Schuldenfalle: So behalten junge Leute die Kontrolle über ihr Geld

Ratgeber der Woche Schuldenfalle: So behalten junge Leute die Kontrolle über ihr Geld

Update: 04.11.2019
Annette Jäger
von Annette Jäger
Update: 04.11.2019
Auf einen Blick
  • Immer mehr junge Menschen geraten in ein Schuldentief: Ratenkäufe, Dispokredite und Einsteigerangebote machen den Konsum leicht. Doch der richtige Umgang mit Geld will gelernt sein, denn Schulden haben Folgen.

  • Eine konsequente Finanzplanung und den Überblick behalten – das ist die wichtigste Strategie um Schulden zu vermeiden. Das gute alte Haushaltsbuch kann dabei helfen.

  • Wer Schulden hat, kann Hilfe erhalten. Schuldnerberatungsstellen helfen beim Schuldenabbau.
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Konsumieren ist für viele junge Leute heute zur Freizeitbeschäftigung geworden: Shoppen gehen, einen Coffee-to-go kaufen und noch einen Burger essen gehen – damit lässt sich der Tag verbringen. Dabei steckt das neueste Handy in der Tasche, mit Flatrate ausgestattet und die Turnschuhe an den Füßen sind sowieso Kult.

Es wird einem ja auch leicht gemacht: Kaufe jetzt, zahle später – das funktioniert sogar beim Turnschuhkauf. Und wenn das Geld doch mal nicht reicht, gewährt die Bank einen großzügigen Dispokredit. Ein Zuviel an Internetshopping trägt obendrein dazu bei, dass man rasch den Überblick verlieren kann, wo man überall auf Pump gekauft hat. So landen junge Leute schnell in der Schuldenspirale und plötzlich reicht das Geld für die Miete nicht mehr.

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Die Zahl überschuldeter Haushalte steigt von Jahr zu Jahr. Das belegen die Zahlen im alljährlich erscheinenden Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Auch wenn die Zahlen zur Verschuldung in jungen Jahren 2018 leicht rückläufig sind, soll das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Verschuldung im jungen Erwachsenenalter ein ernstes Problem ist: 1,58 Millionen der unter 30-Jährigen galten 2018 als überschuldet. Einer der Hauptgründe ist eine unwirtschaftliche Haushaltsführung – ein Trend, der sich verstärkt. Unangemessenes Konsumverhalten, so wird es im Schuldneratlas genannt, ist oft der schleichende Einstieg in die Verschuldung.

Wir erläutern Ihnen im Folgenden, wie junge Erwachsene Schulden vermeiden können und wie sie diese wieder loswerden, wenn sie erst einmal da sind.

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Der richtige Umgang mit Geld

Hier lauern die Gefahren

Jeder hat ein bestimmtes Budget, mit dem er monatlich auskommen muss. Der Azubis erhält ein Ausbildungsgehalt, möglicherweise auch noch Kindergeld, das er sich monatlich einteilen muss. Auch Studenten haben begrenzte Mittel: Elternunterhalt, Bafög, ein Nebenjob, das Kindergeld stehen womöglich zur Verfügung. Wer als junger Erwachsener sein erstes eigenes Gehalt verdient, hat zwar schon mehr auf dem Konto, muss sich aber auch dieses Geld einteilen, um Miete, Nebenkosten und den einen oder anderen Versicherungsbeitrag zu bestreiten.

Wofür jeder sein Geld ausgibt, ist ganz verschieden. Doch wenn es um Schulden geht, liegen ein paar Versuchungen ganz weit vorne, die mitverantwortlich dafür sind, dass das monatliche Budget überzogen wird: Dazu gehören die Verlockungen einer hochwertigen technischen Ausstattung mit Handy, Tablet, Laptop, Fernseher und Ähnlichem. Hinzukommt das Angebot von Ratenzahlungen, das den Kauf von Gütern ermöglicht, die man sich vielleicht gar nicht leisten kann. Und schließlich gibt es die Falle der langfristigen Verträge, etwa für die Handy-Flat, das Fitnessstudio oder den Versicherungsvertrag für das erste eigene Auto.

Wer sich dieser Gefahren bewusst ist, kann ihnen ausweichen. Ein paar Tricks gibt es, wie man sich sein Geld vernünftig einteilt und sich trotzdem etwas leisten kann, ohne Schulden zu machen.

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Was kann ich mir leisten?

