So klappt es mit dem Baukredit für Alleinerziehende

Baufinanzierung So klappt es mit dem Baukredit für Alleinerziehende

von Eike Schulze
26.10.2018
Auf einen Blick
  • Die Finanzierung für Alleinerziehende ist eine größere Herausforderung als für Paare. Eine präzise Finanzplanung ist deshalb unabdingbar. Das Kindergeld oder Unterhaltszahlungen sollten nur bei Kleinkindern in die Rechnung einbezogen werden.

  • Zahlreiche Fördermöglichkeiten – nicht nur das Baukindergeld – erleichtern den Wunsch, die eigene Immobilie zu realisieren.

  • Ein Festzinsdarlehen verschafft durch eine lange Zinsbindung eine sichere Basis für die Finanzierungsphase, eine hohe Tilgung reduziert rasch die Restschuld.
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Nicht nur die klassischen Familien wollen bauen oder kaufen, auch viele Alleinerziehende hegen diesen Wunsch, schrecken aber nicht selten von diesem Vorhaben zurück.

Der Grund ist ganz einfach: Ein Alleinverdiener hat es schwerer, von seinem Geld noch eine Immobilie zu erwerben und etwas in eine Finanzierung einzubringen. Manchmal können hier jedoch auch die Eltern helfen und durch eine Schenkung zumindest das Eigenkapital aufstocken.

Die Ausgangssituation

Grundsätzlich haben es Alleinerziehende schwerer, eine Finanzierung durchzubringen, auch gerade Banken gegenüber. Für Banken gilt leider vielfach: Zwei Verdiener sind besser als einer. Das Einkommen ist einfach höher und somit besteht auch eine größere Sicherheit, dass das Vorhaben erfolgreich umgesetzt werden kann.

Allerdings kaufen oder bauen Alleinerziehende meist auch kleiner als Familien mit zwei Verdienern, der Darlehenswunsch fällt somit auch geringer aus. Außerdem gibt es auch gut verdienende Alleinerziehende, die von ihrem Gehalt eine Immobilie stemmen können. Nichtsdestotrotz kommt es bei dieser Konstellation sehr auf den Einzelfall an, vor allem wo der Traum von den eigenen vier Wänden umgesetzt werden soll.

3
 
Anbieter
Monatliche Rate
effektiver
Jahreszins
 
1.
556,67
0,86%
2.
560,00
0,86%
3.
555,00
0,88%
Betrag 200.000 €, Laufzeit 5 Jahre, Beleihung 60 %

Finanzplanung

Das wichtigste Element für die Baufinanzierung ist eine gute Finanzplanung. Da gibt es eine paar Dinge, die Banken nicht so gerne sehen. So neigen Alleinerziehende dazu, das Kindergeld oder Unterhaltszahlungen in die Planung miteinzubeziehen. Doch das ist oftmals keine gute Idee. Beides dient in erster Linie der finanziellen Versorgung des Kindes und endet dann in der Regel mit der Vollendung der ersten Ausbildung.

Ist das Kind bei Beginn der Finanzierung schon deutlich älter als zehn Jahre, ist absehbar, dass die Finanzierung länger dauern wird als der Kindergeldbezug und die Unterhaltszahlung. Dann sehen auch Banken Kindergeld oder Unterhaltszahlungen meist nicht mehr als tragfähigen Bestandteil der Finanzierung an.

Biallo-Tipp

Bei einem Kleinkind kann sicherlich Kindergeld oder auch die Unterhaltszahlung noch angesetzt werden. Bei älteren Kindern ist dies nur zu empfehlen, wenn dann aus anderen Geldquellen am Ende des Bezugs zusätzlich Einnahmen zu erwarten sind.

Daher gilt auch immer: Auf das Einkommen kommt es an!

Auch die Ausgaben spielen eine wesentliche Rolle, um auch auf dieser Seite die Finanzierung im Griff zu haben. Damit keine Planung für Wolkenkuckucksheim stattfindet, ist eine Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben der zentrale Punkt für die weitere Planung, so lässt sich dann auch das Finanzierungspotenzial ermitteln.

Ein Beispiel

Nettoeinkommen

2.682 Euro

Abzügl. folgender Ausgaben (Angaben in Euro)

 

Lebensmittel

350 

Kleidung

150

Gesundheit

50

Haushaltsgeräte

50

Strom/Wasser/Heizung

150

Wohnnebenkosten

100

Reparaturen/Instandhaltung

50

Telekommunikationskosten

50

Auto/Verkehr

400

Versicherungen

400

Freizeit

100

Urlaub

150

Ausgabenpuffer

50

Ausgaben gesamt

2.050

Finanzierungspotenzial

Rund 630

Bei dieser Berechnung sind das Kindergeld (194 Euro, 2018) sowie mögliche Unterhaltszahlungen nicht berücksichtigt. Genauso entfällt auch ein möglicher Nebenjob, auch des Kindes, da dieser meist nicht auf Dauer angelegt ist. Die Miete ist natürlich auch nicht enthalten, da diese ja beim Erwerb entfällt. Rund 630 Euro würden nach dieser Berechnung monatlich für eine Finanzierung zur Verfügung stehen.

