Verheiratete). Ab dem 1. März steigen die Pauschbeträge auf 820 / 1.639 Euro. Für jedes Kind gibt es 357 / 361 Euro zusätzlich. Benötigt der Nachwuchs nach einem Schulwechsel Nachhilfeunterricht, gibt es weitere 2.045 / 2.066 Euro dazu.

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Betriebsrente

Auch fürs Alter lässt sich steuerbegünstigt vorsorgen – mit der betrieblichen Altersvorsorge. Über die Firma dürfen Sie bis zu 3.312 Euro Lohn steuer- und sozialabgabenfrei zum Beispiel in Direktversicherungen, Pensionskassen oder Pensionsfonds investieren. Maximal bleiben vier Prozent der Beitragsgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung in den westlichen Bundesländern abgabenfrei. Auch für die Firma fallen bis zu dieser Höhe weder Steuern noch Abgaben an.

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Vermögensbeteiligungen

Wer bei einem größeren Unternehmen arbeitet, kann je nach Rechtsform des Arbeitgebers bis zu 360 Euro jährlich abgabenfrei in Belegschaftsaktien, Fonds oder Genossenschaftsanteile investieren – dafür können freiwillige Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld eingesetzt werden. Oft gewährt der Arbeitgeber zum Bezug der Aktien einen Vorzugspreis.

Gesundheit und Bildung

Gesundheitskurse

Auch die Kosten für Schutzimpfungen, Kurse zur besseren Stressbewältigung, Gewichtsreduktion oder Raucherentwöhnung oder ein Fahrsicherheitstraining kann der Arbeitgeber seit Jahresanfang 2020 zusätzlich zum vereinbarten Salär abgabenfrei bis zu einer Höhe von 600 Euro jährlich übernehmen.

Für die Steuerfreiheit muss die gesundheitsfördernde Maßnahme aber bestimmte Voraussetzungen (Qualität, Zweckbindung, Zertifizierung) erfüllen. "Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen oder Fitnessstudios dürfen hier aber nicht gesponsert werden", sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine e.V. Fragen Sie im Lohnbüro genauer nach.

Bildung

Berufliche Fort- und Weiterbildungsleistungen des Arbeitgebers bleiben komplett steuer- und abgabenfrei, wenn die Fortbildung im ganz überwiegend eigenbetrieblichen Interesse der Firma durchgeführt wird. Neu: Jetzt bleiben auch Fortbildungen wie Sprach- oder Computerkurse steuerfrei, wenn sie ganz allgemein die Fortentwicklung der beruflichen Kompetenzen des Arbeitnehmers zum Ziel haben.

Fahrtkosten, Firmenwagen und E-Bike

Jobticket

Spendiert der Chef für den täglichen Weg zur Arbeit eine kostenlose Monats- oder Jahresfahrkarte oder auch eine Bahncard, bleibt der Segen für alle Fahrten im öffentlichen Nahverkehr komplett steuer- und abgabenfrei, wenn es der Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt spendiert (BMF-Schreiben vom 15. August 2019). "Das Ticket darf dann auch privat genutzt werden, übertragbar sein oder für Mitfahrer genutzt werden", erklärt Steuerexperte Uwe Rauhöft. Bei Tickets im Fernverkehr ist nur die Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsplatz sowie Dienstreisen steuerbefreit. Taxikosten oder Flugtickets sind nicht begünstigt. Die steuerfreie Leistung der Firma mindert allerdings die steuerlich abzugsfähige Pendlerpauschale.

Handelt es sich hingegen um eine Entgeltumwandlung, greift die Steuerbefreiung nicht. Neu: Seit Jahresanfang 2020 darf der Arbeitgeber den geldwerten Vorteil pauschal mit 25 Prozent versteuern – Sozialabgaben entfallen. Die Pendlerpauschale wird trotz Pauschalversteuerung voll als Werbungskosten abgezogen.

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Fahrtkostenzuschuss

Auch mit einem Fahrtkostenzuschuss kann sich der Chef an den Kosten der täglichen Pendelei beteiligen. Der Bonus darf mit 15 Prozent pauschal lohnversteuert werden, wenn er maximal bis zur Höhe der Entfernungspauschale und zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt wird. Dann entfallen auch die Sozialabgaben.