Vor jeder Anschaffung sollte die Frage stehen: Kann ich mir das leisten? Ein Konto im Plus zu haben, ist noch nicht wirklich ein Indikator dafür, dass man sich die Hose vom Designerlabel leisten kann. Wenn zwei Wochen später dann das Geld fehlt, um die monatliche Gebühr im Fitness-Studio zu bezahlen oder die Stromrechnung und die Miete, weiß man, dass man sich die Hose eigentlich nicht hätte leisten können. Eine belastbare Antwort auf die Frage liefert nur das gute alte Haushaltsbuch. Es hilft dabei, sich einen Überblick zu verschaffen, was man an Einnahmen hat und wie viel man davon für Hosen, Kaffees, Handys und Kinobesuche ausgeben kann.

So funktioniert ein Haushaltsbuch
In einem Haushaltsbuch werden zunächst alle Einnahmen im Monat aufgelistet. Je nachdem ob jemand eine Ausbildung macht, studiert oder schon den ersten Job hat, können folgende Posten zu den Einnahmen zählen:

  • Lohn
  • Unterhalt der Eltern
  • Arbeitslosengeld
  • Taschengeld
  • Bafög
  • Nebenjob
  • Elterngeld
  • Kindergeld

Daneben sind alle regelmäßigen Ausgaben aufzulisten – also alle Ausgaben, die Monat für Monat anfallen. Dazu können gehören:

  • Miete
  • Strom oder Gas
  • Fahrtkosten
  • Handy- und Internetkosten
  • Auto
  • Versicherungen
  • Rundfunkbeitrag
  • Abonnements (auch Netflix, Spotify und Co.)
  • Ratenzahlungen
  • Vereinsbeiträge
  • Verpflichtungen aus Verträgen

Ist die Ausgabenseite höher als die Einnahmenseite, hat man ein Problem. Dann lebt man über seine Verhältnisse und wird zwangsläufig Schulden machen.

Im besten Fall ist die Einnahmenseite höher als die Ausgabenseite. Dann bleibt nach Abzug aller festen monatlichen Ausgaben ein Budget übrig. Davon sind Essen, Trinken, Körperpflege, Freizeit und Hobbies, Einkauf von Kleidung und Schuhen, mögliche Reparaturen, eine Zahnfüllung, eine neue Brille und auch mal ein Urlaub und noch vieles mehr zu bestreiten. Die Liste zeigt schon: Man muss sich sein Geld einteilen und zudem Rücklagen bilden für Ausgaben, die nicht monatlich anfallen – etwa ein Urlaub – oder die unvorhergesehen kommen wie eine notwendige Reparatur.

Ausgaben aufschreiben
Wer es ernst meint mit der Finanzkontrolle, der notiert jede noch so kleine Ausgabe in seinem Haushaltsbuch. Am Ende des Monats weiß man dann genau, wo das Geld geblieben ist. Noch besser: Man kann nachvollziehen, wofür man Geld ausgibt und wo Sparpotential ist. Vielleicht staunt man, wie viel Geld man für Sonntagseinkäufe an der Tankstelle ausgibt. Oder wie viel man monatlich in Restaurantbesuche investiert. An dieser Schraube lässt sich dann drehen und sparen.

Um sich die ständigen Eintragungen ins Haushaltsbuch zu erleichtern, stehen sogenannte Budget-Apps fürs Smartphone zur Verfügung. Nach ein paar Monaten muss man auch nicht mehr alles aufschreiben, dann hat man meistens schon einen guten Überblick und weiß, was man sich leisten kann und was nicht.

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Wenn das Geld nicht reicht

Wenn das Geld einfach nicht ausreicht, um alle Ausgaben im Monat zu decken, kann das daran liegen, dass der Lebensstil nicht zum monatlichen Budget passt. Es kann aber auch daran liegen, dass man wirklich zu wenig Geld zur Verfügung hat, um sich sein Leben zu finanzieren. Dann sollte man abklopfen, ob man alle Zuschussmöglichkeiten und Kostenreduzierungen ausgeschöpft hat. Ein paar Möglichkeiten:

  • Auszubildende können eine finanzielle Förderung erhalten, zum Beispiel die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) oder Wohngeld.
  • Studenten können Bafög in Anspruch nehmen.
  • Man kann unter Umständen von den Rundfunkgebühren befreit werden oder eine Ermäßigung erhalten.
  • Azubis und Studenten sollten prüfen, ob ihnen ermäßigte Fahrkarten zustehen.
  • Telefonanbieter haben oft günstigere Tarife für junge Leute im Angebot.
  • Bei der Bank sollte man nach einem günstigen beziehungsweise kostenlosen Girokonto fragen. Kostenlose Girokonten gibt es zum Beispiel bei der ING, der DKB, Comdirect oder 1822 Direkt.

