Anlage R: So füllen Rentner die Steuererklärung aus

Steuer-Serie Teil 7 Anlage R: So füllen Rentner die Steuererklärung aus

von Michael Schreiber
17.07.2019
Auf einen Blick
  • Rentner, die mit ihren Bezügen über dem Grundfreibetrag liegen, müssen eine Steuererklärung abgeben. Der Grundfreibetrag liegt 2018 bei 9.000 Euro.

  • Seit 2005 (damals 50 Prozent) steigt der steuerpflichtige Anteil in Abhängigkeit vom Rentenbeginn jährlich um zwei Prozentpunkte.

  • Wer etwa im Jahr 2040 in Rente geht, muss die Bezüge, die über dem Grundfreibetrag liegen, dann zu 100 Prozent versteuern.

  • Berechnet das Finanzamt keine Steuerschuld, können sich Rentner von der Abgabepflicht für drei Jahre lang befreien lassen.
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In der Einkommensteuererklärung müssen Rentner und Pensionäre auf dem Formular Anlage R detaillierte Angaben zu ihren Altersbezügen machen. Auf insgesamt 59 Zeilen sollen alle Zahlungen von Rentenversicherern, Versorgungswerken, Pensionskassen oder Lebensversicherungen haarklein aufgeführt werden. Werkspensionäre und Beamte im Ruhestand füllen für ihre Altersbezüge, die der ehemalige Arbeitgeber über Lohnsteuerkarte abrechnet, die Anlage N aus. Dank vieler Freibeträge und Steuervergünstigungen müssen jedoch nicht alle Senioren auch wirklich Steuern zahlen.

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  • Biallo-Tipp: Viele ältere Menschen sind mit dem Ausfüllen ihrer Steuerklärung überfordert. Finanzbeamte dürfen zwar fremde Steuererklärungen nicht komplett ausfüllen – sie sind aber bei konkreten Fragen zur kostenlosen Hilfestellung verpflichtet, wenn man beim örtlichen Service-Center des Finanzamts darum bittet. Gegen Honorar helfen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfevereine weiter.

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Steuererklärung und Leibrenten

Angeben müssen Rentner in den Zeilen 4 bis 10 der Anlage R sämtliche Altersrenten, Renten aus landwirtschaftlichen Alterskassen und berufsständischen Versorgungseinrichtungen. In Zeile 4 der Anlage R muss zunächst die Art der Rente mit einer Schlüsselzahl definiert werden. Wird die Hauptrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt, trägt man hier eine "1" ein.

In Zeile 5 ist der Rentenbetrag anzugeben. Maßgebend ist der Bruttobetrag der Rente– bei Pflichtversicherten also der Betrag vor Abzug des eigenen Beitrags zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung. Dazu gehört auch die Mütterrente.

Freiwillig Versicherte erhalten neben ihrer Rente noch Zuschüsse zu ihren eigenen Krankenversicherungsaufwendungen. Diese Zuschüsse sind steuerfrei und dürfen nicht dem Rentenbetrag hinzugerechnet werden. Nachzahlungen für mehrere Jahre sollten zusätzlich auch in Zeile 10 eingetragen werden. Das Finanzamt prüft für diese Beträge dann eine ermäßigte Besteuerung.

  • Biallo-Tipp: Rentner können bei der Deutschen Rentenversicherung online eine Ausfüllhilfe für die Steuererklärung erhalten oder telefonisch unter 0800 - 1000 4800. Die Hilfe enthält die notwendigen Eintragungswerte für die Steuererklärung und zeigt auf, an welcher Stelle der Formulare die Daten einzutragen sind. Es genügt, die Bescheinigung einmal anzufordern– in den Folgejahren schickt die Rentenversicherung die Ausfüllhilfe dann automatisch zu.

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Stärkere Steuerbelastung für immer mehr Rentner

Mit dem Alterseinkünftegesetz hat die Große Koalition die Besteuerung der Renteneinkünfte ab 2005 neu geregelt. Wer in 2005 bereits im Ruhestand war oder erstmals eine gesetzliche Rente bezog, muss 50 Prozent seiner Altersbezüge versteuern. Da Rentner gleichzeitig hohe Steuerfreibeträge nutzen können, ergibt sich für viele deshalb keine Steuerlast.

