Sparen mit ETF Die zehn wichtigsten Fragen

Sparen mit ETF Die zehn wichtigsten Fragen

Max Geißler
von Max Geißler
24.02.2017
Auf einen Blick
  • Wer keine Ahnung von der Börse hat, kann mit einem ETF mitmischen.

  • ETFs bieten eine breite Streuung und sind meist wesentlich günstiger als koventionelle Fonds.

  • Einige Banken verzichten komplett auf Kaufgebühren bei ETF-Sparplänen.
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Möchten Sie Kapital aufbauen, kommen Sie um Börsenbeteiligungen kaum herum. Das liegt nicht nur an den extrem niedrigen Sparzinsen, sondern vielmehr an den guten Renditeaussichten von Aktien. Eine sehr einfache Form, sich an Aktien zu beteiligen, eröffnen Aktienfonds. Hier setzen Sparer auf einen ganzen Korb von Wertpapieren, Verlustrisiken durch den Ausfall eines Papiers sind somit sehr gering. In der konkreten Ausgestaltung der Fonds gibt es allerdings erhebliche Unterschiede. Neben aktiv gemanagten Aktienfonds spielen Indexfonds (ETF) zunehmend eine wichtige Rolle. Was macht diese Fonds so beliebt und wie funktionieren Sie? Die zehn wichtigsten Fragen:

1. Was versteht man unter ETF?

Ein ETF, kurz Exchange Traded Fund, ist ein börsengehandelter Indexfonds. Sein Ziel ist es, einen festgelegten Aktienindex, etwa den Dax oder den US-amerikanischen Dow Jones, so exakt wie möglich nachzubilden, damit der Fonds die gleiche Wertentwicklung wie der Index erzielt. Da die Zusammensetzung des ETF durch den Referenzindex vorgegeben ist, benötigt man keinen Fondsmanager, der den Fonds überwacht. Diese Arbeit übernehmen Computer, man spricht deshalb von passiv gemanagten Fonds.

2. Bieten ETF Kostenvorteile?

Ja, ETF sind aufgrund ihrer passiven Anlagestruktur preiswerter als aktiv gemanagte Aktienfonds. Der Kostenvorteil kann bis zu zwei Prozent pro Jahr betragen. Das bedeutet: Um die gleiche Nettowertentwicklung wie ein vergleichbarer ETF zu erreichen, muss ein aktiv gemanagter Aktienfonds mindestens so gut wie der Index laufen plus die anfallenden Fondskosten.

3. Wo kaufe ich ETF?

Am Bankschalter werden nur selten ETF angeboten, da die Kreditinstitute fast nichts daran verdienen. Um ETF zu kaufen, empfehlen sich Direktbanken. Sie bieten eine große Auswahl, häufig mehrere Tausend Stück. Wählen Sie in der Ordermaske die Kategorie ETF aus, dann erfolgt der Kauf automatisch über die Börse.

Tipp: Zahlreiche Banken bieten ETF zu reduzierten Orderkosten oder berechnen gar keine Transaktionskosten. So sind bei der ING-Diba alle ETF bei Einmalkauf ab 500 Euro gebührenfrei. Das gilt aber nur für den Kauf, nicht aber den Verkauf. Wer lieber regelmäßig anspart, setzt auf einen ETF-Sparplan. Hierfür bietet sich etwa das Depot der Consorsbank an. Die Nürnberger bieten 140 gebührenfreie ETF-Sparpläne von Comstage und Lyxor an. Der S-Broker der Sparkasse schneidet auch gut ab. Hier bekommen Kunden auch zahlreiche kostenlose Sparpläne auf ETF-Basis, etwa von Deka oder Comstage. Schwieriger ist es dagegen bei 1822 direkt, die ebenfalls eine Sparkassen-Tochter ist. Hier werden pro Ausführungen 2,95 Euro fällig. Bei der Mindestsparrate von 50 Euro ist das ein Renditekiller.