Firmenwagen

Für Angestellte ist der Firmenwagen oder das E-Bike ein schönes Extra vom Chef. Die meisten dürfen ihren fahrbaren Untersatz auch privat und für den täglichen Arbeitsweg nutzen und sparen sich so die teure Anschaffung und Unterhaltung. Den geldwerten Vorteil aus dieser privaten Nutzung müssen Sie versteuern und Sozialabgaben zahlen. Der Zugriff des Fiskus lässt sich aber minimieren, wenn man die Spielregeln kennt. Den Nutzungswert des Dienstwagens ermittelt der Arbeitgeber meist pauschal: Pro Monat wird ein Prozent des Bruttolistenpreises für normale Verbrenner-Neuwagen auf das Gehalt aufgeschlagen. Das gilt auch für Gebrauchtwagen. Maßgeblich für die Steuerberechnung ist stets das werkseitig ausgelieferte Modell.

  • Hinweis: Wer Standheizung, Navi oder Anhänger­kupplung nachträglich montieren lässt, spart Steuern. Für Fahrten zwischen Wohnung und erster Arbeitsstätte kommen je Entfernungskilometer 0,03 Prozent des Listenpreises hinzu. Fahren Sie monatlich höchstens 15 Tage in die Firma, kann der Chef 0,002 Prozent des Listenpreises ansetzen, muss das aber datumsgenau belegen (BMF-Schreiben vom 4. April 2018). Vom Gesamtgehalt gehen dann Lohnsteuer und Sozialabgaben ab.

Biallo-Tipp

Sie können in Ihrer Steuerabrechnung den geldwerten Vorteil um selbst getragene Kosten mindern (BFH, Az. VI R 2/15). Spritkosten weisen Sie mit Tankquittungen oder Kontoauszügen nach. Notfalls schätzen Sie den Benzinverbrauch anhand der Herstellerangaben. Selbst getragene Garagenkosten dürfen allerdings nach einem Urteil des FG Münster vom 14. März 2019 (Az. 10 K 2990/17 E) nicht abgezogen werden. Zum Ausgleich für die Versteuerung des geldwerten Vorteils machen Sie die Entfernungspauschale als Werbungskosten geltend.

Hybrid- oder Elektrofahrzeuge

Bei der Nutzung von Elektro-, Hybrid- oder Brennstoffzellenfahrzeugen ab 2019 wird der Listenpreis für die Anwendung der Ein-Prozent-Methode bis Ende 2030 halbiert. Die Ausnahmeregelung gilt auch für Elektroroller / E-Scooter, E-Bikes und Pedelecs, die als Kraftfahrzeuge eingestuft werden (Geschwindigkeiten über 25 Stundenkilometer) sowie für bestimmte extern aufladbare Hybridelektroautos, deren Elektroantrieb mindestens 50 Kilometer Reich­weite hat.

Neu: Für reine Elektrofahrzeuge bis zu einem Preis von 40.000 Euro gilt seit Jahresanfang 2020 sogar nur ein Ansatz von 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises. Die Neuregelung greift seit Neujahr für alle seit 1. Januar 2019 angeschafften E-Autos. Wurde das Hybrid- oder Elektroauto vor 2019 angeschafft oder geleast, können Sie die Anschaffungskosten für das Batteriesystem aus dem Listenpreis herausrechnen – bei Anschaffung 2018 bis zu 7.500 Euro. Diese Regelung gilt seit Anfang 2018 auch für Brennstoffzellenfahrzeuge (BMF-Schreiben vom 24. Januar 2018).

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Ausweg Fahrtenbuch

Anstelle der Pauschalme­thode können Sie den Firmenwagen auch auf Basis Ihres selbst ermittelten Nutzungswerts gemäß Ihrem Fahrtenbuch abrech­nen. Zusammen mit dem Chef können Sie zu Jahresbeginn eine Methode wählen. Ein späterer Wechsel im Jahr ist nicht möglich, so der Bundesfinanzhof (BFH, Az. VI R 35/12). Falls Sie die Kosten selbst tragen, bitten Sie ­Ihren Chef bereits während des Jahres, den geldwerten Vorteil um diese Kosten zu mindern – das spart Steuern und Sozialabgaben. Oft wird Ihr Chef auf der Pauschalmethode bestehen – das ist für das Lohnbüro einfach praktikabler.

  • Hinweis: "Führen Sie parallel ein Fahrtenbuch und wechseln Sie in der Steuererklärung rückwirkend zur Fahrtenbuch-Methode. In der Steuererklärung für 2020 holen Sie sich dann zu viel gezahlte Steuern wieder", rät Steuerberater Wolfgang Wawro.

