Investieren mit Dividenden-ETFs

Geldanlage Investieren mit Dividenden-ETFs

von Björn König
23.08.2018
Auf einen Blick
  • Privatanleger können durch die breite Streuung von Indizes profitieren. Wer über Jahre beim ETF-Sparen durchhält, darf sich im besten Fall neben stattlichen Kursgewinnen auf ein passives Dividenden-Einkommen freuen.

  • Im Vergleich zu aktiv gemanagten Fondsprodukten sind ETFs günstig. Dennoch sollten Investoren die Kostenquote (TER) und das Renditepotenzial beachten. Für erfahrenere Anleger sind Einzelaktien unter Umständen die bessere Wahl.
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Die Rente ist sicher – dieser Satz fiel am 10. Oktober 1997 im Deutschen Bundestag und stammt vom damaligen Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU).

Mehr als 20 Jahre später können wir dieser Aussage nach wie vor zustimmen. Die Frage ist nur, in welcher Höhe? Viele Menschen werden nicht umhinkommen, sich neben der gesetzlichen Rente ein weiteres Standbein aufzubauen, um ihren bisherigen Lebensstandard im Alter zu halten. Darüber hatte sich schon Blüms Nachfolger Walter Riester (SPD) Gedanken gemacht.

Mit der sogenannten Riester-Rente sollte für Angestellte ein privates, steuerlich gefördertes Vorsorgeprodukt auf den Markt kommen, mit dem die Rentenlücke gefüllt wird. Viele dieser Verträge liegen allerdings mittlerweile brach. Sie lohnen sich aufgrund hoher Provisionen bzw. Abschlusskosten kaum und erwirtschaften darüber hinaus lediglich magere Renditen.

Wer hohe Renditen erwirtschaften will, sollte also beispielsweise möglichst ohne Fondsmanager und Vermittler mit Dividenden-ETFs oder Aktien direkt an den Kapitalmarkt gehen.

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Wie funktionieren Dividenden-ETFs?

An der Börse werden Wertpapiere – insbesondere von bekannten Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung – im Rahmen von Indizes gehandelt.

Der in Deutschland wohl relevanteste Index ist der Dax 30, in dem sich zum Beispiel Unternehmen wie Allianz, Bayer, Continental oder Deutsche Telekom tummeln. Vergleichbare Indizes gibt es mit dem CAC 40 in Frankreich, dem FTSE 100 in Großbritannien oder dem S&P 500 in den USA.

Lesen Sie auch: Die besten Dividenden-Aktien im Dax

Nehmen wir nun an, ein Anleger möchte Teile aller enthaltenen Dax-Werte kaufen, um sein Risiko über verschiedene Branchen sowie Sektoren zu streuen und gleichzeitig von der Entwicklung des deutschen Leitindex zu profitieren. Man bräuchte also theoretisch ein Aktienportfolio mit 30 verschiedenen Werten.

Das ist schon unübersichtlich. Nehmen wir weiter an, es kommt der britische, französische, amerikanische und womöglich noch ein asiatischer Index hinzu. Schnell hätte man 100 Aktien oder mehr in seinem Depot.

Ein ETF versucht dieses Problem nun auf elegante Weise zu lösen. Einfach ausgedrückt bildet dieser den Index ab und enthält alle Unternehmen in entsprechender Gewichtung. Man kauft also quasi mit einem Trade Werte aus dem gesamten Dax.

Lesen Sie auch:Sparen mit ETFs

Ein Dividenden-ETF auf den S&P 500 würde aus den 500 größten US-Unternehmen diejenigen mit der höchsten Dividendenrendite auswählen. Die folgende Tabelle zeigt drei beispielhafte global anlegende Dividenden-ETFs inklusive Kostenquoten im Vergleich:

Xtrackers STOXX Global Select Dividend

iShares STOXX Global Select Dividend

WisdomTree Global Quality Dividend

Thesaurierend

nein

nein

ja

Ausschüttend

ja

ja

nein

Replikation

synthetisch

physisch

physisch

Total Expense Ratio

0,50 % p.a.

0,46 % p.a.

0,38 % p.a.

Originalwährung EUR EUR USD
2-Jahres-Performance 13,28 % 13,13 % 31,62 %
Quellen: eigene Recherche / fondsdiscount.de

Attraktives Modell für Verbraucher

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, sieht Indizes grundsätzlich positiv: "Wir empfehlen Anlegern zur Umsetzung einer langfristigen Anlagestrategie passiv, branchenübergreifend und weltweit zu investieren."

Eine weltweite und branchenübergreifende Streuung hat insbesondere den Vorteil, dass Investoren das Worst-Case-Szenario eines Börsencrash leichter wegstecken können.