Ein weiterer wichtiger Posten ist das Eigenkapital. Was bei Ehepaaren schon seine Bedeutung hat, wird bei Alleinerziehenden umso wichtiger. Denn hier steht nur eine Person zur Verfügung, die alles stemmen muss. Die Planung muss daher andere Aspekte berücksichtigen als bei einer Finanzierung durch Paare. Denn hier muss die Finanzierungsphase genauer bedacht werden, finanzielle Reserven sind bei Alleinerziehenden sehr wichtig. Wer zusätzliches Geld als Paar ansammelt, wird dies irgendwann in eine Sondertilgung stecken.

Doch bei Alleinerziehenden ist es eher wichtig, finanzielle Rücklagen für Notzeiten zu bilden. Denn wer kann schon eine Arbeitslosigkeit oder Krankheit voraussehen und möchte dann sein Dach über dem Kopf riskieren? Planung ist also alles!

Die Finanzierung muss sorgfältig vorbereitet werden, hier sollte das Ziel sein, einen Darlehensvertrag über eine lange Laufzeit festzulegen. 15 Jahre oder länger sind für eine langfristige und sichere Planung empfehlenswert. Doch nicht nur das. Neben einem guten Einkommen sollte auch eine ordentliche Portion an Eigenkapital eingebracht werden. Eigenkapital ist gerade für Alleinerziehende von großer Bedeutung, je mehr desto besser. Folgende Quellen stehen hierfür meist zur Verfügung:

  • Gelder auf (Anlage-)Konten
  • Wertpapiere
  • Schmuck, Sammlungen, Wertgegenstände
  • Schenkungen / Erbschaften
  • Sonstige Vermögenswerte (Unternehmensbeteiligungen, eigene Immobilie etc.)
  • Ersatzeigenkapital (Grundstück, Eigenleistung, Familiendarlehen, Verkäuferdarlehen)

Reines Eigenkapital steht dem Finanzierer vollständig zur Verfügung, beim Ersatzeigenkapital muss hingegen eine Leistung erbracht werden. Dies kann bei finanziellen Mitteln die bankenunabhängige Rückzahlung oder die körperliche Leistung (Muskelhypothek) sein. Durch das Ersatzeigenkapital reduziert sich also das Bankendarlehen.

Biallo-Tipp

Setzen Sie bei Eigenleistungen den Wert nicht zu hoch an. Fünf Prozent des Kauf- oder Baupreises ist schon ein ordentlicher Wert für Laien. Wer vom Fach ist, kann natürlich wesentlich mehr ansetzen und weiß auch den Aufwand richtig einzuschätzen.

Rechnet man bei Paaren mit mindestens 20 Prozent Eigenkapital, so sollten dies bei Alleinerziehenden noch ein paar Prozent mehr sein. Sinnvoll erscheinen hier etwa 30 Prozent, damit die Immobilie über die gesamte Laufzeit gut finanzierbar ist.

Welche Zuschüsse gibt es?

Auch der Staat tut einiges für Alleinerziehende. Neu ist das sogenannte Baukindergeld für selbst genutzte Immobilien. Dies gewährt einen jährlichen Zuschuss von 1.200 Euro pro Kind, sofern die Einkommensgrenzen und weitere Bedingungen eingehalten werden. In Bayern gibt es sogar das  Baukindergeld mit einer Sonderförderung von 300 Euro pro Kind plus 10.000 Euro extra.

Da der Zuschuss jährlich in einer Summe gezahlt wird, eignet sich das Baukindergeld auch gut für Sondertilgungen. Diese Förderleistungen erleichtern natürlich das Bauen oder Kaufen und können auch ab nächstem Jahr in die Finanzierung eingebracht werden.

Doch es gibt noch weitere Förderprogramme sowohl von der KfW als auch von den Landesförderbanken der jeweiligen Bundesländer, die Alleinerziehende nutzen können. Die wichtigsten Programme im Überblick:

  • Wohneigentumsprogramm (124) Für selbst genutzte Eigentumswohnungen oder ein Eigenheim wird ein günstiger Kredit bis 50.000 Euro gewährt. Die Kreditlaufzeit kann bis zu 25 Jahre betragen

  • Energieeffizient Bauen (153), Kredit bis zu 100.000 Euro, je nach KfW-Energieeffizienzhaus-Niveau.