Ob es günstiger ist und sich der Aufwand lohnt, ein Fahrtenbuch zu führen, hängt vom Wert des Autos und der Kilometerleistung ab. Faustregel: Wird der Wagen überwiegend beruflich genutzt, lohnt sich das Fahrtenbuch. Nutzen Sie ein steuerbegünstigtes Elektro- oder Hybridauto, zählen bei der Fahrtenbuchmethode nur die Hälfte der angefallenen Fahrzeugabschreibungen oder Leasingraten bei der jährlichen Kostenaufteilung mit.

E-Bikes

Bekommen Sie das Rad zusätzlich zum Gehalt vom Chef spendiert, fahren sie bis Ende 2030 steuer- und sozialabgabenfrei. Den Vorteil für die private Nutzung und für den täglichen Arbeitsweg müssen Sie nicht versteuern.

  • Biallo-Tipp: Radpendler können in der Steuererklärung die Pendlerpauschale geltend machen – auch wenn die Überlassung des E-Bike selbst nicht versteuert werden muss. Erhalten Sie das E-Bike per Gehaltsumwandlung, fallen allerdings weiterhin Steuern an. Der steuerpflichtige geldwerte Vorteil wird aber nur auf der Basis des halben (ab 2020 des geviertelten) Bruttolistenpreises pro Monat mit einem Prozent berechnet (gleichlautende Erlasse der obersten Finanzbehörden vom 09. Januar 2020).

Vorsicht: Wollen Sie jedoch am Ende der Laufzeit das geleaste Dienstrad überneh­men, lauert eine Falle. Die verbilligte Übernahme ist steuerpflichtig. Viele Anbieter verkaufen das Rad mit zehn oder 20 Prozent des Listenpreises. Das Finanzamt veranschlagt Räder aber nach drei Jahren noch mit 40 Prozent des Listenpreises. Die Differenz zwischen Marktpreis und Übernahmewert muss als geldwerter Vorteil versteuert werden. Einige Anbieter lassen mit sich reden und übernehmen die Steuerbelastung.

Ladestrom

Der zum Aufladen eines Elektroautos oder E-Bikes an der Ladestation des Chefs auf dem Betriebsgelände gezapfte Strom ist steuerfrei, so das Bundesfinanzministerium (BMF-Schreiben vom 26. Oktober 2017). Stellt die Firma zu Hause eine Ladevorrichtung zur Verfügung oder erstattet dem Arbeitnehmer entsprechende eigene Investitionskosten, darf dieser geldwerte Vorteil pauschal mit 25 Prozent Lohnsteuer abgegolten werden.

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Verpflegung, Dienstwohnung und Reisekosten

Essensmarken

Bekommen Arbeitnehmer von ihrem Chef Restaurantgutscheine, Coupons oder Wertmarken für die Betriebskantinen spendiert, kann das für das Finanzamt als steuerpflichtiger Arbeitslohn gewertet werden. Maßgeblich sind die sogenannten Sachbezugswerte. Der Wert für eine verbilligte oder unentgeltliche Mahlzeit beträgt ab 2020 für ein Frühstück 1,80 Euro und für ein Mittag- oder Abendessen 3,40 Euro (BMF-Schreiben vom 17. Dezember 2019).

Kurios: Wurst und Marmelade machen beim Frühstück wirklich den Unterschied. Mit Urteil vom 3. Juli 2019 (Az. VI R 36/17) hat der Bundesfinanzhof klargestellt, dass vom Arbeitgeber arbeitstäglich morgens bereitgestellte unbelegte Brötchen und Heißgetränke gar kein Frühstück sind – ergo keine Steuern anfallen. Ein steuerpflichtiges Frühstück muss auch den Aufstrich oder Belag wie Wurst, Marmelade oder Käse beinhalten.

Dienstwohnung

Auch die Werte für Unterkunft oder Miete steigen. Der Sachbezugswert für freie Unterkunft beträgt bundeseinheitlich seit Jahresanfang 235 Euro monatlich. Überlässt ein Arbeitgeber seinem Mitarbeiter eine Wohnung verbilligt, gilt dieser Vorteil seit 1. Januar allerdings nicht mehr als steuerpflichtiger Sachbezug. "Voraussetzung ist, dass die vom Arbeitnehmer gezahlte Warmmiete mindestens zwei Drittel der ortsüblichen Miete erreicht und diese nicht mehr als 25 Euro pro Quadratmeter entspricht", weiß Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine e.V.