Das Bild ändert sich jedoch ganz schnell, wenn Rentner noch eine zweite Rente oder andere Zusatzeinkünfte– beispielsweise aus Kapitalanlagen oder Vermietung – erzielen. Dann ist das steuerfreie Existenzminimum schnell aufgebraucht. Zudem steigt für jeden weiteren Rentenjahrgang seit 2006 der steuerpflichtige Anteil kontinuierlich an, bis im Jahr 2040 die kompletten Auszahlungen versteuert werden.

Die kommenden Rentnerjahrgänge werden somit immer stärker zur Kasse gebeten. Wer in 2018 in Rente gegangen ist, versteuert bereits 76 Prozent seiner Altersbezüge. Der steuerfreie Anteil der Rente wird im Steuerbescheid des zweiten Rentnerjahres in einen festen Eurobetrag umgewandelt und bis zum Lebensende festgeschrieben. Ärgerlich: Alle weiteren Rentenerhöhungen in den Folgejahren sind damit voll steuerpflichtig. Das kann sogar dazu führen, dass Rentner nach einer Rentenerhöhung wie im Juli 2018 zwar 3,22 Prozent (Westdeutschland) mehr Altersrente erhalten, jedoch gleichzeitig die Grenzen zur Steuerpflicht überschreiten und Einkommensteuer zahlen müssen. Von der Rentenerhöhung bleibt dann spürbar weniger im Geldbeutel.

Nach den aktuellen Zahlen des Bundesfinanzministeriums zahlen rund fünf Millionen Rentner derzeit Steuern – dazu kommen weitere 48 000 Neurentner aufgrund der letztjährigen Rentenerhöhung.

So viel Rente bleibt für 2018 steuerfrei, sofern keine Zusatzeinkünfte erzielt werden:

Steuerfreie Rente 2018

Rentenbeginn

Rente Westtarif in Euro

Rente Osttarif in Euro

Jahr

Monat


Jahr

Monat

2005

19 192

1 625

17 915

1 518

2006

18 587

1 573

17 428

1 476

2007

18 091

1 531

17 024

1 442

2008

17 730

1 501

16 780

1 421

2009

17 301

1 465

16 471

1 395

2010

16 806

1 423

16 054

1 360

2011

16 441

1 392

15 747

1 334

2012

16 043

1 358

15 529

1 316

2013

15 633

1 323

15 308

1 297

2014

15 304

1 296

15 047

1 275

2015

15 062

1 275

14 890

1 261

2016

14 798

1 253

14 741

1 249

2017

14 493

1 227

14 493

1 228

2018

14 048

1 189

14 048

1 190

Quelle: eigene Recherche.

  • Biallo-Tipp: Wenn Sie selbst überprüfen möchten, ob sie eine Steuererklärung abgeben müssen, bietet das Bayerische Landesamt für Steuern einen neuen Onlinerechner als Hilfe.

Lesen Sie auch: Rente und Hinzuverdienst – Chancen und Risiken der neuen Teilrente

Steuererklärung und private Zusatzrenten

Bezüge aus der privaten Rentenversicherung oder aus sonstigen Verpflichtungsgründen (zum Beispiel Renten aus dem Verkauf eines Mietshauses) sind in den Zeilen 14 bis 20 der Anlage R einzutragen.

Diese Leibrenten unterliegen nur mit einem niedrigen Ertragsanteil der Steuerpflicht. Dessen Höhe richtet sich nach dem Alter des Versicherten zu Rentenbeginn und gilt lebenslang. Auch Leibrenten mit befristeter Laufzeit (etwa Berufs- und Erwerbsminderungsrenten) sind hier einzutragen. Für sie gelten sogar noch günstigere Ertragsanteile. So greift der Fiskus bei einer zehnjährigen Rentendauer nur auf zwölf Prozent der Zahlung zu. Hierzu eine Übersicht:

Lebensjahr des Rentenbeginns


60/61


62


63


64


65/66


68

Ertragsanteil in %

22

21

20

19

18

16

Steuerpflichtig bei einer Rente von 1 500 €

330 €

315 €

300 €

285 €

270 €

240 €

Quelle: eigene Recherche.

Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen

Staatlich geförderte private Renten, zum Beispiel aus Riester-Rente, Rürup-Rente oder einer betrieblichen Altersversorgung, werden auf der Rückseite der Anlage R vermerkt. Sie sind je nach Vertragstyp in voller Höhe oder nur zum Teil steuerpflichtig.