4. Wie lange muss ich einen ETF halten?

Im Gegensatz zu einem Banksparplan oder einer Rentenversicherung gehen Sie beim Kauf eines Indexfonds keine vertragliche Laufzeit ein. Sie können ETF-Anteile jederzeit verkaufen bzw. einen Sparplan aussetzen, beenden oder die Ratenhöhe verändern. Die Länge der Laufzeit orientiert sich nach Ihrem Sparziel. Vorsorgesparer haben naturgemäß einen langen Sparhorizont, potentielle Immobilienkäufer, die Eigenkapital aufbauen wollen, eher einen kürzeren.

5. Für welchen Anlegertyp eignen sich ETF?

ETF eignen sich für fast alle Anleger. Für offensive Anleger stehen zahllose Aktien-ETF bereit, zum Beispiel der iShares DivDax (ISIN DE0002635273); Risikoscheue, defensive Anleger finden eine Fülle von Renten-ETF, zum Beispiel den Lyxor ETF Euro Corporate Bond (ISIN FR0010737544). Positiv: Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds laufen ETF niemals schlechter als ihr jeweiliger Vergleichsindex, allerdings auch nicht besser. Möchten Sie punktgenau auf einen bestimmten Termin hin eine festgelegte Summe ansparen, sind ETF aufgrund schwankender Fondskurse jedoch ungeeignet. In diesem Fall empfehlen sich Festgeld oder Sparbriefe.

6. Welche Risiken beinhalten ETF?

ETF beinhalten typische Börsenrisiken, etwa das Kursrisiko oder das Zinsänderungsrisiko. Wenn Sie zu ungünstigen Zeitpunkten ein- und aussteigen, können Wertverluste die Folge sein. Positiv: ETF gehören zum Sondervermögen einer Fondsgesellschaft. Das heißt bei einer Pleite der Fondsgesellschaft sind die Fondsanteile davon nicht betroffen, sie gehören weiterhin dem Anleger.

7. Welche Indizes eigenen sich besonders für Sparpläne?

Langfristsparer sollten vorrangig auf breit gefächerte Aktienindizes setzen, zum Beispiel den MSCI World Index oder den Stoxx 600 Europe. Gut diversifizierte Aktienindizes sind weniger schwankungsanfällig als marktenge Indizes oder Branchenindizes.

8. Kann man VL-Leistungen mit ETF ansparen?

Ja, einige Banken haben dafür ETFs im Programm, etwa die Commerzbank oder Comdirect. Die Fondsauswahl ist aber sehr begrenzt.

9. Besser ausschüttender oder thesaurierender ETF?

Auch ETF profitieren von Aktiendividenden. Verbleiben die Aktien-Ausschüttungen im Fondsguthaben, puschen sie dank Zinseszinseffekt den Kurs. Thesaurierende, also wiederanlegende Fonds, empfehlen sich, wenn Sie Vermögensaufbau betreiben wollen. Beispiele hierfür sind der iShares DivDax oder der db x-trackers Stoxx Global Select Dividend 100 ETF. Im Gegensatz dazu eigenen sich ausschüttende ETF, wenn Sie auf regelmäßige Kapitalerträge angewiesen sind.

10. Was ist ein synthetischer ETF?

Im Gegensatz zu einem physischen ETF, der seinen Referenzindex mit echten Aktien oder Anleihen nachbildet, funktioniert ein synthetischer ETF über sogenannte Swaps (Tauschgeschäfte). Dazu trifft der Fonds mit einer Investmentbank eine Vereinbarung, die ihm genau die Wertentwicklung des gewünschten Index zusichert. Im Gegenzug erhält die Bank die Wertentwicklung eines beliebigen Aktienportfolios, welches der Fonds besitzt. Differenzen bei den Wertentwicklungen werden von Zeit zu Zeit ausgeglichen. Für die Fondsgesellschaft ist diese Konstruktion kostengünstiger. Das Problem: Geht der Swap-Partner (also die Bank) Pleite, steht dem Swap-Geschäft kein physisches Wertpapier gegenüber, sondern eine wertlose Inhaberschuldverschreibung. Mit physischen ETF sind Anleger daher eher auf der sicheren Seite.

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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de