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Checkliste

So behältst Du die Finanzkontrolle:

  • Überblick: Liste alle monatlichen Einnahmen und Ausgaben auf.
  • Realität: Gib nicht mehr Geld aus, als du hast.
  • Kredit: Leih Dir kein Geld und vermeide Ratenzahlungen.
  • Sparen: Lege etwas zurück für Notfälle.
  • Wirtschaften: Teile dein Geld über den Monat hinweg ein.
  • Bank: Überziehe Dein Konto nicht.
  • Vergleichen: Achte auf versteckte Kosten, vergleiche Preise.
  • Bar: Zahle bar anstatt mit der Giro-Karte.

Quelle: caritas.de / biallo.de, Stand März 2019

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Anbieter
Monatspreis
Dispozinsen
Jahrespreis
Girocard
 
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Schleichende Verschuldung – das sind die Fallen

Als junger Erwachsener macht man selten ganz bewusst Schulden. Viel eher ist es ein schleichender Prozess, der einen in die Verschuldung treibt. Das sind die typischen Fallen:

Verträge

Langfristige Bindung: Alles, was einen finanziell langfristig bindet, ist mit Vorsicht zu behandeln. Manche Verträge – etwa eine private Haftpflichtversicherung, wenn man nicht mehr bei den Eltern versichert ist – sind unumgänglich und existenziell wichtig. Doch andere Verträge gehören eher in die Kategorie Luxus. Dazu zählt der Vertrag im Fitnessstudio: Nicht selten haben sie lange Bindungsfristen. Wer weiß schon, ob er über zwei Jahre hinweg den Beitrag bezahlen kann? Zwischendurch kündigen ist meist ausgeschlossen und auch ein Umzug in eine andere Stadt ist nicht zwingend ein Grund, vorzeitig aus einem Vertrag aussteigen zu können.

Lockangebote: Oft locken Anbieter mit sehr günstigen Einsteigerpreisen, etwa bei Handyverträgen. Doch häufig ist die Vergünstigung befristet. Danach steigen die Kosten explosionsartig an. Das steht meist im Kleingedruckten solcher Verträge. Zu Lockangeboten gehören auch Versprechungen, einen bestimmten Service, zum Beispiel Streaming-Dienste, vier Wochen kostenlos testen zu können. Wenn man es versäumt, rechtzeitig wieder zu kündigen, verlängert sich bei manchen Anbietern der Vertrag automatisch und es entstehen Kosten.

Kleingedrucktes: Das Kleingedruckte ist mühsam zu lesen, doch dort stehen die Wahrheiten: Hat man wirklich das unbegrenzte Datenvolumen bei der Internetnutzung eingekauft oder werden Mehrkosten fällig, wenn es aufgebraucht ist und man weiter Filme streamt? Gibt es versteckte Kosten, die zum Beispiel bei der Nutzung bestimmter Dienste anfallen?

Kündigungsfrist: Aus jedem Vertrag kann man aussteigen, aber es gelten Kündigungsfristen. Manche Verträge verlängern sich automatisch, wenn man sie nicht rechtzeitig kündigt. Am besten trägt man sich die Kündigungsfrist in seinen Kalender ein, um sie nicht zu versäumen. Oder noch besser: Direkt nach Vertragsabschluss oder nach Abschluss eines Probemonats für ein bestimmtes Angebot kündigt man "zum nächstmöglichen Zeitpunkt". So kann man die Frist gar nicht versäumen.

  • Biallo-Tipp: Auch über Prepaid-Angebote gibt es eine Handy-Flat, man hat aber gleichzeitig volle Kostenkontrolle, weil man sein Guthaben monatlich aufladen muss. Abgesehen davon lohnt es sich, einfach mal zu fragen: Gibt es im Fitness-Studio zum Beispiel auch Zehnerkarten? Oder Verträge mit kürzeren Laufzeiten für junge Leute?

Autokauf

Für viele junge Leute steht das eigene Auto ganz oben auf der Prioritätenliste. Ein Auto anzuschaffen, ist meist nicht das Problem: Entweder kauft man ein wirklich altes Auto, das günstig ist, oder aber die Autohäuser bieten gerade jungen Leute günstige Ratenzahlungen oder Leasing-Modelle an. Doch die laufenden Kosten sind das Problem: Ausgaben für die Kfz-Versicherung fallen an, die gerade für junge Leute sehr teuer ist. Es kommen Steuern hinzu, Ausgaben für TÜV und Reparaturen. Auch Benzin kostet und Wartungsarbeiten sowie Winter- beziehungsweise Sommerreifen.