Berufskraftfahrer

Seit Jahresanfang gibt es für Brummifahrer, die auch die Nacht auf dem Bock verbringen, eine neue Verpflegungspauschale von acht Euro pro Kalendertag. Die darf der Chef steuerfrei auszahlen oder der Arbeitnehmer kann sie in seiner Steuererklärung als Werbungskosten geltend machen.

Laptop, iPad, Tablet oder Smartphone

Privatanschluss

Wer seinen privaten PC, Internet- oder Telefonanschluss auch im Interesse der Firma nutzt, kann die dienstlich angefallenen Telefonkosten ohne viel Papierkram bis zu 20 Prozent der monatlichen Telefonrechnung, höchstens jedoch 20 Euro pro Monat steuerfrei als Auslagenersatz ersetzt bekommen. Höhere Kostenübernahmen akzeptiert das Finanzamt nur gegen Nachweis.

  • Biallo-Tipp: Hier muss man für einen repräsentativen Zeitraum von drei Monaten Aufzeichnungen über die berufliche Computer-, Telefon und Internetnutzung führen, um einen belegbaren Anhaltspunkt für die erstattungsfähigen Kosten zu haben.

Smartphone und Co.

Selbst mit Smartphone und Tablet-PCs lassen sich Steuern sparen – wenn diese Geräte inklusive Software dem Arbeitgeber gehören, aber auch für die private Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Den geldwerten Vorteil muss man nicht versteuern. Den Steuervorteil gibt es nicht nur dann, wenn man das Gerät als Gehaltsextra bekommt. Man profitiert auch, wenn man sich das Weihnachtsgeld per Gehaltsumwandlung in Form eines Laptops auszahlen lässt.

Werden die Geräte dem Beschäftigten übereignet, kann der Arbeitgeber den Sachbezug mit einer pauschalen Besteuerung von 25 Prozent ermäßigt besteuern.

Zuschüsse

Auch Barzuschüsse des Chefs für die Internetnutzung seiner Angestellten lassen sich so pauschalversteuert (25 Prozent) einkassieren. Ob der Arbeitnehmer beruflich oder privat im Internet unterwegs ist, spielt keine Rolle. Gesponsert werden dürfen Grundgebühren für den Internetzugang, eine Flatrate oder die Kosten für die Einrichtung des Internetzugangs.

Geschenke, Rabatte, Gutscheine & Co.

Rabatte

Personalrabatte in Form von Warengutscheinen bleiben bis zu 1.080 Euro pro Jahr abgabenfrei, wenn sich die Arbeitnehmer nur aus dem von der Firma hergestellten oder vertriebenen Sortiment bedienen dürfen.

  • Biallo-Tipp: Haben sie von einem Geschäftspartner Ihres Arbeitgebers einen Rabatt bekommen und hat ihre Firma darauf Steuern einbehalten, sollten sie dieses Geld in der nächsten Steuererklärung zurückfordern. Berufen Sie sich dabei auf ein Urteil des Finanzgerichts Köln vom 11. Oktober 2018 (Az. 7 K 2053/17). Nach Ansicht der Kölner Steuerjuristen sind derartige Vorteile komplett steuerfrei, weil sie der Arbeitnehmer nicht als Gegenleistung für die erbrachte Arbeitsleistung erhält.

Geschenke

Persönliche Anlässe zum Feiern wie Geburtstag, Kindesgeburt oder Jubiläum kann der Chef mit einer Aufmerksamkeit im Wert von 60 Euro steuer- und sozialabgabenfrei zusätzlich honorieren. Vorsicht: Blumen, Wein oder eine CD sind in Ordnung und abgabenfrei – Bargeld ist aber stets steuerpflichtig.

Gutscheine

Gute Leistungen seiner Leute kann der Chef auch mit Sachprämien wie zum Beispiel Kinokarten, Benzingutscheinen, Wein oder Büchern honorieren – und das Finanzamt bleibt außen vor, wenn der Sachbezug eine Freigrenze von 44 Euro im Monat nicht übersteigt.

Das gilt nach einer aktuellen Gesetzesänderung seit Jahresanfang auch weiterhin für die Überlassung von Prepaidkarten, wenn sie zusätzlich zum Arbeitslohn gewährt werden und ausschließlich zum Bezug von Waren und Dienstleistungen berechtigen. Vorsicht: "Ermöglicht die Prepaidkarte eine Barauszahlung des aufgeladenen Guthabens am Geldautomaten oder einer Supermarktkasse oder kann man damit Überweisungen ausführen (zum Beispiel über PayPal bei Web-Käufen) ist der Steuervorteil futsch", warnt Wolfgang Wawro, Steuerberater aus Berlin.