Gleichwohl zeigt sich Nauhauser auch kritisch: "Dividendenstrategien sind in der Regel etwas teurer in der Umsetzung, auch weil damit höhere Transaktionskosten verbunden sind. Ferner kann die Diversifikation etwas geringer sein, weshalb die Wertschwankungen hier auch höher ausfallen können."

Biallo-Tipp

Wer seine Geldanlage nicht komplett selbst gestalten will oder kann, für den sind die sogenannten Robo-Advisor eine geeignete Alternative. Hier gibt es die Vermögensverwaltung inklusive Transaktionskosten, Depot- und Kontoführung bereits für deutlich weniger als ein Prozent des Anlagevolumens. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Robo-Advisor.

Auf Diversifizierung achten

Mit Blick auf die Aktienmärkte ist Bernd Schmid, leitender Investor bei The Motley Fool Deutschland, beim Thema ETF eher kritisch: "Aus meiner Sicht ist das Anlegen in ETFs nur dann sinnvoll, wenn man kein Interesse daran hat, in Einzelwerte zu investieren. Und dann würde ich selbst darauf achten, lieber regelmäßig kleinere Summen in möglichst verschiedenen Märkten zu investieren."

Zwar scheinen manche Märkte teuer (zum Beispiel die USA oder die Schweiz) und andere günstiger (Russland oder Singapur), aber langfristig würden die Renditen viel mehr vom Wachstum der Wirtschaft bestimmt als von den Bewertungen an der Börse. "Worauf ich trotzdem achten würde ist, in was ich investiere. Wer zum Beispiel in einen ETF auf deutsche Aktienindizes investiert, der sollte sich bewusst sein, dass in diesem viele Autowerte und auch deutsche Banken enthalten sind." Die Unternehmen beider Gruppen sieht Schmid kritisch. 

Auch bei den US-Indizes gebe es einen Haken: "Wer einen ETF auf den S&P 500 kauft, der sollte wissen, dass die Renditen ganz maßgeblich von den wenigen übergroßen US-Technologiewerten bestimmt werden. Beim Nasdaq ist es noch schlimmer."

Zusammengefasst: Wenn überhaupt ETFs, dann eher in Richtung globaler Index, wie MSCI World.

Lesen Sie auch: MSCI World – Top-Performer im Überblick

Fazit: Dividenden-ETFs sind letztendlich ein guter Kompromiss aus niedrigen Kosten, aussichtsreicher Rendite sowie de facto keinem Aufwand. Es genügt, einmal im Monat einen Sparplan auf den gewünschten ETF auszuführen. Im Gegensatz zur aktiven Anlage in Einzelaktien müssen passive ETF-Anleger sich daher nicht viel mit ihrem Investment beschäftigen.

Schön an diesem Anlagemodell ist der Dividendenprofit – sofern man den ETF nicht verkauft. Hier ist es also möglich, trotz fallender Börsenkurse noch Rendite zu erwirtschaften.

Auf der anderen Seite sollte man sich aber auch stets bewusst sein, dass bei positiven Entwicklungen eines Index zwar entsprechende Renditen erwirtschaftet werden, allerdings auch nicht mehr. Es ist nicht möglich, den Markt durch Zu- und Verkauf einzelner Aktien "zu schlagen".

Lesen Sie auch: ETFs oder klassische Fonds?

Beim Kauf des Dax erwirbt ein Anleger somit Out- und Underperformer in einem Gesamtpaket. Wer mit der Zeit etwas Erfahrung im Wertpapierhandel gesammelt hat, kann gegebenenfalls auf Einzelaktien mit hohen Dividendenrenditen zurückgreifen.

Vorsicht ist in jedem Fall beim Thema Streuung angesagt. Nur ein globaler ETF sollte für passive Anleger überhaupt in Frage kommen.

Übrigens ist es auch möglich, sowohl ETFs als auch Einzelaktien gleichzeitig im Depot zu haben. Da es wie auch bei Aktien keine Haltedauer gibt, können sie jederzeit am Markt veräußert werden.

Biallo-Tipp: Wer einen Dividenden-ETF primär zur Altersvorsorge nutzt und in der Investitionsphase nicht auf regelmäßige Ausschüttungen angewiesen ist, sollte ein thesaurierendes Produkt wählen. Dann fließen die Dividendenzahlungen automatisch wieder zurück ins Anlagevermögen und können dort für höhere Kursgewinne sorgen. Angenehmer Nebeneffekt: Mit dem höheren Anlagevolumen steigen später logischerweise die Dividendenzahlungen, da mehr Kapital zum Kauf von ETFs zur Verfügung steht.

Lesen Sie auch: Thesaurierende und ausschüttende Fonds im Vergleich

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de