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  • Biallo-Tipp: Wer überlegt, ein Auto zu kaufen, sollte all diese Kosten vor dem Kauf ermitteln. Vor allem die Versicherungsbeiträge variieren je nach Automodell und Leistung. Bei einem alten Auto kann man auf die Vollkaskoversicherung verzichten, ein neues Auto benötigt diese teure Absicherung aber durchaus. Sind alle Ausgaben, inklusive Benzinkosten, auch langfristig zu leisten?

Bank

Eine Bank macht es einem heute einfach, auf Pump zu leben. Man kann das Konto überziehen und es gibt für viele Bankkunden die Möglichkeit, einen Dispokredit zu nutzen. Beides ist gefährlich.

Überziehungszinsen: Es ist richtig teuer, sein Konto einfach so zu überziehen­ – also mehr auszugeben, als durch Guthaben gedeckt ist. Je nach Bank fallen dafür zwischen fast sieben und sogar über 15 Prozent an Überziehungszinsen an.

Ein Beispiel: Es gilt ein Überziehungszinssatz von 13 Prozent. Der junge Erwachsene überzieht sein Konto um 1.000 Euro. Der Überziehungszins von 13 Prozent macht bei diesem Betrag 130 Euro aus.Teilt man die Summe durch zwölf, erhält man in etwa den monatlichen Betrag, der bei rund 10,83 Euro liegt. Kann man sein Konto nicht im nächsten Monat wieder ausgleichen, zieht man die Kosten Monat für Monat mit sich und sie summieren sich.

Dispokredit: Vereinbart man mit seiner Bank einen Dispokredit, erlaubt einem die Bank die Überziehung des Kontos bis zu einer vereinbarten Summe zu einem etwas günstigeren Zinssatz, als wenn man ohne Absprache das Konto einfach überzieht. Allerdings erhalten nicht alle Kunden automatisch einen Dispokredit, sondern nur jene, denen die Bank aufgrund eines regelmäßigen Einkommens zutraut, aus den roten Zahlen auch wieder heraus zu kommen. Für einen Dispokredit fallen zwischen sieben und über zwölf Prozent an Zinsen an. Das sind bei 1.000 Euro mit einem Dispo-Zinssatz von acht Prozent 120 Euro Zinsen im Jahr, zehn Euro Zinskosten pro Monat. Wer seinen Dispo auch noch überzieht, zahlt auf die darüber hinausgehende Summe wieder die noch teureren Überziehungszinsen.

  • Biallo-Tipp: Zahlen mit der Giro-Karte ist bequem und einfach, doch man verliert auch schnell die Übersicht, wie viel man eigentlich auf dem Konto hat. Wer volle Kostenkontrolle möchte, eröffnet bei der Bank ein reines Guthabenkonto. Dann darf man gar nicht überziehen und kann auch keine Schulden machen. Denn wer einen Dispokredit hat und ihn nicht bei der Bank zurückzahlen kann, riskiert einen negativen Eintrag bei der Schufa. Ein Dispokredit ist deshalb auch so gefährlich, weil man eingeladen wird, mehr auszugeben, als man zur Verfügung hat. So zieht sich die Finanzlücke Monat für Monat fort wie ein roter Faden.

Rechnungen bezahlen

Jeder kennt das: Das Ausbildungsgehalt, der Elternunterhalt, das Bafög oder was auch immer geht auf dem Konto ein. Doch manche Rechnung wird schon vorher abgebucht, wenn auf dem Konto noch Flaute herrscht. Das ist oft dann der Fall, wenn man gerade erst die Ausbildung beginnt und der Azubi auf die erste Zahlung wartet oder man den ersten Job begonnen hat und auf das erste Gehalt wartet. In diesem Fall sollte man nicht einfach hinnehmen, dass das Konto am Ende überzogen wird oder eine Rechnung nicht abgebucht werden kann und gleich Mahnkosten anfallen. Lieber spricht man direkt mit den Gläubigern im Vorfeld und versucht zu vereinbaren, dass eine Rechnung zu einem späteren Zeitpunkt abgebucht wird.