  • Biallo-Tipp: Jeder Vertragsanbieter erteilt seinen Kunden jährlich eine "Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt". Diese Bescheinigung kann als Ausfüllhilfe für die Seite 2 der Anlage R genutzt werden. Dort sind nicht nur alle steuerlich relevanten Beträge aufgeführt – die Bescheinigung enthält auch einen Hinweis, in welche Zeile des Steuerformulars die jeweilige Rente einzutragen ist. Man kann also praktisch nichts falsch machen.

Steuerfreie Renten

Renten aus der gesetzlichen Unfallversicherung, Kriegs- und Schwerbeschädigtenrenten sowie Geldrenten, die unmittelbar zur Wiedergutmachung erlittenen nationalsozialistischen oder DDR-Unrechts geleistet werden, sind steuerfrei. Sie brauchen in der Steuererklärung deshalb nicht angegeben zu werden.

Auch Rentner können Werbungskosten geltend machen

Steuer sparende Werbungskosten sind auch für Rentner ein Thema. Gibt man nichts an, schreiben die Finanzbeamten automatisch 102 Euro als Pauschbetrag gut. Mit Belegen sind Gewerkschaftsbeiträge, Honorare für einen Rentenberater oder Schuldzinsen für eine auf Kredit finanzierte Einzahlung aufs Rentenkonto abzugsfähig – die Eintragung erfolgt in den Zeilen 54 bis 62 der Anlage R.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
12,51
0,50%
2.
10,00
0,40%
3.
8,75
0,35%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 3 Monate

Steuervorauszahlungen

Rentner, die für das alte Jahr mindestens 400 Euro Steuern nachzahlen müssen, werden vom Finanzamt umgehend aufgefordert, auch für das laufende Jahr Steuervorauszahlungen zu entrichten, damit Vater Staat möglichst frühzeitig an sein Geld kommt. Die vierteljährlichen Vorauszahlungen werden am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember erhoben.

  • Biallo-Tipp: Haben Sie aufgrund der Steuerveranlagung für 2017 bereits im letzten Jahr für 2018 Vorauszahlungen bezahlt, brauchen Sie diese in der Steuererklärung nicht einzutragen – die vorausgezahlten Steuern hat das Finanzamt unter Ihrer Steuernummer (Mantelbogen, Zeile 3) abgespeichert und zieht diese automatisch im Steuerbescheid von Ihrer errechneten Steuerschuld ab. Überzahlte Beträge bekommen Sie zurück.

Steuerpflicht: Wegducken geht nicht

Die Hoffnung vieler Rentner, einfach im Ruhestand unter dem Radar des Finanzamtes steuerlich unbehelligt seinen Lebensabend zu genießen, funktioniert nicht. Denn das Finanzamt muss sich schon lange nicht mehr auf die Ehrlichkeit der Steuerzahler verlassen, die freiwillig ihr Einkommen offenbaren. Mit dem Alterseinkünftegesetz hat der Gesetzgeber ein neues lückenloses Meldeverfahren eingeführt, mit dem das Finanzamt Einblick in die Einkünfte auch der Senioren erhält, die bisher keine Steuererklärung abgegeben haben.

Alle öffentlichen und private Rentenkassen, Versorgungswerke, Pensionskassen- und Fonds sowie die Lebensversicherer melden bereits seit 2005 auf elektronischem Weg sämtliche ausgezahlten Renten an die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) in Brandenburg. Eine Bagatellgrenze, bei der die kleinen Fische durchs Kontrollnetz entwischen würden, soll es ausdrücklich nicht geben. Auch die vom Sozialverband VdK geforderte Amnestie für säumige Rentner hat die Politik abgelehnt. Wer Post vom Fiskus erhält, muss im schlimmsten Fall für alte Jahre alle Belege zusammensuchen, für die einzelnen Jahre eine Steuererklärung einreichen und Steuern nachzahlen.

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Pensionen und Betriebsrenten

Für Werkspensionäre und Beamte im Ruhestand rechnet der ehemalige Arbeitgeber die steuerpflichtigen Altersbezüge über die jährliche Lohnsteuerbescheinigung (früher Lohnsteuerkarte) ab. Sie sind in voller Höhe steuerpflichtig.

Ruheständler können aber einen zusätzlichen Versorgungsfreibetrag mit Zuschlag beanspruchen. Auch hier ist der Fiskus über die Einkünfte pensionierter Beamter und Betriebsrentner informiert. Der ehemalige Arbeitgeber meldet den nachträglichen Verdienst über das elektronische Verfahren "elsterLohn" an das Finanzamt. Pensionen werden über die Anlage N abgerechnet – man überträgt einfach die Daten der Lohnbescheinigung, die man auf Anforderung von seiner ehemaligen Firma erhält.