  • Biallo-Tipp: Das Finanzgericht Niedersachsen hat mit Urteil vom 13. März 2018 (Az. 14 K 204/16) entschieden, dass der Arbeitgeber über die 44-Euro-Grenze sogar die Jahreskarte für ein Fitnessstudio sponsern kann. Die Richter argumentieren, dass der Vorteil dem Arbeitnehmer monatlich zufließt und damit steuerfrei bleiben muss, auch wenn die Firma gleich das ganze Jahresabo übernimmt. Allerdings ist dazu noch ein Revisionsverfahren vor dem Bundesfinanzhof anhängig (Az. VI R 14/18).

Darlehen

Wer knapp bei Kasse ist, kann sich von seinem Arbeitgeber ein zinsgünstiges Darlehen geben lassen. Der Zinsvorteil gegenüber einem Bankkredit bleibt bis zu einem Darlehen von 2.600 Euro komplett steuer- und sozialabgabenfrei. Bei höheren Krediten muss die Differenz zwischen marktüblichem Zinssatz (abzüglich vier Prozent Abschlag) und tatsächlich gezahlten Zins versteuert werden. Auch hier greift aber unter Umständen die 44 Euro Grenze und es fallen überhaupt keine Steuern an.

Werbung

21 Euro zusätzlich gibt es für die Haushaltskasse vom Chef, wenn man für die Firma Reklame fährt und auf den privaten Pkw einen Werbeaufkleber anbringt. Steuerlich gesehen erzielt man mit dem Werbebanner nämlich sonstige Einkünfte im Sinne des Paragraph 22 Nr. 3 Einkommensteuergesetz – und die bleiben bis zu einer Jahresfreigrenze von 256 Euro steuerfrei.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
13,76
0,55%
2.
12,51
0,50%
3.
11,25
0,45%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 3 Monate

Wer kann die Extras bekommen?

Im Prinzip können alle Angestellten – also alle abhängig beschäftigten Vollzeit- und Teilzeitarbeitskräfte, wozu auch die geringfügig Beschäftigten zählen, die Gehaltszulagen erhalten. Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Arbeitgeber die Vorteile solcher Extras erläutern – denn zu einem Großteil sind es auch solche, die ihm selbst wieder zu Gute kommen. So fällt auch sein Anteil an den Abgaben etwa bei einer geschickten Auswahl der Extras nicht an.

Sinnvoll kann es auch sein, sich vor den Verhandlungen Expertenhilfe über ein Lohnplus in dieser Form zu holen. Das kann das individuelle Vorgespräch mit Ihrem Steuerberater oder der Berufsvertretung sein – aber auch die Einbeziehung des Betriebsrates hilft, den Steuervorteil beim Extra geltend zu machen – und das vielleicht sogar auch dem ein oder anderen Kollegen in ähnlicher Lage.

Die 450-Euro-Falle

Einen wichtigen Hinweis gibt Steuerexperte Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine e.V.: "Für aushilfsweise Beschäftigte sollte allerdings beachtet werden, dass eine fehlerhaft angewandte Steuerfreiheit in der Regel auch die Sozialversicherungspflicht der entsprechenden Arbeitgeberleistung zur Folge hat." Das bedeutet: Der Lohn-Bonus könne insbesondere bei den geringfügig entlohnten Beschäftigten (450-Euro-Jobs) zu einem rückwirkenden Überschreiten der 450-Euro-Geringfügigkeitsgrenze und damit zum Wegfall der Versicherungsfreiheit des Beschäftigungsverhältnisses führen.

  • Biallo-Tipp:Gerade kleinere Firmen haben oft keine Erfahrung mit steuerfreien Gehaltsextras und sind deshalb unsicher, ob nicht später bei Kontrollen des Finanzamts doch happige Nachforderungen erhoben werden. Doch das Risiko kann man nahezu ausschließen – das Zauberwort heißt "Anrufungsauskunft nach Paragraph 42e Einkommensteuergesetz". Man präsentiert dem Finanzamt vorher die geplante Gestaltung und das Amt muss dann kostenfrei Auskunft geben, ob die Gestaltung funktioniert oder nicht.

Doch es gibt auch Grenzen der Steuerfreiheit: Trinkgelder bleiben nach einem Urteil des Finanzgerichtes Niedersachsen nur steuerfrei, wenn sie von Dritten und nicht vom Arbeitgeber gezahlt werden (Az. 1 K 10938/03). Auch eine Entschädigung für verfallene Urlaubstage muss als normaler Lohn versteuert werden.

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