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Die Krux mit der Schufa

Schulden haben ernste Folgen

Eines ist gewiss: Wer eine Rechnung nicht rechtzeitig bezahlt oder seinen Ratenzahlungen nicht nachkommt, kann nicht auf Gnade, Mitleid oder Kulanz seiner Gläubiger hoffen. Telefonanbieter sind zum Beispiel bekannt dafür, sofort Inkassobüros einzuschalten und Gebühren auf den Rechnungsbetrag zu schlagen. Solche Zahlungsforderungen verjähren nicht– auf einen kulanten Vergleich kann man nicht hoffen.

Rechnungen nicht zu bezahlen, hat ernste Konsequenzen, die sich langfristig auf das ganze Leben auswirken können. Das Schreckgespenst heißt vor allem Schufa-Eintrag.

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Schufa-Eintrag und die Folgen

Jeder ist mit der Schufa schon mal in Berührung gekommen: Bei jeder Kreditanfrage, jedem abgeschlossenen Leasingvertrag, bei Girokontoeröffnungen oder Registrierungen bei Versandhändlern greift die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung Daten ab. Aus diesen Daten ermittelt sie, wie zuverlässig Verbraucher ihre Rechnungen bezahlen und wie kreditwürdig sie sind. Diese Einschätzung wiederum stellt sie den Unternehmen zur Verfügung, die der Schutzgemeinschaft angehören.

Die Schufa sammelt positive wie negative Einträge. Daraus ermittelt sie einen sogenannten Score – einen Wahrscheinlichkeitswert, der aussagen soll, wie groß die Kreditwürdigkeit ist. Bei der Schufa wird auch gemeldet, wenn zum Beispiel jemand nach zwei Mahnungen seine Rechnung immer noch nicht bezahlt hat. Negative Einträge wirken sich langfristig nachteilig aus: Verbraucher erhalten dann den nächsten Kredit nur zu schlechten Konditionen oder die Bank verweigert ihn gänzlich. Vielleicht sagt auch der Vermieter der ersehnten neuen Wohnung ab, weil er eine Schufa-Auskunft eingeholt hat und nicht mehr davon überzeugt ist, dass der Mieter zuverlässig bezahlt.

  • Biallo-Tipp: Auch ein Dispokredit ist ein Kredit – wird er nicht zurückzahlt, bewirkt dies einen Schufa-Eintrag.

Bevor es zu einem Eintrag bei der Schufa kommt, muss der Gläubiger seinen Schuldner darüber informieren.

So wird man Schulden wieder los

Überblick verschaffen

Sind die Schulden erst mal da, neigen die Betroffenen – und das betrifft nicht nur junge Leute – dazu, den Kopf in den Sand zu stecken und das Problem zu verdrängen. Zahlungsaufforderungen und Mahnungen mit teuren Gebühren liegen im Briefkasten, viele öffnen ihre Post gar nicht mehr: Unter Schuldnerberatern kursiert der Begriff "Postallergie", der dieses Verhalten beschreibt. Viele haben Angst, sich ihren Schulden zu stellen, sie fürchten rechtliche Konsequenzen. Das ist unbegründet. Oft haben die jungen Leute Einkünfte unterhalb der Pfändungsgrenze, so dass eine Pfändung gar nicht in Frage kommt.

Wer Schulden hat, muss sich schnellstmöglich einen Überblick über die Situation verschaffen und das heißt: Post öffnen, sortieren, analysieren. Im nächsten Schritt sollte man rasch die Gläubiger kontaktieren und ihnen die Situation schildern, möglicherweise einen Zahlungsaufschub auszuhandeln. Es geht in erster Linie darum, weitere Schulden zu stoppen und ein Konzept für eine Rückzahlung zu entwickeln.

Schuldnerberatungsstelle

Ist es erst mal so weit gekommen, dass sich Schulden bei verschiedenen Gläubigern angehäuft haben, und sich die Post im Briefkasten stapelt, fühlen sich die Betroffenen häufig überfordert, selbst den Weg aus der Schuldenspirale einzuschlagen. Es gibt Hilfe: Schuldnerberatungsstellen helfen dabei, einen Überblick zu gewinnen. Sie unterstützen dabei, die Gläubiger zu kontaktieren und die Schulden wieder los zu werden.