Wenn Löhne, Firmen- oder Beamtenpensionen auf Steuerkarte zu den Einnahmen im Alter gehören, kann sich aus folgenden Gründen eine Steuererklärungspflicht ergeben:

  • Wenn einer der Ehepartner Altersbezüge erhält und der andere noch im Erwerbsleben steht.
  • Wenn neben Gehalt oder Rente weitere in- und ausländische Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug (zum Beispiel aus Kapitalanlagen oder Vermietung) in Höhe von mehr als 410 Euro angefallen sind.
  • Wenn steuerfreie Lohnersatzleistungen (etwa Krankengeld, Insolvenzgeld, Aufstockungsbeträge nach dem Altersteilzeitgesetz) von mehr als 410 Euro angefallen sind.
  • Wenn Ruheständler als Beamter und Angestellter gearbeitet haben, also eine rentenversicherungspflichtige und eine rentenversicherungsfreie Beschäftigung hatten.
  • Wenn auf der Lohnsteuerkarte ein Freibetrag bescheinigt war (nicht bei Behinderten- oder Hinterbliebenenpauschbetrag).
  • Wenn Arbeitslohn oder Pension nach Steuerklasse V oder VI besteuert wurde.
  • Wenn man eine Betriebsrente bezogen hat und zudem bei einem anderen Arbeitgeber beschäftigt war.

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So sparen Rentner Steuern

Auch Rentner und Pensionäre können Steuervergünstigungen wie Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen geltend machen. Trotz hohem Einkommen im Ruhestand geht der Fiskus deshalb oft leer aus.

Die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bringen als größte Position die meiste Ersparnis. Dazu müssen Ruheständler die Anlage Vorsorgeaufwand ausfüllen. Rentner tragen ihre Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung in die Zeilen 17 und 19 ein – steuerfreie Zuschüsse der Rentenkasse müssen von den eigenen Aufwendungen abgezogen werden (Zeile 22).

Freiwillige Zusatzbeiträge kommen in die Zeile 23 der Anlage Vorsorgeaufwand – diese wirken sich aber nur steuerlich aus, sofern mit den Basiskranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen nicht bereits die steuerlichen Höchstbeträge ausgeschöpft werden. Weitere Steuerfreibeträge und Vergünstigungen gibt es über die Angaben im vierseitigen Mantelbogen.

Freibeträge, für die man nichts tun muss

Zahlreiche Freibeträge müssen in der Steuererklärung nicht extra beantragt werden – das Finanzamt berücksichtigt sie automatisch. Dazu gehören

  • das steuerfreie Existenzminimum für 2018 von 9 000 Euro für Alleinstehende und 18.000 Euro für Verheiratete.
  • der Sonderausgabenpauschbetrag von 36/72 Euro (Ledige/Verheiratete), falls nicht höhere Kosten geltend gemacht werden.
  • der Arbeitnehmer-Pauschbetrag für Pensionäre in Höhe von 102 Euro.
  • der Versorgungsfreibetrag für pensionierte Beamte und Betriebsrenter.
  • der Werbungskostenpauschbetrag von 102 Euro für Rentenbezüge, wenn nicht höhere Beträge geltend gemacht werden.
  • der Altersentlastungsbetrag von maximal 1 900 Euro für Nebeneinkünfte außer Renten und Pensionen.

Gnadensplitting

Ist ihr Ehegatte im Jahr 2017 verstorben, müssen Sie das dem Finanzamt unter den persönlichen Angaben (Zeile 15 des Mantelbogens "verwitwet seit…") mitteilen. So profitieren Sie für 2018 automatisch noch einmal vom steuergünstigen Splittingtarif für verheiratete Steuerzahler.

Altersentlastungsbetrag optimieren

Ruheständler mit Kapitalerträgen füllen die Anlage KAP am besten vollständig aus und erklären gegenüber dem Fiskus alle übers Jahr erzielten Zins- und Dividendenerträge. In der Zeile 4 beantragt man mit der Eintragung einer "1" zunächst die Günstigerprüfung. Damit berechnet das Finanzamt automatisch den Steuerabzug, den die Bank übers Jahr vorgenommen hat und zahlt überzahlte Abgeltungssteuern zurück.