  • Energieeffizient Sanieren (151), Kredit bis zu 100.000 Euro je nach Erreichen des KfW-Energieeffizienzhaus-Niveaus, bis zu 50.000 Euro für Einzelmaßnahmen oder Maßnahmenpakete, bis zu 27.500 Euro, je nach Erreichen des KfW-Effizienzniveaus.

  • Verschiedene Landesprogramme, die ähnlich gestrickt sind wie die KfW-Förderprogramme, teilweise aber eine noch etwas bessere Förderung enthalten.

Bei den Förderprogrammen wird allerdings meist ein sehr gehobenes Energieeffizienz-Niveau erwartet. Das bedeutet auch erhebliche Mehrkosten. Ob sich dies jedoch rechnet, hängt vom Einzelfall ab.

Das KfW-Wohneigentumsprogramm ist sicher sinnvoll und einen Blick wert. Die Beantragung läuft normalerweise über den Bankpartner ab, über den dann auch die Fördermittel beantragt werden können.

Biallo-Tipp

Das Baukindergeld ist ein separates Programm aus Bundesmitteln, daher kann dies auch mit KfW-eigenen Förderprogrammen kombiniert werden.

Welche Darlehen für welchen Fall?

Es gibt die verschiedensten Darlehensformen: von variabel verzinst bis zum Festzinsdarlehen (endffälliges Darlehen). Doch so groß die Auswahl auch ist, gerade Alleinerziehende sollten auf Nummer sicher gehen.

Das heißt, ein Festzinsdarlehen, das eine hohe Verlässlichkeit darstellt, ist für eine langfristige und gute Planung erforderlich. Aufgrund der aktuellen Niedrigzinsphase sollte eine möglichst lange Zinsbindung gewählt werden, beispielsweise 15 oder 20 Jahre, das schafft Sicherheit für die Zukunft.

Bei einem guten Einkommen kommt auch ein Volltilgerdarlehen infrage. Das heißt, die gesamte Finanzierung läuft über einen Vertrag und über die gesamte Laufzeit. Die Tilgung ist dabei höher als bei einem normalen Festzinsdarlehen.

Der Vorteil: Die niedrigen Darlehenszinsen sind auch über die gesamte Laufzeit festgeschrieben, damit die Finanzierung auch gut kalkulierbar ist. Allerdings:  Die Tarife sind meist nicht flexibel, erlauben keine Änderung der Tilgungskonditionen, auch Sondertilgungen sind kaum möglich.

Doch für die meisten normal verdienenden Alleinerziehenden kommt in erster Linie auch ein normales Festzinsdarlehen in Betracht. Hier sollte neben einem günstigen Zinssatz auch auf Sondertilgungen geachtet werden, falls dann doch mal eine Summe X hierfür übrig ist.

Fazit

Der Immobilienwunsch von Alleinerziehenden ist sicher etwas schwieriger umzusetzen als bei Paaren, dennoch ist dies natürlich gut möglich. Wichtig ist hier die Vorplanung, der Aufbau von genügend Eigenkapital und das Beschaffen von weiterem Kapital wie dem Baukindergeld. Auch Kredite beispielsweise über die KfW können das Immobilienvorhaben unterstützen.

Allerdings: Da nur ein Verdiener die Finanzierung der Immobilie stemmen muss, ist auch immer eine Geldreserve nötig, die im Fall der Arbeitslosigkeit oder längerer Krankheit Ausfälle kompensiert. Der richtige Weg, die Immobilie zu finanzieren, sollte über ein Festzinsdarlehen zu finden sein.

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Eike Schulze
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Eike Schulze

entstammt aus einer Familie von Zigarrendrehern, Strandräubern und Baumeistern und entschloss sich entgegen der Familientradition Geographie und BWL bis zum guten Ende zu studieren. Nach Zwischenstation als Vertriebsspezialist und Trainer eines Versicherungsunternehmens entdeckte er seine Leidenschaft für Wirtschaftsjournalismus. Seit 20 Jahren gibt es von ihm etwas zu lesen, zunächst nur in Zeitschriften und zwischen Buchdeckeln und seit gut 10 Jahren auch im Netz. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Immobilien, Versicherungen und Geldanlage.

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entstammt aus einer Familie von Zigarrendrehern, Strandräubern und Baumeistern und entschloss sich entgegen der Familientradition Geographie und BWL bis zum guten Ende zu studieren. Nach Zwischenstation als Vertriebsspezialist und Trainer eines Versicherungsunternehmens entdeckte er seine Leidenschaft für Wirtschaftsjournalismus. Seit 20 Jahren gibt es von ihm etwas zu lesen, zunächst nur in Zeitschriften und zwischen Buchdeckeln und seit gut 10 Jahren auch im Netz. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Immobilien, Versicherungen und Geldanlage.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de