Es gibt verschiedene Angebote der Schuldnerberatung: Kostenlose Beratungsstellen bei den Kommunen, aber auch kostenlose Angebote gemeinnütziger Träger oder von Wohlfahrtsverbänden. Es gibt allerdings auch kostenpflichtige Angebote – das sollte man klären, bevor man eine Schuldnerberatung in Anspruch nimmt. Manche Beratungsstellen haben sich auf junge Leute spezialisiert, zum Beispiel die Caritas. Mit steigender Tendenz werden auch Online-Angebote zur Schuldenberatung angenommen.

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Ein Beispiel aus der Praxis:Die Caritas in der Region Hannover nennt ihr Beratungsangebot für junge Leute in Sachen Schulden "Finanzcoaching" – ganz bewusst, denn die jungen Leute sollen nicht nur ihre Schulden los werden, sondern auch langfristig lernen, mit Geld umzugehen. Die jungen Erwachsenen, die das Beratungsangebot wahrnehmen, haben im Durchschnitt 3.000 Euro Schulden angehäuft. Die meisten suchen die Beratungsstelle erst zu einem sehr späten Zeitpunkt auf: Wenn der Kühlschrank leer und der Strom abgedreht ist. "Schulden zu haben, ist ein mit Scham und Angst besetztes Thema", sagt Achim Stieve, Geschäftsführer der Caritas Jugendsozialarbeit in Hannover. Sehr viele junge Leute in der Beratung erhalten Arbeitslosengeld II, sie haben Mietschulden und offene Rechnungen beim Strom- oder Gasanbieter. Aber auch beim Telefonanbieter sind unbezahlte Rechnungen aufgelaufen. Einige haben auch Schulden beim Jobcenter der Bundesagentur für Arbeit: Gewährt zum Beispiel der Jobcenter ein Darlehen für eine Mietkaution, wird der Jobcenter zum Gläubiger.

Nicht wenige kommen in die Beratungsstelle mit einem Wäschekorb voller ungeöffneter Briefe. Das Erstgespräch mit dem Berater bringt schon eine enorme psychische Entlastung, zeigt die Erfahrung. Zuerst geht es darum, möglichst schnell die laufenden Zahlungen wieder decken zu können. An erster Stelle stehen Miete und Energiekosten. Die Berater prüfen auch, ob alle möglichen Zuschüsse und Beitragsbefreiungen ausgeschöpft wurden. Dann geht es gemeinsam mit dem Berater an den Rest der Schulden: Die Gläubiger müssen angeschrieben werden, damit die Schulden erst mal gestoppt werden und nicht weiter wachsen. "Wir entlassen die Jugendlichen nicht aus der Selbstverantwortung, die Briefe müssen sie selbst schreiben, das ist ein wichtiger Lerneffekt", sagt Stieve. Es geht darum, Lösungen mit den Gläubigern zu suchen: Kleine Raten zurückzuzahlen oder einen Vergleich auszuhandeln. Außerdem wird mit den jungen Leuten ein Haushaltsplan erarbeitet, um sie an einen vernünftigen Umgang mit Geld heranzuführen.

Privatinsolvenz

Eine Privatinsolvenz ist zwar eine Möglichkeit, seine Schulden loszuwerden, doch bei jungen Leuten ist sie oft nicht das Mittel der Wahl. Das liegt daran, dass für ein erfolgreiches Verfahren ein langer Atem über viele Jahre notwendig ist.

Eine Privatinsolvenz ist ein gesetzliches Verfahren, das sich über sechs Jahre zieht – nach Ablauf dieses Zeitraums steht zwar die Restschuldbefreiung an, sofern man sich an alle Auflagen gehalten hat. Aber dies ist für junge Leute in der Startphase ihres Lebens eine sehr lange Zeit. Schuldenfrei heißt ja nicht, dass sich nach sechs Jahren die Schulden in Luft auflösen, sondern dass man unter anderem innerhalb der sechs Jahre arbeiten muss und vom Gehalt so viele Schulden wie möglich getilgt werden. So lange die Schulden also überschaubar sind, sollte man versuchen, sie ohne Privatinsolvenz wieder loszuwerden.

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Biallo-Tipp

Schulden in jungen Jahren sind ein echtes Hindernis, aus den Startlöchern zu kommen. Sie können einen ein ganzes Leben lang belasten. Nicht abbezahlte Schulden ziehen Schufa-Einträge nach sich. Mit einer negativen Schufa-Bilanz kann man kaum eine Wohnung anmieten. Möglicherweises erfährt auch der Arbeitgeber von den Schulden, etwa wenn ein Gehalt gepfändet wird – es ist ein Teufelskreis. Deshalb gilt: Gar nicht erst Schulden machen!

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Annette Jäger
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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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