Die Eintragungswerte für die Zeilen 7-13 der Anlage KAP entnehmen Sie einfach der Jahressteuerbescheinigung Ihrer Bank. Wichtig: Auf der Vorderseite des Mantelbogens tragen Sie in Zeile 8 neben ihren persönlichen Daten unbedingt ihr Geburtsdatum ein. Denn für Nebeneinkünfte wie Kapitalerträge oder Vermietungseinnahmen erhalten Ruheständler über den Steuerbescheid automatisch einen Altersentlastungsbetrag von bis zu 1.900 Euro, den die Depotbank übers Jahr nicht berücksichtigen darf. Sie haben darauf Anspruch, wenn Sie zu Beginn des Steuerjahres 2018 bereits 64 Jahre alt waren. Ehegatten erhalten den Freibetrag doppelt, wenn jeder über ausreichend hohe Einkünfte verfügt.

  • Biallo-Tipp: Ist das für 2019 bisher noch nicht der Fall, lassen sich durch gezielte Aufteilung der Vermögenswerte auch für das laufende Jahr noch bis zu 500 Euro Steuern sparen.

Haushaltsnahe Dienstleitungen

Der Steuerbonus für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen ist auch für Senioren bares Geld wert – sponsert das Finanzamt ihnen doch die Kosten für die Renovierung der vier Wände ebenso wie den Lohn für eine Pflegekraft, einen privaten Pflegedienst oder sogar für einen Fensterputzer oder Gärtner (siehe Tabelle).

Sie können 20 Prozent aller Kosten für einen ambulanten Pflegedienst geltend machen – dafür lässt das Finanzamt maximal bis zu 4.000 Euro Steuerrabatt jährlich springen. Auch die Kosten für ein Hausnotrufsystem zählen mit. Wird eine Haushaltshilfe auf Basis eines Minijobs im Haushalt beschäftigt, dürfen von einem Bruttolohn von maximal 2.550 Euro ebenfalls 20 Prozent – also 510 Euro – abgesetzt werden. Vorausgesetzt, dass die Haushaltshilfe bei der Minijobzentrale ordnungsgemäß angemeldet ist.

Hier die Steuervorteile für haushaltsnahe Dienstleitungen im Überblick:

Haushaltsnahe Dienstleistungen (Mantelbogen Zeile 72)

Begünstigt

Rechnungen bis 20 000 Euro

Steuerbonus

20 Prozent der Kosten, maximal 4 000 Euro

Minijobs (Mantelbogen Zeile 71)

Begünstigt

Rechnungen bis 2 550 Euro

Steuerbonus

20 Prozent der Kosten, maximal 510 Euro

Handwerkerleistungen (Mantelbogen Zeile 73)

Begünstigt

Rechnungen bis 6 000 Euro

Steuerbonus

20 Prozent der Kosten ohne Material, maximal 1 200 Euro

Quelle: Bundesministerium der Finanzen / biallo.de – eigene Recherche


Die Steuerboni für alle drei Arten von haushaltsnahen Dienstleistungen können bis zu einem Maximalrabatt von 5 710 Euro kombiniert werden

Umbaukosten am Haus

Sehr hohe Umbaukosten für ein Wohnhaus, die aufgrund Gebrechlichkeit, Krankheit oder einer Behinderung entstehen, akzeptiert das Finanzamt bisher nur im Jahr der Bezahlung als außergewöhnliche Belastung. Das führt bei sehr hohen Belastungen dazu, dass mangels ausreichend hohem Einkommen ein Teil der möglichen Steuerersparnis verpufft. Eine Verteilung über mehrere Jahre hat der Bundesfinanzhof abgelehnt (Beschluss vom 12. Juli 2017, Az. VI R 36/15).

  • Biallo-Tipp: Den Fiskus kann man damit nur ausbremsen, in dem ein Teil der Baurechnungen erst im Folgejahr bezahlt wird – für die steuerliche Zuordnung gilt der Tag der Überweisung.

Für Handwerkerrechnungen kann man 20 Prozent der Kosten – maximal 1 200 Euro pro Jahr – direkt von seiner Steuerschuld abziehen (Zeile 73 im Mantelbogen der Steuererklärung 2018). Voraussetzung ist die Vorlage einer Rechnung und eines Zahlungsnachweises von der Bank. Bei Barzahlung entfällt der Steuervorteil nach einem Urteil des BFH vom 20. November 2008 (Az. VI R 14/08). Steuerersparnisse bringen zudem nur die Lohn- und Fahrtkosten des Handwerkers. Nicht förderfähige Materialkosten müssen deshalb auf der Rechnung getrennt ausgewiesen werden.

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Seniorenheim oder häusliche Pflege

Auch selbst getragenen Aufwendungen für die eigene häusliche Pflege oder die Unterbringung in einem Senioren- oder Pflegeheim kann man selbst als Betroffener steuerlich unter der Rubrik "außergewöhnliche Belastungen" (Zeile 67) in der jährlichen Steuererklärung dem Fiskus in Rechnung stellen.

Die Heimunterbringung muss wegen einer Pflegebedürftigkeit, einer Behinderung oder Krankheit notwendig sein. Ein Heimaufenthalt allein aus Altersgründen ist steuerlich nicht absetzbar. Soweit die Pflegekasse einen Pflegegrad festgestellt hat, gibt es beim Finanzamt keinerlei Probleme mit dem Steuerabzug. Kosten für einen krankheitsbedingten Aufenthalt im Pflegeheim zählen steuerlich auch ohne festgestellten Pflegegrad (BFH-Urteil vom 13. Oktober 2010, Az. VI R 38/09). Das Finanzgericht Niedersachsen hat mit rechtskräftigem Urteil vom 19. April 2018 (Az. 11 K 212/17) entschieden, dass für die Unterbringung in einem Wohnstift maximal ein Betrag berücksichtigungsfähig ist, der rechnerisch auf eine übliche Wohnfläche von 30 Quadratmetern in einem Seniorenheim entfällt – an einer Luxusunterbringung beteiligt sich das Finanzamt also nicht.

Erstattungen der Kranken- oder Pflegekasse oder Leistungen einer privaten Pflegezusatzversicherung müssen gegengerechnet werden (BFH-Urteil, Az. VI R 8/10). Wurde für eine Heimunterbringung die eigene Wohnung aufgegeben, kürzt der Fiskus die absetzbaren Beträge um eine "Haushaltsersparnis" in Höhe des jeweils gültigen Grundfreibetrages für Ledige (2018: 9.000 Euro, 2019: 9.168 Euro), weil der Pflegebedürftige ja auch private Kosten einspart. Sind beide Ehepartner gemeinsam in einem Pflegeheim untergebracht, berechnen die Finanzämter die Haushaltsersparnis sogar doppelt. Diese Praxis hat der BFH mit Urteil vom 4. Oktober 2017 (Az. VI R 22/16) sogar abgesegnet.

  • Biallo-Tipp: Lebt bei Ehegatten ein Partner im Heim, der andere aber noch in seiner Wohnung, darf das Finanzamt überhaupt keine Haushaltsersparnis abziehen.

Was viele auch nicht wissen: Soweit in diesem Kürzungsbetrag anteilige Aufwendungen für die Betreuung und Pflege enthalten sind, gibt es dafür eine zusätzliche Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen.

  • Biallo-Tipp Damit nichts verloren geht, tragen Steuerzahler die Pflegekosten im Hauptvordruck der Steuererklärung 2018 sowohl in Zeile 67 (außergewöhnliche Belastungen) als auch in Zeilen 68-70 ein.

Auch Angehörige, die für einen Verwandten im Pflegeheim aufkommen müssen, können sich den Steuerabzug für außergewöhnliche Belastungen sichern (BMF-Schreiben vom 10. Januar 2014, Bundessteuerblatt 2014 Teil I Seite 75, Randnummer 10). Das gilt allerdings nur, wenn man direkt an das Pflegeheim bezahlt. Erstattet man dem Sozialamt die verauslagten Pflegekosten für einen Angehörigen, gibt es dafür nach einem Urteil des FG Baden-Württemberg vom 23. Dezember 2014 (Az. 6 K 2688/14) keine Steuerermäßigung. Als Nachweis verlangt das Finanzamt die Rechnungen des Seniorenheims sowie die Bescheinigung des Pflegegrades oder einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen H (hilflos).

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Steuertipp für 2019: NV-Bescheinigung beantragen

Für viele Rentner ist die jährliche Steuererklärung eine lästige Pflicht. Berechnet das Finanzamt tatsächlich keine Steuerschuld, kann man sich von der Abgabepflicht befreien lassen. Am besten geht das mit einem Antrag auf Erteilung einer Nichtveranlagungsbescheinigung. Das Antragsformular dafür gibt es beim Finanzamt oder im Internet unter www.formulare-bfinv.de. Wird sie erteilt, hat man die nächsten drei Jahre seine Ruhe.

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